Forerunner 2.0

Mittwoch, Januar 19, 2011

In jedem Läufer scheint ein verborgener Statistiker zu stecken. Das konnte man zum Jahreswechsel auf einigen Läufer-Blogs eindrucksvoll beobachten. Ich bin da keine Ausnahme. Ich hatte schon immer einen Hang zu Zahlen. Ich kann mich erinnern, dass ich als sechsjähriger tagelang die mechanische Digitalanzeige des Radioweckers meiner Oma abgeschrieben hatte. Irgendwann, bin dann auch ich drauf gekommen, dass sich die Zahlen in einem bestimmten Muster wiederholen….

Als ich anfing zu laufen, habe ich nach den ersten erfolgreichen Geh-Versuchen, ebenfalls begonnen meine Aufzeichnungen zu machen, in der stillen Hoffnung auch hier ein Muster zu erkennen. Zuerst wurden nur Uhrzeit, Gewicht, und Dauer des Laufes notiert.  Als ich bei einem Aldi-Einkauf  eine Pulsuhr auf einem Wühltisch entdeckte, kamen  Puls, Kalorien und BMI dazu. Das alles habe ich in ein kleines Trainingsbüchlein geschrieben, das eine gewisse Ähnlichkeit zu diesem WordPress Layout hat.

Mein Trainingsbüchlein

Als ich vor einem Jahr meine ersten Laufblogs gelesen habe, stieß ich dann auf sagenhafte Diagramme und Statistiken, sogar die gelaufenen Strecken wurden da in

Karten verzeichnet. –Boah-Fantastisch, das will ich auch!!!

„Garmin Forerunner 310XT “ so hieß fortan das Wunderding von dem ich nachts träumte. Aber 300€ dafür ausgeben? Das sind ja 600 Mark! Dafür hatte ich mir früher mein erstes Auto gekauft, vollgetankt, wohlgemerkt.  Aber was soll‘s, das letzte Hemd hat keine Taschen…, also 300€ vom Haushaltsgeld abgezwackt und  über Amazon den Garmin Forerunner 310XT gekauft. Ganz heimlich habe ich die Bestellung gemacht, meine Frau hätte mich einliefern lassen, wenn Sie mitbekommen hätte, dass ich als Schwabe, mir eine Pulsuhr für 300 Ocken kaufe. Schließlich ist ja Laufen eine so günstige Sportart, bei der man außer Turnschuhen ja nix sonst braucht, so denkt jedenfalls der Laie.

Kurz vor Ostern, kam dann das Päckchen…

Gerät ausgepackt, aufgeladen, Grundeinstellungen gemacht und losgelaufen. War das eine Freude, da piepte und brummte es am Handgelenk, dass es eine reine Freude war. Irgendwann war dann der Freude genug, und ich habe den Alarm abgestellt.

Die Ernüchterung kam, als ich mir die Daten dann auf meinen Rechner spielen wollte. –nix mit CD einlegen installieren und fertig, nein! Da musste erst übers Internet eine Software runter geladen werden. Allerdings war auf der Seite, auf der man dann schließlich landete, nicht ganz klar, was braucht man denn jetzt eigentlich… (Intuitive Benutzerführung ist was anderes)

-Klick-, -Klick-, -download-, -installier- – Irgendwann hab‘s dann auch ich hinbekommen …

..und das Ergebnis im „GarminTraining Center“ sah dann nicht nach dem aus, was ich da in den Blogs gesehen hatte. -Menno!-

Wieder etwas recherchiert, so habe ich herausgefunden, dass das „Garmin Training Center“ nix taugt, man aber  die Daten in SportTracks übernehmen kann, und hier die schönen Schaubilder und die Sattelitenbilder herkommen.  So war dann auch ich zufrieden gestellt. (Mittlerweile gibt’s ja auch die online Alternative Garmin Connect , das ist ganz OK, vergleichbar mit 1-2-Sports und ähnlichem.)

Am Anfang musste ich mich noch an ein paar Eigenheiten des Garmins gewöhnen, beispielsweise, dass das Gerät seine Zeit braucht bis er den Satteliten gefunden hat, und dann auch das korrekte Datum und Uhrzeit übernimmt. Daher lege ich nun immer meine Uhr auf den Gartentisch, während ich mich umziehe, dann muss ich beim loslaufen nicht lange auf die Lokalisierung warten… Bei größeren Ortswechseln (mehrere hundert km) dauert das Sattelitensuchen dann auch mal ein bisschen länger.

Aber mit der Zeit habe ich mich mit dem Gerät arrangiert, und auch gelernt, dass man einige Angaben nicht auf die Goldwaage legen darf, so hat meine Stammstrecke beispielsweise an schlechten Tagen auch mal 100 Meter mehr? –Erdkrümmung?- . Auch die Höhenmeter scheinen komplett aus dem Reich der Fantasie zu kommen, aber das ist ja auch nicht so wichtig.

Lange Unterführungen sind auch so eine Sache, da ist natürlich Essig mit GPS, da hilft dann nur der  Schrittsensor (aber den habe ich noch nicht kalibriert (Schrittsensor kostet auch extra (ca. 100€)), da kommen dann auch recht komische Werte raus, meist wird die Strecke  länger, wobei man auf diesen Abschnitten extrem schnell zu sein scheint.

Es kommt  auch schon mal vor, dass das Gerät streikt, oder man durch eine seltsame Tastenkombination alle Tasten gesperrt hat, und man dann das Gerät nicht mal mehr ausschalten kann. Aber so ist  das mit der Technik, ist halt auch nur ein Computer, und je komplexer die Dinger werden desto wunderlicher sind die Fehler …

Sonst bin ich aber mit dem Gerät voll zufrieden. Und würde mir wohl auch wieder einen kaufen. (Gesetzt den falles, der Lebenszyklus des Gerätes beträgt nicht nur 6 Monate)

Vor zwei Monaten begann dann aber mein Garmin ernsthaft rumzuspinnen. In immer kürzeren Abständen ist die Anzeige ausgestiegen, zuerst war die Anzeige zerhackt, und dann spiegelverkehrt?  -Ist dann etwas schwierig beim Laufen seinen Puls zu kontrollieren…-

-Aha-

-Spieglein, Spieglein...-

Kurz nach Weihnachten war‘s dann soweit, das Display ist komplett ausgefallen. -Super- wenn das meine Frau mitkriegt… „das teure Ding, schon kaputt!“

Jedes Produkt ist nur so gut wie sein Support, also bei Garmin Deutschland angerufen und die Probe aufs Exempel gemacht…

Die Wartezeit in der Telefonwarteschleife war erträglich, nach kurzer Zeit meldete sich auch schon eine freundliche Stimme (man bemerke, das war zwischen Weihnachten und Silvester, in der Woche hatte sogar ich frei ).

Ich erklärte dem Herren mein Problem, woraufhin ich ohne langes hin und her eine RMA und  eine Mail bekam mit Hinweisen, was im Reklamationsfalls alles einzuschicken ist. Da ich ein alter „Schachtelaufbewahrer“ bin, habe ich alles in die Originalverpackung gepackt und zur Post gebracht.

Den Silvesterlauf musste ich dann zwar wieder mit meiner alten Aldi Pulsuhr laufen, schneller wäre ich da aber mit dem Forerunner auch nicht gewesen. Laufen muss man mit den modernen Dingern ja auch immer noch selbst.

Letzte Woche, kurz vorm Crosslauf,  kam dann per UPS ein Packet von Garmin, mit einem niegelnagelneuen Forerunner 310XT. Dem beigelegten Lieferschein war nur zu entnehmen, dass das beanstandete Gerät kostenfrei ausgewechselt wurde, sonst nix. -OK, soll mir recht sein-.

Jetzt hoffe ich, dass der Totalausfall eine einmalige Ausnahme war, und wir beide noch viele gemeinsame Kilometer auf die Piste bringen,  nicht dass ich mich ganz ohne GPS in den Outbacks von München verlaufe…

Mein kleines Trainingsbüchlein führe ich übrigens immer noch, sicher ist sicher … 🙂

13 Comments

  1. Wie immer eine informative und kurzweilige Geschichte!
    Ich, als Technikfreak und Statistiker, verwende seit Urzeiten GPS-Uhren. Zu Beginn Timex Speed & Distance. Mit Uhr und getrennter Empfangseinheit am Arm und so schwer, dass du automatisch langsamer unterwegs warst. Dann kam Garmin! Aktuell besitze ich den FR 405 und bin damit höchst zufrieden. Aussetzer gibt es kaum. Der Preis schlägt sich in der Servicefreundlichkeit nieder, die ich nur bestätigen kann.
    Die Auswertung mache ich mit SportTracks, welches derzeit nur mehr in der Bezahlvariante zu haben ist. Ist aber den Preis wert!
    Auf GarminConnect werden die Daten sowieso automatisch übertragen, bedeutet also keine zusätzliche Arbeit. Wobei mir GC nicht mehr gefällt, seit die Karten mit „Bing“ angezeigt werden. Grauslich!
    Die Höhen unterscheiden sich zwischen den einzelnen Tools enorm, sind aber – aus meiner Sicht – bei SportTracks am genauesten. Es gibt noch sehr viele Möglichkeiten im Internet, da würde aber der Platz fehlen.
    Mein eigenes „Trainingsbüchlein“ ist auch technisch, eine seit Jahren geführte Excel-Tabelle zur schnellen Übersicht!
    Viel Freude mit Garmin – Reinhard

    1. timekiller sagt:

      Hallo Reinhard,

      ab und zu sehe ich Läufer die sind mit Hanteln unterwegs. Wahrscheinlich sind das gar keine Hanteln sonder nur alte GPS Empfänger…
      Da bin ich schon froh, dass ich mein Garmin wieder habe.

      Grüße -timekiller-

      1. sarahemily sagt:

        Endlich weiß ich, was es mit den Hanteln auf sich hat. Danke!

  2. ultraistgut sagt:

    Dass die meisten Männer Statistiker aus Leidenschaft sind, und es soll sogar Frauen geben, die ähnlich ticken, das ist bekannt.

    Auch wenn ich wenig Ambitionen diesbezüglich hege, laufe ich seit vielen Jahren mit Garmin, für mich ein kleines, nettes Spielzeug, das ich allerdings auch nicht missen möchte.

    Bis jetzt hat es mich nicht im Stich gelassen, nur einmal, als der Pulsgurt keine Dienste mehr leistete, und da habe ich die gleichen guten Erfahrungen gemacht wie du – neues Teil – ohne Wenn und ABER.

    Laufen muss man doch immer selber…… wie du schon richtig bemerktest ! 😉

    Früher – als ich anfing zu laufen, gab es nur die Möglichkeit, es aufzuschreiben, und man hat nichts vermisst, wie auch !! 😉

    1. timekiller sagt:

      Ja, laufen darf man zum Glück noch selber. Aber wer weiß, vielleicht gibts ja bald Wii „Marathon“ ?

  3. Pierle sagt:

    Ich bin auch absoluter Garmin-Fan! Hab seit 1,5 Jahren den FR 305 und will den auch nicht mehr missen. Ich wollte nämlich schon immer gerne wissen wie lang die Strecke ist die ich laufe. Also hab ich mir 2-3 Runden vermessen (erst mit dem Rad – nachher per gpsies.com) Das hatte dann zur Folge, dass ich NUR NOCH diese Runden gelaufen bin.
    Dann kam der FR und mit ihm die Freiheit. Ich kann abbiegen wo ich will und hab trotzdem alle Daten und mit den minimalen Abweichungen kann ich leben.

    1. timekiller sagt:

      Na, das kommt mir doch sehr bekannt vor 🙂

      Du hast recht mit dem FR kam die Freiheit bzw. die Flexibilität. Seit dem lerne ich hier die Umgebung viel besser kennen, unglaublich was man da alle entdeckt.

      Grüße -timekiller-

  4. Laufhannes sagt:

    Herrliche Bilder 🙂

    Schön, dass Garmin den so schnell ersetzt hat – so soll es sein.

    Zu den Höhenmetern: Es gibt (oder es gab zumindest für SportTracks 2.1) das Plugin „ElevationCorrection“ – damit lassen sich die Höhenmeter nachträglich korrigieren, dann kann man auch damit etwas anfangen.

    1. timekiller sagt:

      Hallo, danke für den Tip. Im GarminConnect, gibt es ja auch eine Funktion „Höhenmeterkorrektur“ aber bisher habe ich da noch keine Unterschiede festgestellt. Naja, vielleicht sitzt der „Bug“ ja vor dem Computer 😉

      Grüße -timekiller-

  5. Evchen sagt:

    Es kommt nicht selten vor, daß ich mich nur nochmal lustlos aufraffe, um noch die Wochen-Monats-Jahreskilometer zu schaffen und ich liebe es, nach dem Lauf das „Düdelüdelüd“ von meiner Edda zu hören und all die hübchen Diagramme auf dem PC anzuschauen. Da! Der Puls war wieder drei Schläge niedriger. Boah, 30 Höhenmeter? Wahnsinn! 😛
    Dein Trainingsbüchlein und Du, das ist nicht rein platonisch, eh? *schelm*

    1. timekiller sagt:

      Ja, ja, die Wege der Motivation sind manchmal rätselhaft.

      Mein Trainingsbüchlein und ich, ja, das ist schon was ganz besonderes… aber bald ist es voll… -schnüff-

      -timekiller-

  6. sarahemily sagt:

    Heinz (mein 305er) und ich sind die allerbesten Freunde. Beim ersten Lauf konnte ich den Blick gar nicht von ihm lassen und das Grinsen im Gesicht war stark festgetackert.

    Wobei so ein handgeschriebenes Lauftagebuch schon irgendwie sympathisch klingt. 😉

    1. timekiller sagt:

      Ja, manchmal blättere ich in meinem Büchlein und schwelge in Erinnerungen … und dann hole ich mein Sparbüchlein raus und schaue ob da auch noch genug Zahlen drin sind für das nächste Startgeld…

      -timekiller-

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