Archive for Juni 2013

Ich hätte es nicht tun sollen. Im Urlaub geht man nicht ins Büro. NIEMALS.

Auch nicht zum Prahlen und Kollegen neidisch machen. Aber nein, ich kann‘s  nicht lassen und gehe Freitag Vormittag kurz noch ins Büro um etwas abzuholen. Ein Kollege ist am Telefon und gibt Anweisungen. Die Wortfetzen, die ich mitbekomme verheißen nichts Gutes.  Wörter wie „System-Fehler und Raid-Fehler“ lassen mich aufhorchen und versetzen mich zugleich in Alarmbereitschaft.

In einer kurzen Telefongesprächspause setzt mich der Kollege in Kenntnis. Das Serversystem eines Neukunden, den wir erst vor ein paar Tagen übernommen haben, steht. So wie es aussieht gibt es auch kein vernünftiges Backup.

-Ahhhha- PANIK kommt auf, -bitte nicht heute –

Der Kollege ist etwas genervt. „Was machst Du eigentlich hier? Wolltest Du nicht mit BMW zum Golfen an den Tegernsee?“

-Wieso zum Golfen?  Ich golfe doch nicht, ich glaube es hackt. Nein, BMW hat mich zu einem Laufcamp an den Tegernsee eingeladen-

„Wie passt das denn zusammen? BMW und laufen? Bauen die keine Autos mehr?

Das würde ja eher zu Ford passen. Wie geht noch gleich deren Slogan?

Ford fahren, heim laufen!“

-Du bist ein Quatschkopf. BMW baut auch keinen Segelyachten und engagiert sich trotzdem für den Segelsport, genauso fürs Golfen und Tennis. Und der Laufsport wird eben auch unterstützt, das ist zwar nicht ganz so elitär, wendet sich aber auch  an eine wesentlich größere Zielgruppe. Und bei dem Engagement von BMW für den Laufsport, hat nicht nur der Spitzensport sondern auch der Breitensport etwas davon. Ohne die großen Sponsoren wären bsp. die großen Volksläufe noch wesentlich teurer.-

„Ja, ja, dann, viel Spaß, ich muss  zum Kunden. Das Problem ist am Telefon nicht zu lösen.  Ich melde mich wenn es Schwierigkeiten gibt.“

Auf dem Weg zurück klingelt bereits das Handy. Unbekannte Nummer, hinterlässt aber keine Nachricht auf der Mailbox. Wird dann wohl nicht so dringend sein.

Es ist 13:00 Uhr, in einer Stunde kommt der Fahrer, der mich nach Garching ins BMW-Pressezentrum bringt. Höchste Zeit die Tasche zu packen.

Das Telefon läutet wieder, gleiche Nummer, keine Nachricht. Nein, ich gehe da nicht ran, ich will an den Tegernsee. Und wenn dieses Wochenende die Welt untergeht, ich werde die Welt erst wieder am Montag retten.

Meine sportlichen Ambitionen für 2013 musste ich arbeitsbedingt etwas zusammen streichen. Und plötzlich kommt da aus dem Nichts ein sportliches Highlight zum Zunge schnalzen um die Ecke. Die Einladung zum BMW Blogger Laufcamp zusammen mit Ingalena Heuck und Jan Fitschen den Laufbotschaftern von BMW.

Das Telefon klingelt zum dritten mal. Schon wieder die gleiche Nummer. Ausdauer hat der Anrufer ja. Wieder keine Nachricht.

-Hm, vielleicht sollte ich da mal zurück rufen. Könnte ja doch was dringendes sein-

Es ist der Fahrer von BMW, der fragen wollte, ob er mich  auch schon früher abholen kann, da sich ein Teilnehmer verspätet hat  den wir noch vom Bahnhof abholen müssen.  Mittlerweile ist es aber eh schon kurz vor 14:00 Uhr.

Mit Lauf,Hannes  im Gepäck, geht es direkt zum BMW Pressezentrum. Der Großteil der Blogger Kollegen ist schon Vorort. Aus ganz Deuschland sind sie angereist.  Eddy aus Bremen, Ruben aus dem Schwarzwald, Hendrik aus Frankfurt, und Heiko aus der Lausitz. In dem turnhallenartigen Raum, gehen die Kollegen fast unter. Sie sitzen gemeinsam um einen Bistrotisch herum. Daneben ist ein großes Büffet mit Erfrischungen und Snacks aufgebaut. -Wer soll das denn alles essen, kommt da noch wer?-

David Biebricher der Pressesprecher von BMW-Laufsport und seine Assistentin Nicla begrüßen uns sehr herzlich. Unkompliziert wird uns gleich das Du angeboten, schließlich sind wir ja unter Läufern, und da duzt man sich.  Eines wird schnell klar, dies wird keine gewöhnliche Presseveranstaltung werden.

Das Ganze hat so ein bisschen was von einer Klassenfahrt. Eddy witzelt sich schon mal  warm und bricht so das Eis, die anderen sind da noch etwas reservierter, aber das sollte sich bald ändern. Und wie es bei Klassenfahrten so üblich ist, steht als erstes ein Museumsbesuch auf dem Programm.

Während wir auf die Nachzügler Marek und Phil aus Berlin warten, werden die Autos verteilt.  So ein richtiger Autonarr scheint in unserer Gruppe nicht dabei zu sein. Man ist sehr zurückhaltend und stellt keine Ansprüche. „Für mich nur was kleines“, hört man oft. Die meisten wären auch mit dem Tretroller zum Tegernsee gefahren nur um mit Ingalena Heuck und Jan Fitschen laufen zu können. Nein, die meisten wären auch an den Tegernsee gelaufen nur um die beiden sehen zu  dürfen.

Da ich, als gelernter Maschinenbauer ein Herz für große Autos habe, opfere ich mich selbstlos und kümmere mich um das größte Modell unserer Flotte, einen BMW 520d mit Efficient Dynamics.

Bei der Fahrzeugeinweisung klingelt wieder mein Handy. –Oh Gott, die Arbeit- Da ich kein Headset dabei habe, buche ich mein Smartphone gleichmal über Bluetooth an der Freisprecheinrichtung ein. Nicht dass ich wieder Punkte fürs Telefonieren  sammle, während wir von Garching nach München  zu unserem ersten Programmpunkt in die BMW-Welt fahren.

Die Statusmeldung vom Büro gibt  keine Entwarnung. Der Fehler beim Kunden ist noch nicht behoben, ist doch etwas größeres, aber man arbeitet dran.

Jetzt habe ich doch ein schlechtes Gewissen. Während wir Laufblogger eine Führung durch das BMW-Museum und die BMW-Welt bekommen, in einem gediegenen Konferenzraum begrüßt werden, und im Restaurant der BMW Welt zu Abend essen, werkelt der Kollege noch beim Kunden.

Da ich das größte Auto gewählt habe, und noch Platz habe,  nehme ich nach dem Essen Heiko, den ich beim Abendessen etwas näher kennen lernen durfte,  mit an den Tegernsee. Dort angekommen bleibt mir erst mal die Luft weg, ob der JuHe, in die uns BMW fürs Wochenende einquartiert hat. Wir Laufblogger fallen da doch etwas aus dem Rahmen. Wir senken, sowohl den Altersdurchschnitt wie auch den Einkommensdurchschnitt ganz erheblich.

Nach einem erneuten Telefonat mit dem Kollegen, treffe ich mich noch mit den Running-Twins Henrik und Marek an der Hotel-Bar. Der Rest der Mannschaft hat sich bereits zurück gezogen. Eins ist klar, an dem Wochenende wird es keine Exzesse  geben, jedenfalls nicht an der Bar.

Samstags vor dem Frühstück überlege ich kurz zum Schwimmen in den See zu hüpfen, aber der ist mir mit knapp 15 °C dann doch etwas zu kalt. Im Grunde wäre das aber auch Selbstmord gewesen, vor einer Trainingseinheit mit Jan und Ingalena schon das ganze Pulver abzufackeln.

Jan & Eddy

Zum Frühstück stößt dann Jan Fitschen  zu uns, er hat vor dem Frühstück schon den Hotelpool durchpflügt. Ingalena kam schon Freitagabend zu uns in die BMW-Welt und hat den Abend gemeinsam mit uns verbracht. Eigentlich hätte sie einen Pressetermin in Hannover gehabt, der fiel aber aus, so ist Sie einfach schon früher zu uns gestoßen. Ich glaube Sie war genauso neugierig auf uns Laufblogger, wie wir auf diese Veranstaltung und das Treffen mit Jan und Ingalena.

Das Frühstücksbüffet ist opulent und verführerisch. Aber vor der Laufsession am Vormittag muss ich mich bremsen. Mit vollem Bauch trainiert es sich nicht gern.

Nach kurzem einlaufen, geht es auf eine Wiese zum Lauf-ABC. Ingalena nimmt das Heft in die Hand uns scheucht uns mit großem Gelächter über die Wiese. Beim „Prell-Hopser“ stößt meine Koordinationsfähigkeit an Ihre Grenzen. Wie ein Fisch auf dem Trockenen wackle ich unkoordiniert über den Weg. Das war alles, nur kein „Prell-Hopser“ was ich da zu Wege gebracht habe.

Standgas vs Vollgas

Anschließend geht es wieder zum Laufen. Aufgrund der großen Leistungsunterschiede bei den Teilnehmern, werden zwei Gruppen gemacht. Die schnellen Hasen laufen mit Jan, die es etwas ruhiger angehen lassen wollen  laufen mit Ingalena. Ich entscheide mich für die langsamere aber wesentlich charmantere Gruppe.  Am malerischen Weißbach geht es entlang bis zu einem Wendepunkt an dem wir die Füße im eiskalten Wasser kühlen. Nach 15km treffen wir uns alle wieder vor dem Hotel für ein kurzes Foto-Shooting, zusammen mit dem Star des Nachmittags:

Dem BMW ActiveE, das elektrisch betriebene und somit emissionsfreie Fahrzeug, das bei den großen Marathons auch als Zeit- und Führungsfahrzeug eingesetzt wird. Der Großvater des ActiveE ist übrigens ein  BMW 1602 Electro E7 der bereits bei den Olympischen Spielen 1972 in München als Zeitfahrzeug eingesetzt wurde. Die Reichweite des 1602 betrug damals gut 50 km. Den Elektro-Opa kann man übrigens im BMW Museum gleich am Eingang bestaunen.

der AktiveE

Der Großvater aller BMW Stromer

 

Nach dem Mittagessen konnte jeder Teilnehmer sein eigenes Urteil vom BMW ActiveE bilden.

Ich belächelte ja bisher die Bemühungen der Autokonzerne im Bereich Elektrofahrzeuge, erinnern die Fahrzeuge doch eher an Kabinenroller aus den 50er Jahren. Nicht so der ActiveE. Der ActiveE ist ein sogenanntes Conversion Car, ein E-Fahrzeug, das auf den Rohbau  eines Fahrzeugs mit Verbrennungsmotor beruht. Daher sieht der ActiveE von außen wie ein gewöhnlicher BMW 1er Coupe aus. Einzig die aufgewölbte Motorhaube gibt dem Fahrzeug ein etwas „bulligeres“ Antlitz. Darunter verbirgt sich einer der drei Batterieblöcke. Der Motor ist im Kofferraum, der dadurch jedoch recht klein ausfällt. Im inneren gibt es aber keine Platzeinschränkungen.

wo ist eigentlich der Motor?

Der 170 PS starke Elektromotor mit 250 Nm beschleunigt den Wagen in weniger als  9 Sekunden auf 100km/h. Bei 145km/h ist Schluss mit dem Geschwindigkeitsrausch, hier wird elektronisch abgeregelt.  Mit seinen gut 1800kg kommt der ActiveE auf eine Reichweite von gut 160km. Nicht auszudenken welche Reichweiten mit optimierten Karosserien möglich werden. Man kann gespannt sein auf den neuen i3 , den BMW  ab November 2013 auf den Markt bringen wird.

Vom Fahrverhalten hat mich der ActiveE überzeugt, das hat nix von „Gabelstapler-Feeling“.  Als langjähriger BMW-Fahrer konnte ich keine signifikanten Unterschiede zu den Geschwistern mit Verbrennungsmotoren feststellen. Das war einfach  „Freude am Fahren“ wie man es gewohnt ist. Einziger Unterschied: Man hört den Motor nicht, das ist gerade beim Starten etwas ungewohnt, und birgt im langsamen Verkehr, bzw. in Verkehrsberuhigten Zonen sicherlich auch seine Gefahren, denn außer dem Abrollgeräusch der Reifen hört man nichts.

Zirkusakrobat Jan

So, jetzt aber wieder zurück ins Sportstudio. Nach der erquicklichen Ausfahrt stand noch eine Trainingseinheit mit den beiden Laufbotschaftern auf dem Plan. Nach erneutem einlaufen, ging es auf eine ungestörte Liegewiese des Hotels, wo uns Jan eine Reihe „dynamischer Stabilitätsübungen“ vorstellte. Dynamisch heißt, dass bekannte Stabi-Übungen mit Pezzibällen und Medizinbällen kombiniert werden, und somit alles eine höchst wackelige Angelegenheit wird. Wie ein Zirkusäffchen balancierte Jan auf den großen Bällen und  zeigte uns wie man es richtig macht. Einige der Übungen, wurden dann auch in einen Stabi-Zirkel eingebaut, den Leni äußerst elegant vorturnte.

Wir Teilnehmer (also ich) haben da ein weitaus schlechteres Bild abgegeben. Gerade bei Übungen, die harmlos aussehen hat man noch Tage später was davon.

-arrrrrghhh-

Zum Glück beendete ein Überraschungsgast das sportliche Treiben nach der zweiten Zirkelrunde. Martin Grüning von der Runner‘s World, der einzige Laufjournalist Deutschlands, besuchte uns, um mit uns gemeinsam zu kochen. Wobei, gekocht hat Jan und Leni, während Martin zur Erheiterung aller,  das Treiben von Jan und Leni kommentierte und einige Läufer-Anekdoten zum Besten gab.

Wir Blogger haben niedere Tätigkeiten ausgeführt, wie Kohl, Spargel, Bohnen, Rhabarber und Erdbeeren zu schneiden, oder haben uns, wie sonst zuhause auch, recht unauffällig verhalten, wenn es um die Zuteilungen von Küchenaufgaben ging.

Ausgabe der Wunderwaffe „Ugali“

Dieses Exemplar kommt nicht aus dem Tegernsee

Für größte Unterhaltung sorgte Jan, der die kenianischen Wunderwaffe Ugali Sukumaviki zubereitete.  Ein Gericht, das jetzt nicht durch Geschmack überzeugte, jedoch einen hohen Unterhaltungswert hatte, musste er doch einige Frotzeleien über seine Alchemistenküche ertragen. Leni rette den kulinarischen Abend und referierte unermüdlich über die Notwendigkeit von gesunder Ernährung, ohne dabei schulmeisternd zu wirken, oder gar zu nerven. Nach Spargelcreme Suppe, Wildlachsfilet auf frischen Bohnen und Quark Nachspeise musste niemand hungrig zu Bett gehen.

Für Sonntag stand keine offizielle Laufeinheit mehr auf dem Programm, aber die ganz fleißigen haben sich vor dem Frühstück schon um kurz nach 6 Uhr getroffen, um den gesamten Tegernsee zu umrunden, das sind immerhin 21km. Auch Ingalena zählte zu den Frühaufstehern.  Sie hat sich zwar unlängst aus dem Profisport zurück gezogen, aber Sie lebt und liebt das Laufen wie kaum ein Anderer. Wenn sie vom Laufen erzählt, dann funkeln Ihre Augen. Nachmittags begleitet Sie dann auch noch Hendrik auf den Fockenstein , obwohl da das BMW Blogger Laufcamp schon längst beendet war.

Nicht tief aber lang

Ich habe mich in der Früh hingegen für eine Stunde schwimmen im Hotelpool entschieden. Mit einer Länge von 28 Metern kann sich der Pool mit so manchem Hallenbad messen. Als ich um kurz nach sieben in den SPA Bereich des Hotels komme, lässt  Jan bereits das Wasser kochen.

Auch im Schwimmen hatte ich gegen Jan keine Chance, ist halt doch ein Spitzensportler. Und ich bin jetzt nicht der aller langsamste Schwimmer, hatte ich am Sonntag meine 3000 Meter doch in gut 55 Minuten absolviert. Vielleicht lag es ja an der kenianischen Wunderwaffe Ugali Sukumavik die mich beflügelte, aber  Jan hat mir während der Zeit trotzdem so einige Bahnen abgenommen. Vielleich  hätte ich mir die Reste des  kenianisch-bayerischen Kohl Mais Pampfs eintuppern lassen sollen.

Schön ausgepowert ging es dann zum Frühstück, das man diesmal auch so richtig genießen konnte, schließlich hatte ich den Sport ja für heute bereits abgehakt.

Eine SMS holt mich in  das hier und jetzt zurück. „Bitte Rufe mal zurück, du bist ja überhaupt nicht mehr zu erreichen“

–Oh Gott, Oh Gott, den Kollegen habe ich ja total vergessen-

Mit schlechtem Gewissen rufe ich den Kollegen zurück. Doch es ist alles im grünen Bereich, der Kollege wollte nur Vollzug melden. Alles wieder in Ordnung, System läuft und alle Daten konnten gerettet werden.

-Puh! Gut, wenn man ein gutes Team hat-

Völlig entspannt kann ich so  die Rückfahrt nach Garching ins Pressezentrum antreten.  Es standen zwei Optionen zur Wahl, entweder direkt zurück zum Pressezentrum, für die, die früh am Flughafen bzw. Bahnhof sein müssen, und eine längere und schönere Route über den Silvensteinspeicher und Bad Tölz zurück nach Garching.

Bei schönstem Ausflugwetter wählte ich die lange Tour über den Silvensteinspeicher.  Kurz vor München kam ich noch in einen Stau, so konnte ich in aller Ruhe alle Knöpfchen im Auto ausprobieren, und der BMW 520d hat viele Knöpfe und Schalter, BMW nennt das ganze dann iDrive.

Ja, der Ausflug an den Tegernsee, hatte wirklich  etwas von einer Klassenfahrt, da waren die Lümmel aus der letzten Bank, das stille, aber tiefe Wasser, der Streber, der Geek, der Klassenclown, der Schöngeist, der Senior und die coolen Lehrer und Betreuer, die jeden Quatsch  mitmachen und immer ein offenes Ohr für Ihre Schützlinge haben und  Ihr Wochenende  für uns Amateure mit vollem Elan geopfert haben. Vielen DANK dafür!

Abschlussklasse BMW Blogger Laufcamp 2013

So geht es höchst motiviert in den Rest der Saison, mal sehen welche Bestzeiten da  im Herbst noch geknackt werden können. An der Motivation wird es nach diesem Wochenende nicht liegen. Hat eigentlich noch jemand einen Startplatz für Berlin übrig? Ich hätte da noch eine Rechnung offen…

Irgend etwas ist im Busch! Spätestens nach dem Beitrag von Eddy „Leistung vs Leidenschaft“ brodelt die Gerüchteküche im sozialen Netz.

Was ist da los, am 15. Juni?

Weshalb trifft ausgerechnet Eddy, ein etwas übergewichtiger, aber ambitionierter Freizeitläufer, Jan Fitschen, Europameister von 2006?

In den Folgetagen sind weitere Artikel aufgetaucht, die von einem Laufsport Blogger-Camp sprechen. Um genauer zu sein,  dem BMW Laufsport Blogger-Camp in München bzw. am Tegernsee.

Etwas im Internet recherchiert hat ergeben, dass BMW bereits im letzten Jahr am Tegernsee ein exklusives Laufseminar für 8 Teilnehmer veranstaltet hat, das über ein Fitness Journal  verlost wurde.

Dieses Jahr hat die BMW Laufsport Abteilung acht Blogger aus Deutschland an den Tegernsee bzw. in die Firmenzentrale nach München geladen.

BMW engagiert sich seit vielen Jahren für den Laufsport und richtet seit 2005 gemeinsam mit Sport Scheck die größte nationale Stadlaufserie aus und unterstützt weitere Großveranstaltungen wie den Berlin und Frankfurt Marathon. Allein 2013 ist BMW bei 8 Marathons und 19 Stadtläufen präsent.

BMW begnügt sich nicht nur mit dem Sponsoring, sondern befasst sich ernsthaft mit dem Thema Laufen und Ausdauersport und hat Ingalena Heuck und Jan Fitschen als Laufbotschafter engagiert. Auch bei der Auswahl der Blogs hat die Laufsportabteilung ein geschicktes Händchen bewiesen und gezeigt, dass Sie sich in der Laufblogszene auskennen.

Zum BMW Laufsport Blogger-Camp wurden einige der besten deutschsprachigen Laufblogs ausgewählt und eingeladen.

Die Blogs sind so unterschiedlich wie die Leistungsbereiche bzw. die Gewichtsklassen der einzelnen Autoren, und doch schreiben sie alle über das Gleiche: Ihre große Leidenschaft, das Laufen.  Dies aber jeder in seinem eigenen unverkennbaren Stil.

Da wären:

OK, OK,  ich bin auch dabei! Ich will auch gar nicht wissen welche Kandidaten da vor mir abgesagt haben. Aber HEY, wer sagt denn da ab?  Da müsste ja schon Muttertag (Achtung Insider!) oder irgendein hohes Familienfest anstehen, damit ich mir diese einmalige Chance entgehen lasse. Ein Treffen mit Ingalena Heuck, Jan Fitschen und dem Who is Who der Laufblogszene.

Das wird ein Spaß.  -I gfrei mi narrisch- *

Oh Gott, Oh Gott,  bei der Prominenz weiß ich noch gar nicht welche Gardarobe ich einpacken soll. Und die Abendgardarobe bereitet mir da weniger Kopfzerbrechen, eher die Schuhwahl genauer  die Laufschuhwahl. Welche meiner acht Paar Laufschuhe dürfen mit an den Tegernsee…?

Ich glaube ich kaufe jetzt erstmal eine größere Tasche.

* ich freue mich sehr

„Hunger? Du weißt doch gar nicht was Hunger bedeutet“, das entgegnete gewöhnlich mein Großvater,  wenn bei mir als kleiner Steppke  der kleine Hunger vorbei schaute. Ich durfte mir dann  einen Vortrag über wirkliche Entbehrungen, Krieg und Flucht anhören. Ja, ich muss zugeben ich habe bisher nie richtig Hunger leiden müssen und darüber bin ich sehr dankbar. Mein Opa wäre auch nie auf die Idee gekommen, eine Woche auf feste Nahrung zu verzichten.

Früher hieß das „schlechte Zeit“, heute ist das Wellness.

Dem selbstbestimmten Hungern werden fantastische Wirkungen nachgesagt, es dient der Gewichtsreduktion,  soll entgiftend und entschlackend wirken und auch die Seele kommt nicht zu kurz.  Es sei eine spirituelle Erfahrung,  man finde zu sich selbst und es komme nicht selten zu euphorischen Zuständen, all so Zeugs. Also das mit dem Abnehmen und Entgiften/Entschlacken hat mich jetzt nicht wirklich gereizt, aber gegen so ein paar euphorische Zustände hätte ich nichts einzuwenden.

Tipp: Das Fasten freitags vor dem Wochenende beginnen, so hat man das schlimmste bis Montags überwunden und kann während des Fastens normal arbeiten.

Ich beginne meinen  Entlastungstag (das ist der erste Tag, an dem der Körper langsam drauf vorbereitet wird was da noch kommt, oder besser gesagt , was eben nicht mehr kommt)  mit einem Humpen Glaubersalz zum Abführen.

Ein Kaffee wäre mir jetzt lieber. Ich bin leicht verkatert, da ich am Vorabend noch die Hausbar geplündert habe. Reine Vorsichtsmaßnahme, klar, nicht dass ich während der Fastenwoche in Versuchung gerate.

Fasten ohne Abführen geht nicht. Solange der Darm etwas zum verarbeiten hat, fordert er Nachschub, das bedeutet Hunger. Also muss alles raus. Glaubersalz schmeckt  dermaßen scheußlich dass der Würgereflex  auf Hochtouren arbeitet. Die Alternative zu Glaubersalz ist „der Irrigator“. Ist die Frage was schlimmer ist.

Tipp: Ein Einlauf hört sich furchtbar an, ist aber weniger Schlimm als angenommen. Vorausgesetzt das Wasser ist warm. Diese Prozedur muss alle 3 Tage wiederholt werden.

Zum Frühstück gibt’s ungesüßten Kräutertee und 60 Gramm Wildreis. Für Mittag und Abendessen stehen nochmals 60 Gramm Reis auf dem Speiseplan. Reis ohne alles hat ungefähr so viele Nährstoffe wie ein Blatt Papier, so macht sich  schnell  wieder Hunger breit.  Wenn der Hunger zu  stark wird,  greife ich zur Flasche,  zur Wasserflasche, das lindert den Hunger. Man soll ja während des Fastens  viel trinken, mindestens 3 Liter. Bis abends habe ich locker 5 Liter Wasser weg gegluckert.

Meinen ersten Tag  bringe ich so lala über die Bühne. Ich  komme den ganzen Tag  nicht so richtig auf Touren und bin unkonzentriert, ob das am permanenten Hungergefühl , oder  am vorabendlichen Alkoholabusus  liegt  kann ich nicht sagen.

Tipp: Hausbar besser abschließen, nicht austrinken

Samstags, am Tag 2, muss ich arbeiten, laut Fachliteratur soll man sich jedoch schonen. Mir hilft die Arbeit jedoch mich vom Essen abzulenken. Heute gibt es überhaupt nichts mehr zu Essen. Ich stelle fest,  zu den gewohnten Essenszeiten, wenn ich üblicherweise etwas essen würde, ist es besonders schlimm. Der Mensch ist eben ein Gewohnheitstier.

Es gibt unzählige Fastenkuren und eben soviel Literatur darüber. Meine Frau hat aus der Bibliothek zwei Bücher ausgeliehen. Erstaunlich was man übers Fasten alles schreiben kann, geht es doch nur darum nix zu essen.   Von allen Fasten-Varianten hat meine Frau die Hardcore Version extrahiert. Bei uns gibt es nix, nur ungesüßten Kräutertee und Wasser, viel Wasser, und  abends  als Highlight ein Glas Gemüsesaft. Das war‘s.

Der Abend ist ein gefürchteter Fastenbrecher, daher organisiert die Gattin für den Abend einen Kinobesuch. Den Film „Life of Pi: Schiffbruch mit Tiger“ kann man mit knurrendem Magen auch viel besser nachempfinden.

Tag 3: Ein Glück, es ist Sonntag, ich bin furchtbar müde, ich verbringe die meiste Zeit des Tages im Bett und schlafe oder lese. Damit ich nicht ganz untätig bin, gehe ich Nachmittags mit der Gattin eine runde Laufen.  Sport und Fasten schließen sich nicht aus, es wird sogar empfohlen um den Stoffwechsel anzuregen. Man soll es halt ruhig angehen, z.B. mit Walken. Ich bin jetzt kein Walkingfreund, daher legen wir einfach beim Laufen eine kurze Gehpause ein. Den Rest des Tages verbringe ich weiter im Bett.  So überstehe ich den kritischen dritten Tag.

Tipp: Wer schläft isst nicht.

Tag 4: Nach über 12 Stunden Schlaf starte ich fit in die Arbeitswoche. Dem Fasten wird ja auch nachgesagt, dass man während dieser Zeit ungeheuer produktiv sei. Ich kann das bestätigen, während die Kollegen eine Zigarettenpause,  Frühstückspause , Mittagspause oder sonstige Pausen machen und was futtern, kann man schön was wegarbeiten. So bekommt man während eines Arbeitstages unheimlich viel unter. In der Freizeit kann man sich dann auf so tolle Dinge wie Nebenkostenabrechnungen oder Steuererklärungen stürzen, Hauptsache man muss nicht unter Menschen, unter essende Menschen.

Tag 5: Die Produktivität hält an, aber euphorischen Zuständen habe sich bisher nicht eingestellt. Hunger habe ich keinen, aber Gelüste, also Essensgelüste, keine horizontalen Gelüste. Die Libido befindet sich während des Fastens im Tiefschlaf. Wer möchte sich schon reproduzieren, wenn es nix zu beißen gibt.

Tipp: Die Produktivität beschränkt sich auf geistigem Niveau. Höchstleistungen in anderen Bereichen sind nicht zu erwarten, eher das Gegenteil.

Tag 6: Mittwoch ist Lauftag, auch während des Fastens will ich da keine Ausnahme machen. Ich merke aber schnell, der Akku ist leer, die Leistungsfähigkeit lässt nach 6 Tagen ohne feste Nahrung einfach nach. Bei arktischen Temperaturen bekomme ich gerade mal 8 Kilometer auf den Tacho, acht harte Kilometer. Es fühlt sich an wie die letzten 8 Kilometer beim Marathon.  Wer meine Langstreckentauglichkeit kennt, weiß, Spaß ist das keiner.

Tipp:  Wer noch nie dem Hammermann begegnet ist, trifft den Gesellen nach sechs Tagen Fasten ganz sicher, und das schon auf dem ersten Kilometer.

Tag 7: Noch immer haben sich keine euphorischen Zustände eingestellt, das enttäuscht mich ein wenig. Die Gelüste nach „Geschmack“ werden jedoch immer stärker. Nach 7 Tagen mit Wasser und fadem Kräutertee möchte man endlich wieder etwas schmecken. Man freut sich  auf den abendlichen Gemüsesaft. Gerade der Sauerkrautsaft hat es mir angetan. Vor dem Fasten hätte ich mir nicht träumen lassen, jemals überhaupt Sauerkrautsaft zu trinken. Jetzt freue ich mich darauf wie ein kleines Kind. Mit kleinen Schlückchen wird der Saft langsam  getrunken um möglichst lange etwas von dem Geschmackserlebnis zu haben.

Tipp: ein Glas Sauerkrautsaft am Abend genügt, eine höhere Dosierung führt unweigerlich zu  heftigem Magenrumpeln.

Tag 8, erster Aufbautag: Gebratene Hähnchen fliegen durch die Luft, ich schlendere durch einen Wald aus Dauerwürsten, auf einer Bank aus Knäckebrot lasse ich mich nieder und beiße herzhaft in ein Leberwurstbrot, das ich eben am Wegrand gepflückt habe… „Da ist ja überhaupt kein Senf drauf“,  denke ich und wache auf.  Puh, ein Traum, war das jetzt ein Albtraum?

Jetzt habe ich Hunger, bzw. Appetit auf Leberwurstbrot. Zum Frühstück gibt’s aber nur ein kleines Schüsselchen Haferschleim. Das ist schon mal ein Anfang. Abends gibt’s dann sogar ein Apfel zum Gemüsesaft. –lecker-

Tag 9, zweiter Aufbautag: Ich hatte schon wieder diesen Traum. Ich gehe jetzt gleich mal einkaufen, für das Leben danach. Abends gibt’s zwar kein Leberwurstbrot, dafür aber eine klare Gemüsebrühe (ohne Salz). Man freut sich schon über kleine Dinge.

Tipp: EC und Kreditkarte beim Einkaufen zuhause lassen und nur eine geringe Geldmenge in bar mitführen. Spontankäufe im aneroben Zustand können sehr teuer werden.

Tag 10, letzter Tag: Heute steht wieder Sport auf dem Plan, es soll mit der Tochter zum Skifahren gehen ( ich fastete ja bereits im Januar). Das Frühstück fällt mit einem geriebenen Apfel und Haferschleim schon fast üppig aus. Beim Mittagessen auf der Hütte, sündige ich das erste mal während der 10 Tage. Ich esse den Rest der Käsespatzen, die meine Tochter nicht mehr geschafft hat. Fettige Käsespatzen sind zum Fastenbrechen nicht so dolle geeignet, dementsprechend schwer liegt die Portion im leeren Magen, ich hoffe ich löse keine Lawine aus.

Am Abend gibt’s dann zum Abschluss unserer Fastenwoche  eine Suppe mit Einlage. Ab morgen darf ich dann wieder normal essen.

Während des sonntäglichen Tatorts nicke ich ein und schrecke hoch, als der Verdächtige den Kommissar mit einem Leberwurstbrot bedroht.

Jetzt reicht’s, das muss ein Zeichen sein! Drei Träume die sich um Leberwurst drehen, sind ein klares Signal meines Körpers. Ich darf meinem ausgehungerten Körper diese Delikatesse nicht mehr länger vorenthalten.

-Ich brauche Leberwurst, jetzt sofort-

Ich schmiere mir ein frisches Graubrot mit dick Butter und einer ordentlichen Schicht Trüffel-Leberwurst. Darauf feine Essig Gürkchen und das ganze garniert mit ein paar Spritzern extra scharfem Löwensenf.

-eine Offenbarung-

Jetzt gibt es kein Halten mehr, ich esse bis die Wurst alle ist. Ich könnte gerade weiter machen, gut, dass ich kein Bier im Hause habe. Aber für heute habe ich genug  gesündigt. Nach 10 Tagen gehe ich mal wieder satt ins Bett.

Tipp: Wer fastet um Gewicht zu verlieren, sollte es nach dem Fasten gemächlich angehen lassen. Der Stoffwechsel befindet sich noch im „Hungermodus“. Die zugeführten Kalorien können nach dem Fasten noch gar nicht verarbeitet werden und landen flux wieder an den Problemzonen.

Und? Würde ich nochmals fasten? Euphorische Zustände haben sich nicht eingestellt, nur seltsame Leberwurst-Träume. Dennoch war das Fasten eine interessante Erfahrung. Es ist erstaunlich wozu der  Körper in der Lage ist, bzw. wie er sich auf äußere Bedingungen einstellt und sich anpasst. Für mich war das Fasten eine große mentale Herausforderung, den vielen Verlockungen, die überall dort draußen lauern, zu widerstehen. Es gehört schon eine gewisse Willensstärke dazu, 10 Tage auf alles zu verzichten, und nicht aufzugeben auch wenn es hart wird. Dieser Wille hilft mir vielleicht bei meinem nächsten Marathon, wenn es mal wieder etwas härter wird.