Archive for November 2013

Es gibt sicherlich bessere Läufe als den ZHS Crosslauf,  um nach vier Monaten Abstinenz wieder in den Volkslauf-Zirkus einzusteigen. Aber vor meinem offiziellen Start beim Nikolauslauf im Rahmen  der Winterlaufserie im Olympiapark, wollte ich mal eine Standortbestimmung durchführen.

-Mal sehen was der alte Diesel noch so drauf hat-

Bis 19 Uhr fanden sich gut 70 Läufer im ZHS-Stadion ein. Alles junges, knackiges Sportler-Gemüse, aber auch ein paar Laufveteranen waren dabei, die gemeinsam mit mir die Nachhut bilden sollten.

Meinen ersten schnelleren Lauf seit Monaten wollte ich aber bewusst locker angehen, sofern das beim ZHS-Crosslauf überhaupt möglich ist. Pace so um die 5:00 Minuten?

Doch bereits im Vorfeld machte sich das alte Fieber wieder bemerkbar, sodass ich noch in der Startaufstellung  die Pace gedanklich wie auch auf dem Garmin auf eine 4:50 justierte. Das sollte ja nach vier Monaten ohne Tempotraining noch drin sein, oder?

tartanbahn_bei_nachtGleich nach dem Startschuss fällt das Feld  auf seine ZHS typische Weise  auseinander,  die Schnellen vorne weg, dann lange nix, und dann kommt die Nachhut mit mir im Schlepptau.

Auf dem ersten Kilometer versuche ich noch kontrolliert zu laufen, und nicht wie sonst üblich, mein ganzes Pulver schon auf den ersten Metern abzufackeln. Mit einer 4:47 gelingt mir das auch ganz gut, sieht man mal davon ab, dass es auf dem ersten Kilometer eigentlich stetig bergan geht.  Auf dem zweiten Kilometer habe ich mich etwas geschont (4:57), schließlich geht es gleich  über Serpentinen den Olympiapass hoch, außerdem hatte ich mit meinem Pulsgurt zu kämpfen. Von der Erdanziehung bemächtigt, rutschte dieser tiefer und tiefer. Normalerweise wird der Abwärtsdrang des Gurtes durch meinen Bauchansatz gebremst. Wurde ich Opfer einer Bliztdiät? Oder aber mein jüngstes Sportprogramm „jeden Tag eine Stunde Sport“ zeigt erste Ergebnisse.  Da das Wohlstandsbäuchlein  das Rutschen nicht verhindert, misst der Pulsgurt die restlichen fünf Kilometer den Puls am Nabel.

-Auf die Werte bin ich ja dann mal gespannt-

Oben auf dem Olympiasattel stehen bereits die Schneekanonen, die bei Temperaturen von -2 C°,  Schnee für den Audi FIS Ski World Cup am Neujahrstag vorproduzieren. Der Weg ist hier Schnee- und Eisverkrustet und daher etwas schwierig zu laufen.   Kurz nach der Olympia-Alm kommt mir auch schon der erste Läufer wieder entgegen, das zeigt mir, ich bin langsamer als sonst unterwegs, oder aber, der Kerl hat im Gegensatz zu mir über  den Sommer kräftig trainiert. Ab der Alm geht es für mich talwärts in Richtung Eishalle, eine gute Gelegenheit etwas Atem zu schöpfen, doch die Erholung währt nicht lange, denn nach einer kleinen Schleife am Fuße des Olympiaberges gilt es diesen wieder zu besteigen.  Vor mir sehe ich im Dunst  zwei Läufer, einer fällt merklich zurück.

Der Ehrgeiz ist geweckt, Stück für Stück kämpfe ich mich heran. Auf der Hälfte des Passes kann ich an einem  vorbei ziehen. Am Sattel erreiche ich dann auch den zweiten Läufer, der hier japsend eine Geh-Pause eingelegt hat. Jetzt gilt es das Tempo zu halten, nicht dass mich die Verfolger beim Abstieg gleich wieder einkassieren. Ungebremst jage ich die Serpentinen runter. Vom Fuße des Olympiaberges sind es jetzt noch zwei Kilometer zurück ins ZHS Stadion, aber da lauern  noch 3 kurze Anstiege, die sich meinem Vorwärtsdrang entgegen stellen. Nach dem Abstieg habe ich sogar noch etwas Luft und kann auf den letzten zwei Kilometern  noch eine Schippe drauf legen.

-auch mal schön wenn man sich sein Rennen richtig eingeteilt hat-

Ab der Olympiahalle geht es dann nur noch abwärts, jetzt darf ich nur nicht wieder die Abzweigung zum ZHS verpassen. Zurück auf dem ZHS-Gelände drehe ich noch eine einsame Runde auf der Tartanbahn. Diesmal sitzt mir mal keiner im Nacken der mich noch zu einem infernalischen Zielspurt nötigt. -Schade eigentlich-

Mit einer 35:13 bin ich nach 7,3km schließlich im Ziel.

Das war jetzt nicht übermäßig schnell, genau genommen war es fast das schlechteste Ergebnis von all meinen ZHS Läufen, aber es fühlte sich SAUGUT an  und die Pulswerte waren SENSATIONELL !

Das alte Fieber ist zurück.

 

Weitere Abenteuer aus der ZHS Crosslauf Serie:

Letzter beim ZHS Crosslauf?

13 Sekunden

Bundesjugendspiele

Winterspiele

Vergeigt

IMG_3679Ich weiß nicht was verrückter ist,  einen Lauf zur Zeitumstellung zu organisieren, oder daran teil zu nehmen?  Wer macht bei sowas mit?  Freiwillig, nachts wie ein Hamster, 20 Runden in einem 2,11km großen Hamsterrad im Kreis zu laufen.  Ich war skeptisch, ob sich außer dem Orga-Team sonst jemand für diese etwas bekloppte Idee begeistern würde. Läufer sind doch, durch und durch vernünftige Menschen, achten auf Ihre Ernährung, trinken keinen Alkohol und gehen früh ins Bett. Wer soll da also bitte mitmachen?

BZM-Banner_v1Am 5.5.2013 eröffneten wir großspurig die Anmeldung und machten über Twitter und Facebook ein bisschen TamTam. Die Wirkung war überwältigend, schon ein Monat später am 3.6. zeigte unsere Sozial-Media Kampagne Wirkung, eine junge Spanierin aus München verirrte sich auf unsere Seite und meldete sich  für den Halbmarathon an.  Als dann am nächsten Tag  sogar die freiwillige Teilnehmergebühr von 15€ einging, war ich bass erstaunt. Da will ernsthaft eine junge Frau am 27. Oktober mit uns durch den Park rennen. –die ist ja total verrückt-

Bis Ende Juni gesellten sich weitere drei  wagemutige Läufer dazu. Zusammen mit dem Orgateam hatten wir damit die Teilnehmerzahlen vom Vorjahr erreicht. Damit stand fest, das Experiment Zeitsprung 2013 muss nicht  mangels Beteiligung abgesagt werden.

Bis Ende August verdoppelten sich dann die Anwärter auf den Zeitsprung.  Jetzt stand fest, das wird eine Gaudi…

Im September gingen dann die Anmeldungen nach unserem Empfinden durch die Decke. 30 Anmeldungen in einem Monat! Alleine während des Berlin Marathons flatterten 6 Anmeldungen herein.  Sogar bis nach Österreich hatte sich unsere kleine Veranstaltung herumgesprochen.

Der Oktober wurde dann richtig unheimlich, Anmeldungen aus Lichtenstein und der Schweiz krönten die Zahlen. Das durch die Resonanz leicht verunsicherte Orga-Team (bestehend aus Henrik, Chief und mir) beschloss  Mitte Oktober bei 60 Teilnehmern die Anmeldung vorsorglich zu schließen, nicht dass sich das zu einer großen Facebook Party entwickelt. Außerdem hatten wir ja nur rund 60 Chips für die Zeitmessung gesammelt (Zitat des Zeitnahme-Chiefs: „das reicht ja loooooocker“). Mit jeder Anmeldung  schwand natürlich auch für uns die Chance selbst am Lauf teilzunehmen, bzw. diesen bis zum bitteren Ende durchzulaufen.  Es ist eben wie bei einer Party, da sollte der Gastgeber nicht unbedingt als erstes unterm Tisch liegen, bzw. japsend in der Ecke hocken.

BZM_2013_10Und es war wirklich eine Party,  53 bestgelaunte Läuferinnen und Läufer fanden sich am 26/27. Oktober im Ostpark ein um an unserem Zeitsprungs-Experiment teilzunehmen.

Was zeichnet nun den typischen Zeitsprungläufer, in Fachkreisen auch Chrononaut genannt, aus?

Der Chrononaut ist vor allem eins, er ist spontan.  Die Anmeldezahlen von September und Oktober belegen dies ganz deutlich. Einige haben sich sogar noch am Samstag auf freigewordene Startplätze beworben. Den Vogel schossen drei Girlies ab, die um 23:15 auf Ihrem  Nachhauseweg an unserem Pavillon-Dorf im Ostpark vorbeikamen.

„Hey was macht Ihr denn hier?“

-wir veranstalten einen Lauf zur Zeitumstellung, Start ist um 0:00 Uhr.-

„Cool, kann man da noch mitmachen?“

-klar, aber wir haben nur noch 2 Startnummern-

„Okay , Tschüss bis gleich.“

Um 23:57 holten  die jungen Damen dann in Sportmontur mit lärmendem Ghettoblaster im Gepäck ihre Startnummern ab.

Ansonsten ist der BZM-Nightrunner sehr mobil und läuft gerne in anderen Gefilden. Viele haben eine lange Anreise von mehreren Hundert Kilometern, teils aus dem Ausland, auf sich genommen nur um mit gleichgesinnten im Kreis zu laufen. Das ist wahre Leidenschaft, der Chrononaut  hat Spaß an seinem Sport und praktiziert diesen nicht nur vor der eigenen Haustüre. Die „Running Divas“ aus Lichtenstein gehen beispielsweise am 17. November beim Istanbul Marathon an den Start. -Im Gegensatz zu Istanbul ist München  ja schon fast um die Ecke-.

Der Timejumper ist sehr Naturverbunden, oder aber ein  großer Spaßvogel. Spitznamen und Teamnamen wie „die Nacktschnecken“, „Uhu“, „Nachteule“,  „Bleiente“, „Burnt Shrimp“ „Eat the damn cookie!“, „Kraxi“, „Marathon Maniacs“, „Running Diva“, „CaBa´s CaBaNauTeN“, läßt erahnen, dass der typische Chrononaut   nicht zum Lachen in den Keller geht.

Das erklärt auch, dass ein Teil der Läufer  dazu neigt in Verkleidung zu laufen oder den Drang hat die Kleidung komplett abzulegen.

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Altersmäßig ist alles vertreten, vom 18 jährigen Junior bis zu Altersklasse M/W50 ist alles dabei.  Die meisten Timejumper rekrutieren sich aber aus der Altersgruppe M/W 40, eine Altersgruppe die auch bei anderen unsinnigen Läufen, vornehmlich „Matsch-Balla-Balla Läufen“ wie  Strongmanrun  o.ä.  zahlenmäßig schon auffällig wurden.

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Bei diesen Teilnehmern wundert man sich dann auch nicht, wenn am persönlichen Verpflegungsstand mit Augustiner und Stiegel Bier gedopt wird.

Hier erkennt man klar den Profi. Der erfahrene Marathonläufer experimentiert niemals während einem Marathon mit der Ernährung, da wird nur konsumiert, was man aus dem Training kennt. So wird dann eben auch österreichisches Bier nach München, in die Stadt des Bieres, importiert.

Apropos importieren, der Nightrunner zeigt sich sehr spendabel. Fast alle Teilnehmer haben den freiwilligen Unkostenbeitrag geleistet, sehr viele haben sogar mehr, gar das doppelte bezahlt, sodaß nach allen Kosten noch ein schöner Betrag von 300€ übrig bleibt den wir an den Horizont e.V. spenden können. Vielen Dank an dieser Stelle.

Wie könnte man  also den typischen Chrononaut  charakterisieren?

Als einen humorvollen, spendablen, mobilen 40-jährigen extrovertierten  Marathonroutinier, mit Alkoholproblemen?

-Hm?-

Ich würde sagen, Chrononauten sind Läuferinnen und Läufer wie Du und Ich. halt ein bisschen verrückt ;-).

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