Stairway to Heaven

Dienstag, Oktober 7, 2014

Seitdem der Sport in mein Leben Einzug gehalten hat, benutze ich so gut wie keine Aufzüge und Rolltreppen mehr. (Außer im Notfall, also nicht der Emergency-Notfall, sondern wenn ich es mal furchtbar eilig habe, oder etwas transportieren muss).

IMG_0218In der U-Bahn nutze ich die Treppe, oder, wenn nur eine Rolltreppe vorhanden ist, gehe ich auf der Lauftreppe. In Kaufhäusern wird das  mitunter etwas eng, da dort die Treppen schmaler sind. Um nicht unhöflich zu sein, kann es da schon mal vorkommen, dass ich hinter so einem Trollo oder Trulla im Schneckentempo darauf warte, bis mein Körper die passende potentielle Energie erreicht, bzw. ich das richtige Stockwerk erreich habe.
Bei öffentlichen Rolltreppen staune ich immer mit welcher Geduld Leute drauf warten bis die Rolltreppe Ihre Laufrichtung ändert. Mitunter versucht der Wartende den Richtungswechsel zu beschleunigen in dem er wie wild auf die Richtungs-Anzeigen hämmert. Gewirkt hat das bisher noch nie, aber irgendwas muss man ja tun, während man wartet. In der Zwischenzeit habe ich längst die Treppe erklommen, und kann über das Schicksal der Wartenden leider nichts berichten. Aber ich habe gehört, dass schon mal jemand vor einer Rolltreppe verhungert ist.IMG_0322

Jetzt ist es ja nicht so, dass Rolltreppen ein wartungsfreies Erklimmungshilfsmittel sind. Ganz im Gegenteil. Die Rolltreppen müssen ständig gewartet werden und sind häufig kaputt. Was mich persönlich ja nicht stören würde, ich gehe ja ohnehin zu fuß. Aber der Schwabe in mir  fragt sich manchmal:  -Was des koschdet?- Die Tickets für den Nahverkehr in München könnten locker um die Hälfte billiger sein, würde man nicht das ganze Geld in der Personen-Fördertechnik versenken.

OK, OK, für Senioren und Behinderte sind Rolltreppen und Aufzüge ja schon ganz sinnvoll, aber der Rest kann doch laufen. Das hält fit und macht einen schönen Po.

Bei Aufzügen verhält es sich ähnlich. Solange ich nichts transportieren muss, nehme ich die Treppe. Acht Stockwerke sind meine persönliche Grenze, nicht, dass ich nicht könnte, aber der Aufstieg dauert mir dann einfach zu lange. Das gute ist natürlich, dass München nicht gerade mit Hochhäusern gesegnet ist, und ich in den wenigsten davon zu tun habe.

Dabei ist mein Verhältnis zu Treppen durchaus ambivalent. Es ist nicht so, dass ich Treppen liebe. Vor sieben Jahren haben sie dazu geführt, dass ich überhaupt mit dem Laufen begonnen habe.

Ich wohne in einem Eichhörnchen-Haus. In einem solchen ist die Wohnfläche nicht wie sonst üblich auf einer Ebene angeordnet, sondern, dort wird die Fläche einfach übereinander gestapelt. Das hat jetzt weniger einen sportlichen Hintergrund, sondern ist den horrenden Quadratmeterpreisen von über 1200€ in München und anderen Großstädten geschuldet.
In unserem Eichhörnchen Haus haben wir vom Keller bis unters Dach fünf Geschosse mit jeder Menge Treppen dazwischen.

Als ich vor gut sieben Jahren, zwecks der Optimierung der  häuslichen Kommunikationsmöglichkeiten  mehrmals vom Keller ins Turmzimmer unterm Dach aufsteigen musste, und ich jedes mal pumpte wie ein Maikäfer beschloss ich, dass sich etwas an meiner körperlichen Fitness feilen sollte.

So begann ich das Laufen….

Sieben Jahre später kann ich zwar mehrere Stunden (vier) in einer Ebene Laufen, aber das Treppensteigen spüre ich noch immer in den Beinen.

Und so trainiere ich weiter und sehe das alltäglichen Treppensteigen als meine tägliche Fitness-Einheit an. Bevor ich Abends im Fitti in Funktionsklamotten auf den Stepper gehe, um meinem Gluteus Maximus ein knackigeres Antlitz zu verpassen, nutze ich lieber jede Gelegenheit die sich mir im Alltag bietet.

Ob ich mit diesem Treppen Training den Mt. Everest Treppenmarathon in Radebeul  meistern könnte bezweifle ich zwar, aber das habe ich auch gar nicht vor. So weit geht meine Treppenliebe dann auch wieder nicht. Das darf ich meinen Knien auch gar nicht antun, schließlich sind das in Radebeul 8848 Höhenmeter auf einer Länge von 84,39 Kilometern.

16 Comments

  1. Balla Doc sagt:

    Treppen sind böse!

    Hi!
    Also ich nehme nahezu immer auch die Treppenvariante (ohne elektrischen Antrieb), es sei denn, ich habe schweres Zeugs zu transportieren. Quasi eine Art Zusatztraining.
    Meine Beobachtung in meinem Betrieb: den Aufzug nehmen vorwiegend die Jungen, während die Älteren die Treppe vorziehen!

    Den Everest Treppen 24h Lauf habe ich auch schon im Visier. Aber kein Mensch kann das überleben!
    Letztes Jahr habe ich einen Turm (70 Höhenmeter, 261 Stufen) erklommen und mich mit 2:03 ziemlich weit hinten eingereiht. War sehr erstaunt, wie schnell man doch langsamer werden kann… Immerhin hatte ich Glück: in einem Anfall von Vernunft (!) habe ich darauf verzichtet, in balla-balla Manier mit schwerem Kampfanzug, Helm und Stiefeln zu starten.
    Es war so schon furchtbar genug…

    Treppen sind böse!

    Viele Grüße
    Balla Doc

    1. -timekiller- sagt:

      Hallo Doc,

      wenn der Olympiaturmlauf mal wieder aufgelegt wird, bin ich versucht mich da mal anzumelden. Für 1230 Stufen (189m) braucht ein normalo ca. 15 Minuten, das gilt es zu unterbieten.

      Biste dabei?

      Grüße -timekiller-

      1. Henrik sagt:

        Ich vernetze euch gerne mal mit dem Sieger des Treppenmarathons Radebeul ;). Von dem gibt es bestimmt gute Tipps. Aber um da Spaß zu haben, muss man echter Laktatliebhaber sein. Auch beim Olympiaturmlauf wäre ich vorsichtig. Das ist eine ganz harte Nummer: http://www.running-twins.de/2011/10/23/zum-gluck-ging-es-schnell-olympiaturmlauf-2011/

  2. Volker sagt:

    Ich wußte noch nicht mal, dass Rolltreppen ihre Laufrichtung ändern. Sowas gibt das in der Provinz nicht 😉

    Treppen bleiben aber immer irgendwie fies. Bis in den achten Stock die Treppe zu benutzen habe ich noch nie ausprobiert. So hohe Häuser gibt es in de Provinz nicht 😉

    Es ist schon schlimm genug, wenn die Laufstrecke nicht ganz eben ist :mrgreen:

    LG Volker

    1. -timekiller- sagt:

      Hallo Du Landei 😉

      es wird ja höste Zeit, dass Du mich mal in der Großstadt besuchen kommst. Dann machen wir so spannende Dinge wie U-Bahn fahren, Rolltreppen waiting und „bei-rot-über-die-Ampel-huschen“.

      Bis dahin…

      viele Grüße -timekiller-

  3. Daniel sagt:

    Wenn es die Laufbekleidungs- und Laufschuhanbieter etwas genauer erforschen würden, wie sie an neue Kunden kommen, würden sie sicher weniger knallbunte Modells auf Sportzeitungen packen, sondern einfach mehr Treppen bauen.

    Deine Erfahrungen sind mir sehr vertraut – als ich noch fett und faul war, konnte ich ohne schnaufen nicht ein Stockwerk überwinden und bis ich mit dem Laufen begonnen habe, habe ich jeden möglichen Höhenunterschied elektrisch unterstützt überwunden.

    Ich empfinde es als große Freiheit Treppenhäuser zu nehmen. Ich beobachte das oft bei Kundenbesuchen – die Treppenhäuser sind leer, die Aufzüge voll. Oder in Hotels … dort sind die Treppenhäuser meist einsam und vernachlässigt, nur aus brandschutztechnischen Gründen überhaupt zugänglich – dort ist es mir schon passiert, das Leute mit denen ich 5-6km laufen war im Hotel dann plötzlich den Aufzug nehmen 😉

    1. -timekiller- sagt:

      Hallo Daniel,

      das erinnert mich wie ich in New York, im Hotel Pennsylvania die Treppe genommen habe. Das war ganz nach dem amerikanischen Motto: „Vorne Hui, hinten Pfui“

      Warte nur bis der „Trail-Trend“ abflaut, dann kommt sicherlich der „Stairs-Trend“. Da können die Hersteller dann auch spezial Step Schuhe unter die Leute bringen. 🙂

      Grüße -timekiller-

  4. Chief Balla sagt:

    Im Pennsylvania kann man mit den Treppen übrigens bis auf’s Dach. Schöne Aussicht auf die Stadt von da. Das bleibt Aufzugfahrern vorenthalten. Nein, Sperren muss man dazu keine überwinden. Die Amerikaner können sich wohl einfach nicht vorstellen, dass Menschen die Treppe verwenden.

    Und ja, im Hotel habe ich auch schonmal die Treppe genommen. War gar nicht so einfach, man musste erst mit dem Aufzug rauffahren, einen Keil in die Tür legen, wieder runter fahren und dann hochlaufen. Dafür waren es dann auch 30 Stockwerke und ca. 100 Höhenmeter. Da könnte man schon für Olympia trainieren. Die dürfen den Turmlauf gerne wieder aufleben lassen, aber halt nicht am letzten Oktoberwochenende! Zeitgleich zum Frankfurt Marathon ist einfach blöd 😉

    In einem anderen Hotel (mit freundlicheren Türen) habe ich das gut drei mal am Stück gemacht, um 100 Stockwerke zusammen zu bekommen. Bin beim ersten mal einer Putzkraft begegnet, die das Treppenhaus offenbar für schnelle Wechsel mit einer Etage differenz nutzt. Die hat bischen blöd geschaut. Als ich ihr beim zweiten durchgang nochmal begenete, hat sie so RICHTIG blöd geschaut.

    Treppenlaufen scheint noch nicht in der Mitte der Gesellschaft angekommen zu sein. Jedenfalls nicht bei Hotels mit 30 Stockwerken.

    LG,
    Chief (gerne abseits der Mitte)

    1. -timekiller- sagt:

      Hallo Chief,

      weshalb wundert es mich überhaupt nicht, dass Du bei Treppenläufen mit machst? Wahrscheinlich noch im typischen Balla-Balla Outfit.

      Grüße -timekiller-

  5. Ruben sagt:

    Es gibt bis heute nichts, was mich schneller ins aus schießt als einen Turm hochzurennen, selbst wenn es nur 40 Höhenmeter sind… selbst Trails eine Bergflanke hoch fühlen sich angenehmer an…

    Mich begeistert das noch immer, dass die 4 Stockwerke Ursache für den Beginn deiner Laufkarriere waren und du dir dafür deine ersten Asics gekauft hat (ja, auch den Brocken mit dir hochgehen ist 1000x angenehmer als Treppen hinauf zu rennen – wobei diese Panzer-Betonplatten-Straße auch nicht sonderlich schön war).

    1. -timekiller- sagt:

      Hallo Ruben,

      ja, die Panzerplatten hatten schon was treppenartiges. Habe ich mich eigentlich schon dafür bedankt, dass Du Dich bei der Brockentour auf mein Schneckentempo gedrosselt hast? Danke!
      Grüße -timekiller-

  6. Eddy sagt:

    Eichhörnchenhaus? Ist ja witzig: hab ich noch nie gehört. Ab wieviel Etagen zählt ein Haus als Eichhörnchenhaus? Wir haben bei uns Erdgeschoss, ersten Stock und Dachgeschoss. Na?

    1. Markus sagt:

      Ich weiß auch nicht, ab wann ein Haus als Eichhörnchenhaus zählt, aber eine Rutsche für den Weg nach unten fände ich eine ziemlich originelle Idee!

      1. -timekiller- sagt:

        Hallo Markus, keine Schlechte Idee, aber bei größerem Höhenunterschied braucht man sicherlich ein Bällebad zum Abbremsen.

        Grüße -timekiller-

    2. -timekiller- sagt:

      Hallo Eddy, die genaue Formel zur bestimmung eines Eichhörnchenhaus lautet: Stufenanzahl / Geschossanzahl > Grundfläche / Geschossanzahl
      also gekürzt: Stufenanzahl > Grundfläche

      Alles klar?

      Grüße -timekiller-

  7. Andreas sagt:

    Also bei mir ist es ähnlich: Treppen steige ich im Alltag ständig und gerne, aber ein Treppenlauf (sprich: Wettkampf) wäre für mich die Hölle! Dafür bin ich nicht gemacht. Dann lieber noch ein paar Stunden mehr in der Ebene laufen…

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