Archive for Mai 2011

Unauffällig schlendere ich an der Bude vorbei, ist die Luft rein? Ich drehe um und sondiere die Umgebung. Es scheint mich niemand zu beobachten, soll ich? Ja, jetzt los, ich wage den Schritt, und stelle mich ganz unbeteiligt an der kurzen Schlange an. Als ich dran komme, raune ich dem etwas schmierigen Mann hinter dem Tresen leise meinen Wunsch zu, so leise, dass ich mich wiederholen muss. Ungläubig wiederholt er meinen Wunsch. Pssssst…, hinter mir wird gekichert. Der Mann  verdreht die Augen und macht sich widerwillig hinter der Theke zu schaffen. Ist der Wunsch wirklich so abwegig, leide ich unter Geschmacksentgleisung… endlich reicht mir der Mann meine Bestellung, eine

-Maß alkoholfreies Radler-

Ich zahle schnell, und versuche unerkannt im Gewühl des Biergartens unterzutauchen.

Ich bin im Hirschgarten mit Freunden verabredet, Münchens größtem Biergarten mit gut 8000 Sitzplätzen, hier wird das Biertrinken noch zelebriert und kultiviert. Eigentlich wollte ich heute noch laufen, aber mit ein zwei Maß intus würde das sicherlich nix mehr werden.

Trink halt a Radler, Du Depp!

Nö, das ist mir  a) zu süß und b) ist ja dann immer noch Alkohol drin, und Laufen und Alkohol gehen bei mir nicht recht zusammen.

So bin ich auf die abwegige Idee eines alkoholfreien Radlers gekommen. Durch das herbere alkoholfreie Bier (Clausthaler) schmeckt das Radler weniger süß. Eigentlich die einzige Möglichkeit „Clausthaler Alkoholfrei“ überhaupt trinken zu können.

Die Hersteller von alkoholfreiem Bier preisen ja gerne ihre Gebräue als Isotonische Sportgetränke an, aber stimmt das denn? Ist es ratsam, vor und nach dem Sport alkoholfreies Bier zu trinken?

Generell bin ich ja gerade auf der Suche nach dem richtigen Sportgetränk.

Letzten Herbst auf der Marathonmesse in München, habe ich die Produkte von Aktiv3 kennengelernt.  Am Stand von „Sanct Bernhard Sport“ hat mich der nett schwäbelnde Verkäufer schnell überzeugt die Produkte mal zu testen. Für meinen anstehenden Halbmarathon habe ich mir ein Starter-Kit anschwatzen lassen, das gleich am nächsten Tag auf  seine Tauglichkeit geprüft werden sollte.

Ich konnte jetzt zwar keine Leistungsexplosion feststellen, aber das wäre auch etwas zu viel verlangt gewesen. Da die Getränke und das Gel (Liquid Energy) schmackhaft waren und die Produkte im Ruf stehen, bekömmlich zu sein, da sie lactose-, fructose- und glutenfei sind, habe ich  schließlich 2 Dosen „ISOTON Energiedrink“ und 2 Dosen „REGENERATION Mineraldrink-Premium“ bestellt.

Fortan habe ich also vor jeder Einheit ein halben Liter Aktiv3 ISOTON  und nach dem Training  noch mal einen halben Liter Aktiv3 REGENERATION getankt. Den Rest meines leeren Tanks habe ich dann mit Mineralwasser wieder aufgefüllt.

Wie  jetzt im Frühjahr die Vorräte des Isotrinks zur Neige gingen, habe ich vor dem Laufen nur Wasser getrunken und danach ein alkoholfreies Erdinger und Wasser. Soweit so gut.

Was mir jedoch bei der Umstellung meines Trinkverhaltens auffiel ist, dass sich die Konsistenz meiner Verdauungsendprodukte wieder verfestigte. Litt ich doch in den letzten Wochen bzw. Monaten  unter latentem „Durchmarsch“. Ich habe das Ganze auf irgendeine Nahrungsmittel Unverträglichkeit geschoben und hatte auch die Taxofit Magnesium(350mg) Tabletten schon im Verdacht die ich jedoch bereits zum Jahreswechsel abgesetzt hatte.

Jetzt war ich doch baff, ob der schnellen Genesung meines Verdauungstracktes.

-???-

Hängt das wirklich zusammen? Hatte ich überdosiert? Zu häufige Anwendung? Eigentlich hatte ich mich an die Herstellerangaben gehalten, und 3-4 Trainings pro Woche sollten ja drin sein, schließlich richtet sich das Produkt an ambitionierte Amateure und Profis.

Bevor mich Sanct Bernhard nun mit einer Klagewelle überzieht und meinen Blog dicht macht, möchte ich festhalten, dass dies sicherlich nur eine persönliche Inkompatibilität mit einem der Bestandteile wie Maltodextrin, Saccharose, Zitronensäure, Trikaliumcitrat, Trimagnesiumcitrat, Niacin oder Calciumlactat ist, und andere Sportler damit womöglich überhaupt keine Probleme haben. Ich erwäge sogar,  Aktiv3 nochmals eine Chance zu geben und mich nochmals einem Test zu unterziehen, schließlich habe ich noch eine ganze Dose REGENERATION im Schrank stehen. Als Schwabe wirft man das teure Zeugs ja nicht weg. Wie lautet eine alte schwäbische Lebensphilosophie? „Lieber sich den Magen verrenken, als dem Wirt was schenken“

Dem letzten Triathlon-Magazin lag  eine Werbebroschüre von Aktiv3 bei, der ich entnehmen durfte, dass ISOTON nun in den Geschmacksrichtungen Pfirsich-Maracuja und Sauerkirsche angeboten wird. Weshalb wurde Granatapfel aus dem Programm genommen?  Na, an der Geschmacksrichtung wird’s ja nicht gelegen haben, oder doch?

Und,was trinke ich in der Zwischenzeit?

Mineralwasser ist OK, ist halt zum Carboloading nur bedingt geeignet. Zurück zur guten alten Apfelschorle?

Was trinkt Ihr VOR und NACH dem Sport?

Wasser, Apfelschorle, Sportgetränke, bleifreies Bier?

Ach, eigentlich wäre das doch ein tolles Thema für eine Blogparade

also los:

Blogparade – Sportgetränke

(bis 15.6.2011)

Regeln sollten ja bekannt sein, andernfalls hat Heiko Wache von Laufe Marathon das kürzlich erst schön  bei seiner Blogparade erklärt.

Der New York Marathon ist wohl das Mekka der Marathonläufer, jeder ambitionierte Läufer will irgendwann mal in seinem Leben in New York an den Start gehen. Jetzt ist das leider nicht so einfach, da, bei dem großen Andrang nicht jeder einen Startplatz bekommt und außerdem einiges an Kosten anfällt (Flug, Hotel, Startgebühr, Porto für Postkarten…).

Eddy, ein emsiger Läufer und Blogger aus Bremen wünscht sich nichts sehnlicher als bei der Veranstaltung dabei zu sein.

Als cleveres Nordlicht hat er auch eine Möglichkeit gefunden wie er für lau nach NY kommt. Allerdings benötigt er dazu unsere Hilfe. Die Hilfe von uns Lauf-Bloggern und Lauf-Blog-Lesern.

Helft Ihm dabei, wählt Eddy auf facebook.de/tigerbalmteam in das Tiger Balm Marathon Team.

(dort auf “Gefällt mir” klicken!)

Unter Voting: Hier abstimmen » Hier geht’s zu den Bewerbern ist Eddys Foto die Nr. 110.
(dort unter dem Foto auf “Gefällt mir” klicken. Es ist kein Button, sondern nur Text)

Weiter Infos findet Ihr direkt bei Eddy:

http://www.eduard-andrae.de/klick-mich-nach-new-york/

Wäre doch toll wenn die Lauf-Blog Gemeinde einen Läufer nach NY schicken könnte.

Ich jedenfalls, wünsche Eddy viel Erfolg dabei…

-Timekiller-Damit Ihr  Eddy auch schnell unter den Teilnehmern  findet, habe ich Ihn Euch mal in der Voransicht eingekreiselt, nicht dass noch der falsche Eddy mit unserer Hilfe nach NY fährt..

Heiko Wache von Laufe-Marathon hat eine Blogparade ins Leben gerufen, zu dessen Thema  ich mich auch gerne Äußere, damit hier auch  mal was vernünftiges (so hoffe ich) zu lesen ist.

Blogparade: Startgebühren für Laufveranstaltungen – zu hoch oder gerechtfertigt?

Im Grunde stellt sich die Frage für mich überhaupt nicht, ob Startgebühren zu hoch sind oder nicht, denn Startgebühren fallen ja nur an, wenn ich an einem Lauf teilnehme. Pflicht ist es nicht, jeder kann selbst entscheiden, ob ein Lauf das Startgeld wert ist oder nicht.

Unabhängig davon, sind die erhobenen Startgebühren gerechtfertigt?

Weshalb werden überhaupt Startgebühren erhoben? Schließlich ist doch Laufen ein so unglaublich günstiger Sport.  Mal abgesehen von dem 70€ Funktionsshirt, der 60€ Tight, den unzähligen Pülverchen und Gels, der Satelliten gestützten Pulsuhr  und den 200 € Tretern, von denen wir natürlich mindestens drei unterschiedliche Modelle im Schrank haben. Aber abgesehen davon, weshalb fürs Laufen zahlen, fragen wir uns?  Laufen bedeutet Freiheit. Laufen kann ich, wann immer und wo immer ich will.

Der Läufer ist im Grunde ein Einzelgänger, wie ein einsamer Wolf dreht er in Wald und Flur seine Runden, während seine Artgenossen weniger anstrengenderen  oder geselligeren Hobbys frönen.

Doch von Zeit zu Zeit sehnt sich auch der Läufer nach Gleichgesinnten, er möchte sich messen, oder braucht einfach ein Grund weshalb er überhaupt trainiert. Deshalb meldet er sich bei einem Laufevent an.

Die Laufveranstaltungen werden das ganze Jahr über für die unterschiedlichsten Distanzen angeboten.  Meist werden die Volksläufe von Sportvereinen organisiert, ein Heer von freiwilligen sorgt dafür dass alles reibungslos funktioniert. Die Startgebühren von 5€  – 15€  sind  moderat und dienen hauptsächlich dazu, die  Unkosten zu decken und etwas Geld in die leeren Vereinskassen zu spielen.  –da ist ja auch nix gegen zu sagen, oder?-

In der Regel stehen größere Veranstaltungen in der Kritik überteuert zu sein.

Größere Veranstaltungen und längere Distanzen werden meist von professionellen Veranstaltern ausgerichtet.  Dies liegt einfach daran, dass mit zunehmender Strecke und Teilnehmerzahl der Organisationsaufwand und die Kosten stark steigen. Das kann durch Ehrenamtliche alleine kaum bewältigt werden.

Als Kostenfaktor kommen hier neben Gebühren für Streckensperrungen,  Stadien/Hallenmiete, Zielverpflegung, Musik-PA, Bühnen, Rettungsdienst  noch Lohnkosten für das Organisations-Team hinzu.

Dass der München Marathon 69€ für Spätanmelder kostet (HM 45€) verwundert mich überhaupt nicht. Die Stadt sperrt ganze Staßenzüge ja nicht umsonst, und auch die Stadionmiete für das Olympiastadion sind beachtlich. Da finde ich, ist 70€ Startgebühr ein angemessener Preis. Der Preis wäre wahrscheinlich noch weit höher, würden die Veranstalter nicht mit zahlreichen Werbe Sponsoren zusammenarbeiten.

Neben diesen Großveranstaltungen gibt es noch Werbe Veranstaltungen die der öffentlichkeitswirksamen Außendarstellung der Veranstalter dienen, wie beispielsweise die  Läufe zahlreicher Krankenkassen DAK, Allianz, etc. oder Sportwarenhäuser.

Die Startgebühren der Krankenkassen-Läufe sind meist sehr gering und werden im Falle des KKH-Allianz Laufes zu 100% an wohltätigen Organisationen gespendet.  Leider bieten die  Veranstaltungen nur einen sehr geringen sportlichen Reiz, sind die Distanzen doch meist sehr überschaubar, und adressieren   eher den Gelegenheitsläufer.

Die Veranstaltungen der Sportwarenhäuser, z.B. die Sport Scheck Stadtläufe, sind da eine Ausnahme, zumindest in München. Das sind perfekt organisierte Großveranstaltungen mit einem tollen Flair, die selbstverständlich auch einen Werbezweck erfüllen. Daher sind sie ja auch im Vergleich zu den anderen Großveranstaltungen (s.o.) deutlich günstiger. 29€ (unrabatiert) finde ich für ein HM OK. Dafür bekomme ich sogar noch ein super Adidas Funktionshirt, von denen ich zwar schon 3 im Schrank habe, aber so ist das eben mit Jagdtrophäen, der Jäger beschwert sich ja auch nicht über ein zusätzliches Geweih an der Wand.

Wer damit ein Problem hat als orangener Werbebotschafter durch den Englischen Garten zu rennen, kann ja zuhause bleiben, es wird ja keiner gezwungen.

Was ich aber überhaupt nicht verstehe sind die Benefiz-Läufe. Da wird unter dem Motto eines guten Zweckes ein Lauf veranstaltet, und von den erhobenen Startgebühren, geht ein geringer Teil an eine wohltätige Organisation, oder an Opfer einer Naturkatastrophe, etc. Was soll das? Ich amüsiere mich und tue dabei noch etwas Gutes? Was ist das für eine Heuchelei. Wenn ich spenden möchte, dann muss ich dazu nicht erst durch den Park rennen. Ich möchte hier jetzt nicht alle Spendenläufe schlecht machen, da gibt es auch vernünftige Ansätze, aber das können wir ja mal bei einer anderen Blogparade klären.

-Autsch!-, heute nehme ich die Rolltreppe, und das mache ich sonst nie.  Ich habe Muskelkater. Meine Waden sind hart wie Beton.  Gestern war schon schlimm, aber heute früh bin ich kaum die Treppen vom Schlafzimmer in die Küche runter gekommen.  Aber von vorn…

Sonntag, 6:30 Uhr: Etwas piekst mich ins Gesicht. Ich öffne ein Auge und direkt vor mir ist das Gesicht meiner Tochter. Sie flüstert wie Kinder eben flüstern: „PAPA, DU MUSST MIR HELFEN!“ –was ist los, ist was passiert?- „ES IST MUTTERTAG, DER KAFFEE IST GLEICH FERTIG, DU MUSST MIR HELFEN…“

Oh je, die Muttertags-Taskforce sucht verbündete, und das mitten in der Nacht. Letzte Woche hat die Tochter schon mal geübt und probeweise Frühstück ans elterliche Bett gebracht. Im Eifer des Gefechts hat sie beim Runterbeugen das Tablett gleich komplett ins Bett, auf den noch schlafenden Papa geworfen. Aus der  Pleite hat sie offenbar gelernt und sucht  nun kompetente Hilfe, die Wahl ist dabei ausgerechnet auf mich gefallen.

Ich muss Zeit gewinnen. „WO IST DEIN GESCHENK“ flüstert Sie, –Ich habe kein Geschenk, ist doch Deine Mama, ich bin raus aus der Nummer… Könntest Du mir nicht eins von Deinen Geschenken abgeben? lenke ich ein.  „OK, ICH BASTLE DIR NOCH EINE KARTE“ Die Tochter zieht von dannen und ich drehe mich  nochmal um. Ich versuche das Gerumpel in der Küche zu ignorieren. Kurze Zeit später piekst mich wieder etwas. Mit einer Karte werde ich wach gefächelt.  Viele Herzen sind drauf. „DU MUSST UNTERSCHREIBEN…“ –OK, ich gebe mich geschlagen, die Nachtruhe ist vorbei. Ich folge der Tochter in die Küche. Dort wartet ein perfekt vorbereitetes Frühstückstablett mit Honigbrot, Müsli, Blümchen, frischem Kaffee… -Respekt- Nicht übel-, und den Kaffee kann man sogar trinken. Wir begeben uns wieder ins Schlafzimmer und wecken die Mama, sie soll schließlich auch was von Ihrem Ehrentag haben.

Familie -timekiller- frühstückt also im Bett. Während des Frühstücks wird der Tag geplant. „Wir könnten doch heute schön in die Berge fahren“, schlägt meine Frau vor. Nö, geht nicht, ich laufe doch heute beim Halbmarathon im Olympiapark mit, entgegne ich.

>Augenrollen, der Gattin< „Da hast du aber gar nix gesagt“. „Ja wann denn?“, ich war die letzten 3 Tage auf Geschäftsreise in Leipzig und Samstags erst spät heim gekommen.  „Steht aber im Kalender“ versuche ich zu punkten. „Dann fahren wir eben danach, beeil Dich halt ein bisschen und trödel nach dem Lauf nicht so rum, dann schaffen wir  das schon.“

Eigentlich habe ich ja gar keine Lust zum Laufen und ich fühle ich ziemlich schlapp. Der Aufenthalt in Leipzig war jetzt nicht gerade der Gesundheit förderlich. Aber jetzt kann ich nicht mehr zurück.

Um kurz vor 9:00 Uhr schnappe ich mein Fahrrad und fahre in den Olympiapark. Ich hole meine Startunterlagen ab, und drehe noch eine kleine Aufwärmrunde von ca. 3 km. Ich versuche in mich hineinzuhören, ob heute was geht, aber ich höre nix. Der Körper schmollt und schweigt. –soll ich wieder heimgehen?-

Zumindest 10 km kann ich ja mal mitlaufen, das geht immer. Also stelle ich mich in den Startblock und starte um 10:05 mit ca. 2000 Läufern. Ich denke mir nicht viel und laufe einfach mal mein gewohntes  Tempo. Die erste 5km Runde in 24:45 läuft ganz OK, vielleicht ein bisschen schnell, wenn ich wirklich 21 km durchhalten will, also versuche ich mich etwas einzubremsen. Bei km 10, steht 50:20 auf der Uhr. Eigentlich habe ich keine Lust mehr; jetzt nochmal 2 Runden, -PUH!- Die Sonne brennt mittlerweile erbarmungslos. Ich nehme mal an der Verpflegungsstelle einen Becher Wasser mit. –dünne-klarsicht-Plastik-Becher- Ich drücke den Becher zusammen, sodaß ich eine Art Schnabel habe, damit ich beim Laufen besser trinken kann. –Knacks- Der Becher reißt auf, und das kostbare Nass rinnt dahin. Wenigstens wird mein Trikot etwas nass, aber Durst habe ich noch immer.   –ist die dritte Runde länger als die anderen?- Es zieht sich. Ich hab kein Bock mehr. Am Streckenrand picknicken Familien im Gras und feuern auf Plakaten, Sonja, Tina, Andi, Tino, Papa und Mama an. Wo sind eigentlich meine Fans? Die sitzen zuhause und planen womöglich die Besteigung der Zugspitze.   Soll ich aufhören? Einfach stehen bleiben? Zur Schwimmhalle muss ich ja eh zurück, also laufe ich die Runde weiter. Ich soll mich ja beeilen, es wartet der Ausflug.

Kurz vor der vierten Runde bin ich mir sicher, dass ich den Lauf abbrechen werde… doch dann erinnere ich mich, wie ich letztes Jahr bei der Winterlaufserie den Zwanziger abgebrochen habe und dann eine Woche lang schlechte Laune hatte, ja sogar das Laufen komplett aufgeben wollte. Also biege ich doch nicht in den Zielkorridor ab, und mache mich auf die vierte Runde. Alles ist besser als „DNF“. Ich versuche es nochmals mit Trinken. Diesmal gehe ich ein paar Schritte und trinke dabei vorsichtig. –ist während des Trinkens das Gehen erlaubt? Oder machen das nur Walker?- Den Rest des Bechers schütte ich mir in die Kappe. Das Gehen hat Zeit gekostet, aber die letze Runde ist eh für den Arsch. Ich schleppe mich dahin. Das bisschen Wasser hat meinen Körper auf dem schnellsten Wege wieder verlassen, wahrscheinlich ist nur eine kurze Dampfwolke aufgestiegen als ich trank. Meine Zunge klebt weiterhin am Gaumen, Wasser…

Mir fällt auf, dass manche Läufer lustige Geräusche beim Laufen machen, bei manchen klappert der Schlüssel, andere scheinen einen ganzen Beutel Münzen bei sich zu haben, wiederum andere trampeln derart laut, dass man meinen könnten sie sind im Ensemble von RiverDance.

-Oh Gott ich fantasiere…-

Das fiese am Halbmarathon im Olympiapark ist, dass man nicht nur vier elendig langweilige Runden drehen muss, sonder auch nach der vierten Runde noch nicht in den Stall darf, sondern nochmals auf eine 1,1 km Schleife geschickt wird, das ist zermürbend. Die –timekiller- Rakete lasse ich diesmal im Hangar, ich bin froh, wenn ich überhaupt ankomme, auf den letzten 500 Metern lauert noch ein letzter kurzer Anstieg, zurück zum Olympiastadion. Eine dieser Steigungen, die man sonst kaum wahr nimmt, aber im erschöpften Zustand bei jedem Schritt, länger und steiler wird. Die letzten 200 Meter lasse ich den alten Diesel ausrollen. Zielspurt machen wir das nächste mal wieder. In jämmerlichen  1:49.17 beende ich den Lauf.

Im Ziel stehen von einem Sponsor gefüllte Wasserflaschen bereit.  Die Schlange beim Erdinger Stand ist  beängstigend lange, ich habe keine Lust mich dort anzustellen, und so lege ich mich mit der Trinkflasche  ins Gras und genieße das schnöde Leitungswasser. –AHHH, LECKER-

Nachdem ich mich etwas ausgeruht habe, hole ich mir doch noch ein alkoholfreies Weißbier, soviel trödeln wird ja wohl erlaubt sein. Ich gebe mein Chip ab, und bekomme als Belohnung eine weiteres T-Shirt für meine Pyjama Kollektion.

Ohne weiteres bummeln, geht’s mit dem Radl  zurück zur Homebase, dort werde ich schon erwartet. Im Flur stehen Rucksack und die Wanderstiefel der Familie bereit.

Frau, was hast du vor? „Wir fahren nach Garmisch und fahren mit der Kabinenbahn auf den Wank, und laufen dann über die Esterbergalm wieder runter, das sind nur ca. 3 Stunden, das bekommst du doch noch hin, oder?“ Argh! Der Wank sieht harmlos aus, hat‘s aber in sich.   Ich versuche noch zu handeln. „Nix da, wer will hier im Herbst ein Marathon laufen? Also, stell Dich nicht so an, geh duschen“ spricht die Chefin.

So fahren wir nach Garmisch-Partenkirchen, und nehmen die Kabinenbahn auf den Wank. Der Ausblick auf das Zugspitzmassiv ist wirklich atemberaubend. Von dort geht es über einen schmalen steinigen Bergesteig hinunter zur Esterbergalm. Dort gibt es für die Tochter eine frische Milch und für Vati ein Bier. Ein Ettaler Klosterbier, -Uäah-, hätte ich bloß auch ne Milch genommen…

Das dicke Ende kommt aber noch, die unscheinbare Forststraße von der Alm hinunter zur Talstation entpuppt sich als wahrerer „Wadenkiller“ Der Weg ist geteert und über weite Abschnitte unglaublich steil. Das geht auf die Knie und die Waden, das wird ein schöner Muskelkater werden, soviel ist sicher.

Abends während des „Tatorts“, trage ich noch meinen Lauf in mein Trainings-Büchlein ein und stelle fest, ich war gar nicht so schlecht. Ich habe meine HM PB um gut 2 Minuten verbessert. Ein Hauch des Stolzes durchwogt mich, ehe mich die Welle des Schlafes noch auf dem Sofa erfasst und hinwegspült, hinein in eine perfekte Laufwelt, ganz ohne Schmerzen.

-leider bloß bis zum nächsten Morgen-

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