Es ist jetzt kein Geheimnis, Männern und Frauen sind unterschiedlich.

Männer wie Frauen treiben Sport, aber die Motivation für Sport ist grundverschieden. Die meisten Männer (alle?) sind Bestzeitgetrieben, gerne misst man sich mit anderen oder zumindest mit der eigenen Leistung. Unglaublicher Aufwand wird da betrieben um an der Bestzeit zu feilen. Hochwissenschaftlich werden Trainingsergebnisse im Computer visualisiert und ausgewertet. An der Ausrüstung wird natürlich auch nicht gespart, so betreiben wir unseren Sport ausschließlich mit in Laboren entwickelten HighTec Materialien. Schließlich ist man ja auch nicht im Baumwoll T-Shirt zum Mond geflogen…

Frauen sind da anders. Beim Sport steht bei Ihnen hauptsächlich das positive Körpergefühl im Vordergrund und Sportartikel werden eher nach modischen Aspekten ausgewählt als  aufgrund der Funktion bzw. Leistungssteigerung. Und technisches Spielzeug (Pulsuhr) wird als unnützer Krempel angesehen. Mit einem Brilli zu Weihnachten hätte ich vielleicht mehr Punkte sammeln können. Wobei ich habe gehört,  es soll auch Ausnahmen geben.

Soweit so gut.

Wenn nun eine Frau einen Mann bittet mit Ihr regelmäßig zu laufen, dann ist ja klar worauf das rausläuft.

Wir Männer vermögen erstaunliche Dinge; wir können prima Rülpsen, im stehen pinkeln und rückwärts einparken (=> vgl. Krönung der Schöpfung). Was wir aber nicht können, ist zuhören und uns in  andere (Frauen)  versetzen. Somit stand unser gemeinsames Lauftraining, um das mich meine Frau im Sommer bat, selbstverständlich unter dem  Motto „Höher, weiter, schneller“

Ohne groß zu murren fügte sich die Gattin meinem  ausgeklügelten Trainingsplan.  Gehpausen wurden nach den ersten paar Einheiten gestrichen, dafür wurden  die Einheiten  Stück für Stück verlängert und die Pace langsam erhöht. Von Intervallen und Bergläufen habe ich aber erst mal Abstand genommen, ich will ja unseren Rookie nicht gleich total vergraulen.

Als abzusehen war, dass wir die 10 km irgendwie bewältigen,  schlug ich mal vorsichtig die Teilnahme an einem Volkslauf vor,  wofür trainieren wir auch sonst, fragte ich.

Gut, Begeisterung sieht  bei meiner Frau anders aus, aber, da der Gatte in den letzten 5 Jahren bei über 50 Volksläufen teilgenommen hat, und fast immer glücklich heim kehrte, wollte Sie das  dann doch auch selbst mal ausprobieren, vielleicht ist ja was dran, am Virus Volkslauf.

„OK, Deal“ sprach die Frau. „Wenn ich mit dir einen Volkslauf laufe, dann fastest Du mit mir im Januar“

-wie fasten?-

„Na, eine Woche nix essen, nur Tees trinken und so. Das entschlackt, reduziert das Übergewicht und regt die Selbstheilungskräfte an..“

-Ah, mh.. OK, dafür musst Du die 10 km mindestens unter einer Stunde laufen-

„OK, DEAL“

So ließ  sich die angetraute für den MRRC Silvesterlauf anmelden, und zwar gleich für den 10km Hauptlauf.  Fortan schnürte die Gemahlin zweimal pro Woche die Laufschuhe. Einmal mit mir, und einmal alleine. (Ein kleiner Funke Ehrgeiz scheint dann auch in meiner Frau zu glühen)

So näherte sich das Ende des Jahres und die Nervosität stieg, also meine Nervosität. Eine SUB60 ist in den letzen Wochen durchaus in den Bereich des Möglichen getreten. Beim letzten gemeinsamen Lauf durch den  Olympiapark, hatte ich größte Mühe meiner Frau überhaupt zu folgen, da war die 6:00 schon in griffweite, einzig meine rasselnde Lunge, die ich mir von meinem weihnachtlichen Infekt konserviert hatte,  verhinderte, dass wir nicht schon zur Generalprobe die Schallmauer durchbrachen. Was ist da erst bei der Silvesterpremiere möglich?

-Oh Gott, will ich das wirklich? Das würde ja bedeuten, dass ich im Januar auf Wasser ohne Brot  gesetzt werde!!!-

Mein Ehrgeiz siegte dann doch, so mixte ich am Silvester Morgen meiner Frau mein –timekiller-Spezial-Getränk, das aber schnöde abgelehnt wurde. Auch mein Wettkampf-Frühstück, (zwei Honig Toastbrote) wurde verschmäht. OK, meine Frau isst generell zum Frühstück nix.

Gemeinsam begaben wir uns dann in den Olympiapark, die angetraute nahm das Rad, ich lief traditionell zur Wettkampfstätte.

Zum MRRC Silvesterlauf hatte sich das Who is Who der Münchner Läuferszene angekündigt, die ich vor dem Lauf noch gerne getroffen hätte, aber außer Frank, der sein Dienst an der  Startnummernausgabe leistete traf ich vor dem Lauf niemanden. Bei 2500 Starten kann man  schon mal aneinander vorbeilaufen.

Trotz Gemaule („ich muss doch noch 10km laufen“) lief ich mich mit der Holden ein paar Minuten warm und wir sortierten uns dann im hinteren Startfeld ein und warteten auf den Start.

Läufer mit BabyJoggern positionierten sich um uns herum.

-Hey, wir bekommen eine Eskorte!-

Der Startschuß fällt und wenig später setzten auch wir uns in Gang. Meine Taktik,  mit einer 5:45 starten, um sich dann so langsam zwischen 5:50 und 5:55 einzupegeln. Mal  schauen, wann die Gattin ins japsen kommt.

Hier der Lauf im Telegramm:

Km1: Pace 5:43 – Perfekt, wir sind im Plan

Km2: Pace 5:33 – Auweia, viel zu schnell

Km3: Pace 5:42 -  Argh, immer noch zu schnell, und dann gibt’s hier auch noch Höhenmeter

Km4: Pace 5:49 – So, dieses Tempo sollten wir halten

Km5: Pace 5:40 – Ok, wenn Sie unbedingt will, dann ziehen wir das jetzt durch

Km6: Pace 5:40 – Uiui, wenn das mal gut geht

Km7: Pace 5:41 – Unglaublich

Km8: Pace 5:51 – ja ja,  langsam wird‘s hart, auf mich hört ja keiner

Km9: Pace 6:02 – Einbruch? Keineswegs, hier hats Höhenmeter satt!

Km10: Pace 5:29 – Und jetzt auch noch ein Zielspurt…

Ziel:  57:29 min – Pace 5:43 – ich bin geplättet.

Unglaublich, meine Frau ist wie ein Volkswagen, läuft und läuft und läuft… Hach bin ich stolz auf meinen Käfer, auch wenn ich für diesen Triumpf bitter bezahlen muss…

 

So, genug der lobenden Worte, meine Frau liest das hier ja eh nicht :-)

Wir geben ab  zur Läufer-Jahres-Abschluss-Party.

Wir treffen Bärbel @Ultraläuferin,  Ludwig @mtb_emseralda, Thomas @natttTri, Stefan @DaSirQuickly, Carsten @twitt3rless und Alois @dabinser am Zitronenteestand.

Die wahre Siegerin ist übrigens nicht im Bild

Ludwig hat schon eine Flasche Schaumwein entkorkt…  Sekt, egal wie alt er ist, sollte man NIEMALS mit Zitronentee mixen, vielleicht wars aber auch deshalb so lustig ?!

Mit 3 Tassen Schaumwein im Kopf begebe ich mich dann noch zum Auslaufen, diesmal etwas länger als normal,vielleicht kann ich ja  doch noch die restlichen Kilometer für  mein  2000 km Jahresziel sammeln.

-So sind Männer halt-

Wer weiß, ob ich im Januar bei Wasser und Tee überhaupt noch zum Laufen komme.

Für Freitag, 11.1. ist der Entlastungstag angesetzt.

-OhjeOhje-

Ich hole mir jetzt noch mal eben  was zu essen, wird für lange Zeit das letzte gewesen sein.

Das Laufjahr 2012 neigt sich dem Ende zu, mein Jahresziel von 2000 Laufkilometern werde ich auch dieses Jahr nur knapp verfehlen, da ich mir in den letzten Tagen vor lauter Unvernunft  noch einen Infekt eingefangen habe, und nun an laufen nicht zu denken ist.

Da schmerzt es schon sehr, dass man am letzten sonnigen Sonntag im Jahr nicht zum Laufen kann. So nutze ich die freie Zeit und melde mich für  ein paar Wettbewerbe in 2013 an. Noch vor dem offiziellen Anmeldestart kann ich mir direkt bei trackmyrace.com einen Startplatz für den 29. Münchner Stadttriathlon sichern, und da ich schon mal bei Trackmyrace eingeloggt bin,  melde ich mich auch gleich noch für den 2. Chiemsee Triathlon Ende Juni an.

Nun bleibt mal  Zeit Danke zu sagen, vielen Dank fürs Lesen,  fürs Kommentieren und vor allem vielen Dank an alle die bei der Wahl des beliebtesten Laufblogs 2013 von Joggen-Online mitgemacht haben, und mich auf einen sehr respektablen 4. Platz gewählt haben. Das macht mich schon ein bisschen stolz.

-DANKE-

Ich wünsche Euch allen  ein gesundes und sportliches  2013. Kommt gut durch die Saison. Eure Bestzeiten haben 2013 keine Chance, die sind fällig…

Viele Grüße Euer

–timekiller-

Da beamt man sich in nur sieben Stunden von München nach Oldenburg, durchquert dabei mehrere Bundesländer und Wetterzonen, und hat auf der Fahrt, unmerklich den  Geschmacksäquator überschritten.

In der schwiegerelterlichen Stube empfängt mich ein Adventskranz, der an Hässlichkeit kaum zu überbieten ist. Mein linkes Auge beginnt augenblicklich an zu tränen. Spontan muss ich lachen.

-Boha, ist der hässlich- schießt es mir durch den Kopf. Aber meine Lippen formen die Worte

-Hübsch, ist der selbstgemacht? Hat nicht jeder einen blinkenden Adventskranz-

Hö? Was war das denn?

Hat mich gar der Geist der Weihnacht angestupst und mir zugraunt. „Halt am besten Dein lästerliches Mundwerk, schließlich ist Weihnachten, das Fest der Liebe und der Toleranz“

Ja, so muss es wohl gewesen sein.

Seit über 15 Jahren bin ich nun über Weihnachten bei der Familie meiner Frau zu Gast, und es hat noch nie Ärger gegeben. Jeder akzeptiert den anderen wie ist und übersieht seine Marotten, und bei 13 Personen gibt es da so einiges…

So durfte ich heute, am Nachmittag des 24.12., während die Familie in den Gottesdienst ging,  meine Laufklamotten überwerfen und 7km über aufgeweichte Sandwege durch den angrenzenden Forst stolpern.  Nur weil ich mir vorgenommen hatte über Weihnachten an jedem Tag laufen zu wollen, am besten bis Neujahr.

Ich wünsche Euch allen eine ebenso tolerante Familie und schöne besinnliche Weihnachsttage im Kreise Eurer Lieben.

Euer –timekiller-

Die Saison ist rum, die Schlachten sind geschlagen. Ziele wurden erreicht, manche übertroffen, die meisten jedoch knapp verfehlt.  Das kann natürlich weder am ausgetüftelten Trainingsplan, noch an der eigenen Fitness und schon gar nicht an mangelnder Technik  liegen. Da muss  schon das  Material schuld  sein. Logo, was auch sonst.

Die Offseason bietet nun die Gelegenheit den persönlichen Fuhrpark einem kritischen check zu unterziehen.

Bei meiner Pirsch durch die Welt der Onlineshops, auf der Suche nach einem günstigen Angebot für ein paar neue Asics Nimbus 14 bin ich über ein interessantes Sport-Portal gestolpert.

SporTrade.de

Auf den ersten Blick ist SporTrade ein normaler online Sportshop, auf den zweiten Blick ist es ein online Marktplatz für Sportartikel mit Community-Funktion. Das interessante daran ist, daß neben neuem Sport-Equipment auch gebrachtes Material angeboten wird.

Dieser Ansatz ist (für mich) neu, jedenfalls kenne ich bisher keine vergleichbaren Angebote im Bereich Sport. Bisher musste man bei gebrauchtem Equipment im Internet auf Ebay zurückgreifen.

Das Segment für neue Sportartikel bietet  jetzt aber nichts Bahn brechendes. Das Angebot ist gut sortiert, aber an manchen Stellen mangelt es an Aktualität. Den  Ascis Nimbus 14 suchte ich beispielsweise vergebens auf der Seite. Auch die Preise sind für einen online Shop eigentlich zu teuer.  So kostet bsp.  das Vorgängermodell des gesuchten Asics Nimbus noch immer 159€. Da wird SporTrade nicht viele Modelle verkaufen.

Besser sieht es da in der Rubrik SecondTrade, also bei  gebrauchtem Equipment, aus. Da lassen sich schon mal 50 – 60 % vom Neupreis sparen. Gerade bei hochpreisiger Ausrüstung wie Tri-Bike, GPS-Uhr oder Neopren wird sich das bemerkbar machen.

Neben Händlern die über SecondTrade  Auslaufmodelle oder Schnäppchen anbieten, kann jeder angemeldete User (SporTrader) eigenes Equipment auf dem Portal anbieten. So bietet bsp. Sandra Wallenhorst (Triathlon Europameisterin 2009 und 2010) über SporTrade abgelegtes Equipment an. Angeblich verhökert auch ein gewisser Achim Achilles sein abgelegtes Material über SporTrade. Ob es sich dabei um die Walkingstöcke der Gattin handelt, konnte ich jetzt allerdings noch nicht verifizieren.

Beim Erstellen eines neuen Angebotes, versucht sporTrade es den Usern so einfach wie möglich zu machen. Ist der Artikel bereits im Sortiment gelistet, wird das Angebot mit einem Klick, mit den bereits im System vorhanden Angaben erstellt. Es muss nur noch der gewünschte Preis, Lieferzeit und Zustand eingegeben werden. In wenigen Minuten ist dann das Angebot online.

Bei neuen Artikeln stellt SporTrade eine einfach Vorlage zum Einstellen der Produkte zur Verfügung.

SporTrade bietet diesen Service natürlich nicht umsonst an. Beim Verkauf wird eine Provision von 15 % (bei privat Usern) einbehalten, der Rest geht  auf das im Profil angegebene Konto.

Gerade Einsteiger, Schüler und Studenten, die mit  dem Triathlon und  Radsport liebäugeln, werden  bei SporTrade auf Ihre Kosten kommen.

Ich denke, bei größeren Neuanschaffungen lohnt sich ein Blick in das SecondTrade Sortiment auf alle Fälle, und sei es nur um sich Empfehlungen anderer Sportler anzusehen.

Und wer im Keller ein Sport Museum eingerichtet hat, kann seine besten Stücke über SporTrade wieder  dem aktiven Sport zuführen. So ist jedem geholfen.

Für mich hört sich das wie eine klassische Win-Win Konstellation an. Ne, eigentlich ist das ja sogar  eine Win-Win-Win Situation, oder?

Ich versichere dass ich diesen Artikel, auch wenn er böse nach Werbung riecht, aus freien Stücken geschrieben habe und von SporTrade weder ein Honorar noch andere Vergünstigungen bekommen habe. Auch die dringend nötige Dachreparatur meiner toscanischen Finka ging keineswegs auf Rechnung von SporTrade. Ich als Sportler mit schwäbischem Migrationshintergund,  frei me halt, gell (freue mich)  , wenn abgelegtes Equipment nicht auf den Müll wandert, sondern auf dem Zweitmarkt, anderen Sportlern zur Verfügung steht, die es eben nicht so dicke haben. Wer mich für diesen Werbeartikel verurteilen will darf das gerne tun und mir einen bösen Kommentar schreiben.

Ich brauche dringend jemand, der auf mich aufpasst. Jemand der weiß was gut für mich ist, und mir gegeben falls mal etwas verbietet, bzw. den Umgang mit gewissen Personen einfach  untersagt. Früher hat das gerne mal meine Mutter übernommen, auch wenn es damals wenig gefruchtet hat. Irgendwie habe ich einen Hang zu Personen die nicht gut für mich sind. Chief-Balla, ist so einer. Vor dem sollte man sich fernhalten. Erst im Juni nahm ich dank Ihm, und ohne es eigentlich zu wollen, an einem 24h Lauf teil. Ich hatte angenommen, verrückter kann’s nicht mehr werden.

–Weit gefehlt–

Vor zwei Monaten unterbreitete mir Chief seine neuste Idee. Ein „Zeittunnel Marathon“ also ein Marathon während der Zeitumstellung.

Eine witzige Idee, das muss ich zugeben. Eine Idee, die mich nicht wieder loslassen sollte, auch wenn ich mich innerlich gewehrt habe, denn im Grunde  habe ich  für solche Albernheiten ja überhaupt keine Zeit. Aber irgendwie…

Ich kann einfach nicht aus meiner Haut, ich bin so schwach…

Nach einigen Telefonaten und Mails, war klar, wir ziehen das jetzt einfach mal durch. Keine Ahnung, ob außer uns sonst noch jemand läuft, wir machen das jetzt einfach mal.

Ich für meinen Teil, hätte das ja ne Nummer kleiner aufgezogen, aber Chief war überhaupt nicht zu bremsen…  Ganz nach dem Motto „wenn schon, denn schon“ hat er eine offizielle Webpage aufgesetzt, organisierte eine Chipzeitnahme, hat die Strecke nach DLV Richtlinien vermessen und einen Laser für die  Medaillen Gravur im Handgepäck aus den USA eingeschmuggelt…  Kurz, er hat sich so richtig ins Zeug gelegt.

Kann man bei so einem Engagement kneifen?

Ne, aus der Kiste kommt man nicht  mehr raus, unmöglich.

OK, das wird ein Spaß, Jahaa, das MUSS  Spaß machen. Eine andere Option gibt es da ja überhaupt nicht.

Und genau so bin ich an die Sache rangegangen. Aber aus Spaß wurde ernst…

So rückte der Samstag näher und die Wettervorhersagen überschlugen sich mit Superlativen. Tiefsttemperaturen, Wintereinbruch, Schnee…

Winterliche Bedingungen

Und genau so kam es. Ab Samstag Nachmittag ging der Regen in Schnee über, und als ich um 22 Uhr in den Ostpark fuhr zum Aufbauen des Technik und Verpflegungszeltes, lag schon auf den Wiesen eine geschlossene Schneedecke. Jetzt geht ja Schnee meist mit Temperaturen um die Null Grad einher. Im Winter ist das nix ungewöhnliches, aber Ende Oktober sehr wohl.  Da ist der Körper noch gar nicht richtig drauf eingestellt. Noch vor Zwei Wochen erschreckte ich mit meinem frenetischen Jubel die Läufer des München Marathons bei  fast sommerlichen Temperaturen. Und jetzt, Schnee.. Wenn man einmal die Klimaerwärmung bräuchte,  ist keine da.

Da muss man dann wohl die Winterlaufklamotten von der Bühne holen.

Bis zum Start um 0:00 Uhr war ich dann auch schon ordentlich durchgefroren, und wagte es nicht meinen Laufanorak, den ich normaler weise erst ab -10 Grad trage abzusteifen.

Sieben wackere Streiter hatten sich eingefunden, um die Magie des Zeittunnels zu erleben.

Da wären:

  • Chief Balla, Cheforganisator und Vater dieser bekloppten Idee
  • Doc Balla, läuft sonst nur bei Wettbewerben, wo man zumindest mal Schwimmen muss.
  • Klausi, der bei verrückten Sachen einfach dabei sein muss. Es gilt die Regel. Je verrückter desto Klausi.
  • Hans, ein leidenschaftlicher Läufer, der bei einem Lauf vor der Haustüre einfach dabei sein muss, egal zu welcher Tageszeit.
  • Jürgen, ist extra aus Stuttgart angereist um seinen ersten Marathon zu laufen.
  • Henrik, der rennende Zwilling, ist erst  im September  den Berlin Marathon in 3:24 gelaufen. Der braucht eigentlich gar keinen Zeittunnel, ist aber für einen Spaß immer zu haben.
  • Und dann eben ich.

Angesichts des kurzen Vorlaufs, der ungewöhnlichen Uhrzeit und dem Wetter finde ich 7 Starter für unsere Premiere sehr bemerkenswert. Noch viel erstaunlicher finde ich, dass sich sogar ein paar Zuschauer eingefunden haben, nicht viele aber immerhin.  In Summe komme ich auf 6 Zuschauer, und da ist unser Thekenpersonal noch gar nicht mitgerechnet.

Genau, unser Thekenpersonal wollen wir hier nicht unter den Tisch bzw. die Theke fallen lassen:

  • Boris, der Mann an der Technik, der mal eben die Ergebnisse Live ins Internet stellt, und nebenher Iso für uns anrührt.
  • Lizzy, die sich dankenswerterweise überreden ließ,  Boris etwas Gesellschaft zu leisten, und uns nebenher mit frischem Obst verköstigt.

Als ob die Angelegenheit nicht schon verrückt genug wäre, haben sich drei der Protagonisten auch noch festlich kostümiert. Die Ballas liefen im obligatorischen Jailhouse-Look, und Klausi überraschte  mit einem illuminierten Nikolauskostüm, damit konnte Klausi die Wertung für das beste Kostüm ganz klar für sich entscheiden.

0:00 Uhr, -Start-,

Hans und Henrik übernehmen gleich die Spitze, und ziehen in einem Mördertempo davon. Ich hoffe, Hans zeigt Henrik auf der ersten Runde noch die Strecke.  Im Grunde geht es nur  auf beleuchteten Wegen  gegen den Uhrzeigersinn um den See im Ostpark herum.  Aber es gibt eine Stelle,  an der man eine Abzweigung  leicht verfehlen kann, und man dann einfach gerade aus weiterläuft. Das konnte  ich gleich auf meiner ersten Runde unter Beweis stellen. Dankenswerterweise wurde ich noch von Chief-Balla  zurück gepfiffen, sonst wäre ich schon auf der ersten Runde im Ostpark verschollen.

Die ersten Runden laufen ganz OK. Das Feld, sofern man bei sieben Startern von einem Feld sprechen kann, ist schon nach der ersten  Runde weit auseinander gefallen.

Irgendwie habe ich es versäumt mich einer Gruppe anzuschließen, Henrik und Hans sind mir zu schnell, die anderen lassen es sehr gemütlich angehen, so dümple ich im Mittelfeld mit einer 6:00er Pace rum.

Es schneit noch immer. Der Schnee bleibt jetzt auch auf den Wegen liegen.  Es gilt eine 2,11 km Runde 20 mal zu bewältigen. 20 hört sich nicht viel an, besser an als 42km. Aber der Schein trügt. Nach einer Stunde und 5 Runden merke ich deutlich, wie ich müde werde. Ein Kindergeburtstag am Nachmittag ist nicht unbedingt die perfekte Vorbereitung für einen Nachtmarathon. Es werden erste ausgedehnte Boxenstopps am Verpflegungszelt eingelegt. Irgendjemand muss sich ja um das reichhaltige Angebot kümmern. Es gibt Obst, Nüsse, Rosinen, Schokolade, Brownies, Cola, Fanta, Tee, Wasser, Iso..

Hier am Verpflegungszelt hat man auch die Chance mal einen Blick auf die Mitstreiter zu werfen. Hier wird  eine kurze Pendelstrecke gelaufen, damit wir auf die gewünschte Distanz kommen. Hier kommt einem wenigstens mal einer entgegen, sonst gibt es wenig Abwechslung auf der Strecke.

Nur Du, die Nacht, der Schnee, die Kälte, die nassen Füße und der MP3 Player dudelt vor sich hin. Jetzt hätte man mal so richtig Zeit sich Gedanken über Gott und die Welt zu machen.

Große Themen könnten erörtert werden

  • Finanzkrise,
  • Gesundheitsreform
  • Nahost Konflikt
  • Energiewende
  • Was mache ich hier eigentlich

Ich kann meine Gedanken nicht richtig  sammeln.  Ich bin eher mit mir beschäftigt. Ich und der Kampf gegen die Elemente.  Eigentlich sollte das ja ein Spaßlauf werden. Höhö. So ein Spaß.

Ich bezweifle ja mittlerweile, dass es Spaßläufe überhaupt gibt. Jedenfalls keine Spaßläufe die über 30km gehen. Alles andere ist ein Mythos der von Ultraläufern erfunden wurde um  unschuldige Seelen zum Mitlaufen zu überreden. Ich bin fest der Überzeugung, der Spaß hört jenseits der 30km auf. Nachts und bei Kälte  eben auch etwas früher. Einen Marathon läuft man nicht zum Spaß, das tut weh, und zwar IMMER!

Ich beginne die Runden zu zählen. Zumindest bis zum Halbmarathon möchte ich durchhalten, d.h. 10 Runden sollten schon drin sein, ich bin ja kein Amateur.  Meine Pausen beim PitStop werden aber immer länger.  Ich nehme  pro Runde eine Hand Nüsse und  trinke ausgiebig aus meiner Trinkflasche.  Mein Powermix  wird aber von Runde zu Runde  immer kälter, auch in den Bechern bilden sich langsam Eiskristalle.

Es ist wirklich eklig zu laufen. Meine Twitter TL nervt schon seit Wochen mit  #Rodgau50. Die sollen mal #Ostpark20 laufen, das ist was für wirklich harte Jungs ,-)…

So langsam rächt sich meine Kleiderwahl. Auch wenn ich nur mit einer 6er Pace durch den Ostpark  zuppele. Ich schwitze… Eine hermetische Abriegelung der Körperdämpfe ist  da eher unpraktisch ,so beginne ich  richtig  an zu saften. Das ist  der Anfang  vom Ende. Zumindest bei den Temperaturen. Ich mache die Jacke auf, und beginne schlagartig an zu frieren.  Also Jacke wieder zu, und nach kürzester Zeit steigen Dampfwolken  vom Kragenrand auf. Aldi Funktionsklamotten sind den Anforderungen des Extremsports einfach nicht gewachsen.

Ich beschließe noch ein paar Runden zu laufen und mich dann  trocken zu legen. Vorausschauend habe ich ja Wechselklamotten mitgenommen, Eigentlich für danach, aber da muss man flexibel sein. Nach 12 Runden ist es soweit, das kalte Iso schlägt mir auf den Magen, ich bekomme Magenkrämpfe, ich brauche eine neue Gardarobe, und vorallem trockene Schuhe und was warmes zu trinken.

Ich steure das Verpflegungzelt an, setze mich (Fehler) und ziehe trockene Sachen an. Wie ich nun da so sitze überkommt mich eine schlagartige Lähmung. Mein Kopf sagt: Los aufstehen, weiterlaufen, nur noch 8 Runden!  Aber mein Körper ignoriert  das komplett und bleibt einfach sitzen.

–Generalstreik-

Ich gebe zu, ich diskutiere nicht lange und gebe mich  geschlagen. Ich habe fertig.

Was ich, und der Rest von meinem meuternden Körper, nicht bedacht hat; es wird nicht wärmer wenn man sich nicht mehr bewegt, auch nicht in trockenen Klamotten.

Relativ schnell findet mich die Kälte wieder, der ich im trockenen Zwirn entfliehen wollte.

An Plan „B“ hatte ich gar nicht gedacht! Was ist, wenn ich nicht bis zum Ende durchlaufe? So richtig warme Sachen habe ich gar nicht dabei. Ich wollte schon bis zum Schluss da bleiben, schließlich kann Chief Balla und Kollege das nicht alles alleine abbauen, und Biergartengarnitur und Pavillon Zelt passen ja auch gar nicht mehr ins Auto vom Chief, das ist mit der ganzen Technik voll, außerdem muss der 7er  erst noch gebaut werden, in den eine Biergarnitur passt, wäre  in Bayern ja eigentlich eine  Grundanforderung.

So übernimmt langsam die Kälte wieder Besitz von meinen Körper.

-Es ist saukalt-

Ich  verabschiede mich ins Auto, wo ich wenigstens Windgeschützt bin.  Aber es ist trotzdem kalt. Ich decke mich mit allem zu was ich im Auto finde, die Fußmatten wärmen aber nicht wirklich.  Schüttelfrost durchzieht mich.

Ich muss den Motor anmachen, um mich aufzuwärmen. Aber im Standgas ist  sicherlich nicht viel zu erwarten.  Eine heiße Dusche wäre jetzt nicht schlecht. Da mein Auto auf der herfahrt schon recht voll war, beschließe ich einfach mal einen Teil der Ausrüstung die nicht zum Einsatz gekommen ist schon mal  zurück zu fahren, vielleicht bleibt ja dann auch noch Zeit für eine heiße Dusche.

Im dichten Schneegestöber fahre ich quer durch München. Bei diesen Straßenverhältnissen brauche ich natürlich doppelt so lange für die Strecke. So habe ich aber Zeit mich aufzuwärmen. Die Heizung und das Scheibenfreigebläse laufen volle Pulle. Kondenswasser läuft die Scheiben runter. Ich friere noch immer. Wenn ich mir da mal keine Pneumonitis eingefangen habe.

Für Duschen bleibt natürlich keine Zeit, ich will ja niemanden warten lassen. So lade ich den Krempel aus und mache mich gleich wieder auf den Rückweg.  Wenn ich richtig rechne, könnte ich es noch zum Zieleinlauf von Jürgen und Chief schaffen. Henrik ist sicherlich schon lange im warmen Bettchen.

Wie ich wieder im Ostpark angelangt bin, ist Henrik auch noch da, er ist eben ein wirklicher Sportsmann, klasse! Die Abschlussparty ist schon in vollem Gange. Wobei, nicht so wirklich! Die Stimmung ist etwas frostig, was aber nur an den Temperaturen liegt. Die zwei Kästen alkoholfreies Weißbier, die Hans gestiftet hat, finden keine Abnehmer. Die warme Tassensuppe, die Boris mit Hilfe des Gaskochers zubereitet, sind da schon gefragter.

Chief verteilt gerade die Finisher Medaillen. Von sieben Startern gibt es drei Finisher.

  1. Henrik, Zielzeit: 2:58 Uhr
  2. Chief Balla, Zielzeit: 3:42 Uhr
  3. Jürgen, Zielzeit: 3:43 Uhr

Der Rest ist ausgestiegen und erhält dafür eine DNF Medaille. Wo gibt’s denn sowas?

  • Hans, verletzungsbedingt nach 7 Runden
  • Doc Balla, verletzungsbedingt nach 10 Runden
  • Klausi, aus technischen Gründen (drohender Kurzschluss in der Elektik) nach 10 Runden
  • Und ich Memme nach 12 Runden, wegen Lustlosigkeit und Blitzlähmung.

Alle Beteiligten sind sichtlich geschafft. Alle haben heute Nacht zwar eine Stunde geschenkt bekommen,  die meisten sind aber in den letzten 5 Stunden sichtlich gealtert. Sind es die Strapazen der Nacht, die die Gesichter gezeichnet haben, oder ist die Rechnung mit dem Zeittunnel nach hinten los gegangen? Kommt das dabei raus, wenn man mit dem Raum-Zeit-Kontinuum spielt? Ist es zu einem Störfall gekommen, und wir haben die Raumzeit verbogen?

Keineswegs, in den Augen aller ist ein Funkeln zu erkennen. Jeder weiß, er war hier und heute bei etwas großem, etwas ganz und gar sinnfreiem mit dabei. Eines ist sicher, diese Geschichte wird sich der ein oder andere Enkel noch oft anhören müssen.

Selbst wenn es irgendwann eine Wiederholung des Bestzeitmarathons geben wird, 10 cm Schnee Ende Oktober können wir unmöglich nochmal organisieren.

Auf die DNF Medaille bin ich echt stolz

42.195, für einen Läufer ist diese Zahl so vertraut wie dem Mathematiker die Kreiszahl π, oder dem O die 2. In der Läuferwelt dreht sich alles um diese Zahl. Jeder Läufer möchte sie irgendwann mal knacken, die 42,195km des Marathons, oder zumindest die Hälfte, ein Halbmarathon sollte es schon sein. Ganz emsige schießen auch übers Ziel hinaus und laufen gleich zwei Marathons und mehr am Stück. Aber für die große Masse ist der Marathon das große Ziel.

Hat man das Ziel einmal erreicht, hören die meisten nicht auf mit dem Schmarrn, sondern rennen einfach weiter.  Neue Herausforderungen werden gesucht, unter Tage im Bergwerk  oder im Elbtunnel wird gelaufen, andere gehen für einen halben Tag ins Gefängnis und drehen gemeinsam mit den Insassen Ihre Runden. Ganz ambitionierte rennen in der Schweiz 42km den Berg hoch.

Ebenso wie die Location, lassen sich Jahreszeiten und Klima austauschen, so gibt es zu jeder Jahreszeit (auch im Winter) Marathons. Wem der hiesige Sommer zu kalt bzw. der Winter zu warm ist, der rennt kurzerhand  beim Marathon des Sables durch die Wüste ober eben durchs Eis beim Baikal Marathon.

Die Veranstaltungen haben eins gemeinsam, die  Teilnehmer mache das alles nur aus Spaß, behaupten jedenfalls alle.

In diesen Reigen der Spaßläufe reiht sich nahtlos unser kleiner

Bestzeit! Marathon!

 

ein, den wir am kommenden Wochenende in München, zu extremer Zeit, bei extremer Kälte und  extremer Dunkelheit  laufen wollen.

Der Start erfolgt in der Nacht vom 27. auf den 28. Oktober genau um 0:00 Uhr.  Als besonderes Geschenk, erhält jeder Läufer, der den Marathon in über 3 Stunden läuft, eine Stunde geschenkt.

Na, ist das nicht großzügig?

Wer hat denn schon Zeit zu verschenken?

Wir! Und wir schenken Euch in der Nacht der Zeitumstellung eine Stunde, wer möchte da schon im Bett liegen und dieses Geschenk verschlafen?

Na, na? Kribbelt es schon in den Beinen?

Weitere Infos gibt‘s auf www.bestzeitmarathon.de. Interessierte bitte eine Mail, mit Name und Jahrgang (für die Urkunde) an info@bestzeitmarathon.de senden, damit wir uns ein bisschen einstellen können. Weitere Infos  über Ablauf  und  Ort erhaltet Ihr dann per Mail.

Für Eure Planung  noch ganz hilfreich, wir werden aller Voraussicht nach im Ostpark laufen.

Nach Berlin, wollte ich eigentlich NIEMALS mehr einen Marathon laufen, aber wenn ich mir anschaue wie Chief-Balla, der alte Technik-Fuchs, sich ins Zeug legt um eine professionelle Zeit- und Rundenmessung zu realisieren, kann ich gar nicht anders als auch mit zu laufen, ist ja auch nur zum Spaß…

Was war das für ein geniales Marathon Wochenende in München! Klasse! Sensationelles Laufwetter, ich bin noch ganz benommen… Ward mir doch vor zwei Wochen, das Glücksgefühl beim Zieleinlauf des Berlin Marathons verwehrt geblieben, so bin ich heute regelrecht trunken vor Glück, und  suhle mich in Selbstzufriedenheit.

Beim 10er anlässlich des München Marathons hatte ich mir nix großartiges vorgenommen, außer vielleicht unter 50 Minuten zu bleiben,  aber das scheint ja mein Geheimnis zu sein. Nix vornehmen, um dann ganz unbeschwert, ordentlich einen raushauen. Es wurde keine Bestzeit, aber zwei Wochen nach dem Marathon wäre das auch zu vermessen gewesen.

Vor dem Start traf ich in den vorderen Reihen @GUracell aus Österreich, eigentlich war ich auf der Suche nach @Jensandmie, den ich bei der Kleiderbeutelabgabe verpasst hatte. Ich erkannte @GUracell sofort, praktisch, diese #Twitterlauftreff -Shirts. Nach einer kurzen Unterhaltung mit @GUracell sortierte ich mich etwas weiter hinten im Startblock ein.

Der Starschuss fällt und das Feld setzt sich in Bewegung. Wie immer sind die ersten hundert Meter etwas eng. Ich verfluche mich innerlich, weshalb ich  nicht  in den vorderen Reihen geblieben bin. Jetzt bin ich hier am Lieschen Müller  umkurven. Beim ersten Kilometer steht die Pace bei 4:40, aber was ist das? Die Entfernungsangabe des Garmins zeigt schon km 3

- ???-

Mist, ich Trottel habe vergessen den Garmin nach dem Warmlaufen zurück zu setzen. Naja, ist ja auch egal, die Jungs von MikaTiming sind ja da, da brauche ich mir um die korrekte Zeiterfassung keine Sorgen zu machen.

Weiter geht’s. Die Kilometer laufen so dahin, ab km 3 fängt das linke Schienbein (welches auch sonst)  an zu schmerzen. –Ha! Das sollen Schmerzen sein? Da lach ich ja! In Berlin, ja, das waren Schmerzen,  richtig dolle Schmerzen, aber das hier, das ist ja Kindergeburtstag. -Abphü!-  Ich ignoriere den Schmerz, und laufe einfach weiter. Man kommt auf die Leopoldstraße, es geht Richtung Siegestor, kurz vor dem Odeonsplatz ist die Wende, dann geht es wieder die Leopoldstraße  zurück in Richtung Münchner Freiheit. Bei km 5 werden Snacks gereicht, aber ich laufe trocken durch, ich mache ja heute nur den Bambinilauf, da brauchts keine Häppchen zwischendurch. Ich versuche konstant meinen Schnitt zu halten, das gelingt auch erstaunlich gut.  Geplant hatte ich  ursprünglich mit einer 4:45 zu starten um dann zu sehen wie es so läuft.  Die ersten Kilometer lief ich in  4:40, und hey, es fühlte sich gut an. Also, hielt ich den Schnitt und schaute wie weit ich damit komme.

Bei Kilometer sieben stelle ich fest, dass mein MP3-Player überhaupt nicht läuft. Und ich laufe IMMER mit Musik, außer ich bin in Begleitung. –Mensch, heut bin ich ja überhaupt nicht bei der Sache-. Erst den Garmin nicht zurück gesetzt, dann die Musikbox nicht angeworfen… Wo habe ich heute bloß meinen Kopf, was kommt da sonst noch?

Auf dem Weg zurück zum Olympiastadion passiert man  nochmals den Startbereich bei km acht. Hier ist man bereits am Abbauen. Die Bühne für die Musikanten wird demontiert und die Werbebanner werden von den Absperrgittern entfernt. Irgendwie hat man das Gefühl man gehöre zur Nachhut. Das Publikum hat sich auch längst in den Olympiapark und ins Stadion zurück gezogen. Und dabei werden die Marathonläufer hier frühestens in einer Stunde erwartet, wie die sich dann erst fühlen werden? Ich finde, das ist der schlimmste Abschnitt beim München Marathon. Der Bereich vom Nordbad, die Schwere-Reiter Straße entlagen, die Ackermannstaße bis hin zum Eingang des Olympiaparks. Hier ist nur wenig los.  Und gerade hier könnten die  Marathonis am dringensten Unterstützung gebrauchen. Jedenfalls habe ich das letztes Jahr so empfunden.

Gedanklich zähle ich die Kilometer bis km 9 runter, dann will ich mal wieder die –timekiller- Rakete zünden. 1200 Meter vor dem Ziel, vor den Toren des Olympiastadions steht ein Moderator und gibt letzte Tipps über Lautsprecher. Es läuft laute Musik,  ich ziehe an, jetzt will ich es wissen. Ich sammle Läufer um Läufer ein. Ich biege in das Olympiastadion ein, durch den Disko-Tunnel geht’s ins Stadion. Die Fotografen, habe Ihre Arbeit aufgenommen –blitz-blitz-blitz-.  Im Stadion hätte ich eigentlich die Tartanbahn erwartet, doch dort wo früher die Tartanbahn war, wartet nun grauer Asphalt, der Rennbelag der DTM. Na, dann wollen wir halt auch noch den Turbo hinzu schalten. Die Stadionrunde führt um einen Kunstrasenplatz, auf den letzten 200 Metern wurde die Tartanbahn dann doch noch aus braunem Kunstrasen nachgebildet. Es ist, als laufe man auf einem Flokati, auf einem dicken Flokati!  Jetzt bloß nicht stürzen…

Mit 46:51 gehe ich über die Ziellinie. Hach, das war ein guter Lauf. Keine Bestzeit, aber ich konnte die gesamte Strecke das Tempo kontrollieren, und das ist nicht immer so bei mir. Das fühlt sich gut an.  Ich bin zufrieden. Im Ziel treffe ich Henrik, der für die RunningCompany Fotos macht. Wir unterhalten uns kurz, doch ich habe wenig Zeit, ich muss weiter. Ich hole mir noch schnell  ein Getränk und schon verlasse ich die Münchner Salatschüssel wieder. Ich muss nach Hause. Meine Tochter muss pünktlich um 12:30 Uhr in Obersendling zur Ballettprobe erscheinnen, sonst gibt‘s Mecker.

Nach der Kleiderabgabe gehe ich zu meinem Fahrrad. Naja, eigentlich ist es ja nicht mein Fahrrad, sondern das Rad meiner Frau, mein alter Klepper glänzte heute früh mit einem Platten, deshalb war ich auch zu dem geplanten Treffen mit @jensandmie zu spät gekommen.  Mit dem Rad meiner Frau gibt es nur ein Problem,  wir haben da keinen Schlüssel mehr für das Speichenschloß, den hat die Gattin dieses Jahr auf dem Tollwood verloren, und für das neue Bügelschloß habe ich keinen Schlüssel. Der Schlüssel ist übers Wochenende in Istanbul, zusammen mit meiner Frau. Ich habe daraufhin das Fahrrad einfach so genommen, und drauf gebaut, dass das jetzt schon keiner klauen wird. Am Olympiastadion habe ich das Fahrrad einfach zu einer Gruppen von Fahrrädern gestellt, die alle wesentlich moderner und besser aussehen, als das Modell meiner Frau.

Wie ich jetzt zu dem Fahrrad komme sind die anderen Fahrräder weg. Nur meines steht noch da. Und!  Es ist ABGESCHLOSSEN -!!!-

-?!?-

Hä, habe ich etwa im Reflex…, nein, ich,  NIE .. Aber wer macht denn sowas? Einfach fremde Räder abschließen….

-Hargl, @#!%!!!-

Dreck, Dreck, Dreck, irgendwas ist aber auch immer. Verzweifelt rüttle ich an dem Bügel. Wir hatten seinerzeit das Fahrrad stehen lassen und  es des Nachts mit dem Auto abgeholt, um dann, auf heimischen Boden mit Hilfe einer Grillgabel als Dietrich das Schloss zu öffnen. Jetzt habe ich natürlich gerade keine Grillgabel zur Hand…

Es hilft nix. Ich muss laufen. Ich muss spätestens um 12:00 Uhr zu hause sein, sonst fällt mein Zeitplan in sich zusammen. Vom Olympiastadion zur Homebase sind es genau 3km, und jetzt ist es  11:45 Uhr. Man muss kein mathematisches Genie sein, um die Pace zu errechnen, die ich jetzt anschlagen muss um im Zeitplan zu bleiben.

Laufschuhe habe ich ja noch an, die Bändel der Kleidertasche werden zusammengezurrt und los geht’s. Timekiller in Action!

Ich bin die Strecke weiß Gott schon hunderte Male gelaufen, aber noch nie so schnell, und vorallem nicht mit einem Kleiderbeutel auf dem Rücken, der mit den Wärmeklamotten und einer Wasserflasche vollgestopft ist, und wie blöd auf dem Rücken rumwackelt.  Die zwei roten Fußgängerampeln auf meinem Weg ignoriere ich diesmal ausnahmsweise, und so gehe ich um 12:01 ein zweites Mal für heute über eine Ziellinie.

Ich scheuche meine Tochter ins Auto, die natürlich noch nicht fertig war, und ziehe mir selbst ein frisches Shirt aus meinem  Wechselbeutel über. Mit einer Flasche Wasser bewaffnet, die ich jetzt dringend brauche, setze ich mich ins Auto und fahre quer durch München von Moosach nach Obersendling. Zum Glück kreuzt die Marathonstrecke nicht meine Route, sonst hätte ich ein richtiges Problem. Der Verkehr, die Ampeln, und die anderen Verkehrsteilnehmer sind milde gestimmt und so kann ich die Tochter um 12:28 pünktlich zur anstehenden Generalprobe abliefern.

-Puh !!!-

So, und jetzt? Ich blicke auf die Uhr. Ich könnte um 13:00 Uhr wieder am Olympiastadion sein, die Elite, die Sub3 Läufer, habe ich zwar verpasst, aber jetzt kommt das normale Volk, die haben jede Unterstützung verdient. Ich parke mein Auto bei der Bundeswehrverwaltung am Rande des Olympiaparks und begebe mich zu Kilometer 41, dort wo der Moderator die Läufer auf Ihren letzten Metern anfeuert. Hier läuft auch Musik, da kann man es aushalten.

Auf dem Handy checke ich die Position von Frank von TrackMyRun. Nach seiner letzten Zwischenzeit bei km32 wird seine Zielzeit mit 13:30 Uhr prognostiziert, das wären 3:30h. Der Hammer, der Junge ist gut unterwegs. Ich stelle mich an die Strecke und feuere die Läufer an.  Leider sind die Namen, die auf die Startnummern gedruckt sind so klein, dass ich Blindfisch diese  erst lesen kann wenn der Läufer eigentlich schon an mir vorbei ist. Ein persönliches ansprechen ist damit  nicht möglich. In Berlin fand ich das ganz nett, wenn mir einer meinen Namen zu gerufen hat. OK, meinen Namen kenne ich im Grunde, aber trotzdem motiviert es mehr, wenn einer ruft, „Los -timekiller-, du packst das“ oder sowas eben.

Zwischendurch checke ich immer wieder das Handy, um die Zwischenzeit bei der 40km Marke von Frank abzurufen, aber die Zwischenzeit kommt und kommt nicht. Ich vermute ein technisches Problem mit der Echtzeitübermittlung der Ergebnisse. Langsam würde es Zeit werden. Ich hatte mir vorgenommen, Frank laufend bis zum Marathontor zu begleiten, vielleicht kann ich Ihn ja auf den letzten Metern noch ein bisschen ziehen. Im Stadion läuft er das dann vollends alleine.

Aus dem Nichts spricht mich plötzlich eine junge Frau an. Erstaunt blicke ich von meinem Handy auf. Das passiert mir jetzt nicht soooo häufig. Ich bin verwirrt, die Letzte die das gewagt hat, ist jetzt mit mir verheiratet.

„Hey, Du bist doch der –timekiller-?“ Ah, und dann auch noch eine Insiderin, eine Läuferin? Ich scanne meine Facebook Freundschaften,  Mensch das könnte doch …

„Ich bin Sarah Emily“.

-Ja, natürlich!- Spontan umarme ich Sie. „Wir stehen da drüben und feuern 100 irische Polizisten an“

-Ah, ja!? Ich hingegen warte nur auf Frank, der muss hier gleich durchkommen, ist schon überfällig, hoffentlich ist dem nix passiert.-

Ich halte noch meine Position direkt am 41er Schild, aber Frank kommt nicht. Habe ich Ihn doch verpasst? Wahrscheinlich, als ich gerade seinen Status auf dem Handy gecheckt hab, anstatt auf die Läufer zu achten. Mist!

Ich gehe zu Sarah rüber und wir feuern gemeinsam die irischen Polizisten an, und wir unterhalten uns nett über virtuelle und reale Laufkollegen und über dies und das, und über den Plan von Sarah, nächstes Jahr vielleicht doch auch wieder beim München Marathon mitlaufen zu wollen. Ein guter Plan!

Gegen 14:30 Uhr verabschiedet Sie sich, es geht zu Ihrer anderen  großen Leidenschaft, dem Eishockey des EHC Red Bull München.

Ich hingegen bleibe noch am Straßenrand stehen, und feuere weiterhin die angehenden Marathonis an, unter die sich nun zunehmend auch die Halbmarathonis gemischt haben, die um 13 Uhr vom Effnerplatz gestartet waren.

Gegen 15:30 verlasse  dann auch ich meinen Posten, es wird Zeit zu duschen.

Und danach geht’s mit der Grillgabel zurück zum Olympiastadion.

Kaum rennt man unter Schmerzen 42 Kilometer durch eine fremde Stadt, schon gehen die Besucherzahlen auf meinem Blog durch die Decke. Wenn das nur nicht so weh tun würde, würde ich das ja öfters machen. Apropos Schmerzen. Ich habe keine! Klingt seltsam, ist aber so.

Direkt nach dem Marathon bin ich zwar noch ziemlich wackelig durch den Tiergarten gehumpelt, aber schon am Montag früh ging es mir wieder blendend.  OK, die Knie spürte ich schon beim Treppen steigen, aber das ist auch alles.

Oberschenkel – nix

Achillessehne –nix

Ich muss ein anatomisches Wunder sein. Liegt vielleicht auch daran, dass am Sonntag meine Scherzzentrale komplett ausgebrannt ist. Vielleicht habe ich ja noch Schmerzen, ich spür nur nix mehr, weil keiner mehr da ist, der den Schmerz meldet.

Wurde mein Köper während einer Pervormance von Pussy Riot (Ortgruppe Berlin) ausgetauscht?

Oder aber, mein Körper wurde über Nacht vertauscht. Einfach so. Gut, ich sehe noch immer genauso (gut) aus,  nur habe ich eben keine Schmerzen mehr. Und! Mein neuer Körper wiegt jetzt 3 kg weniger.

-!?!-

Ich laufe jetzt seit 5 Jahren. Und ich habe noch NIE abgenommen. Habe ich ja auch nicht nötig. Vor dem Marathon brachte ich noch 75 kg auf die Waage und jetzt sind es 3 kg weniger. Ein Indiz dafür dass meine Theorie stimmen muss. Der arme Kerl, der jetzt in meinem abgewrackten Körper steckt, thiiiii!

Am Sonntagnachmittag hatte ich mir schon die abenteuerlichsten Ausreden einfallen lassen, um meinen Geschäftstermin am Montag früh um 9:00 Uhr in Treptow irgendwie absagen zu können. Aber es ging mir am Montagmorgen einfach ausgezeichnet. So, habe ich den Termin wahrgenommen, habe mich zwei Stunden wichtig gemacht und kann jetzt unser Luxusappartement sowie die Fahrtkosten über die Firma abrechen. Hach, manchmal schlagen einfach meine schwäbischen Gene durch.

-Woisch, da ka i gar nix mache, gell! –

Und sonst? Nachdem ich letztes Jahr nach dem Marathon ein paar Wochen in einem rosa Kuckucksheim wohnte und enorme Energie verspürte und einfach glücklich war. Fühle ich mich heuer zwar gut, aber das ist auch alles. Ein weiteres Indiz!? Meine Frau traut dem Frieden zwar noch nicht und lässt mich vorsorglich vorerst nicht alleine einkaufen. Sonst schleppe ich, nach meinen Spontankauf von letztem Jahr (eine Gitarre), diesmal ein Schlagzeug an. Das wollte ich nämlich auch schon immer mal lernen. Aber ich glaub das  spar ich mir auf, bis ich die 3:45 geknackt habe, und das kann dauern,  vor allem mit dem neuen Körper.

Mein neuer Körper hieß früher offenbar Josef Steiner und machte in Steigtechnik - die Ähnlichkeit ist verblüffend -

Selbst die überteuerten Marathon Fotos lassen mich diesmal kalt. Gut, die Fotografen hatten wohl ein einsehen,  so gibt es  nur zwei Fotos auf der Zielgeraden von mir. Man könnte gerade meinen ich wäre nur die letzten 300 Meter vom Brandenburger Tor bis ins Ziel gelaufen.

Ansonsten macht sich eine große Leere breit. Derzeit sind keine weiteren sportlichen Ziele in Sicht, die Saison ist rum.  Zeit für eine Analyse.

Eine 3:45 wäre durchaus machbar gewesen, aber mehrere Faktoren verhinderten dies.

Zum einen habe ich die Menschenmenge unter- und mich überschätzt. Nachdem mein Debüt im letzen Jahr so gut gelaufen ist, und ich auf Anhieb die vier Stunden geknackt habe, habe ich etwas den Respekt vor der Strecke verloren. Sowas rächt sich eben.  Ein Marathon ist ein Marathon, und ist nicht einfach so wiederholbar, jedenfalls für mich nicht, wie sich gezeigt hat.

Auch hatte ich den Marathon nie als meinen einzigen Saisonhöhepunkt angesehen. So gesehen hatte ich drei sportliche Höhepunkte in diesem Jahr. Der Abstand zwischen diesen Events war etwas knapp, sodaß ich recht spät erst in die Marathon Vorbereitung einsteigen konnte. Der Triathlon im Juli über die Olympische Distanz war genial, und die Teilnahme möchte ich auch nicht missen, auch das Starnbergersee Schwimmen im August war super, allein was man da über Musik lernt ;-) .  Allerdings hätte ich mich zu dem Zeitpunkt schon mehr auf den Marathon konzentrieren müssen.  Die langen Einheiten sind dieses Jahr aufgrund der netten Begleitung zwar besser gelaufen, wenn auch unter Schmerzen, aber ich habe den Fehler gemacht, dass ich zwischen den langen Kanten zu wenig Pause gemacht habe. So bin ich in den letzten 4 Wochen vor dem Marathon jedes Wochenende einen 30er bzw. 35er gelaufen und am Schluss noch den Halbmarathon am Tegernsee dran gehängt. Vielleicht war das zu viel, bzw. zu kompakt? Ja, ich weiß, es gibt Kandidaten, die laufen wesentlich mehr, aber  wenn ich mir meine Monatsstatistik ansehe, dann bin ich im September soviel wie noch nie zuvor in einem Monat gelaufen.  Ich denke zu einem großen Teil rührten die Schmerzen am Sonntag  von einer klassischen Überlastung her.

Monatslaufleitung

Das muss ich das nächste Mal anders machen. Ist halt immer schwierig, Trainingsplan, Beruf und Familie unter einen Hut zu bekommen.  Es bringt halt wenig, wenn man seinen Trainingsplan ständig umwirft und Einheiten tauscht. Bei der Erstellung eines solchen Plans hat sich ja sicher jemand was dabei gedacht. Aber es geht halt oft nicht anders. Ich bin ja nicht umsonst der –timekiller- denn die Zeit ist einfach immer mein härtester Gegner. Da muss man manchmal einfach flexibel sein, was sich dann eben auch in der sportlichen Leistung niederschlägt.

Hab ich was draus gelernt? Ja, aber ob ich es abstellen kann ist fraglich. Ich habe einfach zu viel Spaß an Wettkämpfen, da ist mir ein Jahreshöhepunkt einfach zu wenig. Ich möchte weiterhin gerne pro Jahr mindestens ein Triathlon machen, und auch das Langsteckenschwimmen hat mir sehr großen Spaß gemacht. Und  Marathon? Mal sehen ob es da einen dritten Anlauf gibt.

So klappts dann vielleicht auch mit der 3:45

Apropos Marathon, da lauert ja doch schon das nächste Projekt.

Der BestzeitMarathon!

Noch nix davon gehört? Hier gibt’s mehr Infos. Da packe ich dann auch die 3:45 und dann kommt die Schießbude in den Keller :-)

Macht laufen vergesslich? Steigt durch exzessives Laufen das Risiko an Alzheimer zu erkranken? Ich glaube ja, und ich bin der lebende Beweis dafür.

Die Qualen des ersten Marathons im vergangen Jahr  sind längst vergessen, so werden recht überheblich neue Ziele gesteckt. In 3:45 sollte der nächste Marathon bewältigt werden, und das in Berlin. Alle sagen, Berlin ist super, Berlin hat eine schnelle Strecke, da trägt Dich die Begeisterung der Zuschauer förmlich ins Ziel, so hieß es.

-Alles Lüge! Man muß selber laufen.-

Bereits während meiner Vorbereitung zeigte sich, dass das Unternehmen doch nicht so ganz einfach werden wird. An den lagen Einheiten hatte ich ziemlich zu knacken. Und ein Marathon beginnt halt erst ab km30. Zu diesem Zeitpunkt war ich im Training mit meinen geschunden Knochen eigentlich schon immer komplett am Ende.  Kleinlaut korrigierte ich meine Ziele. Aber zumindest schneller als im letzten Jahr sollte es werden, und sub 4h ja sowieso. Beim letzten Lauf vor Berlin konnte ich am Tegernsee dann auch  noch etwas Selbstvertrauen tanken und fuhr mit einem guten Gefühl nach Berlin. Vielleicht ist ja doch mehr drin…

Berlin ist ja auch ohne Marathon eine Reise wert, so bin ich mit Gattin, bereits am Freitag angereist, damit ich auch ein bisschen was von Berlin habe.

Der Marathon wird die Verkehrssituation übers Wochenende nicht verbessern...

Am Samstagnachmittag starteten im Tiergarten die Skater auf die Marathonstrecke. Bei der Gelegenheit begutachte ich den Startbereich auf der Straße des 17. Juni, und war von den  Dimensionen sehr beeindruckt.  Von der Startline aus  ging ich Richtung Brandenburger Tor, die Startblöcke A, B, C, D sind noch relativ klein. Der Bereich E und F wird dann schon größer. Mein Startblock G, scheint überhaupt kein Ende nehmen zu wollen. Und danach kommt nur noch der Startblock H mit den Powerwalkern am Ende.  Erschreckend, wenn einem so die eigene Leistungsklasse aufgezeigt wird.

–Du bist einer von Zehntausenden, und Du stehst ganz hinten-

 

Ruhe vor dem Sturm...

Samstag früh gings zeitig mit dem Fahrrad zum Tiergarten, da ich bei 41.000 Startern mit einem mittelgroßen Chaos bei der Anreise, bzw.  bei der Kleiderbeutel Abgabe gerechnet habe. Aber das war alles perfekt organisiert. Wirklich, da muss ich dem Veranstalter ein großes Lob aussprechen. Die Organisation war perfekt.

Ich laufe mich ein bisschen ein, damit mein Fahrwerk auf Temperatur kommt und sortiere mich dann im Startblock G ein.

Um 9:00 Uhr werden die Profis gestartet. Zehn Minuten später ist der Startblock F und G dran. Währen der Startblock langsam an die Ziellinie vorrückt, verschwinde ich nochmal kurz aufs Dixi – die Nervosität-

Als ich wieder an die frische Luft trete, ist der Startblock fast komplett an mir vorbei gezogen. Ich laufe an der Seite nach vorne um nicht ganz von hinten starten zu müssen.  Ich denke der Dixi Ausflug war einer meiner ersten Fehler, den ich am Sonntag gemacht habe, aber da sollte ich ja nicht der einzige gewesen sein.

Um 9:14 starte ich offiziell ins Rennen. Auf den ersten Kilometern bin ich total beeindruckt von der Atmosphäre die an der Strecke herrscht und mir fällt  gar nicht auf, daß ich gar nicht recht vom Fleck komme.

Die Werte die mein Garmin für die ersten Kilometer anzeigt  sind im Grunde nicht schlecht, aber die Realität sieht anders aus, nur das bemerkte ich erst in der Nachbetrachtung.

Es ist extrem voll,  im Zickzack geht’s durch die Meute. Von der blauen Ideal-Linie, die sich durch ganz Berlin schlängelt, bin ich Meilen entfernt. So wundert es nicht, dass mein Garmin die Kilometer immer früher abpiepst. Am Ende waren es 800 Meter, die ich mehr auf der Uhr hatte, und die hatte ich alle auf der ersten Hälfte des Marathons gesammelt.

Masse Läuft

Ein stückweit laufe ich sogar auf dem Gehweg, weil auf der Straße kein Durchkommen ist. Plötzlich fällt mir ein älterer Italiener wie ein Käfer vor die Füße, er ist an den unebenen Gehwegplatten, die so typisch für Berlin sind, hängen geblieben. Ich fasse Ihn unter die Schultern und helfe ihm wieder auf, frage ob alles in Ordnung ist.  „Io sto  bene, grazie“. Ich sortiere mich wieder auf der Straße ein, nicht dass ich der nächste bin, der auf der Nase liegt.

Die erste Verpflegungsstelle kommt, ich bin erstaunt wie viele schon nach 6 km zum Catering gehen. Der Lindwurm kommt ins Stocken und die Sekunden verrinnen. Es geht durch ein Meer an Plastikbechern, das hört sich an, als laufe man durch Cornflakes.

Die nächste Engstelle kommt in der Friedrichstraße, hier wird die Strecke etwas enger, was zur Folge hat, dass sich das Läuferfeld erneut staut. Ein Rollstuhlfahrer, der auf dem Abschnitt entgegen kommt, macht die Situation nicht gerade besser.

Im Schmerzzentrum geht zu dem Zeitpunkt die erste Warnleute an. Die linke Achillessehne meldet ein Problem. Seit letztem Dienstag macht diese sich gelegentlich mit leichtem Druck bemerkbar. Aus dem Grund habe ich auch in der Woche vor dem Marathon die Beine etwas ruhiger gehalten und bin am Freitag und Samstag  überhaupt nicht mehr gelaufen. Schließlich ist ja Tapering angesagt.  Ich will mal hoffen, dass das jetzt nicht schlimmer wird. Schließlich werde ich ja später dann noch genug mit Lolek und Bolek, also dem linken Oberschenkel und dem Knie zu tun haben.

Die Durchgangsmatte bei km 10 überlaufe ich mit einer 55:41, dass ich zu langsam bin, realisiere ich auch jetzt noch nicht, schließlich sind die Splitts, die mein Garmin anzeigt ja noch ganz in Ordnung.

Am Straußberger Platz bei km 12, nehme ich mir die Zeit und laufe bei der Umrundung des Rondells  gaaaaanz außen, um mir die nötige Anerkennung und Anfeuerung von Freunden abzuholen die hier stehen wollten.   Taten sie aber nicht. Später erfahre ich, dass meine EX-Freunde zu dem Zeitpunkt noch in den Betten lagen. Ist am Samstagabend dann doch später geworden.

Die Spitze hat mich längst abgehängt...

Bei Kilometer 14 nehme ich mein erstes Gel, um dann bei der nächsten Wasserstelle  mit Wasser etwas nach  zu spülen. Bisher habe ich versucht  die Verpflegungsstellen bei km 5, 9 und 12 weiträumig zu umlaufen,  diesmal muss ich aber in den Nahkampf an die Theke, und ich bezahle mit weiteren wertvollen Sekunden.

Ich ergattere einen Becher Wasser und schnorchle diesen mit dem  eigens dafür mitgeführten Trinkhalm.

Meine Splits werden besser, langsam nähere ich mich  dem Bereich in dem ich  eigentlich laufen sollte. Ich genieße die Atmosphäre die rundherum an der  Strecke herrscht, es gibt kaum ein Abschnitt an dem Niemand steht und die Läufer anfeuert. Die  Musikgruppen an der Strecke sind der Hammer, rund 90 soll es davon geben. Bei manchen würde man am liebsten stehen bleiben und zuhören. Am besten hat mir eine Trommler Gruppe gefallen, die in einer langen Unterführung standen und im Stile von „we will rock you“ getrommelt haben während alle Läufer dazu im Takt  aus vollem Halse  „YEAH“ riefen und gleichzeitig beide Hände in die Höhe rissen.

-Genial-

Aber die Freude währt nicht lange, bei km 18 geht der nächste Alarm in der Schmerzzentrale ein.  Die Achillessehne macht jetzt ernst und wechselt Ihren Status von Orange auf Rot, das ganze wird mit einem heftigen ziehen unterstrichen.  Wenig später bekomme ich bei km 20 die Quittung, ich kann das Tempo nicht mehr halten und werde wieder langsamer.

Mit einer Zwischenzeit von 1:57:08 zum Halbmarathon kapiert auch der blödeste, dass das mit einer geplanten 3:50 nix mehr werden kann. Bei mir dauert es etwas länger bis ich mit meinen blutleeren Synapsen das soeben erlaufene Ergebnis verdopple.  Bei km 23 ist es amtlich, das Rechenzentrum hat die Hochrechnung bestätigt; das wird nix. Wo habe ich nur die Zeit liegen lassen?

Für eine Analyse bleibt keine Zeit, denn in der Schmerzmeldezentrale geht ein weiterer Notruf ein. Der linke Oberschenkel vermeldet einen Kabelbrand. In der Zentrale bricht Hektik aus. Man versucht den Oberschenkel zu stabilisieren, das geht aber auf Kosten der Pace. Die Adrenalinausschüttung wird hoch gefahren um den Schmerz zu löschen. Der Laufstil wird aber zunehmend unrunder.

Wenig später macht der Druckanstieg im linken Knies das Chaos in der Zentrale komplett.

Ein Notfallplan wird kurzerhand aus der Schublade gezogen. Linderung durch Schmerzverlagerung, heißt der Plan.  Zur Ablenkung werden willige Passanten und Kinderhände abgeklatscht bis die Handflächen brennen.

Das lenkt zwar ab, aber meine Linke Seite steht weiterhin in hellen Flammen.  Bei der Timekillerproduktion, ist offenbar für die  linke Seite, ausschließlich minderwertiger Schrott verbaut worden.

Bei km 27 werden Gel-Tütchen gereicht. Auf dem folgendem Kilometer  bis zum „wilden Eber“ bekommt man daraufhin kaum seine Beine vom Boden. Alles klebt.

Die  Stimmung am „wilden Eber“, einer der Höhepunkte der Strecke, kann ich gar nicht mehr so richtig aufnehmen. Ich befinde mich längst in einem Tunnel aus Schmerz und Adrenalin, die äußeren Eindrücke dringen nur noch durch einen Nebel zu mir durch.  Durchhalteparolen werden wie ein Mantra immer und immer wieder wiederholt. Zum Glück habe ich meine Frau bei km 36 positioniert. Zumindest bis dahin möchte ich durchhalten. Wehe, die liegt auch noch im Bett, Sie war ja am Vorabend auch mit den Freunden vom Straußberger Platz unterwegs.

Bei Kilometer 32 reißt mich eine Textbotschaft auf einer Videoleinwand  aus meiner Lethargie.

Als ich über eine Zeitmatte gehe, erscheint auf einer großen Videoleinwand gegenüber die Botschaft:

„Timekiller, Zeit für den Zielsprint“

Ja, wie geil ist das denn.  Ich spüre förmlich wie neue Energie durch mich strömt.  Ich werde heute keine Bestzeit mehr abliefern, aber jetzt möchte ich zumindest  finishen.  Die nächsten Kilometer verbringe ich damit zu überlegen wer mir diese Botschaft geschickt haben könnte. Dann zähle ich nur noch die Kilometer bis zu km 36 runter.

Bei  km 35 (und 25) nehme ich ein weiteres Gel aus meinem Gürtel, danach geht es jeweils  in die Schlacht an der Getränketheke.  Ein Wasserloch verpasse ich, weil ich das Gewühl am Anfang umgehen wollte, und dann ist die Theke auch schon vorbei. Und jetzt? Etwa zurück gehen?

-NIEMALS-

War Erich Honecker eigentlich Marathon-Läufer? War von Ihm nicht das Zitat „Vorwärts immer, rückwärts nimmer!“

Am Ku-Dam angekommen ist das Läuferfeld endlich soweit auseinandergefallen, dass man ohne Schlangenlinien Laufen könnte. Aber an Überholen ist in meinem Zustand nicht mehr zu denken. Ich muss schauen, dass ich nicht selbst zum Verkehrshindernis werde.

Kurz hinter 36 Kilometer entdecke ich meine Frau und hole mir meine verdiente Streicheleinheit ab, soviel Zeit muss sein.

Hol mich hier raus...

Jetzt sind es „nur“ noch sechs Kilometer, versuche ich mich zu motivieren.

Auch die Zuschauer an der Strecke versuchen  zu Motivieren. Sie halten dazu selbst gebastelte Transparente in die Höhe.

„Quäl Dich, Rainer“

„Katrin, keiner hat gesagt es wird leicht“

„Papa, Du wolltest es so“

„Lauf die Sau“

Mein Absoluter Favorit aber ist:

„heul doch“

Ja, innerlich weine ich längst… Alle haben mir für den Marathon viel Spaß gewünscht. Nein, ich bin ehrlich, Spaß macht  das momentan nicht. Vielleicht bis km 15, aber jetzt? Spaß? Dass ich nicht lache. Was für eine bescheuerte Idee, 42 Kilometer durch eine Stadt zu rennen.  Gestern, die Skater, ja, das sah nach Spaß aus, aber das hier… Ich will  jetzt auch Rollen haben.

So geht Spaß...

Am Gendarmenmarkt bei Kilometer 40 keimt Hoffnung auf, den Rest  nun doch auch noch zu schaffen.  Hinter jeder Wegbiegung  vermute ich nun das  Brandenburger Tor zu sehen, aber es dauert noch verdammt lange bis ich endlich auf die Zielgerade einbiegen darf.

Ein Moderator ruft  „nur noch ein Kilometer bis ins Ziel“, ich schiele auf die Uhr: 3:55

-Arghh, das wird eine total enge Kiste-

Ich mobilisiere die letzten Kräfte, pfeife auf die Schmerzen und gebe das letzte was der geschundene Körper noch zu leisten vermag.  Ich renne durch das Brandenburger Tor, eigentlich wollte ich diesen Abschnitt genießen, aber dazu habe ich jetzt keine Zeit. Ich habe einen Marathon zu finishen und zwar  SUB 4h.

Die Erlösung ist nah...

Nach dem Tor  habe ich freie Sicht auf das Ziel.

–Oh Gott, ist das noch weit-.

300 endlose lange Meter.  Ich gebe alles.  In der Schmerzzentrale ist alles wild am Blinken und Piepsen, Funken sprühen aus den Armaturen …

Mit 3:59:12 gehe ich über die Ziellinie und ich bin…

…froh, dass es rum ist. Das mache ich nie wieder schießt es mir durch den Kopf.

Nach der Ziellinie möchte ich mich eigentlich sofort  hinlegen. Aber es ist kein Platz. Über Lautsprecher werden die Finisher aufgefordert langsam weiter zu gehen. –Ich will jetzt nicht mehr gehen, ich bin 42 km gelaufen, jetzt ist Schluss-. Ich spiele mit dem Gedanke einfach zu kollabieren, dann würde  ich davongetragen werden und würde eine erstklassige Zielverpflegung bekommen, vieleicht sogar intravenös.  Eine leckere Ringer Lactat…

Stattdessen legt man mir eine Plane um, und  hängt mir meine Finisher Medaille um.

Was zu trinken wäre jetzt ganz schön! Aber es sollte noch etwas dauern bis ich zur Zielverpflegung weiter geschleust worden bin.  In der Verzweiflung reiße ich das letzte Gel vom Gürtel und schlürfe dieses aus.  Das gibt mir die nötige Kraft um beim Erdinger Stand zwei Weißbier zu ergattern und mit  einer Tüte Zielverpflegung  auf der Wiese vor dem Reichstag ein freies Plätzchen zu suchen.

Die Tüte mit der Zielverpflegung ist etwas mager.  Eine Banane, ein Apfel, ein Milchbrötchen, Kekse und ein Tetrapack Wasser.  Nix Salziges. Und dafür bin ich jetzt so weit gelaufen?  Während ich die Banane mampfe, fällt mein Blick auf meine Waden. Diese scheinen ein Eigenleben zu entwickeln. Irgendwas arbeitet da unter der Haut. Ich spüre nix, aber es sieht aus, als ob ein Frettchen unter einer Decke mit einem Ball spielt.  Eigentlich müsste jetzt  gleich der Krampf kommen…

Um 14:30 bin ich mit meiner Frau in einem Cafe am Rande des Tierparks verabredet.  Ich komme natürlich zu spät. Ich bestelle ein Bier und einen Zwiebelkuchen. Wenig später kommt eine Familie angerauscht und annektiert die Plätze hinter uns. Die Frau ist extrem betriebsam und beginnt das Mobiliar des Cafes neu zu ordnen . Da es etwas eng ist bittet sie mich  mit dem Stuhl zu rutschen, damit Ihr Mann die Beine hochlegen kann. „Wissen Sie, mein Mann ist gerad ein Marathon gelaufen und wir haben heute noch viel vor“

-Ne, echt?- entfährt es mir, und ich denke:

So eine arme Sau…

Freitag Nachmittag,  Berufsverkehr in München. Die Stadt ist voll. Ich komme von Starnberg, meine Tour führt mich direkt ins Zentrum (Sendlinger Tor), danach geht’s  nach Harlaching, und dann wieder komplett quer durch München nach Moosach. Im Stop-and-Go geht es gemächlich vorwärts. Im Radio gibt es nur ein Thema. „Der Verkaufsstart des neuen Apple iPHONE 5“, es wird von Menschen berichtet, die 9 Stunden, also in Worten -”NEUN”- Stunden vor den Läden ausgeharrt haben um schließlich ein simples Telefon zu kaufen. Ich bin fassungslos. –wie blöd kann man denn sein- Kann man das nicht übers Internet bestellen? Ich bin fassungslos, womit die Leute Ihre Zeit verplempern. Das würde ich ja nie tun…

Wobei, mein Vorhaben, nach meinem Termin im Zentrum, das nächste Date in Moosach mit einem  Schlenker über Harlaching anzufahren, ist jetzt auch nicht der puren Vernunft entsprungen.

Nach dem langen Lauf am vergangen Wochenende mit Frank, gärte in mir der Gedanke, vielleicht doch noch beim Tegernseelauf teilzunehmen. Nicht als Wettkampf, nein, eher so als Trainingslauf. Eine Woche vor einem Marathon  einen Halbmarathon auf Zeit zu Laufen wäre ja auch ziemlich dämlich. Laufexperten würden mir diesen Lauf regelrecht um die Ohren hauen. Zu Recht.

Aber als lockerer Trainingslauf? Mal das ursprünglich angesetzte Wettkampftempo testen.  Wie fühlen sich 5:18 auf 21km an, und vorallem was sagt der Oberschenkel dazu. Die Pace ist machbar. Am Wochenende müsste ich ohnehin laut Plan 13km im Wettkampftempo absolvieren, da kann ich dann auch gleich die 20 bzw. den HM voll machen, und dann auch noch Wettkampfatmosphäre schnuppern. Wieso also nicht.

Die Homepage vom Tegernseelauf bringt dann schnell die Ernüchterung „Ausgebucht“. Auch eine freundliche Mail an den Veranstalter mit der vorsichtigen Anfrage, ob es vielleicht noch ein Minikontingent an der Tageskasse gibt, ändert nichts an der Tatsache: Ausgebucht ist Ausgebucht

Naja, dann eben nicht, war ja nur so ne Idee.

Aber das Schicksal meinte es gut mir. Passend zum Geburtstag von Emil Zatopek, erhalte ich über Twitter eine Meldung von Frank, dass er am geplanten Tegernseelauf aus privatorganisatorischen Gründen nicht teilnehmen kann.

-Hoffnung keimt auf-

Und so fahre ich nun zwei Stunden durch die Stadt um einen Startplatz für einen Lauf abzuholen, bei dem ich voraussichtlich nicht mal zwei Stunden auf der Strecke sein werde. Tja, Läufer …

Sonntag früh geht’s dann für meine Verhältnisse zeitig  aus den Federn, denn die Anreise nach Gmund am Tegernsee sollte nicht zu kurzfristig erfolgen. Bei meiner ersten Teilnahme vor drei Jahren hätte ich beinahe den Start verpasst, da ich bis kurz vorher noch im Anreise-Stau stand. Daher zog ich wie schon letztes Jahr die alternative Anreise mit der Bayerischen Oberland Bahn (BOB) vor.

Da das Wetter gut zu werden schien waren neben den Läufern auch jede Menge Ausflügler und Wanderer unterwegs und die Bahn war damit entsprechend voll. Wäre es erlaubt, wären sicherlich auch einige auf dem Dach gesessen, aber in Bayern ist das natürlich verboten, wir sind ja hier nicht in Indien. Aber die Stimmung im Zug ist gut, da gibt’s keine Gemurre und Gemaule, alle sind ja freiwillig hier. Montags früh in der U- und S-Bahn  herrscht da eine andere Stimmung. Und  wenn man schon so nah beisammen steht kann man sich auch gleich unterhalten und so ergeben sich nette Gespräche.

In Gmund angekommen, meldete ich noch schnell die Startnummer auf meinen Namen um, nicht dass ich durch meinen Trainingslauf,  Franks Ruf  als Ausdauersportler ruiniere. Das Ummelden war auch überhaupt kein Problem, kostete zwar 10€ Gebühr, war aber ansonsten problemlos. Andere Veranstalter stellen sich ja da so ein bisschen an. Naja,  eigentlich nur  SCC EVENTS, die den Berlin Marathon veranstalten. Die machen generell keine Ummeldungen und auch das Laufen mit fremder Startnummer ist verboten. Ein tiefes „BUUUUUUUHH“ an dieser Stelle an SCC EVENTS Berlin!!! Es geht auch anders!

Der Start/Ziel Bereich in Gmund, der direkt hinter dem Bahnhof liegt, ist etwas eng, daher können  auch nur 4600 Teilnehmer an diesem Lauf teilnehmen, da verwundert es dann doch, dass der Veranstalter einen VIP Bereich mit Bistro Tischchen und Pavillon Zelten von dem ohne hin schon spärlichen Platz abknapst.

Ich weiß nicht so recht was ich von  VIP Bereichen  bei Volksläufen halten soll. Auf der einen Seite verstehe ich ja, dass Sponsoren etwas Ihren Partnern und  Kunden bieten wollen, auf der anderen Seite nervt mich dieses VIP-Gedöns. Ich finde das passt nicht zu einem Volkslauf. Wir sind doch hier nicht bei der Formel-1.  Naja, muss wohl so sein. Laufen ist ein Massensport geworden, da mögen sich wohl manche von der Masse abheben…   mir  egal, ich gehöre zum gemeinen Laufvolk und da fühle ich mich wohl. Außerdem habe ich heute gute Laune…

Wirklich, meine Laune ist glänzend, ich genieße das geschäftige Treiben im Start/Zielbereich, ich bade mich in Vorwettkampf-Atmosphäre. Innerlich sollte ich ja ganz ruhig sein, schließlich geht es für mich ja um nix, ich plane keine Bestzeit oder so, sondern will  nur locker mit dem Feld mitrollen, aber die Wettkampf-Nervosität nimmt auch von mir Besitz. Das ist schon erstaunlich, wie ergeht es mir dann erst in einer Woche, AuWeia!

Es bleibt auch noch genug Zeit, um mich locker 2,5 km einzulaufen um mich dann im MitteIfeld in den Startblock einzureihen. Hier ist es weniger eng als eben noch in der BOB. Alles sehr entspannt, zumindest in dem Bereich in dem ich stehe. Die Zielzeit meiner unmittelbaren Nachbarschaft liegt so zwischen 1:45h und 2:00h, also genau mein Bereich.

Mit 5 Minütiger Verspätung geht’s dann los. Die Meute stürmt davon, ich lasse mich mittreiben, und bin natürlich wieder viel zu schnell. Ich ziehe bewusst die Handbremse an, dennoch sind die ersten zwei Kilometer mit 5:08 noch zu schnell. Ich ziehe die Handbremse weiter an, und hänge mich an einen älteren Herren, der genau eine 5:18 läuft. Für seine Zielzeit von 2:00h ist er eigentlich auch zu schnell. Aber das sind hier alle. Das ist auf dieser Strecke auch nicht schwer, von Gmund nach Rottach-Egern geht es stetig bergab, (abgesehen von der kurzen Steigung in Tegernsee.) Aber ab km 11 geht’s dann wieder kontinuierlich nach oben und das böse Ende kommt dann bei km 16,  eine gut 1,5km lange Steigung bei Bad Wiessee. Das wird vielen den Zahn ziehen. Dort ging ich von 3 Jahren jämmerlich ein. Die Steigung bei km 19 gibt einem dann den Rest. Damals hatte ich in Rottach-Egern eine sensationelle Durchgangszeit auf die 10km und es schwante mir, dass ich dieses Tempo unmöglich bis ins Ziel bringen kann. Ich ging dann am Ende auch fürchterlich ein und zahlte ordentlich Lehrgeld. Das wird mir heute nicht passieren.

Bei der ersten Verpflegungsstelle bei km 6 verliere ich meinen Gesprächspartner. Ich selbst möchte die 21km trocken laufen. Fortan laufe ich wieder alleine, und sogleich steigt die Pace wieder Richtung 5:10. Runter bremsen… Noch fühle ich mich wunderbar. Keine Schmerzen, der Puls tuckert im Mittelfeld rum. Das ist ein wahrer Genusslauf, hätte nicht erwartet, so etwas mal zu schreiben. Aber so ist es. Ich genieße das Wetter und die Tatsache, dass ich mit hunderten gleichgesinnten laufen darf.

Die 10km Matte passiere ich bei 52:14. Mit einem 5:14er Schnitt bin ich zwar immer noch etwas schnell, aber das Tempo fühlt sich gut an. Langsamer werde ich auf der zweiten Hälfte dann schon von selbst, da werden die Steigungen schon für sorgen. Am Tegernsee wird einem der negative Splitt schon verdammt schwer gemacht.

Die Strecke von Rottach über Egern, Abwinkel bis Bad Wiessee ist wunderschön, es geht auf kleinen Sträßchen, oder Parkwegen direkt  am See entlang, vorbei an schönen Bauernhäusern und herrschaftlichen Anwesen und Wellness-Hotels.

Möglich, dass die Wellness-Hotels meinen rechten Oberschenkel ermuntert haben sich bemerkbar zu machen, jedenfalls macht sich dieser sich ab ca. km 12 mit leichtem drücken auf sich aufmerksam.

-Na, der ist ja heute zeitig dran-.

Jetzt warten wir mal bis der Kollege, das Knie, in den Schmerzreigen einsteigt.  Mein Oberschenkel und  das Knie sind ja wie “Dick und Doof”, “Pat und Patachon” oder “Lolek und Bolek”, die treten immer gemeinsam auf.  Mal sehen wann die Show beginnt.

Ich lasse mich nicht beirren, und lauf weiter mein Tempoe, die Stimmung ist weiterhin gut.

Bei km 14 nimmt der Druck etwas zu, und ich merke wie ich langsam etwas unrund laufe. Das Knie hält aber noch still.  Ich versuche bewusst lockerer zu laufen um nicht zu verkrampfen.

-timekiller-Rakete in Action

Bei km 16 beginnt dann die befürchtete Steigung, ich habe aber noch den Tiger im Tank, denn ich habe mir die Kräfte ja eingeteilt und bewältige den Abschnitt auch problemlos und überhole einige Geher. Aber das Beste ist, ich spüre den Oberschenkel nicht mehr und das Knie gibt auch Ruhe.  Sehr gut!  Bis zur nächsten Steigung geht’s wieder gut einen Kilometer bergab, ich ziehe wieder die Handbremse an, schließlich will ich ja heute keine PB aufstellen sondern eher gleichmäßig laufen. Trotzdem springt eine 4:55 raus. OK, es ging  den Berg runter, da ist diese Pace keine Kunst. Nach der letzten Steigung mag ich es dann aber doch wissen, auf dem letzten Kilometer zünde ich die –timekiller- Rakete und setze zur Endbeschleunigung an. Mit 1:50:40.7  (5:14min/km) schließe ich meinen sonntäglichen Trainingslauf ab und bin damit sogar um eine halbe Sekunden schneller als Kai Pflaume der auch am Tegernsee angetreten ist. Na, wenn das mal kein Erfolg ist, dann weiß ich aber auch nicht.

Während Kai seine Zielverpflegung wohl im VIP Bereich einnimmt, geselle ich mich zum normalen Volk. Aber die Verpflegung fürs Volk braucht sich nicht zu verstecken, ich habe selten eine üppigere Zielverpflegung gesehen als hier. Es gibt neben Apfelschorle und Mineralwasser natürlich alkoholfreies Bier, warmen Tee, Obst,  Brezen, Wurstsemmeln, Käsesemmeln, Riegel,  Jogurt, wahrscheinlich auch Kuchen. Und es war von allem wirklich reichlich da. Soviel, dass es sogar einzelne Beutelratten anlockte, die sich Ihre Startbeutel und Blousons mit Riegeln und Jogurt voll stopfen.

Das einzige was im Bereich  der Zielverpflegung fehlte waren Sitzgelegenheiten, dafür war einfach kein Platz mehr.  Aber sitzen konnte ich diesmal auf der Rückfahrt.

Das war ein wirklich schöner Lauf, auch wenn es in Hinblick auf Berlin jetzt vielleicht nicht die klügste Entscheidung war, ich hätte den Lauf nur ungern verpasst. Vielen Dank an Frank, an dieser Stelle nochmal,  der mir seinen Startplatz netterweise  überlassen hat.

-Danke-

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