Blei im Schuh

Donnerstag, März 31, 2011

Ist das Frühjahr schon da? Muss wohl, schließlich leide ich derzeit an extremer Frühjahrsmüdigkeit. Es ist unglaublich, ich könnte ununterbrochen schlafen.

Ist das schon „Frühjahrsmüdigkeit“ oder noch „Winterschlaf“?

In meinen Wachphasen versuche ich dennoch ein bißchen zu laufen, aber auch da läuft es nicht rund. Nach meinem Marsch durch den Westpark vor 3 Wochen schmerzt meine rechte Wade, vom Schienbein ganz zu schweigen.

Beim Laufen sind die Füße unglaublich schwer, es ist fast so, als ob ich anstatt der Laufschuhe versehentlich in Skistiefeln unterwegs wäre. Oder meine Frau hat mir heimlich Blei in die Schuhe gekippt, damit ich etwas bodenständiger werde.

Am Sonntag habe ich dann wohl den absoluten Nullpunkt erreicht. Nach gerade mal zwei Kilometern musste ich schon eine Gehpause einlegen, meine Schiebeine branten wie Feuer und die rechte Wade war hart wie Beton. Nach einer weiteren Gehpause (km7), habe ich dann nach 9km einfach Schluss gemacht. Strömender Regen und dann mit den Stelzen unterwegs… schön ist was anderes.

Damit sich meine Wade ein bisschen regenerieren kann, habe ich mir bis Mittwoch eine Laufpause verordnet. Da ich den Verdacht hege, meine Beschwerden könnten auch an schlechtem Schuhwerk liegen, habe ich mal meine aktuelle Schuhkollektion (nicht die Laufschuhe) kritisch unter die Lupe genommen, und festgestellt, dass ich mit einem Freizeit-Schuh, den ich derzeit häufig trage, rechts ziemlich nach innen kippe. Zumal ist der Schuh weicher als meine sonstigen Schuhe. Also wird der erstmal aussortiert, und ich trage zukünftig, die etwas weniger bequemen flachen Halbschuhe mit harter Ledersohle. Ein Versuch ist’s wert…

Am Mittwoch stand dann mein nächster Lauf auf dem Programm, aufgrund der Zeitumstellung, kam ich sogar noch in den Genuss bei Sonne loszulaufen. Da ich am Sonntag so geschwächelt habe, habe ich mir diesmal ein strammeres Programm auferlegt. Da „schnell“ momentan nicht drin ist, habe ich mir als Intensitätssteigerung, ein paar Steigungen vorgenommen. Dreimal sollte es daher in verschiedenen Routen über den Olympiaberg gehen. Nach zwei Kilometern brennen bereits wieder die Schienbeine, und die Wade wird hart, aber gehen möchte ich diesmal vermeiden, ich werde langsamer und versuche lockerer zu laufen, bei km3 steht der erste Anstieg an. Der Puls ist noch moderat, steigt aber stetig in Richtung 80%Hfmax.

Oben, kurz vor dem „Gipfel“ sitzt ein Pärchen im Gras und genießt bei einer Flasche Wein, den bevorstehenden Sonnenuntergang.

Ohne Stopp geht es wieder zurück ins „Tal“, am Olympiasee entlang, Richtung nächster Anstieg. Komisch, das Schienbein schmerzt gar nicht mehr und die Wade hält auch still, aber der Puls will nicht wirklich fallen, gerade mal 3% Abfall, und dann steht auch schon wieder die nächste Steigung an. Wieder den Berg hoch, eben ging’s noch flotter…

Das Pärchen sitzt noch immer da…

Das letzte Stück zum Gipfel gebe ich richtig Gas und treibe den Puls auf 90%. Ziemlich KO trete ich ohne Zwischenstopp den Abstieg an. Der Puls fällt langsam, aber unter 80% bekomme ich ihn nicht.

Soll ich wirklich noch eine Runde machen? Bisher habe ich mich immer mit zwei Bergrunden begnügt, nach hause muss ich ja schließlich auch noch… -Nein, gekniffen wird nicht, jedenfalls nicht heute, also nochmal um den Berg rum und wieder hinauf.

Deutlich zäher geht es diesmal, die Pace fällt weit unter 6:30 min/h, stehe ich etwa?

Das Pärchen hat mitlerweile die zweite Flasche entkorkt, bin ich etwa so langsam… oder ist das Pärchen beimTrinken besser konditioniert als ich beim Laufen?

Ein letztes Mal geht es das letzte Stück zum Gipfel über das Kopfsteinpflaster nach oben, ich versuche nochmals alles zu geben. Bei 95% reglt der Drehzahlbegrenzer ab, mehr ist heute nicht drin, schließlich habe ich jetzt bereits 11 Kilometer auf dem Buckel. Nach meinem Bergspurt, geht es jetzt noch 4km nach hause, -Mann, bin ich fertig-.

Langsam wackle ich den Berg runter. Der Puls beruhigt sich langsam wieder, sofern man bei 87% von beruhigen sprechen kann. Auch im Flachen komme ich nun über eine 6er Pace nicht mehr hinaus, ich kann die Füße kaum noch heben, der Heimweg zieht sich wie Kaugummi. Ich kann mich nicht erinnern jemals so fertig gewesen zu sein, -Oh Gott, noch 2 Kilometer…- Wie wird das erst beim Marathon?

Der Tribühnenschritt auf den letzten 500 Metern durch die Nachbarschaft muss diesmal ausfallen, Scheiß auf die Nachbarn…

Vor der Haustüre lasse ich auch noch den Hausschlüssel fallen… wenn ich mich jetzt bücke kann ich gleich da unten bleiben. Also klingle ich, meine Tochter macht nach einer gefühlten Ewigkeit die Türe auf, ich bitte Sie den Schlüssel aufzuheben und schleppe mich aufs rettende Sofa. Wer bringt mir jetzt was zu trinken, und vorallem, wer trägt mich unter die Dusche?

-Wobei, ich glaube ich bade heute lieber-

12 Comments

  1. Supermario72 sagt:

    Guten Morgen nach München!

    Diese erfrischende Selbstironie liest sich einfach herrlich! „…. Der Tribühnenschritt auf den letzten 500 Metern durch die Nachbarschaft muss diesmal ausfallen, Scheiß auf die Nachbarn… “ – supergeil! 😀

    Aber ich würde mich nicht zu sehr zum Geisel der Pulsuhr machen! Ist doch klar, dass bei Bergaufläufen Dein Puls ordentlich nach oben schießt. Aber DAS ist Training! DAS ist ein richtiger Trainingsreiz. Den bekommst Du nur durch gezielte Überlastung und anschließende Regeneration.

    Grüße aus „Kölle“
    Mario

    1. timekiller sagt:

      Hallo Mario,
      ich gebe zu, die Angabe der Pulswerte in Prozent wirkt etwas akribisch… das mache ich auch nur für Laufhannes, sonst steigt der mir wieder aufs Dach 😉

      Grüße aus Minga
      -timekiller-

  2. Pierle sagt:

    Sehr schöner Bericht – so fängt der Freitag gut an.

    Nicht, dass ich mich darüber freue, dass du Blei-Beine hattest. Ich erkenne mich einfach nur zu gut wieder.
    Der Kampf mit dem Schweinehund um die dritte Runde oder (wie Mario auch schon sagte) der Tribünenschritt durch die Nachbarschaft. Herrlich.

    Gruß
    Carsten

    1. timekiller sagt:

      Ja, das Schaulaufen duch die Nachbarschaft gibts dann wieder heute abend, dann vielleicht mit extra Runde, man hat ja seinen Ruf zu verteidigen 🙂

      Grüße -timekiller-

  3. ultraistgut sagt:

    Mein lieber Herr Gesangverein, da bekommt man beim Lesen das Gefühl, dich halten zu müssen wegen deiner Schwäche, besonders an der Haustür, Gott sei Dank hat dir deine Tochter die letzten Schritte erleichtert.

    Ja, man hat es nicht leicht, ab und an geht es eben nicht so, wie es eigentlich gehen sollte, aber das vergeht – versprochen, vielleicht schon heute Abend ! 😉

    1. timekiller sagt:

      ich war wirklich groggy, (schreibt man das so?)

      Aber gestern Abend ging es auch schon wieder besser… Die Runde am Moosacher Rangierbahnhof ist zwar nicht gerade zum regenerieren geeignet, aber man läuft so schön in den Sonnenuntergang…
      Grüße -timekiller-

  4. Eddy sagt:

    Was für ein schöner Bericht. Ich hab gelacht – aber auch mit Dir gelitten! Hoffe, das Bad hat Dich ausreichend regeneriert?

    Schönes (Lauf-?) Wochenende!

    1. timekiller sagt:

      Ja, das Bad hat wirklich gut getan, meine Beine waren gestern Abend schon nicht mehr ganz so wackelig.

      Und jetzt freue ich mich auf eine lange und sonnige Sonntagsrunde. Das Wetter soll ja ganz fantastisch werden…

      Dir auch ein schönes Lauf-Wochenende.

      Grüße -timekiler-

  5. Gerd sagt:

    Da leidet man ja beim Lesen selbst mit! 😉
    Du Armer.
    Aber die beiden Säufer auf dem Hügel waren wohl wirklich flott! 😉

    1. timekiller sagt:

      Und früher bin selbst dort gesessen und habe mich über die verrückten Läufer gewundert. So ändern sich die Zeiten.

  6. Evchen sagt:

    Und? Hast Du mittlerweile geduscht? 😉

    1. timekiller sagt:

      Ja, mittlerweile habe ich sogar mehrmals geduscht. Interessanterweise ist unsere Wasserverbrauch im vergleich zum Vorjahr überhaupt nicht gestiegen, und das obwohl ich meine Trainingintensität deutlich gesteigert habe?

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