Winterspiele

Freitag, Januar 27, 2012

ob es eine gute Idee ist, sich unter der Woche die Seele aus dem Leib zu rennen, weiß ich nicht so genau.

Am Mittwoch stand wieder ein ZHS-Crosslauf im Kalender. Beim letzten Crosslauf lag ich die halbe Nacht wach und fand keinen Schlaf, so aufgeputscht war ich nach dem Ritt durch den Park.

Da mein Trainingsplan jedoch für den Mittwoch 7 x 1000 Meter Intervalle verlangte, beschloss ich die Trainingseinheiten zu tauschen bzw. bei den Intervallen einfach mal die Pausen weg zu lassen. Letzte Woche konnte ich vor lauter Arbeit meine Einheiten unter der Woche nicht abhalten,  eigentlich wären 5 schnelle Kilometer auf dem Programm gestanden,  stattdessen gondelte ich innerhalb 24 Stunden 1200 km durch Deutschland und hab dazwischen auch noch 10 Stunden gerackert (Mein Dank an dieser Stelle auch an die Telekom, das hat ja mal wieder super geklappt. Auf Euch kann man sich einfach verlassen wenn’s drauf ankommt.)

Lust hatte ich am Mittwoch ja keine, ich habe den ganzen Tag gefroren. Irgend so ein Schwabenseggel hat bei uns im Büro die Heizung runter gedreht, und so hat es den halben Tag gebraucht bis ich mal die Jacke ausziehen konnte. Die Vorstellung am Feierabend nun noch bei -2°C durch den Park zu rennen, löste jetzt keine Begeisterungstürme bei mir aus.

Aber so ein Trainingsplan ist ja kein Wunschkonzert, daher ging‘s kurz nach 18:30 Uhr zum ZHS Stadion im Olympiapark. Die Bedingungen für einen schnellen Lauf waren alles andere als ideal, neben der arktischen Kälte war es streckenweise recht glatt. Und dann waren da noch meine Wackelbeine. Irgendwie fühlten die sich schon besser an. Komisch, letzte Woche fühlte ich mich total fit, ich hatte das Gefühl, ich könne die Laufwelt aus den Angeln heben,  Naja, vielleicht lag‘s ja auch nur daran, dass ich nicht Laufen durfte konnte.

Im ZHS Stadion hätte man eher Nordische Wettbewerbe abhalten können, als den Start des Crosslaufs. Die Tartanbahn war zu 90% mit Schnee bedeckt der Rest war Eis. Damit es nicht zu Ausrutschern kommt, beschlossen die Organisatoren, dass die Nordkurve auf der Tartanbahn ausgespart wird und wir stattdessen über die schneebedeckte Wiese laufen dürfen.
Pünktlich um 19:00 Uhr ging‘s los.

Es ist immer wieder beschämend für wie schnell das Feld abgeht, und mich stehen lässt. Wie die bekloppten prescht die Spitze davon.

–Hallo, es ist glatt!-

Während die ersten schon das Stadion Richtung Olympiapark verlassen, pflüge ich noch durch die Wiese. Ich versuche zumindest den Anschluss an eine kleine Gruppe zu halten. Mit 4:35 wird der erste Kilometer quittiert. Jetzt geht’s hinterm Olympiastadion in Richtung Parkharfe. Heute scheint keine Veranstaltung in der Olympiahalle zu sein, und wenn dann wäre sie sehr spärlich besucht. Durch die Hohlgasse könnte  man diesmal  richtig Vollgas geben, wären da nicht große Flächen des Weges mit einer dünnen Schnee-Eis-Schicht bedeckt. Kilometer zwei konnte ich dennoch mit 4:28 nochmals eine Schippchen  drauf legen. –Huiuiui- 4:28 ist richtig anstrengend. Das wäre im Frühjahr meine durchschnittliche Pace wenn ich das Projekt SUB 45 angehen möchte. Ein Kilometer in dem Tempo ist ja OK, aber 10? –ächz-

Ich nehme etwas das Tempo raus, schließlich habe ich noch 5 km vor mir, außerdem geht es bei km 3 den Berg hoch. 4:54 ist das Ergebnis meines Drosselns, soweit wollt ich jetzt gar nicht abbremsen, aber wer weiß wozu es gut ist. Ab dem Sattel  geht es wieder bergab, aber ich kann den Schwung nicht richtig mitnehmen. Zu groß ist er Respekt vor dem schlüpfrigen Untergrund. Am Wendepunkt geht eine Läuferin mit Stirnlampe an mir vorbei. Ich versuche noch dran zu bleiben, aber keine Chance. Die gute hat den zweiten Atem, und ich hab Seitenstechen. Mit 4:45 geht es auf den vierten Kilometer und nochmals über den  Olympia Sattel. Ich kämpfe mich wieder den Berg hoch. Ist der steiler geworden? Jetzt wird’s auch noch neblig. Ich kann den Weg kaum noch sehen. -Doch halt, das ist gar kein Nebel-. Meine Brille beschlägt  vom dampfenden Atem. Wie ein Feuerdrache mit einer defekten Zylinderkopfdichtung, dampfe ich den Berg hoch. Durch eine raffinierte Pustetechnik versuche ich die Brille wieder einigermaßen frei zu bekommen. Bevor es wieder den Berg runter geht wäre es ganz gut, wenn man die Eisflächen zumindest erahnen könnte. Mit 4:49 war dann auch mein fünfter Kilometer nicht so berühmt, aber es lag nicht nur an der Glätte. Ich war einfach nur KO, ich habe sogar ans Aussteigen gedacht. Aber irgendwie muss ich ja wieder zurück ins Stadion kommen, und im Olympiapark fährt kein Bus, also muss ich weiterlaufen. Den Kilometer 6 und 7 kann ich mit  4:38 gerade noch so stehen. Dann gibt’s im ZHS Stadion noch einen kurzen Schlusssprint, doch im Tiefschnee ist da nicht mehr viel drin. Vielleicht hätte ich in Schneeschuhen antreten sollen.

Mit 33:27 schließe ich die 7,2 km ab.  Fast so schnell wie bei meinem letzen ZHS Crosslauf, allerdings war diesmal die Strecke um gut 100 Meter kürzer. Die durchschnittliche Pace liegt dann auch nur bei 4:40. Heute war einfach nicht mehr drin,  dennoch bin ich zufrieden, für den Trainingslauf hatte ich mir zumindest eine 4:45 Pace vorgenommen.

So, jetzt noch einen heißen Zitronentee, und dann geht’s wieder nach hause, um dann literweise Bier zu trinken, damit ich diesmal schlafen kann.

–Prost-

16 Comments

  1. Laufhannes sagt:

    Trainingsvorgaben erfüllt. Hoffentlich ist der Muskelkater auch nur so schlimm wie nach einem guten Training 😉

    1. -timekiller- sagt:

      Hallo Hannes,

      ich glaube ich trainiere falsch. Muskelkater hatte ich schon lange keinen mehr. Ich habe eher Kater vom „Gute-Nacht-Bierchen“
      Grüße -timekiller-

  2. Supermario72 sagt:

    Sehr guter Trainingslauf unter Wettkampfbedingungen – was willst Du mehr!? Alles richtig gemacht! Die Saison ist nach ganz jung – keine Panik! Deine großen Auftritte kommen schon noch – da bin ich mir sicher.

    Du schreibst hier ja sogar mal was von einem Trainingsplan? Bisher hatte ich immer so den Eindruck, Du hast noch gar keinen. Aber ich sage ja, in Dir steckt viel mehr ambitionierter Sportler als Du uns immer vorzugaukeln versucht! 😉

    Also – das Ding im Trainingsplan als erledigt abhaken und weiter ….

    Grüße aus Köln!
    Mario

    1. -timekiller- sagt:

      Hallo Mario,

      klar habe ich einen Trainigsplan, nur mit der Umsetzung happert es halt häufig. 🙁

      Grüße -timekiller-

  3. Volker sagt:

    Kannst Du mir die Pustetechnik mal erklären, mit der Du die Brille wieder klar bekommst???

    Da rennt der Mann wieder wie ein Besengter auf einem Untergrund, auf dem ich überhaupt nicht mehr laufen würde.

    Ich hoffe der Feuerdrache mit defekter Zylinderkopfdichtung ist wieder nüchtern 😉

    1. -timekiller- sagt:

      Hallo Volker,

      also zur Pustetechnik. Du schiebst die Oberlippe weit über die Unterlippe und atmest Stoßweise aus. Durch die strömungstechnischen Verwirbelungen die das verursacht wird die Brille wieder frei. So die Theorie 🙂

      Bezüglich winterlicher Untergrund; hast Du jetzt nicht die schicken Laufketten?

      Grüße -timekiller-

      1. Volker sagt:

        Die schicken Laufketten müssen sich erst noch beweisen. Allerdings hapert es hier immer noch an entsprechendem Testuntergrund. Hoffentlich bleibt das so;-)

        1. -timekiller- sagt:

          Ich wollte mir letztes Jahr auch so Ketten kaufen, habe dann aber den Laufladen mit Trailschuhen verlassen. Die Ketten bringen nur was, wenn es wirklich eisig ist. Auf Schnee tuts auch ein ordentliches Profil.

          Grüße -timekiller-

          1. Volker sagt:

            Deswegen wollte ich ja die Ketten, da wo ich laufe sind auch schon immer Autos gefahren, sprich da ist der Schnee auch immer gleich verfestigt bzw. vereist.

            Mal sehen ob die noch zum Einsatz kommen. Es soll zwar schweinekalt werden, aber keinen Schnee geben.

  4. Pierle sagt:

    „Schwabenseggel“ = abfällige Bezeichnung für die Volksgruppe der Schwaben? Hilfe! Dolmetscher!

    Mit ner 4:40er Pace über Schnee und Eis? Du kommst auf Ideen. Da wäre mein Respekt vor dem rutschigen Untergrund zu groß.

    1. -timekiller- sagt:

      Hallo Carsten,

      ich hätte da noch eine ganze Latte an schwäbischen und bayerischen Verunglimpfungen auf Lager…

      bzgl. Pace auf Eis und Schnee; damit hatten meine Mitstreiter offensichtlich keine Probleme. Ich gehörte da mal wieder zum hinteren Finisher-Feld.

      Grüße -timekiller-

    2. -timekiller- sagt:

      Apropos Pierella,

      unsere Frauen dürfen sich niemals kennen lernen, sonst muss ich meiner auch so eine schicke Seite basteln.

      Grüße -timekiller-

      1. Pierle sagt:

        Oh ja – das mußt du verhindern 😉

        Wieso gehst du davon aus, dass meine Frau die Sachen näht? Vielleicht bastel ICH ja auch nach Feierabend noch Mutterpasshüllen und Kuschelkissen *hust*

        1. -timekiller- sagt:

          Na, in so einem Familienbetrieb müssen doch sicherlich alle anpacken… oder?

  5. Für einen Crosslauf ein sehr ordentliches Tempo. Quatsch, was schreibe ich hier…. Es ist auch so eine sehr gute Pace die du anschlägst!

    1. -timekiller- sagt:

      Hallo Frank,

      die Bezeichnung Crosslauf täuscht hier vielleicht ein bisschen. Das einzige was hier „Cross“ ist, sind die Höhenmeter, ansonsten geht es zu 99% über asphaltierte (oder eben über schnee und eisbedeckte) Wege. Aber auch wenn es eine Schinderei ist, es macht spaß.

      Grüße -timekiller-

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