Unter Druck

Dienstag, Juni 30, 2015

Laufen ist ein Volkssport, jeder kann Ihn betreiben. Egal welchen Alters, Geschlechtes  oder Leistungsklasse, jeder kann laufen.

–wenn er denn will–

Da gibt es die Gelegenheits-Läufer, die gemütlich-Läufer, die Ultra-Läufer, die Täglich-Läufer, die Trailrunner,  unzählige Läufer…

Grob kann man die Läufer in Hobbyläufer und ambitionierte Läufer unterteilen.

Den ambitionierten Läufer erkennt man meist an seinen Kniestrümpfen. Gerne in knalligen Farben wie Rosa oder Türkis. Wie ein japanisches Schulmädchen rennt er damit durchs heimische Revier.

Da stellt sich die Frage, was soll das?

Die eng anliegende Strickware sollen sich leistungsfördernd auf die Muskulatur auswirken. Durch die Kompression wird die Durchblutung gesteigert und so mit mehr sauerstoffhaltigem Blut versorgt. Physikalisch hört sich das logisch an. Wenn ich einen Wasserschlauch zusammen drücke, fließt an der Engstelle das Wasser schneller, das macht Sinn. Ob der Muskel dadurch „besser“ versorgt wird und dadurch leistungsfähiger wird, muss im Selbstversuch getestet werden.

Zu diesem Zweck hat mir CEP, einer der führenden Hersteller für Sportkompressionswäsche , zwei seiner Modelle zum Test zur Verfügung gestellt.

Einmal den Laufstrumpf, die Run Socks 2.0CEP_Socks_2.0 und für Triathleten die Stulpen, die Calve Sleeves 2.0.CEP_Calve_Sleeves

Die Stulpen haben den Vorteil, dass sie wesentlich einfacher zum Anziehen sind, der Laufstrumpf sitzt dafür noch straffer an der Wade. Beim ersten Gebrauch des Strumpfes, erspart ein Blick in die mitgelieferte Broschüre ein wildes Gezerre am neuen Beinkleid. Der Tipp lautet: in die Ferse fassen und den Strumpf halb auf links ziehen, dann mit den Zehen in das Fußteil schlüpfen und den Schaft über die Wade ziehen. Mit etwas Übung funktioniert das ganz gut.

Und, wie fühlt es sich an?

Nun, eng anliegende Kleidung hat ja einen gewissen Wohlfühl-Charakter. Millionen mollige in hautengen Leggins können nicht irren. Die Strümpfe sitzen aber schon sehr eng, beim ersten probieren hatte ich das Gefühl, das gesamte Blut wird aus der Wade gequetscht, aber so soll es wohl sein.

Meinen ersten Testlauf mit den Rennstrümpfen habe ich nach meiner zwei monatigen Zwangspause anfang Mai gemacht. Um es den Strümpfen nicht zu leicht zu machen, habe ich gleich meine Neutral Running Schuhe aus dem Regal geholt. Muskelkater in der Wade ist da vorprogrammiert.

Jetzt bin ich natürlich nach acht Wochen Laufpause nicht wie ein Irrer los gerannt und auch die Distanz konzentrierte sich eher auf den Nahbereich, aber 8 km habe ich dann doch zustande gebracht. Widererwartend blieb der Muskelkater in den Waden aus. Ist das ein erster Erfolg der Strümpfe?

Fortan bin ich mit Strümpfen oder Stulpen gelaufen. Wobei ich sagen muss, dass der Einsatz der Laufstrümpfe mich vor ein ganz neues Problem gestellt hat.

Ein modisches Problem!

CEP_1Kann ich das tragen? Wie sieht das denn aus? Normalerweise trage ich knielange Tights. In Kombination mit Kniestrümpfen sieht das dann doch sehr eigenwillig aus. Also musste eine kürzere Hose her, und auch bei der Auswahl der Laufshirts und Schuhe müssen nun farbliche Aspekte berücksichtigt werden. Möchte man doch vermeiden wie ein Papagei durch die Nachbarschaft zu laufen.

Und, bringt das jetzt was?

Schwer zu sagen, schließlich ist ein direkter Vergleich nur schwer möglich, da müsste man schon rechts mit Strumpf und links ohne Strumpf laufen. -Aber wieso nicht-.

So bin ich im Dienste der Wissenschaft mehrmals höchst unsymmetrisch durchs heimische Revier gerannt. Um einer Einweisung in die „Psychiatrische“ durch die Nachbarn zu entgehen, habe ich das Fahrwerk dezent mit einer langen Trainingshose verhüllt.

Während dieser Testläufe lauschte ich intensivst in mich hinein, und versuchte festzustellen was denn nun besser ist. Mit oder ohne Strumpf? Dabei konnte ich feststellen, dass es während der Versuche verschiedene Phasen gab.

Kurz nach dem Start fühlt sich die bestrumpfte Wade besser an. Während des Laufs, so ab km5 wenn sich langsam der Flow einstellt, stört die Kompression eher. Und wenn die Wade müde ist, dann wird das Gefühl durch die Kompression noch verstärkt, was dann eher zu einer Laufpause verleitet.

Oder war es anders rum? Ich bin verwirrt. Die Kompression soll ja gerade die Ermüdung verhindern bzw. verzögern. – Hm!?-

Nach dem Lauf wiederum empfinde ich es als sehr angenehm die Strümpfe länger zu tragen. Denn die Strümpfe können auch zur besseren Regeneration der Waden eingesetzt werden. So ziehe ich mir dann auch nach dem Duschen noch mal die Stulpen über.

Ich konnte jetzt aber nicht feststellen, dass die unbestrupfte Wade stärkeren Muskelkater oder sich wesentlich müder angefühlt hätte.

Nach einer Wanderung auf die Hohe Bleick bei Oberammergau mit ca.20km und 1200 Höhenmetern hatte ich anschließend höllischen Muskelkater in den Waden. Da hatte ich allerdings auch keine CEPs getragen. Würde mich interessieren wie der Muskelkater mit CEPs ausgefallen wäre. Vielleicht sollte ich die nächste Bergtour mal mit CEPs machen. Dann aber mit den Modellen für den Bergfex in gedeckteren Farben.

Nach zwei Monaten in Strümpfen ist es Zeit für ein Fazit.

Eine nennenswerte Verbesserung der Muskulatur, bzw. eine Leistungssteigerung konnte ich in der Zeit nicht feststellen. Was aber auch an meinem momentanen Trainingszustand liegen kann. Der muskelkaterfreie Laufeinstieg hat mich aber schon beeindruckt. Auch dies kann aber auch dem eher schnarchigen Schlappschritt geschuldet sein.

Es ist sicher ein Stück weit eine Kopfsache. Man muss halt dran glauben, dann klappts auch mit der Leistungssteigerung. Ein Laufkollege schwört auf seine CEPs, Ihm kann die Kompression gar nicht stark genug sein. Obwohl vom Strumpfkonfigurator Ihm die Größe IV empfohlen wurde, hat er ein zweites Paar in Größe III bestellt.

Was aber auf jeden Fall Zutrifft, egal ob die Strümpfe eine Wirkung haben oder nicht, man setzt ein Zeichen, ja ein Statement:

„Seht her, ich bin Läufer und kein Jogger.“

 

 

 

Soweit mein etwas skeptisches Fazit, wie ich es noch am Samstag Abend unterschrieben hätte.

Wäre da nicht der Sportscheck Stadtlauf am Sonntag gewesen.

Lange war ich für den Halbmarathon angemeldet, schließlich wollte ich hier mit Ingalenas Training die 1:45h knacken, aber es sollte ja anders kommen. Ich spielte sogar mit dem Gedanken, den Lauf sausen zu lassen, da weder das Tempo noch die Ausdauer einem Halbmarathon gerecht geworden wäre. Die letzen langen Läufe zogen sich ewig und waren gespickt von Laufpausen. Aber da ich den Stadtlauf durch den Englischen Garten so liebe, bin ich angetreten. Vielleicht ist ja wenigstens das Minimalziel von 2:00 Stunden drin. Aber große  Hoffnung hatte ich keine, woher sollte die auch kommen. Mein Training ist bisher nicht wieder richtig angelaufen.

Der Lauf war dann aber SUPER. Ausgerüstet mit den CEP Calve Sleves 2.0 und meinen IMG_2786neune HOKA ONE ONE Valor Schuhen, die mit Ihrem Gewicht eher zu den Orthopädischen Gehhilfen bzw. Dämpfungsmonstern zählen, konnte ich den Lauf vom ersten Meter an genießen. Es lief einfach. Jeden einzelnen Kilometer konnte ich im Schnitt in 5:20 laufen, und die ersten Kilometer waren mit 5:05 traditionell viel zu schnell. Ab Kilometer 10 habe ich regelrecht auf den Einbruch gewartet. Normal habe ich bei langen läufen ab km 12 das erste Tief, aber es lief weiterhin. Die Waden schön kompakt eingepackt, keine Schmerzen, frisch wie an der Startlinie, und die Laufschuhe taten mit Ihrer grandiosen Dämpfung Ihr übriges. Auf dem letzten Kilometer konnte ich sogar noch eine 4:30 raushauen. Was für ein Finisch,  was für ein klasse Lauf. Eine 1:52:42 hätte ich mir derzeit wirklich nicht zugetraut, und die CEPs haben dazu sicherlich Ihren Beitrag geleistet. Denn das Beste ist, ich habe auch heute, zwei Tage später, kein Muskelkater in den Waden!

Mit den Oberschenkeln sieht es allerdings anders aus.

14 Comments

  1. Volker sagt:

    Also meine Stützstulpen trage ich schon gerne bei längeren Läufen. Fühlen sich da einfach gut an. Außerdem sieht man halt einfach mehr nach Läufer an. Stellt sich die Frage was wichtiger ist 😉

    Was mich viel mehr interessiert sind die Hokas. Die würde ich gerne mal antesten, nur kann man die Teile hier nirgends erstehen.

    Glückwunsch zum guten HM-Ergebnis!

    LG Volker

    1. -timekiller- sagt:

      Hallo Volker,

      na, das ist doch dann mal eine gute Gelegenheit uns anläßlich des BZM zu besuchen, denn HOKA ist einer unserer diesjährigen Partner beim Bestzeitmarathon.

      Ansonsten packe ich meine HOKAs ein, wenn ich im August vielleicht nach OL komme, dann kannst Du mal eine Proberunde drehen.

      viele Grüße

      -timekiller-

  2. phil sagt:

    Ich habe zwar „nur“ die normalen CEP Socken, aber muss sagen, dass mir der Aufwand mit rein und vor allem wieder rauskommen doch zu anstrengend ist. Gerade wenn ich nach dem Lauf kaputt bin, dann hatte ich teilweise Probleme.

    Ich fand es aber ganz angenehm im Herbst, wenn man doch keine lange Hose anziehen möchte.

    1. -timekiller- sagt:

      Hallo Phil,

      ja, das Anziehen der Strümpfe ist echt der Hacken an der Sache. Als ich im Krankenhaus lag und alle zwei Tage neue Thrombosestrümpfe bekam, hatten die dafür eine praktische Anziehhilfe. Ich bezweifle aber, dass man die auch für die RunSocks hernehmen könnte, da die nicht so elastisch sind. Wie gesagt, die Stulpen lassen sich wesentlich leichter anlegen.

      Grüße -timekiller-

  3. Pierle sagt:

    Also der Trend mit diesen Stützstrümpfen rauscht bisher spurlos an mir vorbei. Aber Danke für deinen amüsant geschriebenen Erfahrungsbericht.

    … und Glückwunsch zu dem guten HM-Lauf. Anscheinend bist du wieder zurück in der Spur. Sehr schön!!!

    Grüße aus dem Münsterland
    Carsten

    1. -timekiller- sagt:

      Hallo Carsten,

      du bist also ein Jogger … 😉

      Grüße -timekiller-

  4. Ich laufe auch mit den Dingern, versuche aber den Hingucker-Effekt zu vermeiden. Den Versuch nur mit einem Strumpf zu laufen, wollte ich auch immer mal machen. Cool, dass Du das durchgezogen hast! Dass dabei kein deutlicher Unterschied heraus kommt, hatte ich mir schon gedacht. Vermutlich gibt es sogar einen messbaren Effekt, der aber eher gering ist. Der Rest passiert im Kopf. Und das ist manchmal auch schon was wert.

    Gruss

    Thomas

    1. -timekiller- sagt:

      Hallo Thomas,

      ich habe irgendwo gelesen, dass die Leistungssteigerung bei ca. 2,5% liegen soll. Ob die jetzt vom Kopf kommt oder aus der Wade weiß ich aber nicht mehr.

      Grüße -timekiller-

  5. Sind wir denn nicht im Geiste immer noch alle Jogger?

    Alleine für das ordnungsgemäße und modisch einwandfreie Anziehen dieser ganzen Outfitkomponenten braucht man ja glatt einen weiteren Hochschulabschluss. Und pro Lauf gut eine Stunde mehr Zeit… *muhaha*…

    Danke schön für’s Testen 😉

    Viele Grüße
    Lars

    1. -timekiller- sagt:

      Lars,
      im Geiste bin ich ein Läufer im Körper eines Joggers 🙂

  6. Henrik sagt:

    Ich habe eine ganze Weile lang die CEPs (und Action Socks und…) mit Überzeugung getragen. Inzwischen eher selten. An einen Effekt auf die Leistung glaube ich nicht (mehr). Im Winter halten die Dinger aber schön warm und man kann auch nur kurze Hosen tragen. Und ja, es ist gar nicht so einfach, nicht als modisches Verbrechen durch die Gegend zu laufen ;). Augen auf bei der Kleidungswahl!

    1. -timekiller- sagt:

      Irgendwann stellt sich dann halt auch die Gewöhnung ein, dann müssen neu Reize her bzw. ein neues Gadget.

  7. Julia sagt:

    Also zunächst mal, auch wenn Du die Strümpfe in dem Beitrag in den Vordergrund gestellt hast, herzlichen Glückwunsch zu der Halbmarathonzeit! Ist doch genial nach Deiner Laufpause! Echt super! … Warte ab, die 1:45h knackst Du auch noch!

    Jetzt zu den Strümpfen:
    Ich war lange ein totaler Gegner von Kompressionsstrümpfen, weil ich fand, dass das dämlich aussieht. Außerdem hab ich mir immer gedacht, ich bin doch kein Profi, dann sieht das bestimmt albern aus, wenn ich damit herumlaufe.
    Irgendwann habe ich sie dann doch mal getestet, weil ich zu muskulären Problemen in den Waden neige und insbesondere nach Wettkämpfen immer Verhärtungen oder Krämpfe in den Waden habe.
    Tja, und nach dem ersten Test musste ich feststellen, dass mir das Tragen bei langen und bei schnellen Läufen wirklich guttut. Da musste ich meine Meinung ändern.
    Seitdem laufe ich keinen Wettkampf ohne die Strümpfe, wobei ich es schwierig finde, die richtige Passform zu finden. Mittlerweile habe ich sie aber.
    Und wie der Mensch so ist: Meine Meinung habe ich wieder geändert und finde mittlerweile gar nicht mehr, dass die Strümpfe dämlich aussehen.

    1. -timekiller- sagt:

      Hallo Julia,

      tja, ich finde immer noch, dass die Strümpfe dämlich aussehen, aber wir sind ja beim Sport und nicht auf dem Catwalk 🙂

      Grüße -timekiller-

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