Am Sonntag stand der 12. Westparklauf in München auf dem Programm. In den letzten Jahren hätte der Lauf eigentlich als Crosslauf herhalten können, hatte es doch immer kurz vorher nochmals ordentlich geschneit und man ist die 2 Runden über Schnee und Eisplatten geeiert.
Auch diesmal habe ich eigentlich damit gerechnet, dass es nochmal so richtig kalt wird und dass spätestens Sonntags früh um 8:00 Uhr mindestens 10 cm Schnee liegt.
Aber diesmal hatten wir Glück, kein Schnee, kein Eis und angenehme 10°C.
Ich hatte mir für den Lauf nichts Spezielles vorgenommen, vielleicht schneller sein als die Vorjahre, -OK-, aber eine PB war nicht anvisiert. Die Strecke ist nicht Bestzeitentauglich, da beißen sich auch die Profis Ihre Zähne aus. Der Streckenrekord von 31 Minuten besteht schon seit einigen Jahren. Das tückische an der Strecke ist der wellige Verlauf. Die Strecke hat einige Steigungen, die zwar alle nicht dramatisch sind, aber gerade der Anstieg zur Ringbrücke die bei 2 Runden viermal überquert werden muss, kostet doch ein paar Körner.
Vor dem Lauf war ich leider nicht ganz bei der Sache. Da ich für ein Projekt noch einen Mietwagen abholen musste, war ich gedanklich mit anderen Dingen beschäftigt, und war beim Packen meiner Laufsachen etwas nachlässig, sodaß ich zwar den Pulsgurt umgeschnallt, den Laufchip an den aktuellen Schuh gefummelt habe, aber in der Aufregung den Garmin im Bad habe liegen lassen. Das ganze habe ich natürlich erst Vorort bemerkt, als ich um 9:00 Uhr die Startunterlagen abholen wollte.
-Was tun?-
Noch 45 Minuten bis zum Start!
Zurückfahren und Garmin holen?
Könnte von der Zeit her klappen, aber dann kann ich das Warmlaufen abhaken.
Da ich nicht besonders scharf darauf bin mit einem gemieteten Lieferwagen quer durch die Stadt zu jagen, zu dem das Gefährt etwas größer ausgefallen ist, wie das, was ich eigentlich reserviert hatte, beschließe ich ohne meinen Forerunner zu laufen.
Ist ja auch mal eine interessante Erfahrung, ganz ohne technisches Hilfsmittel zu laufen, rede ich mir ein.
Also habe ich in aller Ruhe meine Startunterlagen abgeholt, und habe mich locker im Park warm gelaufen. Kurz vor dem Start habe ich mich dann brav im Startbereich eingefunden, um dann zu erfahren, dass der Start verschoben wird, angeblich da es heuer so viele Nachmeldungen gibt.
Also ist Warten angesagt, da nicht bekannt ist, wann der Start erfolgen wird, stand das Läuferfeld relativ undynamisch rum.
–Hm, war das letztes Jahr nicht auch schon so? Ich verstehe das nicht, der Lauf ist lange genug bekannt, und selbst wenn ich ein Spätentschlossener bin, komme ich halt ein bisschen früher, und nicht erst 10 Minuten vor dem Start. Bei anderen Laufveranstaltungen ist die Nachmeldung bis maximal 1 Stunde vor dem Start möglich, da hat die Zeitnahme dann auch noch genug Zeit die neuen Läufer ins System zu klopfen. So warten jetzt über 500 Läufer auf die Nachhut.
Um kurz nach Zehn war es dann soweit, die Startfreigabe von der Zeitnahme war erteilt, jetzt musste nur die Meute wieder eingefangen werden, die sich kurz zuvor zum erneuten aufwärmen in alle Himmelsrichtungen zerstreut hatte.
Um 5 nach Zehn fiel dann endlich der Startschuss, auf meiner analogen Armbanduhr startete ich die Stoppuhr, in der stillen Hoffnung während des Laufes auf dem winzigen Ziffernblatt der Stoppuhr wenigstens die die Kilometerzeiten ablesen zu können.
Ich ließ mich locker vom Feld mitziehen. Die erste Steigung an der Ringbrücke kommt noch innerhalb des ersten Kilometers, noch bin ich frisch und kann einige Läufer überholen. Macht sich das Hügeltraining am Rangierbahnhof doch bezahlt? Nach einem Kilometer kann man aber noch nicht viel sagen. Auch am Ende von km 2 gibt es eine kleine Steigung, hoch zum Rosengarten, bzw. dem dort gelegenen Biergarten. Ich habe keine Ahnung wie schnell ich bin, und versuche auf meiner Uhr was zu erkennen… -Ne, nix zu machen-. Kilometer 3 endet wiederum mit dem erneuten Anstieg zur Ringbrücke. Aber wo es hoch geht, geht es auch wieder runter, zumindest auf einem Rundkurs :-), ich versuche beim Abstieg weiter Tempo zu machen, und mich nicht etwa auszuruhen. Kilometer 4 (und 9) ist wohl der schnellste auf dem Kurs da lauert keine Steigung. Kilometer 5, am anderen Ende des Parks, hat wieder eine leichte Steigung. Ich merke, dass meine Kräfte nachlassen, war mein Programm diese Woche doch zu anspruchsvoll? Am Dienstag 17 km und am Donnerstag flott über 10km. Rächt sich das jetzt? Ich versuche etwas langsamer zu werden. Einige Läufer, die ich vorher überholt hatte holen mich jetzt ein, ich habe fast das Gefühl ich stehe. Kurz spiele ich mit dem Gedanken nach der Runde das Rennen zu beenden. Aber wer wird denn aufgeben? Ich habe mich für einen 10km Lauf angemeldet, also läufst du jetzt auch 10km. Notfalls wird die zweite Runde einfach etwas langsamer, aber aufgeben ist keine Option.
Im Start/Zielbereich habe ich gehofft dass ich da ein Blick auf die Wettkampfuhr erhaschen kann, aber da gab es nicht mal eine Zwischenzeiten-Matte. Sonst ist mir das ja egal, aber ich hätte schon gerne gewusst wo ich liege. Ich hatte überhaupt kein Zeitgefühl, den letzten Kilometer bin ich doch ziemlich eingebrochen. Ich versuche nochmals einen Blick auf meine Uhr. –Nix zu erkennen- Der Minizeiger (ca. 5mm) wird ausgerechnet vom Stundenzeiger überdeckt. –könnte irgendwas um die 25 Minuten sein-
Vielleicht doch zu schnell angegangen? Wäre ja nicht das erste mal. Es wartet erneut die Steigung am Ring, jetzt nicht aufgeben, in Gedanken peitsche ich mich die Brücke hoch, den ein oder anderen, den ich hier überholen kann, kommt mir bekannt vor. Bei km sieben am Biergarten bin ich schwer am japsen. Mein Puls ist wahrscheinlich schon lange durch die Decke gegangen…
Der letzte Anstieg zum Ring, dann ist der Drops gelutscht. Auf Kilometer neun versuche ich etwas Kraft für den Schluss-Spurt zu sammeln. Ca. 500 Meter vor dem Ziel zünde ich dann die -timekiller-Rakete. Ich quetsche alles aus meinen müden, völlig leergesaugten Muskeln, ich kann noch ein paar Plätze gut machen, dann stürme ich auch schon über die Zielmatte. Hoffentlich wurde da jetzt auch mein Chip ordentlich registriert.
Nachdem ich mir einen warmen Multivitamin Saft geholt hatte, warf ich einen genaueren Blick auf meine Uhr. Selbst jetzt kann ich nicht genau erkennen wie lange ich gebraucht habe. 49 Minuten? Oder doch vielleicht nur 48 Minuten? Schwer zu sagen. Jedenfalls scheint es unter 50 Minuten zu sein, und damit habe ich mein Ziel, schneller als im Vorjahr zu sein, deutlich übertroffen. Letztes Jahr brauchte ich für die Strecke 51:43 Minuten.
Am Abend als ich dann online die offizielle Ergebnisliste gecheckt habe, war ich dann doch freudig überrascht, als ich mein Ergebnis las:
47:45 min.
Das ist PB, und das auf dem anspruchsvollen Westpark Kurs. Da schau an!
Ist jetzt nur die Frage, wäre das mit Pulsuhr auch so gelaufen?











