Posts by -timekiller-

Als ich Anfang des Jahres meine Lauftermine klar gemacht habe, fiel mir beim Duchblättern der Bayerischen Laufzeitung ein Event ins Auge:

der erste 24h Lauf im Münchner Olympiapark am1./2. Juni 2011.

Nicht dass ich daran teilnehmen wollte, oh Gott, nein! Aber ich wollte doch zumindest Zaungast sein, und die Läufer anfeuern. Gerade nachts wollte ich mich an die Strecke stellen, und die Läufer anfeuern. Auf einer 3,1 km Schleife sollte es  durch den Park gehen, und als  einer der Höhepunkte sollte  ein Abschnitt durch die BMW-Welt gehen. Das wollte ich mir unbedingt anschauen.

Als bei Miss Monster im März eine 24h Veranstaltung für ein Blogtreffen gesucht wurde, stellte ich zu meinem Erstaunen fest, dass der 24h Lauf in München abgesagt wurde ???

http://stdiut.blog.de/2010/03/11/absage-24h-lauf-muenchen-8159379/

http://www.mrrc.de/index.php?option=com_content&view=article&id=351:24h-lauf-in-muenchen&catid=29:laufen&Itemid=23

Schade eigentlich.

Wie ich jetzt gestern durch den Olympiapark geradelt bin, auf dem Weg in den Biergarten (war ja schließlich Vatertag), war ich bass erstaunt über die Veranstaltung die dort ablief.

Der 24h Lauf.

Und der Startschuss war schon vor über 19 Stunden gefallen… -Ahhh, ohne mich-

Scheinbar war ich nicht der Einzige der nix davon wusste, denn es waren kaum Zuschauer zugegen. OK, das Wetter war auch nicht so dolle, somit gab es auch kaum Tagesausflügler, die dem Treiben beigewohnt hätten.

Da ich verabredet war, nahm ich mir zumindest vor, zum Zieleinlauf im Ziel zu stehen um den Athleten meine Ehre zu erweisen.

Gegen 19:30 Uhr drängte ich dann die Familie zurück in den Olympiapark, denn Vati will ja noch jubeln. Im Zielbereich auf dem Coubertin Platz sammelten sich langsam die Teammitglieder und Stück für Stück liefen die 4er, 8er 12er Teams gesammelt ein. Einige Sololäufer drehten bis zum Abpfiff ihre Runden auf der kleinen „Strafrunde“.

Und ich muss sagen, das sah bei einigen nicht mehr gut aus, die 24 Stunden haben doch deutliche Spuren hinterlassen. Mit steifen Knieen, stoischem Blick tippelten die Läufer auf Ihrer Runde. Manche hatten ein irres Lächeln auf den Lippen. Wiederum andere liefen Ihre Runde so frisch als wären sie gerade erst gestartet. Was sind das für Tiere…

Um 20:00 Uhr war Schluss. Die Teams jubelten, die Sololäufer blieben stehen wo sie sich gerade befanden, und rissen die Hände empor.

Ich war überwältigt von den Emotionen, die den Läufern von den Gesichtern abzulesen waren.

„heulst du etwa?“ Stößt mich meine Frau an.

-Wer? Ich? Quatsch! –Räusper-

Ja, ich gebe es zu, ich hatte ein bisschen Pippi in den Augen, und mir tat es  in der Seele weh, wie wenig Beachtung diese Veranstaltung fand.  Da laufen die Recken VIERUNDZWANZIG STUNDEN, und keine SAU bekommt es mit.

Ich blieb noch bis zur Siegerehrung, und fand es Schade, dass nicht jeder der Sololäufer auf die Bühne durfte. Es hätte jeder verdient gehabt.

Sieger bei den Männern wurde übrigens Rainer Wollscheid mit 200,46 km und bei den Frauen gewann Carmen Hamm mit 165,462 km.

Meinen RESPEKT, haben aber alle Teilnehmer !!!

Ein paar Bilder gibt’s beim Veranstalter, der am Wochenende auch das 24h Mountain-Bike Rennen veranstaltet. Da ist dann  auch mehr los…

Unauffällig schlendere ich an der Bude vorbei, ist die Luft rein? Ich drehe um und sondiere die Umgebung. Es scheint mich niemand zu beobachten, soll ich? Ja, jetzt los, ich wage den Schritt, und stelle mich ganz unbeteiligt an der kurzen Schlange an. Als ich dran komme, raune ich dem etwas schmierigen Mann hinter dem Tresen leise meinen Wunsch zu, so leise, dass ich mich wiederholen muss. Ungläubig wiederholt er meinen Wunsch. Pssssst…, hinter mir wird gekichert. Der Mann  verdreht die Augen und macht sich widerwillig hinter der Theke zu schaffen. Ist der Wunsch wirklich so abwegig, leide ich unter Geschmacksentgleisung… endlich reicht mir der Mann meine Bestellung, eine

-Maß alkoholfreies Radler-

Ich zahle schnell, und versuche unerkannt im Gewühl des Biergartens unterzutauchen.

Ich bin im Hirschgarten mit Freunden verabredet, Münchens größtem Biergarten mit gut 8000 Sitzplätzen, hier wird das Biertrinken noch zelebriert und kultiviert. Eigentlich wollte ich heute noch laufen, aber mit ein zwei Maß intus würde das sicherlich nix mehr werden.

Trink halt a Radler, Du Depp!

Nö, das ist mir  a) zu süß und b) ist ja dann immer noch Alkohol drin, und Laufen und Alkohol gehen bei mir nicht recht zusammen.

So bin ich auf die abwegige Idee eines alkoholfreien Radlers gekommen. Durch das herbere alkoholfreie Bier (Clausthaler) schmeckt das Radler weniger süß. Eigentlich die einzige Möglichkeit „Clausthaler Alkoholfrei“ überhaupt trinken zu können.

Die Hersteller von alkoholfreiem Bier preisen ja gerne ihre Gebräue als Isotonische Sportgetränke an, aber stimmt das denn? Ist es ratsam, vor und nach dem Sport alkoholfreies Bier zu trinken?

Generell bin ich ja gerade auf der Suche nach dem richtigen Sportgetränk.

Letzten Herbst auf der Marathonmesse in München, habe ich die Produkte von Aktiv3 kennengelernt.  Am Stand von „Sanct Bernhard Sport“ hat mich der nett schwäbelnde Verkäufer schnell überzeugt die Produkte mal zu testen. Für meinen anstehenden Halbmarathon habe ich mir ein Starter-Kit anschwatzen lassen, das gleich am nächsten Tag auf  seine Tauglichkeit geprüft werden sollte.

Ich konnte jetzt zwar keine Leistungsexplosion feststellen, aber das wäre auch etwas zu viel verlangt gewesen. Da die Getränke und das Gel (Liquid Energy) schmackhaft waren und die Produkte im Ruf stehen, bekömmlich zu sein, da sie lactose-, fructose- und glutenfei sind, habe ich  schließlich 2 Dosen „ISOTON Energiedrink“ und 2 Dosen „REGENERATION Mineraldrink-Premium“ bestellt.

Fortan habe ich also vor jeder Einheit ein halben Liter Aktiv3 ISOTON  und nach dem Training  noch mal einen halben Liter Aktiv3 REGENERATION getankt. Den Rest meines leeren Tanks habe ich dann mit Mineralwasser wieder aufgefüllt.

Wie  jetzt im Frühjahr die Vorräte des Isotrinks zur Neige gingen, habe ich vor dem Laufen nur Wasser getrunken und danach ein alkoholfreies Erdinger und Wasser. Soweit so gut.

Was mir jedoch bei der Umstellung meines Trinkverhaltens auffiel ist, dass sich die Konsistenz meiner Verdauungsendprodukte wieder verfestigte. Litt ich doch in den letzten Wochen bzw. Monaten  unter latentem „Durchmarsch“. Ich habe das Ganze auf irgendeine Nahrungsmittel Unverträglichkeit geschoben und hatte auch die Taxofit Magnesium(350mg) Tabletten schon im Verdacht die ich jedoch bereits zum Jahreswechsel abgesetzt hatte.

Jetzt war ich doch baff, ob der schnellen Genesung meines Verdauungstracktes.

-???-

Hängt das wirklich zusammen? Hatte ich überdosiert? Zu häufige Anwendung? Eigentlich hatte ich mich an die Herstellerangaben gehalten, und 3-4 Trainings pro Woche sollten ja drin sein, schließlich richtet sich das Produkt an ambitionierte Amateure und Profis.

Bevor mich Sanct Bernhard nun mit einer Klagewelle überzieht und meinen Blog dicht macht, möchte ich festhalten, dass dies sicherlich nur eine persönliche Inkompatibilität mit einem der Bestandteile wie Maltodextrin, Saccharose, Zitronensäure, Trikaliumcitrat, Trimagnesiumcitrat, Niacin oder Calciumlactat ist, und andere Sportler damit womöglich überhaupt keine Probleme haben. Ich erwäge sogar,  Aktiv3 nochmals eine Chance zu geben und mich nochmals einem Test zu unterziehen, schließlich habe ich noch eine ganze Dose REGENERATION im Schrank stehen. Als Schwabe wirft man das teure Zeugs ja nicht weg. Wie lautet eine alte schwäbische Lebensphilosophie? „Lieber sich den Magen verrenken, als dem Wirt was schenken“

Dem letzten Triathlon-Magazin lag  eine Werbebroschüre von Aktiv3 bei, der ich entnehmen durfte, dass ISOTON nun in den Geschmacksrichtungen Pfirsich-Maracuja und Sauerkirsche angeboten wird. Weshalb wurde Granatapfel aus dem Programm genommen?  Na, an der Geschmacksrichtung wird’s ja nicht gelegen haben, oder doch?

Und,was trinke ich in der Zwischenzeit?

Mineralwasser ist OK, ist halt zum Carboloading nur bedingt geeignet. Zurück zur guten alten Apfelschorle?

Was trinkt Ihr VOR und NACH dem Sport?

Wasser, Apfelschorle, Sportgetränke, bleifreies Bier?

Ach, eigentlich wäre das doch ein tolles Thema für eine Blogparade

also los:

Blogparade – Sportgetränke

(bis 15.6.2011)

Regeln sollten ja bekannt sein, andernfalls hat Heiko Wache von Laufe Marathon das kürzlich erst schön  bei seiner Blogparade erklärt.

Der New York Marathon ist wohl das Mekka der Marathonläufer, jeder ambitionierte Läufer will irgendwann mal in seinem Leben in New York an den Start gehen. Jetzt ist das leider nicht so einfach, da, bei dem großen Andrang nicht jeder einen Startplatz bekommt und außerdem einiges an Kosten anfällt (Flug, Hotel, Startgebühr, Porto für Postkarten…).

Eddy, ein emsiger Läufer und Blogger aus Bremen wünscht sich nichts sehnlicher als bei der Veranstaltung dabei zu sein.

Als cleveres Nordlicht hat er auch eine Möglichkeit gefunden wie er für lau nach NY kommt. Allerdings benötigt er dazu unsere Hilfe. Die Hilfe von uns Lauf-Bloggern und Lauf-Blog-Lesern.

Helft Ihm dabei, wählt Eddy auf facebook.de/tigerbalmteam in das Tiger Balm Marathon Team.

(dort auf “Gefällt mir” klicken!)

Unter Voting: Hier abstimmen » Hier geht’s zu den Bewerbern ist Eddys Foto die Nr. 110.
(dort unter dem Foto auf “Gefällt mir” klicken. Es ist kein Button, sondern nur Text)

Weiter Infos findet Ihr direkt bei Eddy:

http://www.eduard-andrae.de/klick-mich-nach-new-york/

Wäre doch toll wenn die Lauf-Blog Gemeinde einen Läufer nach NY schicken könnte.

Ich jedenfalls, wünsche Eddy viel Erfolg dabei…

-Timekiller-Damit Ihr  Eddy auch schnell unter den Teilnehmern  findet, habe ich Ihn Euch mal in der Voransicht eingekreiselt, nicht dass noch der falsche Eddy mit unserer Hilfe nach NY fährt..

Heiko Wache von Laufe-Marathon hat eine Blogparade ins Leben gerufen, zu dessen Thema  ich mich auch gerne Äußere, damit hier auch  mal was vernünftiges (so hoffe ich) zu lesen ist.

Blogparade: Startgebühren für Laufveranstaltungen – zu hoch oder gerechtfertigt?

Im Grunde stellt sich die Frage für mich überhaupt nicht, ob Startgebühren zu hoch sind oder nicht, denn Startgebühren fallen ja nur an, wenn ich an einem Lauf teilnehme. Pflicht ist es nicht, jeder kann selbst entscheiden, ob ein Lauf das Startgeld wert ist oder nicht.

Unabhängig davon, sind die erhobenen Startgebühren gerechtfertigt?

Weshalb werden überhaupt Startgebühren erhoben? Schließlich ist doch Laufen ein so unglaublich günstiger Sport.  Mal abgesehen von dem 70€ Funktionsshirt, der 60€ Tight, den unzähligen Pülverchen und Gels, der Satelliten gestützten Pulsuhr  und den 200 € Tretern, von denen wir natürlich mindestens drei unterschiedliche Modelle im Schrank haben. Aber abgesehen davon, weshalb fürs Laufen zahlen, fragen wir uns?  Laufen bedeutet Freiheit. Laufen kann ich, wann immer und wo immer ich will.

Der Läufer ist im Grunde ein Einzelgänger, wie ein einsamer Wolf dreht er in Wald und Flur seine Runden, während seine Artgenossen weniger anstrengenderen  oder geselligeren Hobbys frönen.

Doch von Zeit zu Zeit sehnt sich auch der Läufer nach Gleichgesinnten, er möchte sich messen, oder braucht einfach ein Grund weshalb er überhaupt trainiert. Deshalb meldet er sich bei einem Laufevent an.

Die Laufveranstaltungen werden das ganze Jahr über für die unterschiedlichsten Distanzen angeboten.  Meist werden die Volksläufe von Sportvereinen organisiert, ein Heer von freiwilligen sorgt dafür dass alles reibungslos funktioniert. Die Startgebühren von 5€  – 15€  sind  moderat und dienen hauptsächlich dazu, die  Unkosten zu decken und etwas Geld in die leeren Vereinskassen zu spielen.  –da ist ja auch nix gegen zu sagen, oder?-

In der Regel stehen größere Veranstaltungen in der Kritik überteuert zu sein.

Größere Veranstaltungen und längere Distanzen werden meist von professionellen Veranstaltern ausgerichtet.  Dies liegt einfach daran, dass mit zunehmender Strecke und Teilnehmerzahl der Organisationsaufwand und die Kosten stark steigen. Das kann durch Ehrenamtliche alleine kaum bewältigt werden.

Als Kostenfaktor kommen hier neben Gebühren für Streckensperrungen,  Stadien/Hallenmiete, Zielverpflegung, Musik-PA, Bühnen, Rettungsdienst  noch Lohnkosten für das Organisations-Team hinzu.

Dass der München Marathon 69€ für Spätanmelder kostet (HM 45€) verwundert mich überhaupt nicht. Die Stadt sperrt ganze Staßenzüge ja nicht umsonst, und auch die Stadionmiete für das Olympiastadion sind beachtlich. Da finde ich, ist 70€ Startgebühr ein angemessener Preis. Der Preis wäre wahrscheinlich noch weit höher, würden die Veranstalter nicht mit zahlreichen Werbe Sponsoren zusammenarbeiten.

Neben diesen Großveranstaltungen gibt es noch Werbe Veranstaltungen die der öffentlichkeitswirksamen Außendarstellung der Veranstalter dienen, wie beispielsweise die  Läufe zahlreicher Krankenkassen DAK, Allianz, etc. oder Sportwarenhäuser.

Die Startgebühren der Krankenkassen-Läufe sind meist sehr gering und werden im Falle des KKH-Allianz Laufes zu 100% an wohltätigen Organisationen gespendet.  Leider bieten die  Veranstaltungen nur einen sehr geringen sportlichen Reiz, sind die Distanzen doch meist sehr überschaubar, und adressieren   eher den Gelegenheitsläufer.

Die Veranstaltungen der Sportwarenhäuser, z.B. die Sport Scheck Stadtläufe, sind da eine Ausnahme, zumindest in München. Das sind perfekt organisierte Großveranstaltungen mit einem tollen Flair, die selbstverständlich auch einen Werbezweck erfüllen. Daher sind sie ja auch im Vergleich zu den anderen Großveranstaltungen (s.o.) deutlich günstiger. 29€ (unrabatiert) finde ich für ein HM OK. Dafür bekomme ich sogar noch ein super Adidas Funktionshirt, von denen ich zwar schon 3 im Schrank habe, aber so ist das eben mit Jagdtrophäen, der Jäger beschwert sich ja auch nicht über ein zusätzliches Geweih an der Wand.

Wer damit ein Problem hat als orangener Werbebotschafter durch den Englischen Garten zu rennen, kann ja zuhause bleiben, es wird ja keiner gezwungen.

Was ich aber überhaupt nicht verstehe sind die Benefiz-Läufe. Da wird unter dem Motto eines guten Zweckes ein Lauf veranstaltet, und von den erhobenen Startgebühren, geht ein geringer Teil an eine wohltätige Organisation, oder an Opfer einer Naturkatastrophe, etc. Was soll das? Ich amüsiere mich und tue dabei noch etwas Gutes? Was ist das für eine Heuchelei. Wenn ich spenden möchte, dann muss ich dazu nicht erst durch den Park rennen. Ich möchte hier jetzt nicht alle Spendenläufe schlecht machen, da gibt es auch vernünftige Ansätze, aber das können wir ja mal bei einer anderen Blogparade klären.

-Autsch!-, heute nehme ich die Rolltreppe, und das mache ich sonst nie.  Ich habe Muskelkater. Meine Waden sind hart wie Beton.  Gestern war schon schlimm, aber heute früh bin ich kaum die Treppen vom Schlafzimmer in die Küche runter gekommen.  Aber von vorn…

Sonntag, 6:30 Uhr: Etwas piekst mich ins Gesicht. Ich öffne ein Auge und direkt vor mir ist das Gesicht meiner Tochter. Sie flüstert wie Kinder eben flüstern: „PAPA, DU MUSST MIR HELFEN!“ –was ist los, ist was passiert?- „ES IST MUTTERTAG, DER KAFFEE IST GLEICH FERTIG, DU MUSST MIR HELFEN…“

Oh je, die Muttertags-Taskforce sucht verbündete, und das mitten in der Nacht. Letzte Woche hat die Tochter schon mal geübt und probeweise Frühstück ans elterliche Bett gebracht. Im Eifer des Gefechts hat sie beim Runterbeugen das Tablett gleich komplett ins Bett, auf den noch schlafenden Papa geworfen. Aus der  Pleite hat sie offenbar gelernt und sucht  nun kompetente Hilfe, die Wahl ist dabei ausgerechnet auf mich gefallen.

Ich muss Zeit gewinnen. „WO IST DEIN GESCHENK“ flüstert Sie, –Ich habe kein Geschenk, ist doch Deine Mama, ich bin raus aus der Nummer… Könntest Du mir nicht eins von Deinen Geschenken abgeben? lenke ich ein.  „OK, ICH BASTLE DIR NOCH EINE KARTE“ Die Tochter zieht von dannen und ich drehe mich  nochmal um. Ich versuche das Gerumpel in der Küche zu ignorieren. Kurze Zeit später piekst mich wieder etwas. Mit einer Karte werde ich wach gefächelt.  Viele Herzen sind drauf. „DU MUSST UNTERSCHREIBEN…“ –OK, ich gebe mich geschlagen, die Nachtruhe ist vorbei. Ich folge der Tochter in die Küche. Dort wartet ein perfekt vorbereitetes Frühstückstablett mit Honigbrot, Müsli, Blümchen, frischem Kaffee… -Respekt- Nicht übel-, und den Kaffee kann man sogar trinken. Wir begeben uns wieder ins Schlafzimmer und wecken die Mama, sie soll schließlich auch was von Ihrem Ehrentag haben.

Familie -timekiller- frühstückt also im Bett. Während des Frühstücks wird der Tag geplant. „Wir könnten doch heute schön in die Berge fahren“, schlägt meine Frau vor. Nö, geht nicht, ich laufe doch heute beim Halbmarathon im Olympiapark mit, entgegne ich.

>Augenrollen, der Gattin< „Da hast du aber gar nix gesagt“. „Ja wann denn?“, ich war die letzten 3 Tage auf Geschäftsreise in Leipzig und Samstags erst spät heim gekommen.  „Steht aber im Kalender“ versuche ich zu punkten. „Dann fahren wir eben danach, beeil Dich halt ein bisschen und trödel nach dem Lauf nicht so rum, dann schaffen wir  das schon.“

Eigentlich habe ich ja gar keine Lust zum Laufen und ich fühle ich ziemlich schlapp. Der Aufenthalt in Leipzig war jetzt nicht gerade der Gesundheit förderlich. Aber jetzt kann ich nicht mehr zurück.

Um kurz vor 9:00 Uhr schnappe ich mein Fahrrad und fahre in den Olympiapark. Ich hole meine Startunterlagen ab, und drehe noch eine kleine Aufwärmrunde von ca. 3 km. Ich versuche in mich hineinzuhören, ob heute was geht, aber ich höre nix. Der Körper schmollt und schweigt. –soll ich wieder heimgehen?-

Zumindest 10 km kann ich ja mal mitlaufen, das geht immer. Also stelle ich mich in den Startblock und starte um 10:05 mit ca. 2000 Läufern. Ich denke mir nicht viel und laufe einfach mal mein gewohntes  Tempo. Die erste 5km Runde in 24:45 läuft ganz OK, vielleicht ein bisschen schnell, wenn ich wirklich 21 km durchhalten will, also versuche ich mich etwas einzubremsen. Bei km 10, steht 50:20 auf der Uhr. Eigentlich habe ich keine Lust mehr; jetzt nochmal 2 Runden, -PUH!- Die Sonne brennt mittlerweile erbarmungslos. Ich nehme mal an der Verpflegungsstelle einen Becher Wasser mit. –dünne-klarsicht-Plastik-Becher- Ich drücke den Becher zusammen, sodaß ich eine Art Schnabel habe, damit ich beim Laufen besser trinken kann. –Knacks- Der Becher reißt auf, und das kostbare Nass rinnt dahin. Wenigstens wird mein Trikot etwas nass, aber Durst habe ich noch immer.   –ist die dritte Runde länger als die anderen?- Es zieht sich. Ich hab kein Bock mehr. Am Streckenrand picknicken Familien im Gras und feuern auf Plakaten, Sonja, Tina, Andi, Tino, Papa und Mama an. Wo sind eigentlich meine Fans? Die sitzen zuhause und planen womöglich die Besteigung der Zugspitze.   Soll ich aufhören? Einfach stehen bleiben? Zur Schwimmhalle muss ich ja eh zurück, also laufe ich die Runde weiter. Ich soll mich ja beeilen, es wartet der Ausflug.

Kurz vor der vierten Runde bin ich mir sicher, dass ich den Lauf abbrechen werde… doch dann erinnere ich mich, wie ich letztes Jahr bei der Winterlaufserie den Zwanziger abgebrochen habe und dann eine Woche lang schlechte Laune hatte, ja sogar das Laufen komplett aufgeben wollte. Also biege ich doch nicht in den Zielkorridor ab, und mache mich auf die vierte Runde. Alles ist besser als „DNF“. Ich versuche es nochmals mit Trinken. Diesmal gehe ich ein paar Schritte und trinke dabei vorsichtig. –ist während des Trinkens das Gehen erlaubt? Oder machen das nur Walker?- Den Rest des Bechers schütte ich mir in die Kappe. Das Gehen hat Zeit gekostet, aber die letze Runde ist eh für den Arsch. Ich schleppe mich dahin. Das bisschen Wasser hat meinen Körper auf dem schnellsten Wege wieder verlassen, wahrscheinlich ist nur eine kurze Dampfwolke aufgestiegen als ich trank. Meine Zunge klebt weiterhin am Gaumen, Wasser…

Mir fällt auf, dass manche Läufer lustige Geräusche beim Laufen machen, bei manchen klappert der Schlüssel, andere scheinen einen ganzen Beutel Münzen bei sich zu haben, wiederum andere trampeln derart laut, dass man meinen könnten sie sind im Ensemble von RiverDance.

-Oh Gott ich fantasiere…-

Das fiese am Halbmarathon im Olympiapark ist, dass man nicht nur vier elendig langweilige Runden drehen muss, sonder auch nach der vierten Runde noch nicht in den Stall darf, sondern nochmals auf eine 1,1 km Schleife geschickt wird, das ist zermürbend. Die –timekiller- Rakete lasse ich diesmal im Hangar, ich bin froh, wenn ich überhaupt ankomme, auf den letzten 500 Metern lauert noch ein letzter kurzer Anstieg, zurück zum Olympiastadion. Eine dieser Steigungen, die man sonst kaum wahr nimmt, aber im erschöpften Zustand bei jedem Schritt, länger und steiler wird. Die letzten 200 Meter lasse ich den alten Diesel ausrollen. Zielspurt machen wir das nächste mal wieder. In jämmerlichen  1:49.17 beende ich den Lauf.

Im Ziel stehen von einem Sponsor gefüllte Wasserflaschen bereit.  Die Schlange beim Erdinger Stand ist  beängstigend lange, ich habe keine Lust mich dort anzustellen, und so lege ich mich mit der Trinkflasche  ins Gras und genieße das schnöde Leitungswasser. –AHHH, LECKER-

Nachdem ich mich etwas ausgeruht habe, hole ich mir doch noch ein alkoholfreies Weißbier, soviel trödeln wird ja wohl erlaubt sein. Ich gebe mein Chip ab, und bekomme als Belohnung eine weiteres T-Shirt für meine Pyjama Kollektion.

Ohne weiteres bummeln, geht’s mit dem Radl  zurück zur Homebase, dort werde ich schon erwartet. Im Flur stehen Rucksack und die Wanderstiefel der Familie bereit.

Frau, was hast du vor? „Wir fahren nach Garmisch und fahren mit der Kabinenbahn auf den Wank, und laufen dann über die Esterbergalm wieder runter, das sind nur ca. 3 Stunden, das bekommst du doch noch hin, oder?“ Argh! Der Wank sieht harmlos aus, hat‘s aber in sich.   Ich versuche noch zu handeln. „Nix da, wer will hier im Herbst ein Marathon laufen? Also, stell Dich nicht so an, geh duschen“ spricht die Chefin.

So fahren wir nach Garmisch-Partenkirchen, und nehmen die Kabinenbahn auf den Wank. Der Ausblick auf das Zugspitzmassiv ist wirklich atemberaubend. Von dort geht es über einen schmalen steinigen Bergesteig hinunter zur Esterbergalm. Dort gibt es für die Tochter eine frische Milch und für Vati ein Bier. Ein Ettaler Klosterbier, -Uäah-, hätte ich bloß auch ne Milch genommen…

Das dicke Ende kommt aber noch, die unscheinbare Forststraße von der Alm hinunter zur Talstation entpuppt sich als wahrerer „Wadenkiller“ Der Weg ist geteert und über weite Abschnitte unglaublich steil. Das geht auf die Knie und die Waden, das wird ein schöner Muskelkater werden, soviel ist sicher.

Abends während des „Tatorts“, trage ich noch meinen Lauf in mein Trainings-Büchlein ein und stelle fest, ich war gar nicht so schlecht. Ich habe meine HM PB um gut 2 Minuten verbessert. Ein Hauch des Stolzes durchwogt mich, ehe mich die Welle des Schlafes noch auf dem Sofa erfasst und hinwegspült, hinein in eine perfekte Laufwelt, ganz ohne Schmerzen.

-leider bloß bis zum nächsten Morgen-

Es ist nicht zu fassen, ich habe null Orientierungssinn! Ich frage mich wie ich sonst  nachhause finde. Über Ostern war Familie –timekiller- bei Freunden in der Nähe von Kehl am Rhein in der Oberrheinischen Tiefebene eingeladen.  Damit die Feiertagsvöllerei nicht zu sehr auf die Form schlägt, verordnete ich mir am Sonntagmittag eine Laufeinheit. Der Gastgeber bevorzugte die Kalorien durch ein Schläfchen im Liegestuhl zu bezwingen, so zog ich alleine los. Laufschuhe hatte ich zur  Sicherheit ja mal mitgenommen, allerdings habe ich meinen Garmin zuhause gelassen.  Da der Rhein in der Nähe ist, bietet es sich an, dort auf dem Deich bis Kehl und zurück zu laufen, das wären so geschätze 10 km.  Auf der Karte sah das alles ganz einfach aus, stellte sich jedoch aufgrund des Straßenwirrwarrs des Neubaugebietes als komplizierter heraus als ich dachte.

Ich habe mich natürlich komplett verlaufen, und anfänglich nicht mal den Rhein gefunden.  Bei der wohlgemeinten Wegbeschreibung sind mir wohl ein  paar „Rechts/Links“ durcheinander gekommen, sodass ich in der völlig falschen Richtung Deutschlands längsten Fluss suchte.  Es war wie verhext. Es war Mittag,   die Sonne stand hoch am Himmel, rechts Berge, links Berge, aber was ist jetzt der Schwarzwald und was die Vogesen sind, konnte ich beim besten Willen nicht sagen. Ich hatte total die Orientierung verloren.

Da der Weg das Ziel ist, beschloss ich einfach  weiter zu laufen, ist ja im Grunde egal wohin. Zwischen zwei Ortschaften wurde ich sogar von einem einsamen Rennradfahrer gegrüßt, wahrscheinlich hatte der sich auch verfahren. Sonst habe ich auf der gesamten Strecke keinen einzigen Fußgänger getroffen, den ich hätte fragen können.  Und irgendwann war ich offensichtlich so weit vom eigentlichen Ziel entfernt, dass ich mich nicht mehr getraut habe zu fragen, außerdem fragen Männer nicht nach dem Weg…

In der Hoffnung, dass zumindest ein Quäntchen Restorientierung in mir schlummert, habe ich versucht  meine Tour so zu gestalten, dass ich einen großen Kreis laufe und Hin/Zurück Abschnitte vermeide. Ob mir das gelingen würde war ich mir bei der gesamten Einheit nicht wirklich sicher.  In Gedanken habe ich mich schon vom Taxi nachhause chauffieren sehen.   Nach 90 Minuten und vermutlich ca. 16 km war ich wieder zurück im beschaulichen Neubaugebiet und habe dann noch 5 Minuten nach dem richtigen Haus gesucht.

Am Schluss hatte ich  sogar noch den Rhein gefunden, und habe zumindest noch eine kleine Schleife über den Deich eingebaut, damit ich wenigstens sagen kann, „ja, klar war ich am Rhein, alles kein Problem!“

Ich laufe, also schwitze ich. Aber ich schwitze ganz besonders. Nicht etwa dort wo man vermuten würde, nein, ich schwitze hauptsächlich am Kopf. Dort wo andere Haarwurzeln haben, habe ich Schweißdrüsen, daher auch  die spärliche Frisur. Würde ich keine Kappe aufsetzen würde es wahrscheinlich nur so aus mir raus sprudeln, ich bin quasi ein laufender Geysir. Auf der letzten Marathonmesse habe ich mir zwei Funktionsmützchen gekauft, da meine Baumwoll Kappen schon ziemlich versifft waren.

Nun scheint jedoch die HightecTextilie meiner Schweißproduktion nicht gewachsen zu sein, sodaß ich  nach wenigen Kilometern tropfe wie ein Kieslaster.

Wahrscheinlich verursache ich durch meine Geschwindigkeit nicht genug Fahrtwind, sodaß die Suppe nicht schnell genug verdunstet  und sich so  am Schild sammelt und von dort in großen Tropfen das Weite sucht. Wäre ich auf der Flucht, ich hätte keine Chance zu entkommen, da man nur dem Rinnsal  folgen müsste den ich hinterlasse.

Im Frühjahr, jetzt, wenn  die Temperaturen steigen, mutiere ich regelrecht zum Transpirator. Zum Glück verdunstet nun auch mehr und so  bilden sich neben den Tropfen nun auch noch lustige Salzkristalle auf der Mütze.

Es nähert sich ja nun Ostern, und meine Kleine feilt schon seit Wochen an Ihrem „Wunschzettel an den Osterhasen“. Unter anderem steht da auch der  Experimentierkasten „Kristalle züchten“ vom Kosmos Verlag drauf. Da Ostern nicht Weihnachten im Frühling ist, spiele ich mit dem Gedanken für das verzogene Gör einfach meine Laufmützen zu verstecken.

Wenn ich jetzt noch mit Rotebeetesaft und Spinat experimentiere, vielleicht werden die Kristalle ja dann auch noch bunt? Versuchen kann ich es ja mal!

Ob Sie sich wohl freut?

Es geht nichts über eine gute Vorbereitung. Und da gehört nicht nur das Training dazu. Das musste ich letzten Samstag schmerzlich erfahren.  Am Samstag fand der Forstenrieder Volkslauf des Fürstenrieder Sport Clubs statt.  Das Wetter versprach ideal zu werden, und so freute ich mich die ganze Woche auf diesen Lauf quer durch den Forstenrieder Forst.

Mein Trainingszustand ist derzeit so lala, da meine rechte Wade noch immer ein bisserl rumzickt,  habe ich unter der Woche ein bisschen getapert und habe vor dem Lauf drei Ruhetage eingelegt.

Der Start für die 10km Distanz war auf 14:15 angesetzt, für mich eine ideale Zeit (eigentlich). Da ist genug Zeit die Tochter noch bei Freunden abzuliefern, da die Gattin zum „Eis essen“  nach Dubrovnik  geflogen ist.

Herrlich ein freier Samstagvormittag – Jetzt sollte man allerdings nicht den Fehler machen seine Mails zu checken, um festzustellen, dass in der Buchhaltung mal wieder das reine Chaos zu herrschen scheint.  So kommt es, dass der Vormittag wie nix verpufft, und der Termin für die angesetzte Abfahrt schon leicht überzogen wurde. Schließlich ist der Lauf diesmal nicht in der Nachbarschaft, sodaß ich das Auto bemühen muss, und bei einer Veranstaltung mit ca. 1500 Teilnehmern herrscht traditionell  Parkplatznot.   Zum Glück hatte ich schon am Vorabend meine Laufsachen zusammengelegt, und diesmal auch die Pulsuhr  und den Champions-Chip gleich in die Tasche gepackt.

So fahre ich nach Fürstenried zur Sportanlage an der Herterich Straße wo der Volkslauf in den letzten Jahren stattgefunden hat. Schon beim Parkplatz suchen, schwant mir, dass da was nicht stimmen kann.  Kein erhöhtes Verkehrsaufkommen rund um die Anlage, kein Park Chaos, keine Läufer zu Fuß?  -Da ist was faul-! Verdammt, in der Bestätigungsmail die ich in der Woche bekommen habe stand irgendwas, dass die Startnummernausgabe diesmal an anderer Stelle sei. Dass der komplette Lauf an einem anderen Ort stattfindet, damit hätte ich jetzt nicht gerechnet.

Na, das kommt davon, wenn man seine Mails nur überfliegt.  Hier ist der Start jedenfalls nicht. Ich gehe in die Vereinsgaststätte, um zu fragen wo denn dieses Jahr der Lauf stattfindet. Dort herrscht aber rege Aufregung, da 1860 gerade mit 2:0 gegen Cottbus auf der Großleinwand in Führung gegangen ist. Von einem Volkslauf weiß man dort nix. – Scheiße-

Meine Ortskenntnis in Fürstenried hält sich in Grenzen, ich habe keine Ahnung wo der Start stattdessen  sein könnte.  Handy mit Browserfunktion habe ich auch keines, da bin ich altmodisch. Ich brauche ein Handy mit langer Akkulaufzeit, mit den Smartphones muss man ja fast täglich an die Box, das ist nix für mich. Jetzt könnte ich so ein Dingens allerdings gut gebrauchen.

OK – , ich rufe meinen Spezi B. an, ein wahrer iPHONE Evangelist. Ich erwische ihn auf „Montage“ und er ist sichtlich genervt, sein Kunde hat übers Internet eine Küche bestellt, und jetzt  passt natürlich nix zusammen. Nach ca. 2 Minuten kann ich seine Unmutsäußerung unterbrechen und bitte Ihn um den Gefallen, mal im Internet nach zu sehen  wo mein Volkslauf los geht. Jetzt muss ich mir natürlich noch 5 Minuten einen Vortrag über die Vorzüge eines iPHONES anhören… dazwischen kommt die Info, die ich brauche… – ja, danke, ich rufe Dich nachher zurück-, ich muss mich beeilen, ich habe noch 30 Minuten zum Start, bzw. 15 Minuten um meine Startnummer abzuholen…

An neuer Wirkungsstätte  herrscht dann das befürchtete Park Chaos. Ich suche ewig einen freien Parkplatz in der umliegenden Wohngegend.  Ich sehe das  mal positiv, dass ich in ca. 2 km Entfernung schließlich ein Parkplatz finde, schließlich wollte ich mich ja auch noch warmlaufen. Um kurz vor 14:00 bin ich schließlich bei der Startnummernsaugabe, die bereits im Begriff ist einzupacken.

Vor lauter Hektik reiße ich mir dann noch  den halben Fingernagel  des rechten Mittelfingers ab, als ich versuche die Druckknöpfe meines Startnummernbandes zu lösen. -Argh- Der Nagel, oder das was davon übrig ist blutet, ich kann doch kein Blut sehen, jedenfalls nicht mein eigenes…

Also noch schnell bei den Kollegen der Bergwacht vorbei, und ein etwas dilettantischen Fingerkuppenverband abgeholt. –hoffentlich passiert bei der Veranstaltung nicht mehr- Na, die nächste Stunde wird’s schon halten.

So, und wohin jetzt mit dem Autoschlüssel? Da das Wetter so wunderbar ist, bin ich nur mit der kurzen Tight unterwegs, die hat allerdings nur ein Minitäschchen in Form eines Säckchens ohne Reißverschluss, da geht gerade mal mein kleiner Creative MP3 Player rein.  Mein Armband-Täschchen für diesen Zwecke (mit Traubenzucker) habe ich natürlich auf dem Rücksitz liegen lassen.

Ich habe keine Lust den Schlüssel  eine Stunde in der Hand zu halten, also stopfe ich Ihn zu dem MP3-Player ins Säckchen. Die Öffnung des Täschchens verschließe ich mit einer Sicherheitsnadel, und stopfe das ganze noch zur Sicherheit in meine Unterbuxe. Sicher ist sicher, ich habe keine Lust später im Forst mein Schlüssel zu suchen. Ungünstigerweise befindet sich die Tasche auf der Vorderseite der Hose, sodaß sich nun im Lendenbereich  eine ziemliche Beule abzeichnet. -Scheiß drauf-, ich versuche die vermeintliche Hasenpfote durch mein T-Shirt ein bisschen zu kaschieren.  Für weitere Modellierungsmaßnahmen habe ich allerdings keine Zeit, da bereits zur Startaufstellung gerufen wird.  Ich stelle mich in den 4:30 – 5:00 Block. Bei einer  Nettozeitnahme  besteht kein Grund zum Drängeln.

Der Startschuß fällt und ich lasse mich mit dem Feld mitziehen.  Die ersten drei km laufen ganz gut, bei  km 4 passiere ich die Verpflegungsstelle ohne etwas zu trinken. Einen 10er kann man locker ohne Boxenstopp laufen, trotzdem bekomme ich Seitenstechen, das habe ich sonst nur, wenn ich unterwegs was trinke. Ich drossle etwas die Geschwindigkeit und konzentriere mich auf die Atmung. Das Seitenstechen hält an, als weitere Maßnahme versuche ich das Seitenstechen zu  ignorieren. Bei km 6 zieht ein kleiner Junge an mir vorbei.  Hallo? Der ist ja noch keine  Zehn… Ich hänge mich an den Rennzwerg. Windschatten habe hier natürlich keinen.  Bei km 7 bricht mein Pacemakerchen etwas ein, und ich laufe weiter mein Tempo. Bei km 8 holt er mich wieder ein und kann sich sogar etwas absetzen. Warte Bürschchen, du kennst meine –timekiller-Rakete noch nicht.  Bei km 9 sind wir wieder gleich auf und wir laufen eine Zeit lang im gleichen Tempo.  Er grinst und ich keuche. Schließlich siegen dann doch die größeren Schritte und ich kann Ihm bis ins Ziel noch ca. 30 Sekunden abnehmen.  Im Zielbereich warte ich auf den Knirps und beglückwünsche Ihn zu seiner super Leistung und frage Ihn nach Name und Alter. Simon, 11 Jahre,  und damit, mit Abstand der jüngste im Feld, verdient  meinen allergrößten  Respekt. Weitere Läufer, die der kleine abgehängt hat, klopfen Ihm anerkennend auf die Schulter.

Ich hole mir bei der Zielverpflegung ein paar Getränke und etwas Obst und genieße die Atmosphäre. Da spricht mich ein Läufer an, den ich letzes Jahr beim Westparklauf kennen gelernt habe.  Es entwickelt sich ein Gespräch wie es nur unter Läufern stattfinden kann. Innerhalb kürzester Zeit lässt jeder sein läuferisches Jahr revue passieren und  macht den anderen auf schöne Läufe, Strecken und Erfahrungen aufmerksam.  Ich liebe solche Unterhaltungen…

Ach ja, was kam eigentlich bei meinem Lauf raus, mit 48:36 habe ich meine PB deutlich verpasst, aber das war  auch gar nicht angestrebt, ich bin erneut unter 50 Minuten gelaufen, und das ist nach dem turbulenten Vorgeschichte ganz ordentlich.

Ist das Frühjahr schon da? Muss wohl, schließlich leide ich derzeit an extremer Frühjahrsmüdigkeit. Es ist unglaublich, ich könnte ununterbrochen schlafen.

Ist das schon „Frühjahrsmüdigkeit“ oder noch „Winterschlaf“?

In meinen Wachphasen versuche ich dennoch ein bißchen zu laufen, aber auch da läuft es nicht rund. Nach meinem Marsch durch den Westpark vor 3 Wochen schmerzt meine rechte Wade, vom Schienbein ganz zu schweigen.

Beim Laufen sind die Füße unglaublich schwer, es ist fast so, als ob ich anstatt der Laufschuhe versehentlich in Skistiefeln unterwegs wäre. Oder meine Frau hat mir heimlich Blei in die Schuhe gekippt, damit ich etwas bodenständiger werde.

Am Sonntag habe ich dann wohl den absoluten Nullpunkt erreicht. Nach gerade mal zwei Kilometern musste ich schon eine Gehpause einlegen, meine Schiebeine branten wie Feuer und die rechte Wade war hart wie Beton. Nach einer weiteren Gehpause (km7), habe ich dann nach 9km einfach Schluss gemacht. Strömender Regen und dann mit den Stelzen unterwegs… schön ist was anderes.

Damit sich meine Wade ein bisschen regenerieren kann, habe ich mir bis Mittwoch eine Laufpause verordnet. Da ich den Verdacht hege, meine Beschwerden könnten auch an schlechtem Schuhwerk liegen, habe ich mal meine aktuelle Schuhkollektion (nicht die Laufschuhe) kritisch unter die Lupe genommen, und festgestellt, dass ich mit einem Freizeit-Schuh, den ich derzeit häufig trage, rechts ziemlich nach innen kippe. Zumal ist der Schuh weicher als meine sonstigen Schuhe. Also wird der erstmal aussortiert, und ich trage zukünftig, die etwas weniger bequemen flachen Halbschuhe mit harter Ledersohle. Ein Versuch ist’s wert…

Am Mittwoch stand dann mein nächster Lauf auf dem Programm, aufgrund der Zeitumstellung, kam ich sogar noch in den Genuss bei Sonne loszulaufen. Da ich am Sonntag so geschwächelt habe, habe ich mir diesmal ein strammeres Programm auferlegt. Da „schnell“ momentan nicht drin ist, habe ich mir als Intensitätssteigerung, ein paar Steigungen vorgenommen. Dreimal sollte es daher in verschiedenen Routen über den Olympiaberg gehen. Nach zwei Kilometern brennen bereits wieder die Schienbeine, und die Wade wird hart, aber gehen möchte ich diesmal vermeiden, ich werde langsamer und versuche lockerer zu laufen, bei km3 steht der erste Anstieg an. Der Puls ist noch moderat, steigt aber stetig in Richtung 80%Hfmax.

Oben, kurz vor dem „Gipfel“ sitzt ein Pärchen im Gras und genießt bei einer Flasche Wein, den bevorstehenden Sonnenuntergang.

Ohne Stopp geht es wieder zurück ins „Tal“, am Olympiasee entlang, Richtung nächster Anstieg. Komisch, das Schienbein schmerzt gar nicht mehr und die Wade hält auch still, aber der Puls will nicht wirklich fallen, gerade mal 3% Abfall, und dann steht auch schon wieder die nächste Steigung an. Wieder den Berg hoch, eben ging’s noch flotter…

Das Pärchen sitzt noch immer da…

Das letzte Stück zum Gipfel gebe ich richtig Gas und treibe den Puls auf 90%. Ziemlich KO trete ich ohne Zwischenstopp den Abstieg an. Der Puls fällt langsam, aber unter 80% bekomme ich ihn nicht.

Soll ich wirklich noch eine Runde machen? Bisher habe ich mich immer mit zwei Bergrunden begnügt, nach hause muss ich ja schließlich auch noch… -Nein, gekniffen wird nicht, jedenfalls nicht heute, also nochmal um den Berg rum und wieder hinauf.

Deutlich zäher geht es diesmal, die Pace fällt weit unter 6:30 min/h, stehe ich etwa?

Das Pärchen hat mitlerweile die zweite Flasche entkorkt, bin ich etwa so langsam… oder ist das Pärchen beimTrinken besser konditioniert als ich beim Laufen?

Ein letztes Mal geht es das letzte Stück zum Gipfel über das Kopfsteinpflaster nach oben, ich versuche nochmals alles zu geben. Bei 95% reglt der Drehzahlbegrenzer ab, mehr ist heute nicht drin, schließlich habe ich jetzt bereits 11 Kilometer auf dem Buckel. Nach meinem Bergspurt, geht es jetzt noch 4km nach hause, -Mann, bin ich fertig-.

Langsam wackle ich den Berg runter. Der Puls beruhigt sich langsam wieder, sofern man bei 87% von beruhigen sprechen kann. Auch im Flachen komme ich nun über eine 6er Pace nicht mehr hinaus, ich kann die Füße kaum noch heben, der Heimweg zieht sich wie Kaugummi. Ich kann mich nicht erinnern jemals so fertig gewesen zu sein, -Oh Gott, noch 2 Kilometer…- Wie wird das erst beim Marathon?

Der Tribühnenschritt auf den letzten 500 Metern durch die Nachbarschaft muss diesmal ausfallen, Scheiß auf die Nachbarn…

Vor der Haustüre lasse ich auch noch den Hausschlüssel fallen… wenn ich mich jetzt bücke kann ich gleich da unten bleiben. Also klingle ich, meine Tochter macht nach einer gefühlten Ewigkeit die Türe auf, ich bitte Sie den Schlüssel aufzuheben und schleppe mich aufs rettende Sofa. Wer bringt mir jetzt was zu trinken, und vorallem, wer trägt mich unter die Dusche?

-Wobei, ich glaube ich bade heute lieber-