Wo bitte geht’s hier zum Volkslauf?

Mittwoch, April 13, 2011

Es geht nichts über eine gute Vorbereitung. Und da gehört nicht nur das Training dazu. Das musste ich letzten Samstag schmerzlich erfahren.  Am Samstag fand der Forstenrieder Volkslauf des Fürstenrieder Sport Clubs statt.  Das Wetter versprach ideal zu werden, und so freute ich mich die ganze Woche auf diesen Lauf quer durch den Forstenrieder Forst.

Mein Trainingszustand ist derzeit so lala, da meine rechte Wade noch immer ein bisserl rumzickt,  habe ich unter der Woche ein bisschen getapert und habe vor dem Lauf drei Ruhetage eingelegt.

Der Start für die 10km Distanz war auf 14:15 angesetzt, für mich eine ideale Zeit (eigentlich). Da ist genug Zeit die Tochter noch bei Freunden abzuliefern, da die Gattin zum „Eis essen“  nach Dubrovnik  geflogen ist.

Herrlich ein freier Samstagvormittag – Jetzt sollte man allerdings nicht den Fehler machen seine Mails zu checken, um festzustellen, dass in der Buchhaltung mal wieder das reine Chaos zu herrschen scheint.  So kommt es, dass der Vormittag wie nix verpufft, und der Termin für die angesetzte Abfahrt schon leicht überzogen wurde. Schließlich ist der Lauf diesmal nicht in der Nachbarschaft, sodaß ich das Auto bemühen muss, und bei einer Veranstaltung mit ca. 1500 Teilnehmern herrscht traditionell  Parkplatznot.   Zum Glück hatte ich schon am Vorabend meine Laufsachen zusammengelegt, und diesmal auch die Pulsuhr  und den Champions-Chip gleich in die Tasche gepackt.

So fahre ich nach Fürstenried zur Sportanlage an der Herterich Straße wo der Volkslauf in den letzten Jahren stattgefunden hat. Schon beim Parkplatz suchen, schwant mir, dass da was nicht stimmen kann.  Kein erhöhtes Verkehrsaufkommen rund um die Anlage, kein Park Chaos, keine Läufer zu Fuß?  -Da ist was faul-! Verdammt, in der Bestätigungsmail die ich in der Woche bekommen habe stand irgendwas, dass die Startnummernausgabe diesmal an anderer Stelle sei. Dass der komplette Lauf an einem anderen Ort stattfindet, damit hätte ich jetzt nicht gerechnet.

Na, das kommt davon, wenn man seine Mails nur überfliegt.  Hier ist der Start jedenfalls nicht. Ich gehe in die Vereinsgaststätte, um zu fragen wo denn dieses Jahr der Lauf stattfindet. Dort herrscht aber rege Aufregung, da 1860 gerade mit 2:0 gegen Cottbus auf der Großleinwand in Führung gegangen ist. Von einem Volkslauf weiß man dort nix. – Scheiße-

Meine Ortskenntnis in Fürstenried hält sich in Grenzen, ich habe keine Ahnung wo der Start stattdessen  sein könnte.  Handy mit Browserfunktion habe ich auch keines, da bin ich altmodisch. Ich brauche ein Handy mit langer Akkulaufzeit, mit den Smartphones muss man ja fast täglich an die Box, das ist nix für mich. Jetzt könnte ich so ein Dingens allerdings gut gebrauchen.

OK – , ich rufe meinen Spezi B. an, ein wahrer iPHONE Evangelist. Ich erwische ihn auf „Montage“ und er ist sichtlich genervt, sein Kunde hat übers Internet eine Küche bestellt, und jetzt  passt natürlich nix zusammen. Nach ca. 2 Minuten kann ich seine Unmutsäußerung unterbrechen und bitte Ihn um den Gefallen, mal im Internet nach zu sehen  wo mein Volkslauf los geht. Jetzt muss ich mir natürlich noch 5 Minuten einen Vortrag über die Vorzüge eines iPHONES anhören… dazwischen kommt die Info, die ich brauche… – ja, danke, ich rufe Dich nachher zurück-, ich muss mich beeilen, ich habe noch 30 Minuten zum Start, bzw. 15 Minuten um meine Startnummer abzuholen…

An neuer Wirkungsstätte  herrscht dann das befürchtete Park Chaos. Ich suche ewig einen freien Parkplatz in der umliegenden Wohngegend.  Ich sehe das  mal positiv, dass ich in ca. 2 km Entfernung schließlich ein Parkplatz finde, schließlich wollte ich mich ja auch noch warmlaufen. Um kurz vor 14:00 bin ich schließlich bei der Startnummernsaugabe, die bereits im Begriff ist einzupacken.

Vor lauter Hektik reiße ich mir dann noch  den halben Fingernagel  des rechten Mittelfingers ab, als ich versuche die Druckknöpfe meines Startnummernbandes zu lösen. -Argh- Der Nagel, oder das was davon übrig ist blutet, ich kann doch kein Blut sehen, jedenfalls nicht mein eigenes…

Also noch schnell bei den Kollegen der Bergwacht vorbei, und ein etwas dilettantischen Fingerkuppenverband abgeholt. –hoffentlich passiert bei der Veranstaltung nicht mehr- Na, die nächste Stunde wird’s schon halten.

So, und wohin jetzt mit dem Autoschlüssel? Da das Wetter so wunderbar ist, bin ich nur mit der kurzen Tight unterwegs, die hat allerdings nur ein Minitäschchen in Form eines Säckchens ohne Reißverschluss, da geht gerade mal mein kleiner Creative MP3 Player rein.  Mein Armband-Täschchen für diesen Zwecke (mit Traubenzucker) habe ich natürlich auf dem Rücksitz liegen lassen.

Ich habe keine Lust den Schlüssel  eine Stunde in der Hand zu halten, also stopfe ich Ihn zu dem MP3-Player ins Säckchen. Die Öffnung des Täschchens verschließe ich mit einer Sicherheitsnadel, und stopfe das ganze noch zur Sicherheit in meine Unterbuxe. Sicher ist sicher, ich habe keine Lust später im Forst mein Schlüssel zu suchen. Ungünstigerweise befindet sich die Tasche auf der Vorderseite der Hose, sodaß sich nun im Lendenbereich  eine ziemliche Beule abzeichnet. -Scheiß drauf-, ich versuche die vermeintliche Hasenpfote durch mein T-Shirt ein bisschen zu kaschieren.  Für weitere Modellierungsmaßnahmen habe ich allerdings keine Zeit, da bereits zur Startaufstellung gerufen wird.  Ich stelle mich in den 4:30 – 5:00 Block. Bei einer  Nettozeitnahme  besteht kein Grund zum Drängeln.

Der Startschuß fällt und ich lasse mich mit dem Feld mitziehen.  Die ersten drei km laufen ganz gut, bei  km 4 passiere ich die Verpflegungsstelle ohne etwas zu trinken. Einen 10er kann man locker ohne Boxenstopp laufen, trotzdem bekomme ich Seitenstechen, das habe ich sonst nur, wenn ich unterwegs was trinke. Ich drossle etwas die Geschwindigkeit und konzentriere mich auf die Atmung. Das Seitenstechen hält an, als weitere Maßnahme versuche ich das Seitenstechen zu  ignorieren. Bei km 6 zieht ein kleiner Junge an mir vorbei.  Hallo? Der ist ja noch keine  Zehn… Ich hänge mich an den Rennzwerg. Windschatten habe hier natürlich keinen.  Bei km 7 bricht mein Pacemakerchen etwas ein, und ich laufe weiter mein Tempo. Bei km 8 holt er mich wieder ein und kann sich sogar etwas absetzen. Warte Bürschchen, du kennst meine –timekiller-Rakete noch nicht.  Bei km 9 sind wir wieder gleich auf und wir laufen eine Zeit lang im gleichen Tempo.  Er grinst und ich keuche. Schließlich siegen dann doch die größeren Schritte und ich kann Ihm bis ins Ziel noch ca. 30 Sekunden abnehmen.  Im Zielbereich warte ich auf den Knirps und beglückwünsche Ihn zu seiner super Leistung und frage Ihn nach Name und Alter. Simon, 11 Jahre,  und damit, mit Abstand der jüngste im Feld, verdient  meinen allergrößten  Respekt. Weitere Läufer, die der kleine abgehängt hat, klopfen Ihm anerkennend auf die Schulter.

Ich hole mir bei der Zielverpflegung ein paar Getränke und etwas Obst und genieße die Atmosphäre. Da spricht mich ein Läufer an, den ich letzes Jahr beim Westparklauf kennen gelernt habe.  Es entwickelt sich ein Gespräch wie es nur unter Läufern stattfinden kann. Innerhalb kürzester Zeit lässt jeder sein läuferisches Jahr revue passieren und  macht den anderen auf schöne Läufe, Strecken und Erfahrungen aufmerksam.  Ich liebe solche Unterhaltungen…

Ach ja, was kam eigentlich bei meinem Lauf raus, mit 48:36 habe ich meine PB deutlich verpasst, aber das war  auch gar nicht angestrebt, ich bin erneut unter 50 Minuten gelaufen, und das ist nach dem turbulenten Vorgeschichte ganz ordentlich.

15 Comments

  1. Supermario72 sagt:

    Haha – ein neuer Blogeintrag beim „Timekiller“! Und in der Tat – meine Vorfreude wurde wieder vollends belohnt! Dein selbstironischer Humor ist einfach der Knaller! Bin ich doch sonst ein absoluter Lesemuffel – aber in Deinem Blog könnte ich ewig schmökern! Echt genial.

    Aber davon mal abgesehen – herzlichen Glückwunsch zu dieser tollen Zeit! Auch wenn’s keine neue PB war, aber eine 48:36min auf 10km will erstmal gelaufen sein! Klasse!

    Grüße aus Köln!
    Mario

    1. timekiller sagt:

      Ahh, tut das gut…
      Jetzt bräuchte ich nur noch mehr -timekiller- Fans wie Dich, dann schalte ich Bannerwerbung, gebe den Blog als Buch raus und organisiere Laufveranstaltungen. Eine Wildcard für den ersten -timekiller-Marathon ist dir sicher…

      Grüße -timekiller-

  2. Stelle fest, dass deine Erlebnisse fast immer zu jenen der besonderen Art zählen. Vielleicht ist es aber auch nur dein unnachahmlicher Schreibstil, oder beides! Wurscht! Deine Stories sind unübertrefflich!

    Ach ja, bei der Hektik vor dem Start so ein Ergebnis? Gratulation!

  3. timekiller sagt:

    …ich weiß auch nicht was ich immer falsch mache… An mir kann’s ja eigentlich nicht liegen, oder etwa doch?

    Grüße -timekiller-

  4. Pierle sagt:

    Ha,ha – das ist doch mal ein ganz anderes Aufwärmprogramm 🙂

    Ich hab den Link zu diesem Artikel auf Facebook an die „Läufergemeinschaft“ weitergeleitet. Ein bißchen Werbung schadet ja nicht 😉

    LG
    Carsten

    1. timekiller sagt:

      Prima, dann kann ich ja schon mal den Merchandising-Krempel bestellen 😉

      Bekommst auch ein T-Shirt, oder möchtest du eine Tasse?

      Grüße vom -timekiller-

      1. sarahemily sagt:

        Ich hätte gerne eine Tasse.

        🙂

        1. LocalZero sagt:

          Ich auch!

          Falls möglich bitte mit Anfahrtsskizze zum „neuen“ Forstenrieder Lauf *muhahaha*…

          1. timekiller sagt:

            Ha! Ich sehe schon, die Idee kommt an… Die Begehrlichkeiten sind geweckt. Wenn die Rechnung aufgeht kann ich bald meinen alten Job an den Nagel hängen…

  5. LocalZero sagt:

    Keine Sorge, ich wäre auch an die altbekannte Ausrichtungsstätte zum Sportheim gefahren – da sieht man mal, wie unflexibel man(n) im Alter werden kann. Aber dafür wurde die aufstrebende Jugend eindrucksvoll in die Schranken verwiesen :-)))

    Viele Grüße &
    Danke schön für den wieder einmal höchst erheiternden Bericht!

    Lars

  6. timekiller sagt:

    tja, bei den Gegnern kann man in meiner Altersklasse nicht mehr so wählerisch sein 🙂 Da muss man nehmen was kommt.

    Grüße vom -timekiller-

  7. Sinusläufer sagt:

    Sehr schöner Bericht! Man lebt die Emotionen gleich mit.

    Ich weiß noch bei meinem ersten Lauf ist das gesamte Starterfeld am mir vorbei gezogen. Wenn dann eine W80 an meiner damaligen M20 vorbeiläuft geht das schon ans Ego. 😉 Aber ihre Leistung ist genauso neidlos anzuerkennen wie die vom Simon.

    1. timekiller sagt:

      Ja, bei den Senioren gibt es einige ganz zähe Exemplare, die stecken uns noch locker in die Tasche. Ich duelliere mich bei meinen Läufen im Olympiapark immer mit einem Herren der M65 Klasse, und das geht nicht immer zu meinen gunsten aus.

      Grüße vom -timekiller-

  8. Eddy sagt:

    Du brauchst unbedingt in iPhone, wenn Du in Zukunft verletzungsfrei laufen willst. Und die Beule in der Hose muss dann auch nicht sein, da Du für das iPhone einen Rucksack oder so was ähnliches (heißt das eigentlich Bauchbeutel?) brauchst und dort alles andere dann auch verstauen kannst. 🙂

    Ich gratuliere zu Deiner Zielzeit! Die hätte ich wohl auch ohne die Hektik im Vorfeld kaum geschafft: Respekt aus Bremen!

    1. timekiller sagt:

      Ja, bin ich denn ein Beuteltier? Da hungert man sich mühsam ein paar Kilos runter, und dann erweitert man den Laderaum… :-))

      Grüße -timekiller-

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