Askese

Montag, Dezember 20, 2010

Es ist ein Drama, die letzte Woche war schlimmer als befürchtet. Jede Menge Arbeit, und eine Feier, zu der ich vollkommen ausgehungert einlaufe und nach dem Aperitf schon ziemlich beschickert bin. Ich realisiere langsam, dass ich in einer schicken Vinothek nicht auf Bier umsteigen kann, auf bleifreies schon gar nicht.  -egal- Ich baue auf ein opulentes Menü und trinke mit den Kolleginen noch ein Gläschen.  Dummerweise haben schnieke Vinotheken die Eigenheit, daß die servierten Speisen zwar äußerst schmackhaft sind, jedoch nur in homöopatischen Dosen angeboten werden.  Nach der Nachspeise knurrt mir noch der Magen. Über das Vakuum im Magen macht sich allmählich der großzügig ausgeschenkte Schwarzriesling her. Ich bin kein Weinkenner, ich kann gerade mal Weiß- von Rotwein unterscheiden, aber irgendwie schmeckte der Wein nach „Lambrusco“. Oje, hoffentlich ähnelt sich nur der Geschmack…

Den Samstag habe ich dann (bei wunderschönem sonnigen Winterwetter), mit meinem Kater im Bett verbracht, der Kater schnurrte nicht,  er brummte ganz gehörig. Bis 20:00 Uhr musste ich einigermaßen wieder hergestellt sein, denn da ging es schon wieder zur nächsten Feier. Die beste Freundin meiner Gattin hatte zum Geburtstag geladen, aus der Nummer kam ich nicht raus. Ich hatte noch inständig gehofft, dass der Babysitter absagt, aber nix wars….

Vom Wein habe ich mich an diesem Abend fern gehalten, und nach dem ersten Bier kamen auch die Lebensgeister zurück,  aber ich war angezählt…, um 4 Uhr hatte meine Frau ein Einsehen, und nahm mich aus dem Ring.

Der Sonntag stand dann leider im Zeichen der Arbeit, ich musste bis Montag noch ein gaaaaaanz dringendes Konzept für ein Projekt fertig machen, das schon seit August vor sich hindümpelt, und jetzt, noch vor Weihnachten in die Spur gebracht werden soll. Also ignorie ich  das schöne Wetter, und verschiebe meinen geplanten (längeren) Lauf auf Nachmittag.  Aus dem Nachmittag wird natürlich wieder Abend und in der Dämmerung begebe ich mich auf meine Runde rund um den  Schlosspark Nymphenburg, am Kanal entlang, und noch eine kleine Schleife durch den Olympiapark.

Kurz vor dem Schloß kommt mir eine junge Frau entgegen und strahlt mich an, -mensch-, die sieht aus, als wolle sie Dich gleich um meine Telefonnummer bitten,  aber wer spricht schon einen Jogger an. Da spricht mich die Frau  tatsächlich an, und fragt: „Entschuldigung, können Sie mir sagen wo die nächste Telefonzelle ist?“ -???- Telefonzelle, gibts sowas noch? Öh, keine Ahnung, seit dem die Telekom die gelben Häuschen abgebaut hat, übersieht man die ja gerne. Ich kann Ihr leider nicht helfen.

(aus Garmin Connect)

Ansonsten begegne ich sonst fast niemandem mehr, die anderen Läufer haben alle das schöne Wetter am Vormittag genutzt. Der Lauf erweist sich als äußerst anstrengend, bei jedem Schritt bereue ich mein ausschweifendes Leben der letzten Tage. Bis Silvester ist Askese angesagt. Absolute Enthaltsamkeit…

Im Olympiapark, ist der Weg am See unterhalb des Olympiabergs aufgrund des geplanten Weltcup Slaloms  gesperrt. Ich ignoriere jedoch die Umleitung durch den abgelassenen See, und laufe durch das offene Absperrgitter. Hundert Meter weiter stehe ich vor einem riesigen Schneeberg, der mir den Weg versperrt.  Ich versuche das Hindernis zu erklimmen, bzw. zu umrunden und sinke dabei bis zum Knie im Schnee ein. Auf der Rückseite des Berges stehen zwei Streifenwagen der Polizei, die wohl auch die Absperrgitter ignoriert haben und sich im Tiefschnee festgefahren haben. Was die hier verloren haben ist mir schleierhaft, aber  als braver Bürger helfe ich den Streifenhörnchen Ihre Diestfahrzeuge wieder auf befestigte Wege zurück zu schieben. Nach 1:38 komme ich dann wieder zu hause an. Ich bin die 17 km Runde schon schneller gelaufen, aber da war auch ich und die Strecke in einer wesentlich besseren Verfassung, außerdem musste ich da nicht als ADAC-Helfer einspringen.

5 Comments

  1. Simon sagt:

    Das Gelände ist jetzt schon gesperrt? Wann die wohl damit beginnen, die Schneekanonen anzuwerfen?

    1. -timekiller- sagt:

      Die Schneekanonen laufen schon seit Wochen. Auch als es so stark geschneit hat liefen die Dinger. Bei über +4C müssen die Kanonen jedoch ausgeschalten werden, dann kommt nur noch Wasser.

  2. ultraistgut sagt:

    Schätze mal, dass du nicht der Einzige bist, dem solche Dinge in der Vorweihnachtszeit widerfahren, bis 20.00 Uhr am darauf folgenden Tag, das muss ja dann doch schon ganz schön heftig gewesen sein.

    Gottlob dauert die Askese nicht so lang, bis Weihnachten hast du und dein Körper alles vergessen, und dann…………………

    1. timekiller sagt:

      Naja, ich bin ja auch nix mehr gewohnt, bin ja jetzt ein Sportler, da hält man sich normalerweise etwas zurück.

  3. sarahemily sagt:

    Sportler & Askese?! Mein Trainer meint immer, wir treiben ja Sport um uns auch mal was gönnen zu können. Deswegen: gaaaaanz entspannt weiter feiern.

    Und am Wochenende muss ich mal laufend den Park erkunden…

    🙂

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