Gassi gehen mit Schweinehund

Montag, Januar 9, 2012

Das Jahr ist noch jung, und die guten Vorsätze sind noch nicht komplett über Bord geworfen. Ich startete am 4. Januar mein Laufjahr mit dem Trainingsplanauftakt  für das  Projekt „sub45“  (auf 10km).  Der zweite Lauf der Winterlaufserie am Sonntag passte da eher weniger ins Programm. Aber so ist das bei mir.  Ich setze mir im Jahr ein zwei Ziele auf die ich hinarbeiten will. Meist bin ich dann aber schon für diverse Läufe in der Umgebung angemeldet. Diese Läufe gilt es dann in die Vorbereitung einzubauen.
Am Sonntag kostete es mich denn noch einiges an Überwindung, das warme Bettchen mit dem nassen, schneematschigen und windigen Olympiapark zu tauschen.  Aber ein Läufer tut was ein Läufer tun  muss…

Also setzte ich mich um kurz vor halb elf joggend in Bewegung um in den Olympiapark zu kommen. Auf den ersten Meter fühlte ich mich noch erstaunlich leicht und beschwingt. Leider hielt das Gefühl nur bis zur ersten Ampel. Die Flasche Barolo vom Vorabend wirkt sich wohl doch nicht leistungssteigernd aus.  Ich drosselte das Tempo etwas, und zupple langsam weiter Richtung Olympiapark.

Auf dem Weg stelle ich mir die Frage, was ich heute eigentlich reißen  will? Habe ich Ziele? Wie war eigentlich mein Lauf letzes Jahr? –keine Ahnung-  Da lange Zeit  mein Ziel,  sub 50 auf 10km lautete, entschloss ich spontan 15km in sub 75 zu versuchen. Das ist sportlich, sollte aber zu schaffen sein (wäre da nicht der Kater).

Den Weg in den Olympiapark  patschte ich durch den Schneematsch, der noch auf den Gehwegen liegt. Im Park sind dann allerdings die Wege schon geräumt. Dennoch frage ich mich was ich mir da antue. Es regnet, es ist windig,  es ist einfach ungemütlich, es gibt bessere Bedingungen um 15 km zu laufen.  Wer tut sich das überhaupt an?  Ich glaube arg viel blöde sind da heute nicht am Start.

Mein Verdacht scheint sich zu bestätigen, als ich auf dem Cubertin Platz im Olympiapark ankomme, ist niemand da.  Einzig das Erdinger –Iglo Zelt das verlassen auf dem Platz steht. zeugt davon, dass hier was steigen soll, aber sonst ist hier keine Sau, und das gut 15 Minuten vor dem Start.

In der Olympiaschwimmhalle haben sich dann doch ein paar unverbesserlich zusammen gerottet und wärmen sich vor dem Start auf. Aber es war hier schon voller, jedenfalls beim Nikolauslauf im Dezember.  Ich würde jetzt eigentlich auch lieber im Bett liegen und noch etwas meinen Kater pflegen.

Meine Wechselklamotten und den Anorak schloss ich in einem Spint in der Olympiaschwimmhalle ein.  Blöd nur, dass auf dem Weg zum Spint, durch die aufgeheizte Schwimmhalle meine Schweißporen so richtig Vollgas gegeben und ich in kürzester Zeit patschnass bin. Also legte ich bereits vor dem Lauf die Wechselgarnitur an, sonst hole ich mir da draußen noch den Tod. Frisch gewickelt  begebe ich mich an den Start, ich war auch schon ein bisschen spät dran.  Am Start im Zuschauerbereich, der heute sehr spärlich besetzt war,  (Standen da sechs oder gar sieben Personen?) fiel mir eine Person ins Auge. Nein, keine Frau, sondern Henrik von den Running-Twins. Ich ging auf Ihn zu und sprach Ihn an,

„Hallo Henrik“,er schaut mich fragend an.

Ich stelle mich kurz vor…

„Hey, der –timekiller-“ begrüßt er mich.

Wir unterhalten uns kurz, Henrik kann verletzungsbedingt nicht an der Serie teilnehmen, es zeugt aber von großem Sportsgeist, heute im Park den Groupie zu geben und seine Lauffreunde anzufeuern.

Ich  muss zurück in die Startaufstellung, sonst laufen die ohne mich los.  Da ich beim ersten Lauf der Serie am Start böse ausgebremst wurde wollte ich es diesmal besser machen.  Die gesamte Startaufstellung musste dann zwar nochmal komplett umgestellt werden, aber ich konnte mich weithin günstig positionieren. Dann ging‘s  auch schon los.
Ich bin vom Start gut weg gekommen und achte schon  auf dem ersten Kilometer in der allgemeinen Euphorie nicht zu schnell zu werden und trat von Anfang auf die Bremse. Jede Sekunde die ich am Anfang zu schnell angehe, bekomme ich sonst wieder hinten raus dreifach drauf gepackt. Dennoch verzeichne ich au f den ersten Kilometer 4:31 min/km. Langsamer ging‘s nicht. Allerdings muss ich auch sagen, dass es auf den ersten Kilometer auf der Strecke etwas den Berg runter geht. Die nachfolgenden Kilometer kann ich mich immer knapp unter 5:00 min/km halten.

Bei der Winterlauserie ist Rundenlaufen angesagt, heute stehen 3 x 5km auf dem Programm.  Das Tempo konstant zu halten ist mein Plan, vielleicht gelingt mir dann auch das Kunststück auf der letzten Runde etwas zuzulegen.
Die erste 5km Runde läuft ganz ordentlich. Auf dem Abschnitt entlang des Olympiasees weht uns aber ein  eisiger Wind entgegen, ansonsten gilt es den größten Pfützen auszuweichen.  Die zweite Runde gilt es durchzuhalten, der Wind auf der Seegeraden ist stärker geworden, oder schwinden da etwa meine  Kräfte? In der dritten Runde kann ich dann tatsächlich noch ein kleines Schäufelchen drauf legen, möglicher weise liegt‘s aber auch daran, dass ich nun geradewegs durch die Pfützen patsche.   Hendrik steht währenddessen mit einer handvoll Zuschauern auf der zugigen  Seebrücke  und feuert die Läufer an.

Auf dem letzten Kilometer, ich passiere gerade das 14 km Schild, schiele ich  auf die Uhr: 1:08!  Wenn ich jetzt Gas gebe könnte eine 1:12 rausspringen, das könnte dann sogar eine neue PB sein. Ich zünde  daher diesmal schon früh  die –timekiller- Rakete und stürme die beiden letzten Steigungen zum  Olympiastadion hoch, meine Oberschenkel  jubilieren. Vom Stadion aus geht es nur noch bergab. Zeit für den Nachbrenner, meine Wade findet das nicht so witzig und überlegt kurz vor dem Ziel noch zu krampfen.

Mit 1:12:47 gehe ich etwas wackelig  über die Matte.  Zuhause stelle ich zufrieden fest, dass das eine neue PB für 15km bedeutet.

Henrik steht im Ziel und klatsch mich ab (erwähnte ich schon den Sportsgeist?).  Ich treffe Ihn später noch in der Halle und wir unterhalten uns nett.  Bei der Gelegenheit darf ich ein paar  Laufbekannte von Ihm kennen lernen. Die Laufen zwar alle in einer anderen Liga,  aber Zeiten werden überhaupt nicht thematisiert, es zählen die Erlebnisse.  Man versteht sich, schließlich frönt man dem selben Hobby. Ich glaube von der Gattung Läufer gibt es gar keine blöden Exemplare, oder?

In der Halle werden isotonische Getränke, alkoholfreies Weißbier, Kuchen und Lebkuchen gereicht. Ich finde Lebkuchen verliert nach Silvester irgendwie an Geschmack.  Vielleicht liegt es aber auch daran, dass man Lebkuchen nicht zusammen mit Weißbier einnehmen sollte. Das ist echt whäää…

Irgendwann war dann auch genug gequatscht, ich holte meine Sachen aus dem Spint und lief wieder gen Heimat, aber diesmal wirklich gemütlich.

Als ich spät abends zuhause die Ergebnisse studiere stelle ich fest, dass der 15km Lauf doch gar nicht so schlecht besucht war wie ich zunächst angenommen hatte, letzes Jahr war genau einer mehr am Start. Und dieses Jahr waren doch auch wieder 450 Läufer.

Was sind wir Läufer nur für harte Jungs und Mädels.

16 Comments

  1. Pierle sagt:

    Also eine PB trotz Kater kann wahrscheinlich auch nicht jeder vorweisen. 😉

    1. -timekiller- sagt:

      Zur Feier der PB gabs dann abends ein Pulle „Cote du Rhone“, heute ist ja lauffrei 🙂

      *hicks*

      -timekiller-

  2. Laufhannes sagt:

    Immer wieder schön, deine Berichte zu lesen! Danke – und dir natürlich Glückwunsch zur PB!

    … und ja, von der Gattung Läufer gibt es keine bzw. nur sehr wenige „blöde“.

    1. -timekiller- sagt:

      Hallo Hannes,

      sollte ich mal einen „blöden“ Läufer treffen, lass ich es Euch wissen.

      Grüße -timekiller-

  3. Supermario72 sagt:

    Mit „Restalkohol“ zur neuen Bestzeit – na wenn das kein gelungener Saisonauftakt ist! 🙂

    Herzlichen Glückwunsch! Du bist ja schon richtig gut in Form! Super!

    So langsam glaube ich allerdings, Du spielst uns diesen – na nennen wir es mal „leicht verdaddelten Typen -, der ganz zufällig sogar neue Bestzeit läuft“ immer nur vor. In Wirklichkeit bist Du wahrscheinlich ein knallharter Sportler, mit ganz strukturiertem Training und eisernem Willen. Und das meine ich jetzt wirklich ernst!

    Aber ich komme schon noch hinter „Dein Geheimnis“! 😉

    Grüße aus Köln!
    Mario

    1. -timekiller- sagt:

      Hallo Mario,

      mein Geheimnis? (Ui, wie sich das anhört :-))

      * das ganze nicht so ernst nehmen
      und
      * kleine Brötchen backen.

      So nimmt man den Druck weg, und freut sich auch wenn man die PB nur um wenige Sekunden gedrückt hat.

      Bei meinem Laufniveau ist halt auch noch etwas Luft nach oben. Die Luft wird dünner, je schneller man wird.

      Grüße -timekiller-

  4. Volker sagt:

    Stellt sich die Frage ob der Barolo nicht unter die verbotenen Dopingmittel fällt. Schon auffallend mit dicken Kopf eine PB hinzulegen.

    Wieso gelingt Dir das überhaupt ständigt neue PB`s hinzulegen. Ein wenig Neid kann ich da doch nicht leugnen 😉

    Es grüßt Dich ein zutiefst frustrierter Volker 😥

    1. -timekiller- sagt:

      Gut dass man vor dem Laufen noch nicht „Pusten“ muss… 🙂

      Wieso ständige PBs? Beim Nikolauslauf, als ich wirklich was reißen wollte, war mir der Erfolg nicht vergönnt. Und die andere PBs waren nur ein Abfallprodukt meiner Marathon Vorbereitung.

      Du wirst sehen, wenn Du Dich auf den Hermannslauf vorbereitest wird sich auch ein Trainingseffekt einstellen, und Deine PBs werden purzeln.

      Grüße -timekiller-

  5. Henrik sagt:

    Habe wahrscheinlich sehr blöd geschaut, aber wer rechnet schon damit, dass sich der Timekiller himself bei dem Sauwetter einfindet, um eine Bestzeit in die Pfützen zu platschen!

    1. -timekiller- sagt:

      Na, ich hatte ja angenommen, dass Du selbst am Start bist und dem -timekiller- zeigst wo der Hammer hängt 🙂

      Grüße -timekiller-

  6. Ich staune immer mehr!
    Zwecks Alkoholisierung hart an der Grenze zum Entzug der Läuferlizenz knallst du eine Bestzeit auf den Asphalt. Das ist ein Ding! Ts …!
    Ehrlich: Ich freu mich mit dir über den gelungenen Start in eine neue Laufsaison. Möge vieles gelingen!

    1. -timekiller- sagt:

      Hallo Reinhard,

      so schlimm wars ja nicht, ich werte es als Training für den http://www.marathondumedoc.com/

      Grüße -timekiller-

  7. Simon sagt:

    Das nenne ich mal Einsatz! Reschpekt.
    Ich versuche das auch mal mit dem Restalkohol, vielleicht hilft’s.

    1. -timekiller- sagt:

      Hallo Simon,

      als Schwabe wärst du beim http://www.trollinger-marathon.de/ gut aufgehoben.

      Hoch dr Humpn!

      Grüßle -timekiller-

  8. Vielleicht sollte ich es auch vor einem Lauf mit Alkohol versuchen um dadurch meine Bandscheibenschmerzen vergessen zu machen! Ich vermisse doch sehr die Wettkampfatmosphäre. Dir auf alle Fälle Glückwunsch zur gepatschten Bestzeit 🙂

    1. -timekiller- sagt:

      Hallo Frank,

      bevor das hier in die falsche Richtung geht…

      Alkohol vor einem Wettkampf ist nur erlaubt, wenn die Gattin „zum Gespräch“ bittet 😉

      Ansonsten ist mein zweiter Name „Enthaltsamkeit“ 🙂 http://www.timekiller.de/2011/09/mit-scharpe-um-den-tegernsee/

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