Das wahre Glück kommt unter der Dusche

Samstag, Dezember 25, 2010

Weihnachten feiert Familie –timekiller- traditionell bei den Schwiegereltern in der Nähe von Oldenburg.

Da Oldenburg nicht gerade um die Ecke liegt, steht vor Weihnachten erstmal die lange Fahrt in den Norden an. Als alter Staustratege legte ich den  Abfahrtstermin  auf 23.12; 18:00 Uhr, und lag damit diesmal genau richtig, denn die Unbillen des Winterwetters, wie Schneeregen /überfrierende Nässe / Blitzeis…, zogen bereits am Nachmittag über Mittel und Norddeutschland hinweg, da suchte ich noch verzweifelt in  München nach einem Geschenk für die Gattin. Gut 8 Stunden haben wir dennoch  für die Strecke gebraucht und damit waren wir noch gut bedient, denn ab Paderborn ging es über eine geschlossene  Schneedecke. -Was tut man nicht alles für die Familie-

OK, ganz selbstlos war das nicht, ich wollte die Weihnachtstage nutzen um noch ein paar lange Läufe, die ich in den letzten Wochen etwas vernachlässigt hatte, in einer anderen, vor allem ländlichen, Umgebung zu absolvieren.  Für einen Stadtläufer ist das ein absoluter Genuss, wie Weihnachten eben.

Daher stopfte ich mich gleich am 24.12.  Nachmittags in meine Funktionsklammotten und los gings. Aber wohin? Meine Strecke durch den Wald und über Feldwege die ich sonst bei meinen Besuchen immer gelaufen bin, lag tief verschneit im Winterschlaf, da war kein Durchkommen möglich.

Während mein Forrunner im Garten noch den Satteliten sucht,  suche ich auf www.mapmyrun.com nach einer Alternativstrecke, die hoffentlich über geräumte Rad und Fußwege führt. Ok, zum warm werden, einfach mal  in den Nachbarort und zurück.

Auf dem Radweg ging es dann von Wardenburg Richtung Littel, der Weg war geräumt aber nicht ganz Schnee und eisfrei, aber dieses Jahr ist man das ja schon gewohnt. Vor Littel beschließe ich den Radweg zu verlassen um, über den Lübbersdamm um Littel herum zu laufen.  Der Schnee auf dem  Sträßchen ist festgefahren, und ziemlich rutschig, stellenweise sorgen Schneeverwehungen für  kleine Tiefschnee Einlagen.

Streckenweise ist die Sicht diffus, alles um mich herum ist weiß, der Weg, die Felder rechts und links, der Himmel… Mir wird ganz schwummerig, da dem Blick etwas fehlt um es zu fokusieren.

Nach Littel komme ich wieder auf eine größere Straße mit Radweg und biege rechts ab, um wieder nach Littel zurück zu kommen. -Ein folgenschwerer Fehler- Ich wundere mich noch, dass der Radweg nach dem Ort wohl die Fahrbahnseite gewechselt hat, aber OK, warum nicht.

Ich laufe weiter, auch wenn mich das Gefühl beschleicht, irgendwie die Orientierung verloren zu haben,  aber das mag daran liegen, dass ich die Gegend nicht gut genug kenne und irgendwie sieht das momentan eh alles gleich aus. Plötzlich stehe ich vor dem Ortsschild „Charlottendorf-West“

-wo bin ich-

Diese Frage kann ich schnell klären da am Ortseingang eine Umgebungskarte steht. Der Platz vor der Infokarte ist natürlich nicht geräumt und so stehe ich in 20 cm tiefem Schnee und versuche mich zu orientieren, während mir der Schnee in den Schuh rieselt.

OK, ich bin falsch abgebogen und bin im Nachbarort gelandet, ich könnte jetzt natürlich einfach wieder umdrehen, aber da ich lieber Rundkurse laufe, versuche ich mir eine andere Wegvariante einzuprägen. Jetzt gleich links Richtung  Charlottendorf-Ost und dann die nächste Straße wieder links zurück Richtung Littel. Ich laufe wieder auf einem schmalen Sträßchen, mir fällt auf, dass nirgends gestreut ist. Etwas Splitt würde das Fortkommen erheblich verbessern.  Wenn ich so drüber nachdenke fällt mir auf, dass die Größe des Streugutkörnung mit der geografischen Breit nach Norden hin abzunehmen scheint. Während noch in Österreich die Korngröße bei stattlichen 10 -15 mm liegt, ist die Körnung in Bayern und Baden-Würtenberg bei durchschnittlich 5mm. Hier im Norden scheint man überhaupt  nicht mehr zu streuen. Und gerade hier ist die Dichte der Sommerreifenfahrer besonders hoch. Eben hat mich wieder ein Kleinwagen mit durchdrehender Vorderachse überholt… Hätte der Motor nicht so geheult, ich hätte den Wagen nicht gehört, da der Schnee sämtliche Geräusche schluckt.

Eigentlich hätte die nächste Abzweigung nach ca. 1 km kommen sollen, bisher war da aber nix, nach 2km kommt endlich eine Straße. Der Name der Straße lautet anders als der, den ich mir versucht habe einzuprägen. –egal- ich muss hier links ab, sonst komme ich bis zur Bescherung nicht mehr nach Hause. Die Straße geht nun kilometerlang gerade aus. Am Horizont kann ich ein kleines gelbes Auto erkennen, das alle 100 Meter anhält. Da werden wohl noch die letzten Pakete ausgeliefert.  Es pfeift mir ein eisiger Wind entgegen. Ich habe das Gefühl ich stehe. Meter für Meter kämpfe ich mich weiter. So langsam wird’s anstrengend und ich beginne mich zu fragen, was mich geritten hat heute und hier zu laufen. Es ist Weihnachten und ich stolpere hier durch die Gegend. Irgendwann bin ich mit dem Postboten auf gleicher Höhe, ich grüße Ihn mit einem „Moin“, Der Postbote winkt mir zu während er durch den Schnee zu einem Hof stapft.   Das nächste Ortschild läßt mich aufatmen, „Littel“, ich weiß wieder wo ich bin. Ich laufe durch den Ort, zurück auf die Bundesstraße die mich zurück nach Wardenburg führt. Die einzigen Fußspuren auf dem Radweg sind von mir. Ich habe zwar keine Kraft mehr, aber ich stelle fest, dass meine Schrittlänge zugenommen hat, ich schaffe es nicht in meine eigenen Stapfen zu treten. Ist das das Geheimnis des negativen Splitts?

Aus meinen Gedanken reißt mich ein hupendes Auto das neben mir langsamer wird, es ist der Postbote und fragt, ob er mich ein Stück mitnehmen soll,  ich muss ein fürchterliches Bild abgegeben haben, aber diese Schmach kann ich nicht zulassen, dass mich die Post auf dem Hof der Schwiegereltern abliefert. Ich lehne dankend ab, und versuche zu lächeln.

Ziemlich KO, und vollkommen durchgeschwitzt komme ich zu hause an.  15 km stehen auf der Uhr, bei einer durchschnittlichen Pace von 5:20, nicht schlecht, aber ich bin völlig alle.  5 km gegen den Wind kann mit jedem Bergtraining mithalten. Das wars, die nächsten paar Tage wird nur noch gechillt.  Scheiß auf Dein Trainingsplan. Ich überlege meine dampfenden Schuhe gleich ins Auto zu packen,  damit ich nicht nochmals in Versuchung  geführt werde.

Ich komme in die warme Küche, meine liebe Familie schaut mich ungläubig an, „Wie? Du warst Laufen? Bei dem Schnee, du spinnst ja!“ Trotzdem bringt mir meine Tochter eine Flasche Vilsa (das beste Mineralwasser Norddeutschlands).  Der Inhalt der Flasche verdampft noch in meiner Kehle bevor er den Magen erreicht.  Während ich saftend auf der Küchenbank sitze und in Gedanken mein Läuferjahr abschließe, macht mich meine Schwägerin charmant darauf aufmerksam doch mal die Dusche aufzusuchen. „Ich glaube Dein Deo hat versagt“. Mit wackligen Knien erklimme ich die steile Treppe zu unserem Zimmer. Ich werde den heilig Abend wohl im Bett verbringen müssen, denn die Treppe komme ich nicht wieder runter…

Unter der warmen Dusche, kommt etwas verspätet das „Runners High“ „Mensch ist das schön“ durchströmt es mich . Die Glückshormone fangen an zu blubbern. In Gedanken feile ich schon wieder an meiner nächsten Tour, diesmal aber gleich eine richtig  große Runde. Aber erst morgen, jetzt freue ich mich auf  Heilig Abend mit den Kindern.

Ich wünsche Euch allen schöne Weihnachten, und viele tolle Laufmomente für 2011.

-timekiller-

14 Comments

  1. Na gut, dass du noch rechtzeitig zur Bescherung gekommen bist. Während des Lesens machte ich mir da ersnathaft Sorgen. Gut also, dass ein Happyend gab. Sonst wär’s ja keine richtige Weihnachtsgeschichte 😉
    Übrigens, bei den Bedingungen 5:30, alle Achtung! Kann dir trotzdem zusätzlich Yaktrax Pro wärmstens empfehlen. Ohne die „Schneeketten“ laufe ich im Winter nirgends mehr wo hin. Pack ich einfach ein und zieh’s bei Bedarf drüber. Genial!
    http://www.mapmyrun.com kannte ich nicht. Bevorzuge eher GPSies.

    Wünsch dir noch eine schöne Zeit mit ein wenig Ruhe – Reinhard

    1. timekiller sagt:

      Hallo Reinhard,
      ja Ketten, wären gut gewesen, wollte mir auch gestern gleich welche in Oldenburg besorgen, sind aber überall ausverkauft, jedenfalls bei den Laufläden die ich in Oldenburg kenne. Mapmyrun, habe ich früher viel benutzt, als ich noch keine GPS-Laufuhr hatte, um mal die eigene Strecken zu vermessen. Mittlerweile kann man da wie bei vielen Portalen auch seine GPS Daten hochladen. Wenn ich auf der Suche nach neuen Wegvariationen bin nutze ich das noch ganz gerne.

      1. Noch ein kurzer Hinweis. Die Yaktrax kaufte ich bei http://www.lauf-bar.de/, die sind ja bei dir „ums Eck“!
        Rutsch gut ins neue Jahr (das bezieht sich jetzt nicht auf die Bodenverhältnisse unter deinen Laufschuhen *lacht*)!

        1. timekiller sagt:

          Danke für den Hinweis, wenn ich wieder in MUC bin gehe ich da mal vorbei. Sind die Spikes eigentlich bei einem Volkslauf zugelassen?
          Grüße -timekiller-

          1. In Österreich ja, wenn es sich um einen Crosslauf handelt. Sonst ergäben diese eh keinen Sinn!

            Mist, immer diese schwierigen Rechenaufgaben 😉

          2. timekiller sagt:

            Ja, diese Rechenaufgaben helfen leider nicht wirklich den Spam bei mir einzudämmen, ich muss mir da mal eine effektivere Methode suchen… Momentan habe ich trotz Rechenaufgabe mehr Spam Nachrichten, als ernsthafte Kommentare. Ich weiß nicht wer sich da beklagt hat, aber ich brauche kein Viagra, und ich bin auch mit der Größe sämtlicher Körperteile zufrieden, OK, die Wade könnte etwas strammer sein 🙂
            Grüße -timekiller-

          3. Zwecks Spam: Schau nach bei Caschy, der hat diesbezüglich immer wertvolle Tipps auf Lager. Z.B:
            http://stadt-bremerhaven.de/bitdefender-veroeffentlicht-antispam-plugin-fuer-wordpress-blogs

          4. timekiller sagt:

            Hallo, prima Tipp, Caschy kannte ich bisher noch gar nicht, gleich mal gebookmarkt. Danke

  2. pierle sagt:

    „Wie? Du warst Laufen? Bei dem Schnee, du spinnst ja!“

    Den Kommentar hab ich mir über die Feiertage auch ein paar mal abholen dürfen.
    Dabei sind bei uns die Wirtschaftswege in den Bauernschaften meistens irgendwann mal mit nem Trekker geräumt worden. Da hat man dann also eine dünne, feste Schneedecke und kann da eigentlich ganz gut laufen. Und die Landstraßen sind zwar in den Fahrspuren glatt, aber am Rand ist immer eine Spur, die man gut nehmen kann.

    1. timekiller sagt:

      Ja, mittlerweile kann man auch wieder durch den Wald laufen, irgendeiner fährt da immer mal lang, dann kann man auf der Reifenspur laufen. Am 24. war aber kein Mensch mehr unterwegs, das war richtig gespenstisch. Außer dem Postboten bin ich niemandem begenet.
      Grüße -timekiller-

  3. LocalZero sagt:

    Iteratives Laufen, bei dem Wetter ist das wahrscheinlich die einzige Möglichkeit, irgendwie die Kilometer zusammen zu bekommen. Hast Du doch prima hingekriegt 🙂 … Und die Geschichten, die man auf derartigen Läufen erlebt, sind sowieso unbezahlbar.

    In diesem Sinne: Einen guten Rutsch ins neue Jahr!

    Viele Grüße!
    Lars

    PS: Beim Silvesterlauf im Oly-Park dabei? Oder noch im Norden?

    1. timekiller sagt:

      Ja, ich war eisern und habe noch ein paar Läufe gemacht, Bericht folgt sobald ich das Puppenhaus für meine Tochter zusammen gehämmert habe.
      Beim Silvesterlauf bin ich angemeldet und habe mir auch fest vorgenommen teilzunehmen, vielleicht kann ich da nochmals an meiner Bestmarke kratzen. Wir fahren in den nächsten Tagen wieder nach MUC, die Arbeit ruft (heul). Bist du auch in München am Start?
      Grüße -timekiller-

      1. LocalZero sagt:

        Mir geht’s so ähnlich wie Dir, bin in München angemeldet und festen Willens auch mitzulaufen. Allerdings ohne Bestzeitambitionen 😉

        Wenn mich nun die überall existierenden Erkältungsviren noch ein paar Tage in Ruhe lassen könnten und keine extreme Witterung aufkommt (Eisregen oder so) sollte das glatt klappen. Ich rühr mich vorher mal per Mail, ok?

        1. timekiller sagt:

          Bei mir kratzt auch schon ein bisschen im Hals, mal sehen, bis Silvester steige ich jedenfalls auf Salbeitee um…
          Klar, melde Dich per Mail, würde mich freuen.

          -timekiller-

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