Archive for Januar 2012

ob es eine gute Idee ist, sich unter der Woche die Seele aus dem Leib zu rennen, weiß ich nicht so genau.

Am Mittwoch stand wieder ein ZHS-Crosslauf im Kalender. Beim letzten Crosslauf lag ich die halbe Nacht wach und fand keinen Schlaf, so aufgeputscht war ich nach dem Ritt durch den Park.

Da mein Trainingsplan jedoch für den Mittwoch 7 x 1000 Meter Intervalle verlangte, beschloss ich die Trainingseinheiten zu tauschen bzw. bei den Intervallen einfach mal die Pausen weg zu lassen. Letzte Woche konnte ich vor lauter Arbeit meine Einheiten unter der Woche nicht abhalten,  eigentlich wären 5 schnelle Kilometer auf dem Programm gestanden,  stattdessen gondelte ich innerhalb 24 Stunden 1200 km durch Deutschland und hab dazwischen auch noch 10 Stunden gerackert (Mein Dank an dieser Stelle auch an die Telekom, das hat ja mal wieder super geklappt. Auf Euch kann man sich einfach verlassen wenn’s drauf ankommt.)

Lust hatte ich am Mittwoch ja keine, ich habe den ganzen Tag gefroren. Irgend so ein Schwabenseggel hat bei uns im Büro die Heizung runter gedreht, und so hat es den halben Tag gebraucht bis ich mal die Jacke ausziehen konnte. Die Vorstellung am Feierabend nun noch bei -2°C durch den Park zu rennen, löste jetzt keine Begeisterungstürme bei mir aus.

Aber so ein Trainingsplan ist ja kein Wunschkonzert, daher ging‘s kurz nach 18:30 Uhr zum ZHS Stadion im Olympiapark. Die Bedingungen für einen schnellen Lauf waren alles andere als ideal, neben der arktischen Kälte war es streckenweise recht glatt. Und dann waren da noch meine Wackelbeine. Irgendwie fühlten die sich schon besser an. Komisch, letzte Woche fühlte ich mich total fit, ich hatte das Gefühl, ich könne die Laufwelt aus den Angeln heben,  Naja, vielleicht lag‘s ja auch nur daran, dass ich nicht Laufen durfte konnte.

Im ZHS Stadion hätte man eher Nordische Wettbewerbe abhalten können, als den Start des Crosslaufs. Die Tartanbahn war zu 90% mit Schnee bedeckt der Rest war Eis. Damit es nicht zu Ausrutschern kommt, beschlossen die Organisatoren, dass die Nordkurve auf der Tartanbahn ausgespart wird und wir stattdessen über die schneebedeckte Wiese laufen dürfen.
Pünktlich um 19:00 Uhr ging‘s los.

Es ist immer wieder beschämend für wie schnell das Feld abgeht, und mich stehen lässt. Wie die bekloppten prescht die Spitze davon.

–Hallo, es ist glatt!-

Während die ersten schon das Stadion Richtung Olympiapark verlassen, pflüge ich noch durch die Wiese. Ich versuche zumindest den Anschluss an eine kleine Gruppe zu halten. Mit 4:35 wird der erste Kilometer quittiert. Jetzt geht’s hinterm Olympiastadion in Richtung Parkharfe. Heute scheint keine Veranstaltung in der Olympiahalle zu sein, und wenn dann wäre sie sehr spärlich besucht. Durch die Hohlgasse könnte  man diesmal  richtig Vollgas geben, wären da nicht große Flächen des Weges mit einer dünnen Schnee-Eis-Schicht bedeckt. Kilometer zwei konnte ich dennoch mit 4:28 nochmals eine Schippchen  drauf legen. –Huiuiui- 4:28 ist richtig anstrengend. Das wäre im Frühjahr meine durchschnittliche Pace wenn ich das Projekt SUB 45 angehen möchte. Ein Kilometer in dem Tempo ist ja OK, aber 10? –ächz-

Ich nehme etwas das Tempo raus, schließlich habe ich noch 5 km vor mir, außerdem geht es bei km 3 den Berg hoch. 4:54 ist das Ergebnis meines Drosselns, soweit wollt ich jetzt gar nicht abbremsen, aber wer weiß wozu es gut ist. Ab dem Sattel  geht es wieder bergab, aber ich kann den Schwung nicht richtig mitnehmen. Zu groß ist er Respekt vor dem schlüpfrigen Untergrund. Am Wendepunkt geht eine Läuferin mit Stirnlampe an mir vorbei. Ich versuche noch dran zu bleiben, aber keine Chance. Die gute hat den zweiten Atem, und ich hab Seitenstechen. Mit 4:45 geht es auf den vierten Kilometer und nochmals über den  Olympia Sattel. Ich kämpfe mich wieder den Berg hoch. Ist der steiler geworden? Jetzt wird’s auch noch neblig. Ich kann den Weg kaum noch sehen. -Doch halt, das ist gar kein Nebel-. Meine Brille beschlägt  vom dampfenden Atem. Wie ein Feuerdrache mit einer defekten Zylinderkopfdichtung, dampfe ich den Berg hoch. Durch eine raffinierte Pustetechnik versuche ich die Brille wieder einigermaßen frei zu bekommen. Bevor es wieder den Berg runter geht wäre es ganz gut, wenn man die Eisflächen zumindest erahnen könnte. Mit 4:49 war dann auch mein fünfter Kilometer nicht so berühmt, aber es lag nicht nur an der Glätte. Ich war einfach nur KO, ich habe sogar ans Aussteigen gedacht. Aber irgendwie muss ich ja wieder zurück ins Stadion kommen, und im Olympiapark fährt kein Bus, also muss ich weiterlaufen. Den Kilometer 6 und 7 kann ich mit  4:38 gerade noch so stehen. Dann gibt’s im ZHS Stadion noch einen kurzen Schlusssprint, doch im Tiefschnee ist da nicht mehr viel drin. Vielleicht hätte ich in Schneeschuhen antreten sollen.

Mit 33:27 schließe ich die 7,2 km ab.  Fast so schnell wie bei meinem letzen ZHS Crosslauf, allerdings war diesmal die Strecke um gut 100 Meter kürzer. Die durchschnittliche Pace liegt dann auch nur bei 4:40. Heute war einfach nicht mehr drin,  dennoch bin ich zufrieden, für den Trainingslauf hatte ich mir zumindest eine 4:45 Pace vorgenommen.

So, jetzt noch einen heißen Zitronentee, und dann geht’s wieder nach hause, um dann literweise Bier zu trinken, damit ich diesmal schlafen kann.

–Prost-

Meinen weihnachtlichen Badeausflug mit Volker hat mein Garmin FR 310XT nicht unbeschadet überstanden.  Er ging sprichwörtlich „über den Jordan“.  Schon direkt nach dem Lauf war ich etwas erstaunt über die durchschnittliche HF die der Garmin anzeigte. Eigentlich bin ich mit Volker ganz gemütlich gelaufen, aber der Garmin sprach da  eine ganz andere Sprache.  Eine durchschnittliche HF von 180 bpm  ließ  eher eine Temporunde vermuten.
Während ich abends auf das Christkind warte, blätterte ich mal die einzelnen Kilometer auf dem  Garmin durch. Bis Kilometer sechs war alles OK, dann aber ging der Puls  plötzlich durch die Decke. Spitzenwerte von 230 bpm werden da erreicht, im Durchschnitt pro km 210 – 218 bpm. -Boah- Ich bin zwar ein Hochpulser, aber das ist ja kurz vorm Kammerflimmern.  Da ich mich während des Laufes gut fühlte muss es wohl eine Fehlfunktion sein.  Kann ja mal vorkommen. Ist halt auch nur ein Computer, und die spinnen halt manchmal.
Der Pulsgurt stellte dann allerdings am nächsten Tag seine Funktion komplett ein.  Ist dann wohl die Batterie leer.  Klar, passende Batterien liegen natürlich in München. Ist aber auch egal, die nächsten Tage kann ich auch ohne Puls laufen, bin ja nicht im Training.

Wieder zurück in München wechselte ich die Batterie um festzustellen, dass es daran wohl  doch nicht liegen kann. Aus meinem reichhaltigen Vorrat  an CR2032 Knopfzellen versuche ich mehrere Exemplare. Aber Erfolg war mir keiner beschieden.


Ist ja wirklich seltsam, kann das wirklich mit der Kneippkur zusammenhängen? Mit SportTracks habe ich mir mal unseren Lauf genauer angeschaut. Und Tatsächlich, nachdem wir  durch die Hunte geplantscht sind fängt der Puls an zu spinnen.  Wie hängt das denn zusammen? Selbst wenn ich durch den Fluss geschwommen wäre, hätte das der Pulsgurt bzw. der Garmin doch aushalten müssen. Das Gerät ist doch Wasserdicht, es ist ja extra für den Triathlon Einsatz konzipiert, und da muss man ja bekanntermaßen auch mal ins Wasser.  Ich versteh‘s nicht. Was ist das?

Tachykard induzierter Kurzschluss durch planipes hypothermalis*?

So langsam frage ich mich, ob der Garmin FR 310XT wirklich ganz ausgereift ist.  Just letztes Jahr um diese Zeit wurde mein  erster FR 310 ins Elysium abberufen.  Damals streikte  erst die Anzeige, um dann schließlich komplett auszusteigen. Und das gerademal nach neun Monaten! Bin ich ein Power-User bei knapp 1900 Jahreskilometern? Wohl kaum! Aber OK, dass ein Gerät mal kaputt geht, kann ja mal passieren, aber zweimal innerhalb der Garantiezeit?   Vielleicht bin ich ja auch der „Timer-Killer“. (Das Wortspiel musste ich jetzt einfach nochmal bringen, *harhar,*  -Timer-Killer-, der Hammer… :-)).

Beim letzten Support Fall hatte ich mich telefonisch an Garmin gewandt. Um etwas Abwechslung in die Garantieabwicklung zu bringen wollte ich mal die online Möglichkeiten ausloten.  Weshalb man sich allerdings extra registrieren muss um eine Supportanfrage per Kontaktformular  stellen zu können, das verstehe ich nicht. Wie oft muss man sich denn da noch einloggen? Ich bin doch schon bei MyGarmin angemeldet, und mein Gerät ist auch registriert?

Donnerstags (OK, das war zwischen dem Jahr, da zählt die Reaktionszeit nicht!!!)  habe ich online mein Problem geschildert. Am Montag, also im neuen Jahr, erhalte ich dann eine Mail, ich solle das betreffende Zubehör einschicken, für die dafür benötigte RMA müsse ich aber noch meine Adresse angeben. Am Dienstag kam dann auch prompt die RMA-Nummer per Mail.  Mit der RMA  habe ich den ganzen Kram an Garmin geschickt. Ob ich jetzt nur den Pulsgurt, oder wirklich  alles hätte einschicken müssen weiß ich jetzt allerdings auch nicht genau. Laut RMA Schreiben ist der Pulsgurt Sensor defekt. Sitzt jetzt der Sensor im Garmin, oder ist das der Pulsgurt selbest. Ich bin verwirrt. Also schicken wir mal alles ein. Und wenn ich sage alles, dann meine ich ALLES. Noch Dienstagabend bringe ich mein Päckchen zur Post und ich hatte Glück, ich erlebte ausnahmsweise mal kein Post Albtraum, sondern kam gleich an die Reihe.

Wie ich bereits am Mittwochmittag von Garmin eine Mail erhielt, dass um 11:27 meine Lieferung eingegangen ist, war ich schon sehr überrascht. Noch überraschter war ich wie ich zwei Stunden  später die Mail erhalte, eine Warensendung sei auf dem Weg zu mir. Und Tatsächlich, am Donnerstag wurde bei den Nachbarn ein Päckchen für uns abgegeben. Der Inhalt: ein nigelanagelneuer Garmin FR 310XT. Da ich Donnerstagabend noch laufen wollte habe ich das Gerät gleich aufgeladen und dann wie gewohnt auf den Terrassentisch gelegt.

Aber nach gut einer halben Stunde hatte der Forerunner  noch immer keinen Satteliten gefunden. Hängt das mit dem Sturmtief Andrea zusammen das gerade über Deutschland hinweg gefegt war? Liegt‘s an der der dichten Wolkendecke? Egal, ich laufe erstmal ohne GPS, den Weg in den Olympiapark sollte ich mittlerweile ja auch blind finden können.

Freitag früh mache ich dann noch einen Versuch und lege das Gerät zur Ortung in den Garten. Aber zwei Stunden lang passiert nix. Ich bekomme bzgl. Satteliten überhaupt keinen Ausschlag. Mich wundert, dass das Gerät immer an der gleichen Stelle abbricht und von vorne anfängt die Satteliten zu suchen. Normalerweise kommt ja auch nach mehreren Minuten ohne Satteliten Kontakt die Meldung ob man sich in einem Gebäude befindet. Mein Garmin sucht sich aber den Wolf, ohne Erfolg allerdings.

Oh Mann, Ich will das Ding jetzt nicht nochmal einschicken. In meiner Verzweiflung beschließe ich einfach mal die neuste Firmware einzuspielen. Und Tatsächlich, der Garmin findet nach dem Update wieder einen Sattelliten und alles ist gut.  Aber normal ist das doch nicht.  Zumindest die Grundfunktionen sollte doch ein neues Gerät nach dem Auspacken drauf haben. Das ist ja so, wie wenn man ein neues Auto kauft und dann erst mal die Kerzen wechseln muss, damit  die Kiste überhaupt anspringt. Also meine Frau wäre daran verzweifelt.

Ich frage mich nun, wie lange es der Garmin diesmal tut. Im März 2012 läuft die Garantie für das ursprünglich gekaufte Gerät aus. Was ist dann? Ich befürchte ich muss spätestens in einem Jahr wieder an die Box, aber dann werde ich die Kosten wohl selber tragen müssen?

Mal sehen, was dann passiert, ich werde berichten.

Fazit: Die Garmin Geräte neigen aufgrund ihrer technischen Komplexität von Zeit zu Zeit zu  Fehlfunktionen. Der Kontakt zum Support funktioniert aber tadellos, sowohl telefonisch wie auch per Kontaktformular werden die Vorgänge zügig abgewickelt. Per Telefon geht es aber deutlich schneller.
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*  kalte Füße, wie der Hobby-Lateiner sagen würde

Das Jahr ist noch jung, und die guten Vorsätze sind noch nicht komplett über Bord geworfen. Ich startete am 4. Januar mein Laufjahr mit dem Trainingsplanauftakt  für das  Projekt „sub45“  (auf 10km).  Der zweite Lauf der Winterlaufserie am Sonntag passte da eher weniger ins Programm. Aber so ist das bei mir.  Ich setze mir im Jahr ein zwei Ziele auf die ich hinarbeiten will. Meist bin ich dann aber schon für diverse Läufe in der Umgebung angemeldet. Diese Läufe gilt es dann in die Vorbereitung einzubauen.
Am Sonntag kostete es mich denn noch einiges an Überwindung, das warme Bettchen mit dem nassen, schneematschigen und windigen Olympiapark zu tauschen.  Aber ein Läufer tut was ein Läufer tun  muss…

Also setzte ich mich um kurz vor halb elf joggend in Bewegung um in den Olympiapark zu kommen. Auf den ersten Meter fühlte ich mich noch erstaunlich leicht und beschwingt. Leider hielt das Gefühl nur bis zur ersten Ampel. Die Flasche Barolo vom Vorabend wirkt sich wohl doch nicht leistungssteigernd aus.  Ich drosselte das Tempo etwas, und zupple langsam weiter Richtung Olympiapark.

Auf dem Weg stelle ich mir die Frage, was ich heute eigentlich reißen  will? Habe ich Ziele? Wie war eigentlich mein Lauf letzes Jahr? –keine Ahnung-  Da lange Zeit  mein Ziel,  sub 50 auf 10km lautete, entschloss ich spontan 15km in sub 75 zu versuchen. Das ist sportlich, sollte aber zu schaffen sein (wäre da nicht der Kater).

Den Weg in den Olympiapark  patschte ich durch den Schneematsch, der noch auf den Gehwegen liegt. Im Park sind dann allerdings die Wege schon geräumt. Dennoch frage ich mich was ich mir da antue. Es regnet, es ist windig,  es ist einfach ungemütlich, es gibt bessere Bedingungen um 15 km zu laufen.  Wer tut sich das überhaupt an?  Ich glaube arg viel blöde sind da heute nicht am Start.

Mein Verdacht scheint sich zu bestätigen, als ich auf dem Cubertin Platz im Olympiapark ankomme, ist niemand da.  Einzig das Erdinger –Iglo Zelt das verlassen auf dem Platz steht. zeugt davon, dass hier was steigen soll, aber sonst ist hier keine Sau, und das gut 15 Minuten vor dem Start.

In der Olympiaschwimmhalle haben sich dann doch ein paar unverbesserlich zusammen gerottet und wärmen sich vor dem Start auf. Aber es war hier schon voller, jedenfalls beim Nikolauslauf im Dezember.  Ich würde jetzt eigentlich auch lieber im Bett liegen und noch etwas meinen Kater pflegen.

Meine Wechselklamotten und den Anorak schloss ich in einem Spint in der Olympiaschwimmhalle ein.  Blöd nur, dass auf dem Weg zum Spint, durch die aufgeheizte Schwimmhalle meine Schweißporen so richtig Vollgas gegeben und ich in kürzester Zeit patschnass bin. Also legte ich bereits vor dem Lauf die Wechselgarnitur an, sonst hole ich mir da draußen noch den Tod. Frisch gewickelt  begebe ich mich an den Start, ich war auch schon ein bisschen spät dran.  Am Start im Zuschauerbereich, der heute sehr spärlich besetzt war,  (Standen da sechs oder gar sieben Personen?) fiel mir eine Person ins Auge. Nein, keine Frau, sondern Henrik von den Running-Twins. Ich ging auf Ihn zu und sprach Ihn an,

„Hallo Henrik“,er schaut mich fragend an.

Ich stelle mich kurz vor…

„Hey, der –timekiller-“ begrüßt er mich.

Wir unterhalten uns kurz, Henrik kann verletzungsbedingt nicht an der Serie teilnehmen, es zeugt aber von großem Sportsgeist, heute im Park den Groupie zu geben und seine Lauffreunde anzufeuern.

Ich  muss zurück in die Startaufstellung, sonst laufen die ohne mich los.  Da ich beim ersten Lauf der Serie am Start böse ausgebremst wurde wollte ich es diesmal besser machen.  Die gesamte Startaufstellung musste dann zwar nochmal komplett umgestellt werden, aber ich konnte mich weithin günstig positionieren. Dann ging‘s  auch schon los.
Ich bin vom Start gut weg gekommen und achte schon  auf dem ersten Kilometer in der allgemeinen Euphorie nicht zu schnell zu werden und trat von Anfang auf die Bremse. Jede Sekunde die ich am Anfang zu schnell angehe, bekomme ich sonst wieder hinten raus dreifach drauf gepackt. Dennoch verzeichne ich au f den ersten Kilometer 4:31 min/km. Langsamer ging‘s nicht. Allerdings muss ich auch sagen, dass es auf den ersten Kilometer auf der Strecke etwas den Berg runter geht. Die nachfolgenden Kilometer kann ich mich immer knapp unter 5:00 min/km halten.

Bei der Winterlauserie ist Rundenlaufen angesagt, heute stehen 3 x 5km auf dem Programm.  Das Tempo konstant zu halten ist mein Plan, vielleicht gelingt mir dann auch das Kunststück auf der letzten Runde etwas zuzulegen.
Die erste 5km Runde läuft ganz ordentlich. Auf dem Abschnitt entlang des Olympiasees weht uns aber ein  eisiger Wind entgegen, ansonsten gilt es den größten Pfützen auszuweichen.  Die zweite Runde gilt es durchzuhalten, der Wind auf der Seegeraden ist stärker geworden, oder schwinden da etwa meine  Kräfte? In der dritten Runde kann ich dann tatsächlich noch ein kleines Schäufelchen drauf legen, möglicher weise liegt‘s aber auch daran, dass ich nun geradewegs durch die Pfützen patsche.   Hendrik steht währenddessen mit einer handvoll Zuschauern auf der zugigen  Seebrücke  und feuert die Läufer an.

Auf dem letzten Kilometer, ich passiere gerade das 14 km Schild, schiele ich  auf die Uhr: 1:08!  Wenn ich jetzt Gas gebe könnte eine 1:12 rausspringen, das könnte dann sogar eine neue PB sein. Ich zünde  daher diesmal schon früh  die –timekiller- Rakete und stürme die beiden letzten Steigungen zum  Olympiastadion hoch, meine Oberschenkel  jubilieren. Vom Stadion aus geht es nur noch bergab. Zeit für den Nachbrenner, meine Wade findet das nicht so witzig und überlegt kurz vor dem Ziel noch zu krampfen.

Mit 1:12:47 gehe ich etwas wackelig  über die Matte.  Zuhause stelle ich zufrieden fest, dass das eine neue PB für 15km bedeutet.

Henrik steht im Ziel und klatsch mich ab (erwähnte ich schon den Sportsgeist?).  Ich treffe Ihn später noch in der Halle und wir unterhalten uns nett.  Bei der Gelegenheit darf ich ein paar  Laufbekannte von Ihm kennen lernen. Die Laufen zwar alle in einer anderen Liga,  aber Zeiten werden überhaupt nicht thematisiert, es zählen die Erlebnisse.  Man versteht sich, schließlich frönt man dem selben Hobby. Ich glaube von der Gattung Läufer gibt es gar keine blöden Exemplare, oder?

In der Halle werden isotonische Getränke, alkoholfreies Weißbier, Kuchen und Lebkuchen gereicht. Ich finde Lebkuchen verliert nach Silvester irgendwie an Geschmack.  Vielleicht liegt es aber auch daran, dass man Lebkuchen nicht zusammen mit Weißbier einnehmen sollte. Das ist echt whäää…

Irgendwann war dann auch genug gequatscht, ich holte meine Sachen aus dem Spint und lief wieder gen Heimat, aber diesmal wirklich gemütlich.

Als ich spät abends zuhause die Ergebnisse studiere stelle ich fest, dass der 15km Lauf doch gar nicht so schlecht besucht war wie ich zunächst angenommen hatte, letzes Jahr war genau einer mehr am Start. Und dieses Jahr waren doch auch wieder 450 Läufer.

Was sind wir Läufer nur für harte Jungs und Mädels.

Weihnachten ging‘s wieder mit der Familie nach Oldenburg. Mein Aufruf, vor Weihnachten nicht mehr die Welt retten zu wollen, fruchtete bei mir selbst nicht so ganz, so kamen wir Freitag abends erst gegen sieben Uhr los, schließlich musste ich ja auch noch nach der Arbeit eine Runde im Park drehen, um für die Fahrt die nötige Frische zu tanken.

In bester –timekiller- Manier brackerte ich dann in knapp 6 Stunden die 800 km nach Oldenburg. Blöderweise wird meine Fahrt wohl in der „Flensburg Challenge“ gewertet. In regelmäßigen Abständen nehme ich seit Jahren, an diesem Wettbewerb teil. Früher in den  unterschiedlichsten Disziplinen,  in den letzten  Jahren jedoch nur noch auf der Langstrecke.  Möglicherweise werden meine Bemühungen endlich belohnt und ich darf in 2012 zur Belohnung, mehr laufen als mir lieb ist. Naja, fürs neue Jahr habe ich mir ja ohnehin vorgenommen wieder etwas mehr zu laufen.  Als Entschuldigung möchte ich anfügen,  dass ich für den 24.12. einen engen Zeitplan hatte, da konnte ich unmöglich  bis Mittags im Bett liegen bleiben. Samstag Vormittag, also am Heiligenmorgen, wollte ich mir noch für Weihnachten mein (norddeutsches) Lieblingsbier besorgen. Das Kräusen Pils von Haake Beck, -ein naturtrübes Pils-. Wie ich in der Getränkehandlung nach längerem Suchen nicht fündig wurde und nachfragte, ob denn kein Kräusen mehr da sei, meinte das Fachpersonal nur trocken: Kräusen? In der Flasche? Nee, das wird ja schon seit mindestens 3 Jahren nur noch in Fässern produziert? Aha, dann eben ein Jever. Ich frage mich nur aus welchen Beständen mein Schwiegervater mich im letzten Jahr noch beglückt hat?

Als weiterer Programmpunkt stand mein Lauf mit Volker dem Deichläufer auf dem Programm. Und den Lauf wollte ich nun wirklich nicht verpassen, da konnte auch der ungewöhnliche Termin am 24.12. nix dran ändern. Meine Frau war zwar etwas verwundert dass ich am Heiligennachmittag noch unbedingt einen Läufer aus dem Internet in Oldenburg treffen muss, aber meine Frau ist ja Kummer gewohnt.

Wie ich kurz nach halb zwei mit dem Auto aufbrach, schien noch die Sonne und ich freute mich auf einen schönen Lauf. Während der zwanzig minütigen Fahrt nach Oldenburg verdunkelte sich jedoch der Himmel immer mehr und kurz von zwei schüttete es aus Kübeln. -Na, Prima, den Lauf können wir uns ja von der Backe putzen…-

Doch Punkt Zwei hört der Regen auf und der Himmel reißt wieder auf. Na, wenn das kein Zeichen ist. Wenn wir Glück haben, bleiben wir heute sogar trocken.  Doch es sollte anders kommen…

Ich hole Volker ab, gemeinsam ziehen wir los und sind von Anfang an tief ins Gespräch vertieft. Es ist schon sehr erstaunlich, ich habe diesen Menschen noch nie gesehen, und trotzdem ist man sich von Anfang an vertraut, es ist als ob man einen alten Freund treffen würde.

Volker zeigt mir sein Revier, es geht zu den Bornhorster Wiesen. Nach ca. 7 km sagt Volker plötzlich, „Oha, das hab ich so ja noch nie gesehen, da läuft ja die Hunte über den Deich, da müssten wir eigentlich lang. Kurz darauf  endet unser  Weg an einem See.

Alle Bilder sind von Volker, weitere tolle Bilder zu dem Lauf gibts direkt seinem Blog

„Ich laufe da sonst immer durch, wenn es da so ein bisschen über den Deich suppt.“ sagt Volker. Zweifelnd prüfe ich die Wassertiefe und die Temperatur. -Naja, ich würde dann mal die Schuhe ausziehen, die bekomme ich sonst in den nächsten Tagen nicht mehr trocken-. Bei der tiefstehenden Sonne ist nicht auszumachen wieweit der Weg überflutet ist, in der Mitte des Deiches steht ein Radfahrer und macht Fotos.

Volker zeigt sich solidarisch und zieht auch die Schuhe aus. Ich kremple noch die Hosen hoch und stampfe dann vorsichtig ins Nass.

-timekiller- geht übers Wasser

–KALT-, mein Atem stockt,  tapfer stapfe ich weiter, Volker plantscht munter neben mir, und meint,  „Ach, ist ja gar nicht so kalt“. Nun, was will man von einem erwarten, der bei Wind und Wetter mit der kurzen Tight unterwegs ist. Noch unangenehmer ist aber der grobe Asphalt der unsere zarten Sohlen malträtiert.

...und der fuhr drüber.

Ich schaue dass ich Land gewinne, während Volker noch mehrere Fotostopps einbaut, Ihm scheint die Kälte überhaupt nix auszumachen, -sind schon harte Jungs diese Niedersachsen-.  An der tiefsten Stelle geht mir das Wasser bis weit über den Knöchel, mittlerweile haben wir den Radfahrer erreicht, der mit hochgezogenen Füßen an einem Weidepfosten lehnt. Er blickt uns zweifelnd an, wie wir barfuß, mit den Schuhen in der Hand, über den Deich gerudert kommen.

Von hier aus ist  zu sehen, dass der Weg auf einem wesentlich längeren Stück überflutet ist als ursprünglich angenommen. Naja, umdrehen wäre jetzt auch doof, so waten wir gut 500 Meter durch die Hunte und können dann endlich wieder unsere nassen Eisbeine in die wärmenden Socken stopfen und wieder in die bequemen Schuhe schlüpfen.

-Ahhhh, tut das gut-

Nach kurzer Zeit habe ich das Gefühl man hat mir kochendes Wasser in den Schuh gekippt.  Meine Eisbeine verwandeln sich zu Grillhaxen, die Füße glühen, und die Sohlen erst…!!!

Wir setzen unsere Runde durch eine  atemberaubende Landschaft fort. Das schöne, neben der Landschaft, die in Norddeutschland ja eher flach ausfällt, ist  der unendlich weite Horizont mit seinen gigantischen Wolken.

Wir erreichen nach 15 km wieder unseren Ausgangspunkt. Ich bin erstaunt, wie schnell die gut eineinhalb Stunden verflogen sind. Ich hätte noch ewig weiter laufen können, das war wirklich ein toller Lauf, Volker!

Da es noch so viel zu erzählen gibt, verabredeten wir uns am zweiten Weihnachtsfeiertag für einen weiteren gemeinsamen Lauf, vorausgesetzt  eine Lungenentzündung bliebt uns erspart.

Da ich die Woche vor Weihnachten nicht zum Laufen gekommen bin, wollte ich wenigstens bis Silvester regelmäßig laufen, so zog ich auch am ersten Feiertag los.  Ein schöner Lauf über 13 km bei fast frühlingshaften Temperaturen sprang dabei heraus.

Montag früh holte mich dann Volker zu unserem zweiten Lauf ab. Meine Frau war sichtlich erleichtert, dass meine Internet Bekanntschaft tatsächlich existiert und dann auch noch männlich ist. Weitere 11 km sind wir dann gemeinsam gelaufen, und sind diesmal auch komplett trocken geblieben, wir mussten lediglich im Wald etwas um die Pfützen herum hopsen.

Dienstags bin ich dann, nach einer ausgedehnten Shoppingtour in Oldenburg (inkl. zwei große Kräusen im Strohhalm,  um meine Shoppinglaune  anzufachen) noch 8 km in der Dunkelheit gelaufen. Da musste ich feststellen, dass es auf dem Land abends dann doch so richtig dunkel wird. Um auf den Radwegen zwischen Wardenburg  und Littel nicht übersehen zu werden habe ich mir zur Sicherheit mal lieber die Notfallweste aus meinem Auto übergeworfen. -tres chick-

Mittwochs ging‘s dann bei Helligkeit entlang der Lethe nach Wardenburg, durch den Ort hindurch, über den Tillyhügel (ein 11 Meter hoher Sandhaufen) und dann um den angrenzenden Tilly See herum.

Wie das bei mir so üblich ist, stand ich plötzlich vor einem Gatter, das mir den Weg versperrte. Ich dachte mir nix groß dabei und bin drübergestiegen und habe meinen Weg um den See auf dem Huntedeich fortgesetzt. Wenig später erschloss sich mir jedoch die Sinnhaftigkeit des Gatters. Ich befand mich  mitten auf einer Schafweide. Na jetzt wird’s spannend, wie die Kollegen auf den neuen Artgenossen reagieren. Ich drosselte mein Tempo, um die Tiere nicht zu erschrecken, schließlich hatte ich keine Lust so ein Wollknäuel aus dem Bach zu fischen. Vorsichtig bahne ich mir den Weg durch die blökende Schaar.  Ich erreiche das nächste Gatter, ohne dass ich vom Schäfer bzw. dessen Schäferhund gestellt werde. Wie ich gerade über das Gatter steige kommt ausgerechnet in dem Moment eine Joggerin des Weges. Hier prangt auch ein großes Schild, dass man bei Weidebetrieb den Deich nicht betreten soll. –Peinlich, Peinlich-  Gut, dass ich heute das „Running-Twin Cap“ aus der Florena Adventsabenteuerkiste trug und nicht das „-timekiller- T-Shirt“, -Höhö-.

Ich spiele die „ich-bin-nicht-von-hier“ Karte aus, und frage in breitestem Schwäbisch, wie es zurück nach Wardenburg geht. Na, wenn das nicht über meinen Fauxpas hinwegtäuscht, dann weiß ich auch nicht.

Es funktionierte, nachdem ich mein Anliegen ins Hochdeutsch übersetzte, liefen  wir ein Stück gemeinsam und unterhielten uns ganz nett, nach gut einem Kilometer trennen sich aber unsere Wege schon wieder, die Dame weist mir den Weg nach Wardenburg, und biegt selbst  Richtung  Oldenburg ab.

Abends ging es dann wieder zurück nach München. Diesmal vorschriftsmäßig mit 80km/h durch die unzähligen Baustellen.-schnarch-

Mein Vorhaben, bis Silvester täglich zu laufen konnte ich dann leider doch nicht durchziehen, und so beendete ich nach 6 Tagen meinen Weihnachtsstreak. Durch die Lauferei der vergangen Tage mit rund 80 km habe ich mir wohl links einen Fersensporn zugezogen. Deshalb schonte ich mich am Donnerstag und  bin am Freitag lieber mit der Kleinen zum Skifahren gefahren.

Den Silvesterlauf  ließ ich dann auch sausen. Ursprünglich wollte ich ja in Rastatt beim RSG-Ried an den Start gehen.  OK, ist jetzt nicht unmittelbar in der Nähe des Olympiaparks, wo ich ja sonst meine Läufe zu bestreiten pflege 😉 aber die Gattin wünschte dieses Jahr  Silvester bei Freundin in der Nähe von Kehl zu verbringen, so mussten halt  Alternativen her (Danke der Regenrennerin Anja für den Tipp).  Da aber die Strecke von Offenburg bis Rastatt derzeit praktisch eine 60 kilometerlange Baustelle  ist, ließ ich den Lauf dann doch sausen. Ich hatte nach meiner Tour de Deutschland einfach keinen Bock mehr auf Autofahren.  Ich bin dann stattdessen am Samstag  20 km von Goldscheuer nach Straßburg  und zurück gelaufen. Und das auch nur um mein Jahrespensum von 1900 Kilometern voll zu bekommen. Ist das bescheuert?  Läufer machen sowas halt. Ich kanns nicht ändern.

Und bei  meinem letzten Lauf in 2011 wurde ich weder nass, noch kreuzten Tiere meinen Weg  und verlaufen habe ich mich auch nicht, wenn das mal kein gutes Zeichen für 2012 ist.

In diesem Sinne wünsche ich all meinen Lesern, meinen virtuellen sowie den realen Freunden und  Ex-Nachbarn ein verletzungsfreies Jahr 2012.

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