Altes Fieber

Donnerstag, November 28, 2013

Es gibt sicherlich bessere Läufe als den ZHS Crosslauf,  um nach vier Monaten Abstinenz wieder in den Volkslauf-Zirkus einzusteigen. Aber vor meinem offiziellen Start beim Nikolauslauf im Rahmen  der Winterlaufserie im Olympiapark, wollte ich mal eine Standortbestimmung durchführen.

-Mal sehen was der alte Diesel noch so drauf hat-

Bis 19 Uhr fanden sich gut 70 Läufer im ZHS-Stadion ein. Alles junges, knackiges Sportler-Gemüse, aber auch ein paar Laufveteranen waren dabei, die gemeinsam mit mir die Nachhut bilden sollten.

Meinen ersten schnelleren Lauf seit Monaten wollte ich aber bewusst locker angehen, sofern das beim ZHS-Crosslauf überhaupt möglich ist. Pace so um die 5:00 Minuten?

Doch bereits im Vorfeld machte sich das alte Fieber wieder bemerkbar, sodass ich noch in der Startaufstellung  die Pace gedanklich wie auch auf dem Garmin auf eine 4:50 justierte. Das sollte ja nach vier Monaten ohne Tempotraining noch drin sein, oder?

tartanbahn_bei_nachtGleich nach dem Startschuss fällt das Feld  auf seine ZHS typische Weise  auseinander,  die Schnellen vorne weg, dann lange nix, und dann kommt die Nachhut mit mir im Schlepptau.

Auf dem ersten Kilometer versuche ich noch kontrolliert zu laufen, und nicht wie sonst üblich, mein ganzes Pulver schon auf den ersten Metern abzufackeln. Mit einer 4:47 gelingt mir das auch ganz gut, sieht man mal davon ab, dass es auf dem ersten Kilometer eigentlich stetig bergan geht.  Auf dem zweiten Kilometer habe ich mich etwas geschont (4:57), schließlich geht es gleich  über Serpentinen den Olympiapass hoch, außerdem hatte ich mit meinem Pulsgurt zu kämpfen. Von der Erdanziehung bemächtigt, rutschte dieser tiefer und tiefer. Normalerweise wird der Abwärtsdrang des Gurtes durch meinen Bauchansatz gebremst. Wurde ich Opfer einer Bliztdiät? Oder aber mein jüngstes Sportprogramm „jeden Tag eine Stunde Sport“ zeigt erste Ergebnisse.  Da das Wohlstandsbäuchlein  das Rutschen nicht verhindert, misst der Pulsgurt die restlichen fünf Kilometer den Puls am Nabel.

-Auf die Werte bin ich ja dann mal gespannt-

Oben auf dem Olympiasattel stehen bereits die Schneekanonen, die bei Temperaturen von -2 C°,  Schnee für den Audi FIS Ski World Cup am Neujahrstag vorproduzieren. Der Weg ist hier Schnee- und Eisverkrustet und daher etwas schwierig zu laufen.   Kurz nach der Olympia-Alm kommt mir auch schon der erste Läufer wieder entgegen, das zeigt mir, ich bin langsamer als sonst unterwegs, oder aber, der Kerl hat im Gegensatz zu mir über  den Sommer kräftig trainiert. Ab der Alm geht es für mich talwärts in Richtung Eishalle, eine gute Gelegenheit etwas Atem zu schöpfen, doch die Erholung währt nicht lange, denn nach einer kleinen Schleife am Fuße des Olympiaberges gilt es diesen wieder zu besteigen.  Vor mir sehe ich im Dunst  zwei Läufer, einer fällt merklich zurück.

Der Ehrgeiz ist geweckt, Stück für Stück kämpfe ich mich heran. Auf der Hälfte des Passes kann ich an einem  vorbei ziehen. Am Sattel erreiche ich dann auch den zweiten Läufer, der hier japsend eine Geh-Pause eingelegt hat. Jetzt gilt es das Tempo zu halten, nicht dass mich die Verfolger beim Abstieg gleich wieder einkassieren. Ungebremst jage ich die Serpentinen runter. Vom Fuße des Olympiaberges sind es jetzt noch zwei Kilometer zurück ins ZHS Stadion, aber da lauern  noch 3 kurze Anstiege, die sich meinem Vorwärtsdrang entgegen stellen. Nach dem Abstieg habe ich sogar noch etwas Luft und kann auf den letzten zwei Kilometern  noch eine Schippe drauf legen.

-auch mal schön wenn man sich sein Rennen richtig eingeteilt hat-

Ab der Olympiahalle geht es dann nur noch abwärts, jetzt darf ich nur nicht wieder die Abzweigung zum ZHS verpassen. Zurück auf dem ZHS-Gelände drehe ich noch eine einsame Runde auf der Tartanbahn. Diesmal sitzt mir mal keiner im Nacken der mich noch zu einem infernalischen Zielspurt nötigt. -Schade eigentlich-

Mit einer 35:13 bin ich nach 7,3km schließlich im Ziel.

Das war jetzt nicht übermäßig schnell, genau genommen war es fast das schlechteste Ergebnis von all meinen ZHS Läufen, aber es fühlte sich SAUGUT an  und die Pulswerte waren SENSATIONELL !

Das alte Fieber ist zurück.

 

Weitere Abenteuer aus der ZHS Crosslauf Serie:

Letzter beim ZHS Crosslauf?

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Bundesjugendspiele

Winterspiele

Vergeigt

6 Comments

  1. Claudi sagt:

    Lieber Herr -timekiller-,
    ich habe erst kürzlich gelesen, dass es nicht um das Sammeln von Medaillen sondern um das Sammeln von Emotionen geht. Da hast Du ja alles perfekt gemacht.
    Viele Grüße, Claudi

    1. -timekiller- sagt:

      Hallo Frau Claudi,

      Medaillen werde ich dieses Leben auch nicht mehr einsammeln, da bleiben mir nur die Emotionen 🙂

      Grüße -timekiller-

  2. Volker sagt:

    Nun, wenn der Herr Zeitentöter bei diesem Tempo schon die Nachhut bildet, brauche ich bei diesem Lauf ja gar nicht erst zu starten.

    Jeden Tag eine Stunde Sport? Bist Du wahnsinnig? Wo willst Du hin?

    Das wird ja wieder Streß für mich, bei unseren gemeinsamen Weihnachtsläufen 😉

    Liebe Grüße
    Volker

    1. -timekiller- sagt:

      Hallo Volker,

      dieses „Jeden Tag eine Stunde Sport“ ist gar nicht so dramatisch wie es sich anhört. Es muss ja nicht leistungsorientiert sein. Wenn Du bsp. jeden Tag mit dem Rad zur Arbeit und zurück fährst musst Du gar nicht mehr viel mehr machen.
      Unsere Weihnachsläufchen werden wir genauso gemütlich wie sonst auch laufen.

      Grüße -timekiller-

      1. Pierle sagt:

        Oh, jetzt werden schon die Weihnachtsläufe in der norddeutschen Tiefebene geplant….. waren die Osterläufe nicht erst gestern? Kommt mir jedenfalls so vor….

        LG
        Carsten

        1. -timekiller- sagt:

          Das liegt am Alter. Ich kann mich an das diesjährige Ostern schon gar nicht mehr erinnern

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