Posts by -timekiller-

Ich kann mich nicht erinnern wann ich das letzte Mal derart nervös war, wie vor meinem Marathondebüt am vergangen Wochenende in München. Irgendwann, vor langer, langer Zeit setzte ich mir mal das Ziel einen Marathon unter 4 Stunden laufen zu wollen.  Da ich zu diesem Zeitpunkt mal einen HM in akzeptabler Zeit ins Ziel gebracht hatte und total stolz war, dachte ich mir recht naiv, ein MT  kann ja nicht so schwer sein, läufst du halt ein bisschen weiter.

Während meiner MT Vorbereitung ab Juni, stellte ich dann jedoch sehr schnell fest, dass einfach ein bisschen weiter, gar nicht so easy ist. Gerade die langen Einheiten (auf die es ja ankommt) bereiteten mir gehörige Schwierigkeiten. Somit stand das Ziel Sub4 doch schwer in Frage, und wurde von Selbstzweifeln getrieben, schrittweise mit neuen Zielen  ersetzt

A) Ankommen, egal wann.

B) Ankommen  vor Zielschluss

C) Ankommen, ohne Gehpausen

Ja, das soll mein Ziel sein, Ankommen ohne Gehpausen, dann sollte die Zeit auch nicht ganz unterirdisch werden. Aber nervös war ich immer noch, die gesamte letzte Woche war ich nur schwer für meine Mitmenschen ertragbar. Ich war ja total gaga.

Mein Marathon Wochenende begann Freitagabend. Ich habe  meine Freitagstermine abgewürgt um noch kurz vor Schluss  meine Startunterlagen auf der Marathonmesse abzuholen und um meinen Vorrat an High5 Gels aufzufüllen. Da musste ich den ersten Rückschlag erleiden.  Mein High5 Dealer war dieses Jahr nicht auf der Messe, ich konnte es gar nicht glauben, ich habe zweimal die Räumlichkeiten durchkämmt, aber er war nicht zu finden.

-Waaah-

Somit geriet ich in die Fänge des Squeezy-Dealers.

Auf meine Frage, ob man deren Gele auch ohne Wasser einnehmen kann, handelte ich mir einen 30 minütigen Vortrag über „das Wesen des Gels und seine fachgerechte Anwendung“ ein.

„Selbst bei einem Trinkgel (und so was wollte ich) muss man zusätzlich trinken!“

Ich hatte jetzt nicht vor, den Marathon komplett trocken zu laufen, ich will die Dinger ja nur weil sie aufgrund ihrer Konsistenz nicht ganz so eklig sind. -Aber OK, texte mich zu, ich habe heute nix mehr vor-

Wobei ich ja durchaus bei der Wasseraufnahme in der Vergangenheit so meine Probleme hatte, aber dies sollte ja  mit Hilfe meines Trinkhalms am Arm nun der Vergangenheit angehören.

Ich erfahre, dass es von Squeezy das „einzige“ Trinkgel gibt bei dem man nicht innerhalb der nächsten Stunde etwas trinken muss. Allerdings sind die Gele mit 160 ml fast so groß wie ein Tetrapack. Wenn ich mir die an den Gürtel schnalle, laufe ich Gefahr diesen samt Hose zu verlieren.

Notgedrungen habe ich dann eben ein 10er Pack von den normalen Gels mitgenommen.

Den Samstag habe ich irgendwie rum gebracht. Wie ein Tiger im Käfig zog ich durchs Haus, vor lauter Nervosität habe ich einen Streit mit meiner Frau vom Zaun gebrochen, ich weiß nicht mehr worum es ging, aber ich hatte sicherlich unrecht.

Ich machte mir Sorgen ums Wetter. Herrschten letzes Wochenende noch sommerliche Temperaturen, wird im aktuellen Wetterbericht vom Wintereinbruch in Bayern berichtet. Und der –timekiller- friert nicht gerne. Ich checke stündlich die Wetterprognosen für Sonntag, die Prognosen werden dadurch aber nicht besser. Den ganzen Tag schütte ich Spezi, Rivella, alkoholfreies Weißbier in mich hinein.  Wenigstens meine Flüssigkeitsspeicher sind gefüllt, daran wird es also morgen nicht scheitern.

Sonntag früh,  ich bin lange vor dem Wecker wach, der seinen Dienst um 6:00 Uhr antritt. Ich grüble noch über meine Renntaktik.

Prio1: Ankommen,

Prio2: keine Gehpausen,

Prio3: Sub4 ?

Um eine Sub4 zu schaffen müsste ich einen konstanten Schnitt von 5:40 laufen. In meinen Vorbereitungsläufen war ich meist auf den ersten 20km schneller und bin hintenraus eingebrochen.

Ich will es dennoch versuchen, ich hänge mich einfach an den 4er Paceläufer und versuche solange dran zu bleiben wie es geht. Muss ich abreißen lassen, tritt Prio2 in Kraft, dann Prio1. So lautet mein Plan.

Endlich darf ich aufstehen,  als erstes checke ich das Außenthermometer: 3 °C, –brrr-

Zum Frühstück gibt’s 3 Toastbrote mit Honig, und einen Kaffee (sonst werde ich nicht wach). Um 8 Uhr checke ich nochmals das Thermometer, „4 °C“ –zumindest wird es nicht kälter-

Ich stelle mir die Frage, ob ich lang oder kurz laufen soll. Ich beschließe ein Mann zu sein und ziehe die knielange Tight und ein kurzes T-Shirt an. Im Schlafzimmerschrank krame ich ganz unten einen alten Pulli raus, der so schrecklich ist, dass ich ihn gerade einmal getragen habe. Der Pulli hat ein derart  grausames Muster, dass ich ihn Bewusst links anziehe. Über das Ensemble ziehe ich eine lange Trainingshose und eine Winddichte Laufjacke. So begebe ich mich um 9:00 Uhr mit dem Fahrrad zum Olympiastadion.

Vor der Kleiderbeutel-Abgabe ziehe ich mich um. Es ist noch immer kalt, ich beschließe den Ätz-Pulli bis zum Start anzulassen, um ihn dann vom Reinigungskommando entsorgen zu lassen. – hoffentlich erkennt mich jetzt niemand-

Vom Olympiastadion zum Start an der Ackermannstraße sind es gut 1500 Meter. Ich nutze den Weg, um mich locker einzutraben. Der Start ist in zwei Startblöcke unterteilt, Block A – bis 3:45h und Block B – ab 3:45h. Die Entfernung zwischen beiden Blöcken sind gute 300 Meter. Vom Block B aus kann man den Start noch nicht mal sehen. Ich bleibe trotzdem hier. Das unbeschreibliche Erlebnis, von 5000 Läufern überholt zu werden möchte ich mir ersparen. Ich halte Ausschau nach den 4:00h  Pace-Läufern. Ich entdecke eine ältere Dame mit großem gelbem Ballon, auf dem mit Edding eine 4:00 geschrieben steht. Ich pirsche mich an die Dame ran, die schon von einer Läufertraube umringt ist.  Bereitwillig gibt sie auf alle Fragen Auskunft. Die Frau ist bereits über 60 Marathons gelaufen. Sie erzählt, dass sie einen konstanten Schnitt von 5:40 laufen will, und dass sie bei jeder Wasserstelle etwas trinken wird.

Etwas entfernt sehe ich noch einen weiteren  4:00h Pace-Läufer mit gelbem Luftballon. Ein junger Kerl, auf seinen Laufsocken steht allerdings 3:45. Ich frage Ihn ob seine Socken vorgehen, oder ob er tatsächlich der 3:45h Läufer ist. Er erklärt mir, dass er heute früh seine 4:00 Socken nicht gefunden hat. Die 3:45 sind noch vom letzten Wochenende da war er Paceläufer in Köln.

-Zwei Marathons innerhalb einer Woche, der ist ja total irre-

Man unterhält sich nett, er möchte auf der ersten Hälfte einen kleinen Puffer rauslaufen, weil er unterwegs mindestens einmal in die Büsche muss. Ab km 37 möchte er dann das Tempo rausnehmen. Aha, denke ich. „Pufferrauslaufen“ wollte ich eigentlich nicht. Daher beschließe ich eingerahmt von den Paceläufern zu laufen.

Amüsiert beobachte ich noch, wie ein älterer Herr, eine Rolle Papier, groß wie eine Tapete, an seinem Armgelenk zu befestigen versucht. Seine Kilometerzeiten (Font 14), klärt er mich auf, und zwar alle 42. Ich hingegen, habe mir auf der Marathonmesse am Asics Stand ein kleines Sub4  Armbändchen ausdrucken lassen, das reicht mir vollkommen.

Um 10:00 Uhr wird der Startblock A von den Feldmochinger Böllerschützen auf die Strecke geschickt. Der Startblock B wird 10 Minuten später gestartet. Beim aufrücken falle ich etwas hinter die Paceläufer zurück, da ich feststelle, dass mein Schuh etwas zu locker sitzt und ich nachzurren muss.

-Peng-  bzw. –Böller-

Foto: René Rosin/München

Foto: René Rosin/München

Jetzt geht’s auch für mich los. Im anfänglichen Gewimmel versuche ich erstmal nicht zu stolpern, und versuche von Anfang an, mein Tempo von ca. 5:40 zu halten. Bei km 2 habe ich bereits die 4:00h Paceläuferin wieder eingeholt und gehe an Ihr vorbei. Weit vor mir sehe ich den Ballon des „Pieslers“. So, in dem Korridor möchte ich die nächsten 40 km verbringen, das wäre perfekt.

Die ersten Kilometer laufen gut, ich bin natürlich wieder ein bisschen schnell, die Euphorie treibt einen voran. Nach 5 km  kommt auf der Leopoldstraße schon die erste Wasserstelle. Diese lasse ich noch aus, bei der nächsten wird getestet  ob das mit meinem Strohhalm klappt. Ich bin erstaunt wie schnell die Kilometerschilder aufeinander folgen. Schnell habe ich die nächste Verpflegungsstelle erreicht. Ich schnappe mir einen Becher vom Tisch, ziehe den Strohhalm aus dem  Armband und fixiere den Halm mit einem Finger im Becher.  Ohne Problem kann ich während dem Laufen trinken. Das Seitenstechen bleibt aus. Prima!

Mittlerweile bin ich im Englischen Garten angekommen, es läuft gut. Die Strecke schlängelt sich auf einem  schmalen Weg ca. 7 km durch Münchens beliebtesten Park, ich bin ein Grasnabenläufer und komme so ohne große Überholmanöver gut durch den Park. Ich laufe eine ganze Zeit  gleichauf mit zwei jungen Frauen, die sich fortwährend unterhalten. Unglaublich was die sich alles zu erzählen haben. Ein Mann nestelt an seiner Startnummer rum und studiert die auf der Rückseite abgedruckte Karte.

„Na, haben wir uns verlaufen?“ frage ich.

„ Ne, wir sind wohl Richtig, aber meine Frau steht mit dem Spezialgetränk an der falschen Stelle.“

„Na, die wird sich wundern, dass da heute überhaupt keiner vorbei kommt“

Nachdem man den Park verlassen und die Isar überquert hat, kommt bei km 16 die einzig nennenswerte Steigung. Ich kann meinen Schnitt auf dem „Bergkilometer“ jedoch halten und nehme bei km 17 mein erstes High5 Trinkgel (zwei hatte ich noch). Passend zur meiner ersten Mahlzeit wird dazu am Straßenrand von einer Familie Weißbier in Bechern angeboten. Mich würde interessieren wer da zulangt. Glühwein würde bei den Temperaturen vielleicht besser ankommen.

Es  nähert sich die HM Marke, ich blicke auf mein Armband, noch liege ich gut im Soll. Aber seit km 20 verspüre ich ein leichtes Zwicken in der rechten Wade. Ich versuche zunächst den Schmerz zu ignorieren, und versuche etwas lockerer und langsamer zu laufen, die letzten 6 km bin ich jeweils unter 5:30 gelaufen, das ist ohnehin viel zu schnell, wenn ich ankommen möchte.

Ich nehme nun an jeder Verpflegungstelle Wasser zu mir.  Die Strecke ist von km 21 – 28 ziemlich ätzend, es geht durch Gewerbegebiet und langweilige Wohngebiete. Erst ab dem Rosenheimer Platz wird die Strecke wieder interessanter, und auch die Zuschauer am Straßenrand werden wieder mehr.

Meine Wade zwickt noch immer, langsam mache ich mir sorgen, es sind noch gut 14 km. Die Schmerzen lassen sich nun auch nicht mehr ignorieren, gut dass jetzt der Schöne Teil des Marathons beginnt.

Foto: René Rosin/München

Foto: René Rosin/München

Es geht über die Isar, am Deutschen Museum vorbei zum Isar Tor, durchs Tal, über den Marienplatz, am Rindermarkt entlang zum Sendlinger Tor und wieder zurück zum Marienplatz. Die Stimmung puscht mich auf unglaubliche 5:06 auf meinem zweiunddreißigsten Kilometer. Es geht weiter durch ein Spalier an Zuschauern an der Feldherrenhalle vorbei über den Odeonsplatz auf die Leopoldstraße, dem Olympiastadion entgegen.

Bei km32 zweigt die Strecke allerding nochmals von der Leopoldstraße zu einer 5 km Schleife durch die Maxvorstadt ab. Es geht vorbei an Pinakothek, Uni, Karolinenplatz und über den Königsplatz.

Foto: René Rosin/München

Foto: René Rosin/München

Kurz nach dem Königsplatz ist der 35km geschafft. Ab nun betrete ich Neuland. Ich bin zuvor nie weiter gelaufen. Ich rechne nun minütlich mit dem Hammer-Mann. Irgendwann muss er ja kommen. Aber noch geht es mir gut. –erstaunlich-

Es geht zurück auf die Leopoldstraße, am Siegestor vorbei. Wie ich von der Leopoldstraße in die Franz-Josefstraße abbiege, bietet sich mir ein Anblick der Erschöpfung. Hier muss  gerade  der Mann mit dem Hammer durchgekommen sein. Und er hat ganze Arbeit geleistet, die Zahl der Fußgänger hat massiv zugenommen und am Straßenrand sitzen erschöpfte Läufer. Die Zuschauer werden weniger, von hier aus hat man nun einsame 4 Kilometer Richtung Stadion vor sich.

Foto: René Rosin/München

Foto: René Rosin/München

So langsam setzt auch mir die Strecke zu, wäre ja auch gelacht gewesen. Ich werde langsamer,  ich schiele auf die Uhr, habe ich da eine 6:xx gesehen? Ahh, wird das jetzt doch noch knapp? Die Sekunden verrinnen, und die Wade schmerzt.

Es kommt die letzte Verpflegungsstelle, ich nehme nochmals ein Becher Iso zu mir. Die Verkehrsinsel die hier mitten in der Straße rumsteht stellt mit seinem hohen Bordstein ein wirkliches Hindernis dar, vielleicht sollte ich doch lieber drum rum laufen. Noch gut zwei Kilometer dann habe ich es geschafft.  Ich biege in die Ackermannstraße ein, von dort bin ich vor gut vier Stunden gestartet, dann geht es in den Olympiapark. Hier kenn ich mich aus. Ich bin daheim, ich bring das Ding jetzt nachhause, ich verspüre den zweiten Atem, oder ist es gar der Dritte? 1200 Meter vor dem Ziel  mobilisiere ich all meine Reserven, Zeit die –timekiller-Rakete zu zünden. Ich ziehe fast leichtfüßig an wankenden Gehern  vorbei.    Durch das Marathontor geht es in das Olympiastadion. Hier ist lächeln für die Fotografen angesagt, dann geht es zur Schlussrunde auf die Tartanbahn. Ich habe schon schnellere Zielsprints hingelegt, aber nach 42 km sind keine Wunder mehr zu erwarten. Die Muskeln sind absolut leergesaugt. Ich spüre wie die Waden kurz vorm krampfen sind, schneller geht nicht mehr, jetzt kann ich nur noch Haltungspunkte sammeln, auf die letzten 50 Meter ist Tribühnenschritt angesagt.

-ZIEL-

-3:57:51-

Unfassbar, ich habe es geschafft,  ich bin angekommen, ohne Gehpausen, und dann auch noch unter vier Stunden !!!

Kullert mir da gerade eine Träne über die Wange? Kommt wahrscheinlich von der schmerzenden Wade. Wenn mich jetzt jemand anspricht wimmere ich los wie Sebastian Vettel bei seinem ersten WM Sieg 2010.

Ich gehe Richtung Erdinger Weißbierstand, und lass mir feierlich meine Medaille umhängen.

Foto: René Rosin/München

Foto: René Rosin/München

Mit zwei Weißbier und einer Plastikfolie suche ich mir ein freies Plätzchen auf dem Rasen. Schon beim hinsetzen ahne ich, dass ich sehr lange brauchen werde bis ich hier wieder hochkomme.

Ich liege auf dem Rasen und bin einfach nur G-L-Ü-C-K-L-I-C-H.

Es scheint zwar die Sonne aber nach einiger Zeit fange ich an zu frieren.  Jetzt muss ich nur noch die verflucht steile Stadiontreppe hoch zur Kleiderbeutelausgabe kommen, aber jetzt habe ich ja Zeit.

Erstaunlicherweise bin ich gleich 43km gelaufen 😉

Ja, enttäuschend, ist mein Oktober WIKIO Ranking. Platz 30! und das bei stetig zunehmenden Zugriffszahlen, pah!…

Vielleicht muss ich doch noch mit Twitter und Co anfangen, sonst wir das nix mit meiner Laufkolumne bei Runner’s World 😉

So, und nun zu meinem Marathon 😀 😀 😀  .

Die Nachricht hat ja schon die Runde gemacht… Ja, die 3 steht, ich habe den Münchenmarathon in3:57:51 gefinisht! Jeah !!!  Ich muss mich hier allerdings auf die Mails meiner Leser verlassen, da ich selbst noch nicht bis zur Ergebnisseite durchgedrungen bin, der Server scheint jetzt vor dem „Tatort“ wohl etwas überlastet zu sein.

Erste Glückwunschmails und Kommentare sind bei mir bereits 14:16 eingegangen, da lag ich noch pumpend auf dem Rasen des Olympiastadions, und stellte mir ernsthaft die Frage wie ich nach meinen zwei Weissbieren die verflucht steile Stadiontreppe hochkommen soll.

Einen ausführlichen Bericht gibts dann vorraussichtlich ab mitte der Woche.

Euer -timekiller-

Wie weit würde ich gehen? Die Frage stellte ich mir gestern Abend, als ich einen Beitrag im ZDF über Doping im Breitensport gesehen habe. Und vor allem wo fängt das Doping an? Im Grunde ist ja auch schon das hören von Musik während eines Wettkampfes eine Leistungssteigerung, und ist daher im Profibereich verboten.

Ich denke gegen eine Dose RedBull vor dem Start ist sicherlich nichts zu sagen, aber ich finde es hört bei sämtlichen Medikamenten wie Aspirin, Asthmaspray, und so Zeugs auf.

Ich möchte hier jetzt aber keine Diskussion über (erlaubtes) Doping vom Zaun brechen, denn ich denke meine Leser sind eh vernünftige Sportler. Ich wollte Euch nur auf den Link zur ZDF – Mediathek hineisen, für alle, die sich für das Thema interessieren und den Beitrag verpasst haben.

ZDF Zoom – 5.10.2011 – Die tägliche Dröhnung

Mein  Jahresereignis wirft seine Schatten voraus, ich bin schon total nervös und stelle jede Menge Überlegungen an.

Soll ich mit Trinkrucksack laufen, oder lieber doch nicht?

Wenn nein, wo packe ich all meine Gels hin? Wenn man den Angaben der Hersteller glauben darf, sollte man pro Stunde 3 Gels verzehren. Bei einer prognostizierten Zielzeit von über 4 Stunden wären das ja dann 12! Gels. Naja, vielleicht etwas viel, da braucht man ja einen Patronengurt.

-Ah, gute Idee-

Als alter Triathlet (hüstel) laufe ich ohnehin mit Startnummernband, (hauptsächlich aber deshalb, weil ich es Leid bin mir mit den Sicherheitsnadeln beim Befestigen der Nummer in den Bauch zu piksen). An den Gurt  könnte ich mir ja Laschen für die Gels dran nähen lassen. Zwölf Gels werde ich da nicht unterbringen, dazu müsste ich bis Sonntag noch etwas an Umfang zulege. Aber ich denke sechs Gels sollten auch langen.

Oder doch lieber mit Trinkrucksack laufen?  Dann quetsche ich die  Gels in die dazugehörige Tasche. Der Trinkrucksack hat zudem den entscheidenden Vorteil, dass ich während dem Laufen trinken kann, egal wann und wo (so lange eben was da ist).

Denn ich habe ein Problem, ich kann beim Laufen bzw. Gehen nicht aus Bechern trinken. Ich habe es oft versucht, das endet meist damit, dass ich anschließend mit Seitenstechen zu kämpfen habe und japsend am Wegesrand stehe. Daher bin ich bei Volksläufen dazu übergangen, weder beim 10km noch bei einem HM überhaupt etwas zu trinken. Beim MT werde ich aber unterwegs etwas zu mir nehmen müssen, da hilft nix. Bei meinen langen Läufen hatte ich mit dem Camelbac bisher noch keine Schwierigkeiten, auch wenn man an dem Schlauch ganz gehörig saugen muss.

Auf der anderen Seite, über 40 km einen „Höcker“ mitzuschleppen törnt mich jetzt auch nicht gerade an. Da ich jetzt nicht über ein Versorgungsteam verfüge, das mich während des MTs begleitet, und mir Trinkflaschen mit Nuckel reichen kann, muss ich mir wohl was anderes einfallen lassen.

Als Laufzubehör gibt es ja auch Trinkgurte mit zugehörigen kleinen Nuckelfläschchen, aber das Gebommel im Hüftbereich würde mich wahrscheinlich wahnsinnig machen, da kann ich ja dann auch gleich mit Trinkrucksack laufen, das wäre dann sogar angenehmer.

Die kleinste Form eines Trinkutensils wäre ein Trinkhalm, dafür sollte ich an meinem Gurt ja noch Platz haben. Oder noch viel besser an meinem Armgelenk Schlüsseltäschchen (da kommen  die GelChips  und Traubenzucker rein). –Hm!-

Jetzt habe ich  meine Frau solange genervt, bis sie mir tatsächlich entsprechende Laschen an mein Startnummernband und mein Gelenktäschchen genäht hat.

Das ganze musste natürlich noch getestet werden, nicht dass ich am Sonntag bereits kurz nach dem Start meinen gesamten Proviant verliere, und ich dann mit leeren Speichern da stehe.

Also bin ich am Samstag zu meinem letzen langen Lauf mit voller Wettkampfausrüstung angetreten.

Startnummernband mit Gel bestückt, ( Startnummer habe ich weggelassen), und mein Armtäschchen mit Trinkhalm.

So bin ich mit der U-Bahn in den Englischen Garten gefahren, und bin von dort nördlich durch die Isarauen Richtung Garching und zurück gelaufen. Die Strecke ist wunderschön, wobei, bei dem Wetter wäre selbst ein Lauf durch ein Industrierevier wunderschön gewesen, oder?

Über den Lauf an sich möchte ich den Mantel des Schweigens legen, als vergeigte Generalprobe war er sicher ein wertvoller Beitrag zu meiner Marathonvorbereitung. Das lag jedoch hauptsächlich daran, dass ich bereits hungrig loszog, und sich das Hungergefühl während der nächsten zweieinhalb Stunden auch nicht von Traubenzucker und Co in seine Schranken weisen lies. Der „Mann mit dem Hammer“ saß also schon gemeinsam mit mir in der U-Bahn, und hat mich anschließend bei meinem Lauf begleitet, um dann ab km 18 ordentlich mit dem Hammer zu schwingen.

So ein Training auf dem Hungerast, mag wertvoll sein, macht aber keinen Spaß.

Ja, ich weiß, ich muss meine Trainings besser vorbereiten, aber da ich am gesamten Wochenende (+Feiertag) arbeiten musste, hatte ich nur ein kleines Zeitfenster in dem ich überhaupt laufen konnte, da konnte ich mich nicht auch noch mit der rechtzeitigen Nahrungsaufnahme befassen.

Als Fazit muss ich sagen, dass meine Gels in den Schlaufen gut gehalten haben, und auch die Handhabung des Trinkhalms während des Laufens gut geklappt hat. Auch wenn ich das Trinken mit Halm aus einem Becher nicht testen konnte, so bin ich zuversichtlich, dass ich das hinbekomme.

Und sonst? Was bleibt für diese Woche? Noch 2 lockere Läufe, und dazwischen ordentlich Carboloading….

Ja, ich habe es getan. Ich habe meinen 35er Lauf absolviert. Und, Ja, es hat weh getan.

Da meine Frau  fürs  Wochenende mit einem romantischen Wochenende in den Bergen gedroht hatte, musste ich mir natürlich was einfallen lassen, sonst wäre das nix mehr geworden mit meinen langen Läufen.

So fügte es sich ganz günstig, dass am  Donnerstag meine Arbeit geschlossen auf die Wies’n ging. Da ich dieses Jahr all meine Wiesn Besäufnisse abgesagt habe, kniff ich auch hier. Das bedeutete aber, ich hatte einen freien Nachmittag.

Also habe ich meine Laufsachen schon mit in die Arbeit genommen und bin dann mit der S-Bahn direkt nach Feldafing am Starnberger See gefahren, von dort aus sollte es dann wieder nachhause gehen. Die Strecke von Starnberg nach München, war ich ja jetzt schon zweimal gelaufen, das sind ca. 30 km. Da es diesmal etwas länger sein sollte bin ich einfach mit der S-Bahn zwei Stationen weiter gefahren. Auf dem Radweg wollte ich dann zunächst zurück nach Starnberg und dann von dort auf gewohnten Pfad zurück zur Homebase.

Jetzt gibt es aber keinen Radweg vom Feldafing nach Starnberg, jedenfalls keinen, der den Namen verdient hätte. So musste ich an der Straße entlang, zunächst nach Possenhofen und dann über Niederpöcking weiter nach Starnberg. Entsprechend schnell bin ich die „Straßenabschnitte“ gelaufen, naja, noch bin ich ja frisch. In Starnberg standen bereits 8 km auf dem Tacho,

– hm, vielleicht doch ein bisschen weit raus gefahren-.

Ich  folgte der Beschilderung des Radweges nach Gauting. Aber da muss es wohl mehrere Wegvariationen nach Gauting geben, schließlich landete ich nicht auf dem bekannten Weg entlang der Würm sondern irgendwo anders. „Ist ja egal“ dachte ich, Hauptsache ich komme nach Gauting, und etwas Abwechslung ist ja auch nicht schlecht.  So führte mich der Weg beispielsweise auch über den Golfplatz  „Gut Rieden“.

Rechts und links akkurat gemähtes grün. Den Impuls barfuß über das Green zu laufen unterdrückte ich schnell wieder , irgendwie war mir etwas unwohl dort durch die Anlage zu laufen, und die Bälle sausen durch die Luft…

-Wenn ich ein Golfball ans Hirn bekomme, dann haue ich euch aber die Karos aus Euren albernen Hosen-.

Also legte ich einen Zahn zu, und schaute, dass ich wieder in den schützenden Wald komme.

Der Weg führte mich völlig alleine durchs Gehölz, bis ich wieder an einer Straße stand. Von  hier ging es wieder an der Straße entlang, na super. Die nächste Ortschaft in die ich komme ist „Königswiesen“. Netter Name, aber wo ist Gauting? Zumindest zählt Königswiesen zur Gemeinde Gauting, also kann ich nicht ganz verkehrt sein.  Ich folge wieder einem Radweg, der mich direkt in einen dichten Tannenwald führt. Plötzlich ist der Weg zwecks Baumfällarbeiten gesperrt. Also schlage ich mich ins Unterholz und versuche irgendwie die Richtung zu halten.   Über einen schmalen Pfad gelange ich in eine Ortschaft, vermutlich Gauting. Eine ältere Fußgängerin frage ich, wo ich gelandet bin. Ohne zu antworten  fragt sie, von wo ich den herkomme. Ist die Antwort abhängig von meinem Ausgangsort?  Ich sage wahrheitsgemäß „Feldafing“ woraufhin ich nur ein Kopfschütteln ernte. „Ja mei, wo wollns denn hi“? Nach Pasing antworte ich schüchtern.  „Ja mei, do sinds ja total falsch, mir san ja hier in Gauting“

OK, die Antwort reicht mir, ich lasse die Frau verdutzt stehen und versuche mich in Richtung der gefühlten Ortsmitte durchzuschlagen, von dort kenne ich mich dann wieder aus.  Mittlerweile stehen 19km auf der Uhr. Von Gauting sind es jetzt noch 20km nach Hause. Uiuiui, das wird jetzt aber wirklich eine lange Runde. Naja, vielleicht lasse ich mich ja in Pasing oder so abholen.  Ich ziehe weiter Richtung Pasing. Zeit mal ein Gel zu testen. „Fruit Gel (Red Fruit Punch)“ von Powerbar.

Igitt!!!

Das Zeugs ist dermaßen süß, dass es mich spontan würgt. Schnell spüle ich den Kleister mit einem ordentlichen Schluck aus dem Camelbak runter. Also, ein PowerGel  kommt in zwei Wochen nicht an den Start, soviel ist sicher.

Ab km 25 komme ich langsam ins Grübeln ob mein Vorhaben nicht doch etwas zu ambitioniert ist, schließlich habe ich ja erst vor vier Tagen einen flotten marsch um den Tegernsee absolviert, und gestern bin ich ja auch schon wieder 9km gelaufen.

Bei km 28 stelle ich die gesamte Lauferei in Frage, aber da bin ich ja nicht der erste, der in diesem Zustand auf diesen Gedanken kommt.

Bei km 29 denke ich nur noch an km 30. Von nun an ist jeder Schritt ein Sieg. Niemals zuvor bin ich weiter gelaufen. Ich genieße das Gefühl.

Bei km31 ist die Euphorie verflogen. Ich mache mir Sorgen um den Zustand meiner Knie. In Pasing muss ich durch eine Unterführung, das leichte Gefälle lässt meine Knie besorgniserregend wackeln, gleich haut‘s mir die Patella raus. Na, wenn das Gelenk zu Bruch geht, kann ich‘s ja mit dem letzten PowerBar Gel wieder zusammen kleben, das hält sicherlich.

Ab km 32 erwäge ich, mich von meiner Frau abholen zu lassen, bei km 33 fällt mir allerdings ein, dass heute Elternabend in der Schule ist, und ich schon zu spät dran bin. Ab km 34 gehe ich mögliche alternative Taxifahrer durch, doch die sitzen alle auf der Wiesn, und sind jetzt sicherlich nicht mehr fahrtauglich.

Bei km35 kommt die Erlösung in Form einer Bushaltestelle der Linie 162  zum Moossacher Bahnhof. Von dort sind es nur noch zwei U-Bahnstationen zur Dusche. Ich kann der Verlockung nicht widerstehen und warte auf den Bus. Es wären jetzt noch gut 6-7 km bis nachhause, aber MT will ich ja erst in zwei Wochen laufen. Heute sollen mir die 35 km in 3:32h reichen.

Während ich auf den Bus warte leere ich mein Camelbak. Hätte ich geahnt wie lange der Bus bis zum Bahnhof braucht, hätte ich mir das letze Wasser vielleicht etwas besser eingeteilt. Der Bus gondelt eine geschlagene halbe Stunde durch mir bis dahin völlig unbekannte Stadtteile.

–ich will nachhause, ich habe Durst-

Das Camelbak gibt nichts mehr her, egal wie stark ich am Mundstück sauge, es röchelt nur noch.

Ich bin so fertig, ich kann nicht mal mehr schwitzen. Weshalb kribbeln eigentlich mein Finger so? Hyperventiliere ich etwa?

Nach einer gefühlten Ewigkeit komme ich endlich am Moossacher S-Bahnhof an. Nach der halben Stunde Busfahrt haben sich meine Beine von Hochleistungssportgeräten  zu  wabbeligen Gummischläuchen gewandelt. Die Rolltreppe zur U-Bahn fährt natürlich wieder in die falsche Richtung.

-könnte mir hier mal jemand die Treppe runter helfen?-

Endlich zuhause, nehme ich das alkoholfreie Weißbier direkt mit unter die Dusche.  In zwei Wochen stelle ich dann wohl noch einen Hocker in die Dusche.

Meine MT Vorbereitung steht derzeit unter keinem guten Stern. Da ich bei den letzten langen Einheiten etwas geschlampt habe, bzw. diese abgebrochen habe, gab es nicht gerade Lob für meine Leistungen. Also wurde Besserung gelobt, und bis zum MT Termin am 9.10. sollten zumindest noch ein oder zwei lange Einheiten eingebaut werden. Letztes Wochenende wäre ideal für einen langen Lauf gewesen, allerdings hatte ich mich noch im August für den Tegernsee Halbmarathon angemeldet. Damals dachte ich, das wäre eine gute Idee, nun stört der Lauf eher, da ich besser 30+ laufen sollte. Aber angemeldet ist angemeldet, dann wird auch gelaufen. SuperMario mein Personal Trainer riet dazu, den Lauf als Tempoeinheit zu verbuchen, und stellte mal eine Zielzeit von 1:45 – 1:50 in den Raum.

Öhha. Das ist mal eine Ansage. Ich hatte bisher das  Gefühl, dass ich durch die MT Vorbereitung etwas an Schnelligkeit eingebüßt habe. Aber gut, dann wollen wir mal sehen, ob ich das Ergebnis vom Münchner Stadtlauf im Juni toppen, bzw. bestätigen kann. Damals konnte ich als PB eine 1:46:37 ins Ziel bringen.

Aber, ob das am Tegernsee gelingt? Ich weiß nicht! Vor zwei Jahren bin ich während des Tegernseelaufes böse eingegangen. Die Strecke um den Tegernsee hat das tückische, dass die ersten 16 km relativ flach sind, es sogar bis km 11 stetig abfällt, aber bei einem Rundkurs muss man irgendwann die Höhenmeter wieder gutmachen, und das ausgerechnet auf den letzen 4km. Da brennen die Schenkel! 2009 konnte ich auf den ersten  10 km sogar meine persönliche PB für 10km unterbieten, um daraufhin mental und konditionell komplett auseinanderzubrechen, denn schließlich hatte ich ja noch mehr als die Hälfte vor mir. Als dann ab Bad Wiessee die Steigungen kamen, war‘s dann vorbei. Ich beendete den Lauf in jämmerlichen 2:04h.  Da ist also noch eine Rechnung offen, die beglichen werden will.

Man wollte es mir aber nicht zu leicht machen, daher erhielt ich vor dem Lauf noch eine Lektion in „Stärke Dein Willen durch Enthaltsamkeit“

Meine Familie, die während meiner Marathonvorbereitung,  hinter mir steht wie ein, hm, ein  wackliges Kartenhaus, hat sich was Nettes ausgedacht, und hat kurzerhand anlässlich des Wiesnanstichs ein Weißwurstfrühstück organisiert. OK, es war zudem noch mein Geburtstag, aber den wollte ich dieses Jahr eigentlich ausfallen lassen (so wie jedes Jahr).

Wie ich also Samstags von meiner Vormittagsrunde zurück kehre, ist schon das halbe Haus voller Gäste. Als Geschenke haben sie Bierspezialitäten wie bsp. das Alpirsbacher Klosterbräu, oder die „Giesinger Erhellung“ mitgebracht. Ui, Prima, das wird jetzt ganz hart. Aus meinem früheren Leben, als man mich noch –bierkiller- nannte,  weiß ich noch wie lecker das schmeckt und wie so ein Brunch ausgehen kann…

Aber ich wäre nicht der –timekiller- könnte ich solch einer Versuchung nicht widerstehn. Aber es war wirklich hart. Ich kann die nächsten Wochen kein alkoholfreies Weissbier mehr sehen, denn meine Freunde zeigten wirklich Ausdauer, den letzten habe ich um 23:30 Uhr verabschiedet.  Gerade noch Zeit genug, den Wetterbericht zu checken um dann die Laufsachen für Sonntag zu packen, und dann ab ins Bett.

Sonntag früh,  6:45 Uhr,  der Wecker bimmelt.

Ich stöhne, die Frau grunzt und wirft mich aus dem Bett. Der Blick nach draußen bestätigt den Wetterbericht des Vorabends. Trübe, es tröpfelt… Ich ignoriere die dunklen Wolken und sage mir“ das hält“. Kurz vor acht verlasse ich das Haus nachdem ich unserer röchelnden Kaffemaschine eine Tasse Kaffee abgerungen habe. Zu essen gab es ein Stück Schwarzwälder Kirschtorte. Ist jetzt nicht gerade ein Läuferfrühstück, aber  bei  kulinarischen Leckerbissen in unserem Hause muss man sich ranhalten…

Um 8:10 fuhr die BOB (Bayerische Oberland Bahn) vom Münchner Hbf nach Tegernsee.  Der Zug ist gut gefüllt mit Läufern, die Wanderer bleiben bei dem Wetter lieber zu Hause, so ist man unter sich.  Viertel nach Neun ist der Zug bereits in Gmund.  Also noch genug Zeit die Tasche mit den Wechselklamotten abzugeben, und sich mit gleichgesinnten zu unterhalten. Noch hält das Wetter, also wird die Regenjacke mit abgegeben.  Zur Sicherheit habe ich aber noch das Modell Müllsack einstecken, das ich mir mal vorsorglich unter den Arm klemme.

Pünktlich zum Einlaufen setzt Sprühregen ein, ich stülpe mir den Müllsack über und laufe locker ca. 3km bevor ich mich dann in die Startaufstellung begebe. Startblöcke kann ich keine erkennen, ich sortiere mich ein gutes Stück von der Startlinie entfernt ein, und warte auf den Startschuss. Der Regen hat wieder aufgehört, daher ziehe ich den Sack wieder aus, und binde  mir den Sack um den Bauch, wer weiß ob man den nochmal braucht.

Pünktlich um 10:30 erfolgt der Start.

Sowohl die 5km, 10km und HM-Läufer begeben sich zeitgleich auf die Strecke, dementsprechend ist das Gewühl nach dem Start. Da die komplette Bundesstraße nach Rottach-Egern jedoch gesperrt ist, hat das Läuferfeld  genug Raum und es kommt zu keinerlei Behinderungen.

Da ich bei meinem letzen Tegernseelauf  zu schnell angegangen war, achtete ich diesmal  schon ab dem ersten Kilometer darauf nicht zu schnell zu werden. Ich wollte so zwischen 5:05 und 5:10 laufen, was mir auch erstaunlich gut gelang.  Die Zwischenzeitenmatte (beim km 10?) überquerte ich trotzdem  bei  52:30 min, Hä???  Wie geht das denn, das ist ja ein Schnitt von 5:15? Hm, PB wird das aber nicht mehr, mal sehen, ob ich auf der zweiten Hälfte noch eine Schippe drauf packen kann. Ich checke die Systeme und bekomme nur positive Rückmeldungen.

Füße: OK;

Schienbein: OK;

Schenkel: OK;

Kondition: OK.

Alles Gut, bis auf das Wetter, denn es hat wieder angefangen zu regnen, aus dem anfänglichen Tröpfeln ist ein Dauerregen geworden. Anfangs versuchte ich noch die Pfützen zu umkurven. Als dann das Wasser in Strömen über die Straße läuft unterlasse ich meinen Regentanz und platsche geradewegs durch die Pfützen. Das Laufshirt hat sich auch schon komplett mit Wasser vollgesogen.

Ich hab zwar noch den Müllsack wie eine Schärpe  um den Bauch geschlungen, werde mir jetzt aber nicht die Blöße geben mir den Sack noch überzustülpen. Arg viel nässer kann ich jetzt sowieso  nicht mehr werden. Der Plastikgürtel sieht zwar doof aus, hat aber einen entscheidenden Vorteil. Der Bauch ist warm, und das ist nicht unangenehm bei dem Wetter.

Ab Bad Wiessee geht es dann ans Eingemachte, die Steigungen beginnen. Ich habe aber noch genug Butter auf der Stulle und verkrafte die erste Steigung recht gut, das letze mal ist mir das viel steiler vorgekommen. Bei Kilometer 19 fällt die Strecke nochmal ab,  diesmal nutze ich das Gefälle und kann sogar eine 4:20 auf den Kilometer verbuchen. Ich nehme den Schwung für den nächsten nicht enden wollenden Anstieg mit und kämpfe mich nach oben. Km 20, gleich geschafft, jetzt will ich es wissen und zünde die –timekiller- Rakete. Trotz Regen zündet diese sofort und ich gebe auf den letzten Kilometer nochmal so richtig Gas. Begünstigt vom Gefälle zum Ziel hin stürme ich mit einer 3:er Pace durchs Ziel.

-1:46:32-

Na, das hat ja dann doch noch gereicht, sind zwar nur 5 Sekunden, aber die PB vom Stadtlauf habe ich damit bestätigt, bzw. leicht unterboten.

Und das Beste ist. Ich fühle mich gut, ich hätte noch Kraft (und Lust) weiter zu laufen, wieweit wissen allerdings nur die Laufgötter.

Samstag 10.9. Es steht ein langer Lauf an. 30 – 35 km sollen es werden. Lust habe ich keine. Das Wetter ist für dieses Vorhaben denkbar ungünstig. Um 16:30 Uhr hat es immer noch 29°C, aber ich muss los, sonst wird’s dunkel und ich stolpere dann irgendwo im Dunklen durchs Unterholz.

Also wird der Trinkrucksack gepackt, 2 Gels, etwas Traubenzucker, und die Wasserblase noch in Alufolie eingewickelt, damit das ganze etwas länger kühl hält. So geht es los, mein Ziel?

Ich habe keine Ahnung.

Ich will mal ein paar Runden im Olympiapark machen und dann noch einen Abstecher in den Nymphenburger Schlosspark, bei 30 km kommt ja einiges an Strecke zusammen…

Wie ich in den Olypark komme stelle ich sehr schnell fest dass das was nicht in Ordnung ist…

Es wimmelt, und zwar rosa!

Es ist der „Reebok Women’s Run“, -Ahhhh!-

3500 Teilnehmerinnen sind dieses Jahr für die 5km und 8 km gemeldet. Männer wollen die da nur als Zuschauer haben, und selbst das wollen nur die wenigsten. Frau möchte unter sich sein… Aber weshalb dann manche Teilnehmerin Bunny-Öhrchen tragen wundert mich dann doch.

Also muss ich umdisponieren, ein Lauf im Olympiapark fällt heute flach, deshalb schwenke ich gleich mal in Richtung Norden ab, Richtung Moosacher Rangierbahnhof, von dort halte ich mich weiter nördlich und laufe weiter Richtung Feldmoching. Das Schloss Unterschleißheim soll mein nächstes Etappenziel sein. Das werden dann so ca. 12 Km sein. Und dann? Wieder zurück? Dann bin ich erst bei 24 km , es fehlen dann noch immer gut 10 km.

Komme ich überhaupt so weit. Ich weiß nicht was los ist, ich habe überhaupt keine Lust. Den ganzen Tag war ich schon ziemlich lustlos. Ich hatte angenommen, dass das Laufen bei mir die Lebensgeister weckt, aber Pustekuchen.

In Feldmoching komme ich an einer Parkbank vorbei, und wie ich mich versehe, sitze ich auf der Bank und überlege was ich hier überhaupt mache. Nicht dass ich nach den ersten 8 km erschöpft wäre, nein, der Kopf macht nicht mit. Ich gehe mental total am Stock. Allein die Vorstellung jetzt noch 22 km zu laufen erledigt mich total.

Nach ein paar Minuten habe ich wieder etwas Mut geschöpft, und widerstehe dem Impuls einfach umzudrehen, ich laufe weiter auf meiner Strecke Richtung Unterschleißheim.

Die Strecke ist halt auch nicht der Bringer, auf dem Radweg entlang der Straße ist’s ziemlich öde. Vielleicht bringt der Schlosspark mehr Abwechslung. Ich versuche mich gedanklich abzulenken, damit ich nicht jeden Leitpfosten zählen muss. Ich mache mir Gedanken über den Women’s Run bzw. über Volksläufe im Allgemeinen.

Was ist der Antrieb der Frauen, an einem reinen Frauenlauf teilzunehmen. Sind wir Männer wirklich so schlimm, dass man nicht mit uns zusammen laufen möchte. Sind wir Männer ausnahmslos vom Ehrgeiz zerfressene Sonderlinge? Sexistische Arschglotzer? Eigentlich kennt man das ja nur von Minderheiten, dass Sie sich zusammen tun, sich organisieren und um Anerkennung kämpfen. Ich denke da  Bsp. an den CSD, oder, Öh? Mir fällt gerade nix passendes ein. Na jedenfalls sind Frauen doch keine Minderheit, rein statistisch sind die Frauen ja in der Überzahl. Möchte ich an einem reinen Männer-Volkslauf teilnehmen? Wie würde der aussehen?  Nein, ich glaube da möchte ich  nicht Teilnehmen, wobei, momentan ist mein Gemütszustand einfach nicht dazu geeignet überhaupt irgendwo teilzunehmen.

Momentan hätte ich nicht mal lust mit einem Rudel schwedischer Beach Volleyballerinen zu laufen, bzw. hier im Schlosspark Unterschleißheim zwischen hübschen Blumenrabatten.

–Wääääh- ich will nach hause.

Ich verlasse den Park und begebe mich auf eine Runde um das Flugfeld der Flugwerft Schleißheim. Hier sind jede Menge Radler und Inline-Skater unterwegs, vereinzelt sieht man auch einen Läufer.

Am Korbinian Wäldchen komme ich an einem Schild vorbei, dessen Verlockung ich nicht widerstehen kann.

„U-Bahn Dülferstraße 2km“

Wenig später sitze ich in der U-Bahn und habe schlagartig ein schlechtes Gewissen. Ich habe aufgegeben! Weil ich keine Lust hatte, darf man das zulassen?

In der U-Bahn komme ich mir ziemlich fehlplatziert vor. Völlig durchgeschwitzt mit rotem Kopf, dazu noch mit Trinkrucksack… Ob ich beim Aussteigen humpeln, soll? Sonst könnte man ja denken, da hat einer seine Strecke nicht geschafft.

Am Scheidplatz muss ich die U-Bahn wechseln. Mittlerweile hat mein schlechtes Gewissen ganze Arbeit geleistet. Ich beschließe die letzten Kilometer wieder zu laufen. Durch den Luitpoldpark, entlang des Petueltunnels geht’s zurück zum Olympiapark, von dort auf gewohnten Pfaden zurück zur Home-Base. Um den Olympiapark kommen mir noch ein paar freudig strahlende  rosa Bunnys entgegen. Jedenfalls hatte die heute Ihren Spaß.

Da muss ich auch wieder hinkommen. Laufen soll doch Spaß machen, aber die langen Kanten liegen mir überhaupt nicht. Den letzen 30er habe ich auch auf 25km verkürzt. Heute bin ich nach 21 km und 2:15 Stunden wieder zuhause. Bin ich Glücklich? Nein, ich bin sauer.

Während meine Frau fitnesstechnisch im Urlaub über sich hinaus zu wachsen schien, hing ich eher durch.

Ich habe es immerhin auf 3 Einheiten pro Woche geschafft, dann allerdings nur jeweils 9 km, da die Bucht in der wir residierten  genau 4,5 km lang war, und es dann quasi senkrecht den Berg hoch ging.  Angestachelt von den „Renn-Hennen“, die sich temperaturbedingt, bereits um 7:00 Uhr vor unserer Taverne trafen, um dann laut gackernd davon zu wackeln, versuchte ich es auch mal unter dem Motto: „Der frühe Vogel fängt den Wurm.“ Allerdings scheine ich als früher Vogel nicht viel zu taugen, dann bevor ich nicht mein „Frühstücksei“ gelegt habe, ist mein Organismus zu nichts zu gebrauchen.

Meinen ersten Versuch habe ich dann auch gegen aller Vernunft um 7:30 Uhr gestartet.  Völlig nüchtern (essenstechnisch, jedenfalls) zog ich los.  Etwa ab der Hälfte der Strecke nahm dann auch meine Verdauung Ihren Dienst auf,  so dass ich es dann etwas eiliger zurück hatte.

Die nächste Trainingseinheit begann ich dann  mit zwei Tassen Kaffee und einem Besuch in der Nasszelle. Für das eigentliche Training wird es  dann halt etwas später und erheblich wärmer, da bereut man dann jedes Bier des Vorabends, und ich hatte viel zu bereuen.

Der Clou meiner Trainingseinheiten war aber zweifelsohne das anschließende Bad am Nacktbadestrand. –Ahhhhhh- (hier galt dann das Motto: der nackte Vogel sucht das Würmchen)

Und was gibt es neues von der Walkingfront?  Die Front steht, und ist durchaus experimentierfreudig. Da wir von unseren 14 Tagen, 10 Tage heftigen Wind (Meltemi) hatten, und der Luftwiderstand für eine der Protagonistinnen eine nicht unerhebliche Behinderung darstellt, verlegte man das Walking kurzerhand ins Wasser. „Aqua-Jogging“ war angesagt, und  so kreuzten allmorgendlich die Frauen vor der Küste Kretas. Gut dass es im Mittelmeer keine Walfänger gibt…

Die Retourkutsche für meine Frotzeleien, habe ich dann auf dem Rückflug erhalten…

Meine Frau angelte sich aus dem Illustriertenangebot des Ferien-Fliegers, ausgerechnet die September Ausgabe der „Fit for Fun“ mit dem Titelthema „Marathon ohne Training“*. Sie überfliegt den Artikel kurz und meint nur, „Weshalb stellst Du Dich eigentlich so an?“

Wie stehe ich denn jetzt da?

Danke „Fit for Fun“. Musste das sein?

— — —

*Auch wenn in dem Artikel ausdrücklich davor gewarnt wird, ein Marathon ohne Vorbereitung zu laufen, so haben doch zwei der vier Probanden den Marathon in einer beachtlichen Zeit von 3:51 und 4:01 geschafft.  Das ist doch demotivierend…

-menno-

Das ist so ungerecht… meine Frau ist fremdgegangen, und das schon am dritten Urlaubstag. Ich bin mit den Nerven völlig am Ende. Ich überlege den Urlaub sofort abzubrechen. Wie konnte das geschehen, wir waren doch so ein super Team. Sie hat mir den Rücken frei gehalten, während ich meine Trainingseinheiten abgewickelt habe, und jetzt? Alles aus! Wir sind bereits in dem Stadium, in dem um Besitz gestritten wird.

Wie konnte das passieren?

Gudrun, weiblicher Teil unserer übergewichtigen Urlaubsbekanntschaft, erzählte beim Abendessen stolz, dass Sie durch Umstellung der Ernährung und etwas mehr Sport im letzten halben Jahr 8 kg abgenommen hat. Da ich, bei der Auswahl der georderten Speisen, keine signifikante Ernährungsumstellung ausmachen konnte, fragte ich hinterlistig, was Sie denn mit mehr „Sport“ meine, natürlich nur in der Absicht gleich meine Mörderlaufgeschichten vom Stapel lassen zu können, mit denen ich bei meiner Familie ja so überhaupt nicht punkten kann.

„Walken!“ war die Antwort.

Die Antwort war ja vorhersehbar, jeder der ein BMI jenseits von 30 hat, sieht Walken als Sport an. Was nicht vorhersehbar war, ist, dass sich meine Frau in das Gespräch einklinkte und reges Interesse bekundete.

„Ja? – Acht Kilo? Wirklich mit Walken? Da habe ich auch schon von gehört, ist das nicht das mit den Stöcken? Uund wie geht das, erzähl mal…“

So nahm das Übel seinen Lauf…
Das Ende vom Lied war, dass meine Frau das nun auch ausprobieren wollte, und sich gleich am nächsten Morgen mit Gudrun zum Walken verabredet hatte. Als Ausrüstung mussten natürlich die Hightec Klamotten des Gatten herhalten. Walken mit Wanderausrüstung, geht ja gar nicht, das sieht so unsportlich aus.

Ich habe mir extra den Wecker gestellt um den Aufbruch der „Walküren“ nicht zu verpassen. Um den Mangel an Stöcken zu kompensieren entschied man sich umso heftiger mit den Armen zu wackeln. Und so ruderten sie dem Sonnenaufgang entgegen…

90 Minuten (!)  später kehrte „Adiposita“ mit meiner Frau im Schlepptau von seinem Power-Trip zurück, den Marsch durch das kleine Fischerörtchen nutzte man noch um eine Familienpackung Baklava fürs Carboloading beim Bäcker als Belohnung zu besorgen.

So, und nun kommt mein Part, wo ich durch beharrliches Stänkern versuche meine Frau auf den rechten Weg des Ausdauersports zu bringen…

Ob das gelingt?

Falls nicht, kennt jemand einen guten Anwalt? 😉