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Es geht nichts über eine gute Vorbereitung. Und da gehört nicht nur das Training dazu. Das musste ich letzten Samstag schmerzlich erfahren.  Am Samstag fand der Forstenrieder Volkslauf des Fürstenrieder Sport Clubs statt.  Das Wetter versprach ideal zu werden, und so freute ich mich die ganze Woche auf diesen Lauf quer durch den Forstenrieder Forst.

Mein Trainingszustand ist derzeit so lala, da meine rechte Wade noch immer ein bisserl rumzickt,  habe ich unter der Woche ein bisschen getapert und habe vor dem Lauf drei Ruhetage eingelegt.

Der Start für die 10km Distanz war auf 14:15 angesetzt, für mich eine ideale Zeit (eigentlich). Da ist genug Zeit die Tochter noch bei Freunden abzuliefern, da die Gattin zum „Eis essen“  nach Dubrovnik  geflogen ist.

Herrlich ein freier Samstagvormittag – Jetzt sollte man allerdings nicht den Fehler machen seine Mails zu checken, um festzustellen, dass in der Buchhaltung mal wieder das reine Chaos zu herrschen scheint.  So kommt es, dass der Vormittag wie nix verpufft, und der Termin für die angesetzte Abfahrt schon leicht überzogen wurde. Schließlich ist der Lauf diesmal nicht in der Nachbarschaft, sodaß ich das Auto bemühen muss, und bei einer Veranstaltung mit ca. 1500 Teilnehmern herrscht traditionell  Parkplatznot.   Zum Glück hatte ich schon am Vorabend meine Laufsachen zusammengelegt, und diesmal auch die Pulsuhr  und den Champions-Chip gleich in die Tasche gepackt.

So fahre ich nach Fürstenried zur Sportanlage an der Herterich Straße wo der Volkslauf in den letzten Jahren stattgefunden hat. Schon beim Parkplatz suchen, schwant mir, dass da was nicht stimmen kann.  Kein erhöhtes Verkehrsaufkommen rund um die Anlage, kein Park Chaos, keine Läufer zu Fuß?  -Da ist was faul-! Verdammt, in der Bestätigungsmail die ich in der Woche bekommen habe stand irgendwas, dass die Startnummernausgabe diesmal an anderer Stelle sei. Dass der komplette Lauf an einem anderen Ort stattfindet, damit hätte ich jetzt nicht gerechnet.

Na, das kommt davon, wenn man seine Mails nur überfliegt.  Hier ist der Start jedenfalls nicht. Ich gehe in die Vereinsgaststätte, um zu fragen wo denn dieses Jahr der Lauf stattfindet. Dort herrscht aber rege Aufregung, da 1860 gerade mit 2:0 gegen Cottbus auf der Großleinwand in Führung gegangen ist. Von einem Volkslauf weiß man dort nix. – Scheiße-

Meine Ortskenntnis in Fürstenried hält sich in Grenzen, ich habe keine Ahnung wo der Start stattdessen  sein könnte.  Handy mit Browserfunktion habe ich auch keines, da bin ich altmodisch. Ich brauche ein Handy mit langer Akkulaufzeit, mit den Smartphones muss man ja fast täglich an die Box, das ist nix für mich. Jetzt könnte ich so ein Dingens allerdings gut gebrauchen.

OK – , ich rufe meinen Spezi B. an, ein wahrer iPHONE Evangelist. Ich erwische ihn auf „Montage“ und er ist sichtlich genervt, sein Kunde hat übers Internet eine Küche bestellt, und jetzt  passt natürlich nix zusammen. Nach ca. 2 Minuten kann ich seine Unmutsäußerung unterbrechen und bitte Ihn um den Gefallen, mal im Internet nach zu sehen  wo mein Volkslauf los geht. Jetzt muss ich mir natürlich noch 5 Minuten einen Vortrag über die Vorzüge eines iPHONES anhören… dazwischen kommt die Info, die ich brauche… – ja, danke, ich rufe Dich nachher zurück-, ich muss mich beeilen, ich habe noch 30 Minuten zum Start, bzw. 15 Minuten um meine Startnummer abzuholen…

An neuer Wirkungsstätte  herrscht dann das befürchtete Park Chaos. Ich suche ewig einen freien Parkplatz in der umliegenden Wohngegend.  Ich sehe das  mal positiv, dass ich in ca. 2 km Entfernung schließlich ein Parkplatz finde, schließlich wollte ich mich ja auch noch warmlaufen. Um kurz vor 14:00 bin ich schließlich bei der Startnummernsaugabe, die bereits im Begriff ist einzupacken.

Vor lauter Hektik reiße ich mir dann noch  den halben Fingernagel  des rechten Mittelfingers ab, als ich versuche die Druckknöpfe meines Startnummernbandes zu lösen. -Argh- Der Nagel, oder das was davon übrig ist blutet, ich kann doch kein Blut sehen, jedenfalls nicht mein eigenes…

Also noch schnell bei den Kollegen der Bergwacht vorbei, und ein etwas dilettantischen Fingerkuppenverband abgeholt. –hoffentlich passiert bei der Veranstaltung nicht mehr- Na, die nächste Stunde wird’s schon halten.

So, und wohin jetzt mit dem Autoschlüssel? Da das Wetter so wunderbar ist, bin ich nur mit der kurzen Tight unterwegs, die hat allerdings nur ein Minitäschchen in Form eines Säckchens ohne Reißverschluss, da geht gerade mal mein kleiner Creative MP3 Player rein.  Mein Armband-Täschchen für diesen Zwecke (mit Traubenzucker) habe ich natürlich auf dem Rücksitz liegen lassen.

Ich habe keine Lust den Schlüssel  eine Stunde in der Hand zu halten, also stopfe ich Ihn zu dem MP3-Player ins Säckchen. Die Öffnung des Täschchens verschließe ich mit einer Sicherheitsnadel, und stopfe das ganze noch zur Sicherheit in meine Unterbuxe. Sicher ist sicher, ich habe keine Lust später im Forst mein Schlüssel zu suchen. Ungünstigerweise befindet sich die Tasche auf der Vorderseite der Hose, sodaß sich nun im Lendenbereich  eine ziemliche Beule abzeichnet. -Scheiß drauf-, ich versuche die vermeintliche Hasenpfote durch mein T-Shirt ein bisschen zu kaschieren.  Für weitere Modellierungsmaßnahmen habe ich allerdings keine Zeit, da bereits zur Startaufstellung gerufen wird.  Ich stelle mich in den 4:30 – 5:00 Block. Bei einer  Nettozeitnahme  besteht kein Grund zum Drängeln.

Der Startschuß fällt und ich lasse mich mit dem Feld mitziehen.  Die ersten drei km laufen ganz gut, bei  km 4 passiere ich die Verpflegungsstelle ohne etwas zu trinken. Einen 10er kann man locker ohne Boxenstopp laufen, trotzdem bekomme ich Seitenstechen, das habe ich sonst nur, wenn ich unterwegs was trinke. Ich drossle etwas die Geschwindigkeit und konzentriere mich auf die Atmung. Das Seitenstechen hält an, als weitere Maßnahme versuche ich das Seitenstechen zu  ignorieren. Bei km 6 zieht ein kleiner Junge an mir vorbei.  Hallo? Der ist ja noch keine  Zehn… Ich hänge mich an den Rennzwerg. Windschatten habe hier natürlich keinen.  Bei km 7 bricht mein Pacemakerchen etwas ein, und ich laufe weiter mein Tempo. Bei km 8 holt er mich wieder ein und kann sich sogar etwas absetzen. Warte Bürschchen, du kennst meine –timekiller-Rakete noch nicht.  Bei km 9 sind wir wieder gleich auf und wir laufen eine Zeit lang im gleichen Tempo.  Er grinst und ich keuche. Schließlich siegen dann doch die größeren Schritte und ich kann Ihm bis ins Ziel noch ca. 30 Sekunden abnehmen.  Im Zielbereich warte ich auf den Knirps und beglückwünsche Ihn zu seiner super Leistung und frage Ihn nach Name und Alter. Simon, 11 Jahre,  und damit, mit Abstand der jüngste im Feld, verdient  meinen allergrößten  Respekt. Weitere Läufer, die der kleine abgehängt hat, klopfen Ihm anerkennend auf die Schulter.

Ich hole mir bei der Zielverpflegung ein paar Getränke und etwas Obst und genieße die Atmosphäre. Da spricht mich ein Läufer an, den ich letzes Jahr beim Westparklauf kennen gelernt habe.  Es entwickelt sich ein Gespräch wie es nur unter Läufern stattfinden kann. Innerhalb kürzester Zeit lässt jeder sein läuferisches Jahr revue passieren und  macht den anderen auf schöne Läufe, Strecken und Erfahrungen aufmerksam.  Ich liebe solche Unterhaltungen…

Ach ja, was kam eigentlich bei meinem Lauf raus, mit 48:36 habe ich meine PB deutlich verpasst, aber das war  auch gar nicht angestrebt, ich bin erneut unter 50 Minuten gelaufen, und das ist nach dem turbulenten Vorgeschichte ganz ordentlich.

Ist das Frühjahr schon da? Muss wohl, schließlich leide ich derzeit an extremer Frühjahrsmüdigkeit. Es ist unglaublich, ich könnte ununterbrochen schlafen.

Ist das schon „Frühjahrsmüdigkeit“ oder noch „Winterschlaf“?

In meinen Wachphasen versuche ich dennoch ein bißchen zu laufen, aber auch da läuft es nicht rund. Nach meinem Marsch durch den Westpark vor 3 Wochen schmerzt meine rechte Wade, vom Schienbein ganz zu schweigen.

Beim Laufen sind die Füße unglaublich schwer, es ist fast so, als ob ich anstatt der Laufschuhe versehentlich in Skistiefeln unterwegs wäre. Oder meine Frau hat mir heimlich Blei in die Schuhe gekippt, damit ich etwas bodenständiger werde.

Am Sonntag habe ich dann wohl den absoluten Nullpunkt erreicht. Nach gerade mal zwei Kilometern musste ich schon eine Gehpause einlegen, meine Schiebeine branten wie Feuer und die rechte Wade war hart wie Beton. Nach einer weiteren Gehpause (km7), habe ich dann nach 9km einfach Schluss gemacht. Strömender Regen und dann mit den Stelzen unterwegs… schön ist was anderes.

Damit sich meine Wade ein bisschen regenerieren kann, habe ich mir bis Mittwoch eine Laufpause verordnet. Da ich den Verdacht hege, meine Beschwerden könnten auch an schlechtem Schuhwerk liegen, habe ich mal meine aktuelle Schuhkollektion (nicht die Laufschuhe) kritisch unter die Lupe genommen, und festgestellt, dass ich mit einem Freizeit-Schuh, den ich derzeit häufig trage, rechts ziemlich nach innen kippe. Zumal ist der Schuh weicher als meine sonstigen Schuhe. Also wird der erstmal aussortiert, und ich trage zukünftig, die etwas weniger bequemen flachen Halbschuhe mit harter Ledersohle. Ein Versuch ist’s wert…

Am Mittwoch stand dann mein nächster Lauf auf dem Programm, aufgrund der Zeitumstellung, kam ich sogar noch in den Genuss bei Sonne loszulaufen. Da ich am Sonntag so geschwächelt habe, habe ich mir diesmal ein strammeres Programm auferlegt. Da „schnell“ momentan nicht drin ist, habe ich mir als Intensitätssteigerung, ein paar Steigungen vorgenommen. Dreimal sollte es daher in verschiedenen Routen über den Olympiaberg gehen. Nach zwei Kilometern brennen bereits wieder die Schienbeine, und die Wade wird hart, aber gehen möchte ich diesmal vermeiden, ich werde langsamer und versuche lockerer zu laufen, bei km3 steht der erste Anstieg an. Der Puls ist noch moderat, steigt aber stetig in Richtung 80%Hfmax.

Oben, kurz vor dem „Gipfel“ sitzt ein Pärchen im Gras und genießt bei einer Flasche Wein, den bevorstehenden Sonnenuntergang.

Ohne Stopp geht es wieder zurück ins „Tal“, am Olympiasee entlang, Richtung nächster Anstieg. Komisch, das Schienbein schmerzt gar nicht mehr und die Wade hält auch still, aber der Puls will nicht wirklich fallen, gerade mal 3% Abfall, und dann steht auch schon wieder die nächste Steigung an. Wieder den Berg hoch, eben ging’s noch flotter…

Das Pärchen sitzt noch immer da…

Das letzte Stück zum Gipfel gebe ich richtig Gas und treibe den Puls auf 90%. Ziemlich KO trete ich ohne Zwischenstopp den Abstieg an. Der Puls fällt langsam, aber unter 80% bekomme ich ihn nicht.

Soll ich wirklich noch eine Runde machen? Bisher habe ich mich immer mit zwei Bergrunden begnügt, nach hause muss ich ja schließlich auch noch… -Nein, gekniffen wird nicht, jedenfalls nicht heute, also nochmal um den Berg rum und wieder hinauf.

Deutlich zäher geht es diesmal, die Pace fällt weit unter 6:30 min/h, stehe ich etwa?

Das Pärchen hat mitlerweile die zweite Flasche entkorkt, bin ich etwa so langsam… oder ist das Pärchen beimTrinken besser konditioniert als ich beim Laufen?

Ein letztes Mal geht es das letzte Stück zum Gipfel über das Kopfsteinpflaster nach oben, ich versuche nochmals alles zu geben. Bei 95% reglt der Drehzahlbegrenzer ab, mehr ist heute nicht drin, schließlich habe ich jetzt bereits 11 Kilometer auf dem Buckel. Nach meinem Bergspurt, geht es jetzt noch 4km nach hause, -Mann, bin ich fertig-.

Langsam wackle ich den Berg runter. Der Puls beruhigt sich langsam wieder, sofern man bei 87% von beruhigen sprechen kann. Auch im Flachen komme ich nun über eine 6er Pace nicht mehr hinaus, ich kann die Füße kaum noch heben, der Heimweg zieht sich wie Kaugummi. Ich kann mich nicht erinnern jemals so fertig gewesen zu sein, -Oh Gott, noch 2 Kilometer…- Wie wird das erst beim Marathon?

Der Tribühnenschritt auf den letzten 500 Metern durch die Nachbarschaft muss diesmal ausfallen, Scheiß auf die Nachbarn…

Vor der Haustüre lasse ich auch noch den Hausschlüssel fallen… wenn ich mich jetzt bücke kann ich gleich da unten bleiben. Also klingle ich, meine Tochter macht nach einer gefühlten Ewigkeit die Türe auf, ich bitte Sie den Schlüssel aufzuheben und schleppe mich aufs rettende Sofa. Wer bringt mir jetzt was zu trinken, und vorallem, wer trägt mich unter die Dusche?

-Wobei, ich glaube ich bade heute lieber-

Am Sonntag stand der 12. Westparklauf in München auf dem Programm. In den letzten Jahren hätte der Lauf eigentlich als Crosslauf herhalten können, hatte es doch immer kurz vorher nochmals ordentlich geschneit und man ist die 2 Runden über Schnee und Eisplatten geeiert.

Auch diesmal habe ich eigentlich damit gerechnet, dass es nochmal so richtig kalt wird und dass spätestens Sonntags früh um 8:00 Uhr mindestens 10 cm Schnee liegt.

Aber diesmal hatten wir Glück, kein Schnee, kein Eis und angenehme 10°C.

Ich hatte mir für den Lauf nichts Spezielles vorgenommen, vielleicht schneller sein als die Vorjahre, -OK-, aber eine PB war nicht anvisiert. Die Strecke ist nicht Bestzeitentauglich, da beißen sich auch die Profis Ihre Zähne aus. Der Streckenrekord von 31 Minuten besteht schon seit einigen Jahren.  Das tückische an der Strecke ist der wellige Verlauf. Die Strecke hat einige Steigungen, die zwar alle nicht dramatisch sind, aber gerade der Anstieg zur Ringbrücke die bei 2 Runden viermal überquert werden muss, kostet doch ein paar Körner.

Vor dem Lauf war ich leider nicht ganz bei der Sache. Da ich für ein Projekt noch einen Mietwagen abholen musste, war ich gedanklich mit anderen Dingen beschäftigt, und war beim Packen meiner Laufsachen etwas nachlässig, sodaß ich zwar den Pulsgurt umgeschnallt, den Laufchip an den aktuellen Schuh gefummelt habe, aber in der Aufregung den Garmin im Bad habe liegen lassen. Das ganze habe ich natürlich erst Vorort bemerkt, als ich um 9:00 Uhr die Startunterlagen abholen wollte.

-Was tun?-

Noch 45 Minuten bis zum Start!

Zurückfahren und Garmin holen?

Könnte von der Zeit her klappen, aber dann kann ich das Warmlaufen abhaken.

Da ich nicht besonders scharf darauf bin mit einem gemieteten Lieferwagen quer durch die Stadt zu jagen, zu dem das Gefährt etwas größer ausgefallen ist, wie das, was ich eigentlich reserviert hatte, beschließe ich ohne meinen Forerunner zu laufen.

Ist ja auch mal eine interessante Erfahrung, ganz ohne technisches Hilfsmittel zu laufen, rede ich mir ein.

Also habe ich in aller Ruhe meine Startunterlagen abgeholt, und habe mich locker im Park warm gelaufen. Kurz vor dem Start habe ich mich dann brav im Startbereich eingefunden, um dann zu erfahren, dass der Start verschoben wird, angeblich da es heuer so viele Nachmeldungen gibt.

Also ist Warten angesagt, da nicht bekannt ist, wann der Start erfolgen wird, stand das Läuferfeld relativ undynamisch rum.

–Hm, war das letztes Jahr nicht auch schon so? Ich verstehe das nicht, der Lauf ist lange genug bekannt, und selbst wenn ich ein Spätentschlossener bin, komme ich halt ein bisschen früher, und nicht erst 10 Minuten vor dem Start. Bei anderen Laufveranstaltungen ist die Nachmeldung bis maximal 1 Stunde vor dem Start möglich, da hat die Zeitnahme dann auch noch genug Zeit die neuen Läufer ins System zu klopfen. So warten jetzt über 500 Läufer auf die Nachhut.

Um kurz nach Zehn war es dann soweit, die Startfreigabe von der Zeitnahme war erteilt, jetzt musste nur die Meute wieder eingefangen werden, die sich kurz zuvor zum erneuten aufwärmen in alle Himmelsrichtungen zerstreut hatte.

Um 5 nach Zehn fiel dann endlich der Startschuss, auf meiner analogen Armbanduhr startete ich die Stoppuhr, in der stillen Hoffnung während des Laufes auf dem winzigen Ziffernblatt der Stoppuhr wenigstens die die Kilometerzeiten ablesen zu können.

Quelle: www.westparklauf.de

Ich ließ mich locker vom Feld mitziehen. Die erste Steigung an der Ringbrücke kommt noch innerhalb des ersten Kilometers, noch bin ich frisch und kann einige Läufer überholen. Macht sich das Hügeltraining am Rangierbahnhof doch bezahlt? Nach einem Kilometer kann man aber noch nicht viel sagen. Auch am Ende von km 2 gibt es eine kleine Steigung, hoch zum Rosengarten, bzw. dem dort gelegenen Biergarten. Ich habe keine Ahnung wie schnell ich bin, und versuche auf meiner Uhr was zu erkennen… -Ne, nix zu machen-. Kilometer 3 endet wiederum mit dem erneuten Anstieg zur Ringbrücke. Aber wo es hoch geht, geht es auch wieder runter, zumindest auf einem Rundkurs :-), ich versuche beim Abstieg weiter Tempo zu machen, und mich nicht etwa auszuruhen. Kilometer 4 (und 9) ist wohl der schnellste auf dem Kurs da lauert keine Steigung. Kilometer 5, am anderen Ende des Parks, hat wieder eine leichte Steigung. Ich merke, dass meine Kräfte nachlassen, war mein Programm diese Woche doch zu anspruchsvoll? Am Dienstag 17 km und am Donnerstag flott über 10km. Rächt sich das jetzt? Ich versuche etwas langsamer zu werden. Einige Läufer, die ich vorher überholt hatte holen mich jetzt ein, ich habe fast das Gefühl ich stehe. Kurz spiele ich mit dem Gedanken nach der Runde das Rennen zu beenden. Aber wer wird denn aufgeben? Ich habe mich für einen 10km Lauf  angemeldet, also läufst du jetzt auch 10km. Notfalls wird die zweite Runde einfach etwas langsamer, aber aufgeben ist keine Option.

Im Start/Zielbereich habe ich gehofft dass ich da ein Blick auf die Wettkampfuhr erhaschen kann,  aber da gab es nicht mal eine Zwischenzeiten-Matte. Sonst ist mir das ja egal, aber ich hätte schon gerne gewusst wo ich liege. Ich hatte überhaupt kein Zeitgefühl, den letzten Kilometer bin ich doch ziemlich eingebrochen. Ich versuche nochmals einen Blick auf meine Uhr. –Nix zu erkennen-  Der Minizeiger (ca. 5mm) wird ausgerechnet vom Stundenzeiger überdeckt. –könnte irgendwas um die 25 Minuten sein-

Vielleicht doch zu schnell angegangen? Wäre ja nicht das erste mal. Es wartet erneut die Steigung am Ring, jetzt nicht aufgeben, in Gedanken peitsche ich mich die Brücke hoch, den ein oder anderen, den ich hier überholen kann, kommt mir bekannt vor. Bei km sieben am Biergarten bin ich schwer am japsen. Mein Puls ist wahrscheinlich schon lange durch die Decke gegangen…

Der letzte Anstieg zum Ring, dann ist der Drops gelutscht. Auf Kilometer neun versuche ich  etwas Kraft für den Schluss-Spurt zu sammeln. Ca. 500 Meter vor dem Ziel zünde ich dann die -timekiller-Rakete. Ich quetsche alles aus meinen müden, völlig leergesaugten Muskeln, ich kann noch ein paar Plätze gut machen, dann stürme ich auch schon über die Zielmatte. Hoffentlich wurde da jetzt auch mein Chip ordentlich registriert.

Nachdem ich mir einen warmen Multivitamin Saft geholt hatte, warf ich einen genaueren Blick auf meine Uhr. Selbst jetzt kann ich nicht genau erkennen wie lange ich gebraucht habe. 49 Minuten? Oder doch vielleicht nur 48 Minuten? Schwer zu sagen. Jedenfalls scheint es unter 50 Minuten zu sein, und damit habe ich mein Ziel, schneller als im Vorjahr zu sein, deutlich übertroffen. Letztes Jahr brauchte ich für die Strecke 51:43 Minuten.

Am Abend als ich dann online die offizielle Ergebnisliste gecheckt habe, war ich dann doch freudig überrascht, als ich mein Ergebnis las:

47:45 min.

Das ist PB, und das auf dem anspruchsvollen Westpark Kurs. Da schau an!

Ist jetzt nur die Frage, wäre das mit Pulsuhr auch so gelaufen?

Ich bin ein Hochpulser, während andere bei moderatem Tempo nicht mal ins Schwitzen kommen, safte ich in kürzester Zeit mein Liebchen durch. Bei einem normalen Trainingslauf bin ich schnell in einem Bereich von 165 , wenn es etwas flotter dahin geht, sind’s 175. Und während eines Laufevents schaffe ich  locker einen 185er Schnitt. Beim letztjährigen Forstenrieder Volkslauf bin ich mit einem Spitzenpuls von 205 durchs Ziel, das hat dann doch auch mich erstaunt. Im Ziel habe ich ernsthaft überlegt, ob ich mich mit Kammerflimmern selbst reanimieren kann?  Aber mir ging‘s eigentlich ganz gut… , ich war halt ein bisserl außer Atem.

Da ich bisher keinen professionellen Trainingsplan verfolgte und nur so laufe wie ich gerade lustig bin, haben mich die Trainingsbereiche/Pulsbereiche in der Vergangenheit eigentlich nicht sonderlich interessiert. Ich habe mal in ein paar online Trainingsplänen reingeschnuppert, z.B. die Trainingspläne von MyAsics, aber die dort angegeben Trainingsbereiche bzw. Pulsregionen haben für mich nie richtig gepasst, da die max. HF dort in der Regel mit der Faustformel berechnet wird.

Im Herbst steht nun mein erster Marathon in München auf dem Programm, und ich denke für mein großes Ziel „Sub4“ brauche ich dann doch einen Trainingsplan. Vielleicht sollte ich im Vorfeld auch gleich noch eine professionelle Leistungsdiagnostik durchziehen, aber bis es soweit ist, habe ich für mich mal die maximale  Herzfrequenz auf 195 angesetzt. Mit dieser max. HF passen dann auch die Trainingsbereiche so einiger maßen.

Das definieren der Bereiche ist eine Sache, sie einzuhalten, eine andere.

Ich habe es bisher noch NIE geschafft ein geplantes GA1 Training auch in diesem Pulsbereich zu absolvieren. Spätestens nach 2 km befinde ich mich in GA2…und so geht es dahin…

Angestachelt von Sarahemily, die sich in Ihrem Training brav an Ihre Bereiche hält, und es auch nicht scheut von Walkern oder gar Fußgängern überholt zu werden, habe ich am Dienstag beschlossen dies nun auch mal zu versuchen. Nötigenfalls bleibe ich stehen, wenn ich meinen Trainingsbereich verlasse.

Faschingsdienstag, schönes Wetter, während die Kollegen zum bunten Treiben auf den Viktualinemarkt abgezogen sind, bin ich lieber nach hause und habe mich als Jogger verkleidet. Schnell noch eine Büttenrede auf den MP3-Player geladen und los ging‘s zum Projekt „GA1- 148 bpm“.

Als Versuchsparcour habe ich mir mal wieder die Strecke am Rangierbahnof ausgesucht. Die Strecke eignet sich mit dem welligen Verlauf ideal als Vorbereitung für den Westparklauf am kommenden Sonntag. Ob die Hügel mein GA1 Projekt gefährden wird sich zeigen…

Mein Garmin habe ich so eingestellt, dass er ab 148 bpm brummen soll. Das Piepsen habe ich sicherheitshalber ausgeschaltet.

Ich bin die Sache langsam angegangen um nicht gleich beim ersten Kilometer vom Garmin in meine Schranken gewiesen zu werden. Beim ersten Ampelspurt bin ich dann natürlich schon das erste mal über meine Schwelle gekommen, OK, das zählt nicht…

Die erste Steigung steht an, der Puls klettert und hat auf der Hälfte des Anstiegs die Grenze erreicht, ich versuche langsamer zu werden, aber ich stehe ja schon fast, der Puls steigt weiter, aber nicht mehr so schnell, oben angekommen bin ich bei 152 bpm, OK, geht noch, hier ist es flacher, danach geht es ein Stück bergab, da kann sich der Puls wieder beruhigen. Mein Schritte werden kürzer, ich tipple dahin, es ist fast ein tänzeln. So geht das über mehrere Kilometer. Ich fühle mich gut, auch wenn ich das Gefühl habe nicht von der Stelle zu kommen, ich könnte schneller, aber „Schnell“ steht heute nicht auf dem Programm. Ich fühle mich wie in einem Rennwagen mit dem man durch die 30er Zone tuckert…

-Das Erinnert mich an meine Zivi-Zeit. Ich war im Rettungsdienst beim DRK als Rettungsassistent. Manchmal kam es bei einem Einsatz vor, dass ich den NEF (Notarzt Einsatz Fahrzeug) zurück fahren musste durfte. Das NEF, war ein BMW 525i! Für mich, als BMW-Fan ein absoluter Traum, fuhr ich privat doch nur eine Reisschüssel, einen roten Toyota Starlet mit lächerlichen 54PS. Allerdings musste ich mit dem Einsatzfahrzeug langsam dem RTW (im Volksmund auch Krankenwagen genannt) folgen, und durfte nicht etwa vorrausfahren. Um dennoch in den Genuss der Pferdchen unter der Haube zu kommen, habe ich mich dann immer etwas zurückfallen lassen, um dann die Stabilität der Rückenlehnen durch beherztes Beschleunigen auf Ihre Stabilität hin zu testen.-

Bei km 5 werde ich aus den Gedanken gerissen, die Weggabelung fordert eine Entscheidung, wird’s die kleine oder die große Runde? Da ich noch nicht mal in Ansätzen schwitze, wähle ich die längere Runde durch den Allacher Forst. Im Wald habe ich keine direkte Sonne mehr und es wird empfindlich frisch, ob ich doch etwas schneller laufen soll, damit ich nicht friere? -Nein, du ziehst das jetzt durch…-

Zurück an der Home-Base nach 15 km fühle ich mich tadellos und ich bin frisch. Ich habe das Gefühl ich könnte noch ewig so weiterlaufen. Drum wähle ich noch eine weitere Schleife von 2 km durch die Nachbarschaft. Es war einfach toll, auch wenn ich noch nie so langsam unterwegs war, die 17 km habe ich in 1:48h absolviert, bei einer durchschnittlichen Pace von 6:22 min/km, aber das Beste ist, und darauf bin ich wirklich stolz. Das ganze bei einem Durchschnittspuls von 145pbm. Das mache ich jetzt öfter…

Nachdem ich im Februar, arbeitsbedingt, lauftechnisch nicht viel zuwege gebracht habe, besteht bei mir momentan der Wunsch nach längeren Einheiten. Nach meinem Höhentraining mit lächerlichen 8 km, sollte es am Mittwoch Mittag wenigstens mal wieder über 15km gehen. Ich nutzte das schöne Wetter, und verlängerte die Mittagspause und bin entlang des Moosacher Rangierbahnhofes und einer weiteren Schleife durch den Allacher Forst 15 km gelaufen. Die Strecke mag ich sehr gerne, hört sich jetzt nicht so spektakulär an, „Rangierbahnhof“, aber entlang dieses weitläufigen Geländes zieht sich ein langer Grünstreifen, der sehr abwechslungsreich ist, und mit einigen  Anstiegen durchaus für Läufer eine Herausforderung sein kann. Wem die Schotterwege zu langweilig sind, kann sich auch auf schmalen verschlungen Pfaden durchs Unterholz schlagen, da hat es dann weniger Steigungen, aber als City-Trail taugt das allemal.

Ich versuche meine längeren Distanzen frei nach Hal Higdon auf dem letzten Drittel schneller zu laufen, und so bekam ich sogar auf die letzen zwei Kilometer eine Pace von 5 min zustande (bei sonst durchschnittlich 5:28 min/km).  -Lag wohl am Wetter, das mir zusätzlich Flügel verlieh-.

Freitag Abend wollte ich den Lauf wiederholen und die gleiche Strecke (in den Sonnenuntergang hinein) nochmals laufen. Allerdings kam mir dann doch noch ein „Last-Minute-Call“ dazwischen, sodaß die Dämmerung  schon sehr fortgeschritten war als ich endlich los kam.

Bis ich zum Allacher Forst kam war es dann auch schon finster. Meine Stirnlampe, war leider keine große Hilfe.  Damit war wohl eine minderjährige Hobby-Höhlenforscherin zuletzt auf einer ausgedehnten Expedition…-Ich muss mein Zeug einfach besser verstecken-

Wenn ich mir mal was vorgenommen habe, dann kann mich davon eigentlich auch nix mehr abbringen, also bin ich einfach die Runde durch den Wald im Dunklen gelaufen. Und es war sehr dunkel. Da ich im Finstern eine Abzweigung verpasst habe waren es dann schließlich 16 km in durchschnittlich 5:36 min/km.

Da mir nach den zwei längeren Einheiten nichts weh tat , plante ich für Sonntag eine noch längere Runde. Sonntag Nachmittag wollte ich eine neue Streckenvariante ausprobieren. Es ging zunächst auf meiner Nymphenburg – OlyPark- Runde (siehe Askese) bis in den westlichsten Teil des Schlossparks wo ich dann in westlicher Richtung zum Schloss Blutenburg abbog. Entlang des Würmkanals ging es dann bis Pasing, von dort ein Schlenker um das malerisch gelegene Schloss Blutenburg und zurück Richtung Nymphenburger Park. Auf dem Rückweg wurde ich dann jedoch von einem heftigen Regenguss überrascht. Wobei, eine Überraschung war es nicht wirklich, ich hatte nur die tiefschwarzen Regenwolken strickt ignoriert, und war fest der Überzeugung – das hält!-.  An einer Bahnunterführung habe ich dann kurz halt gemacht bis sich der Regenvorhang etwas lichtete.

Weiter ging es dann (auf ziemlich wackligen Beinen) auf der üblichen Runde um den südlichen Schlosspark, zum Nymphenburger Kanal, und von dort in den Olympiapark und wieder nach Hause. Da ich bei meinem „Regenstopp“ die Stoppuhr angehalten hatte, und beim Loslaufen vergessen hatte wieder zu starten, ist meine Zeitnahme und Distanzaufzeichnung etwas ungenau. Aber auf ca. 23 km in 2:12 bei einer durchschnittlichen Pace von 5:36 habe ich es dann doch auch gebracht. Allerdings kann ich nicht behaupten, dass ich das letzte Drittel wie geplant schneller gelaufen wäre, im letzten Abschnitt bin ich dann doch etwas eingebrochen und bin zum Teil nur 6:00 min/km gelaufen. Wenigstens den letzten km konnte ich trotz brennender Sohlen mit 4:55 abschließen. Aber ich habe gemerkt, für meinen geplanten Marathon(sub 4h) im Herbst habe ich noch einen laaaaangen Weg vor mir…

Was habe ich da bloß wieder angestellt? In einem Lokalanzeiger unseres Stadtteils habe ich letzte Woche gelesen, dass am Sonntag den 30.1.2011 der 4. Münchner Stadion Cross stattfindet. Und das gleich bei mir in der Nachbarschaft auf dem Vereinsgelände des PSV am Wintrichring. Gestartet wird in 8 Klassen mit unterschiedlichen Distanzen und Altersgruppen. Die Damen treten unter anderem auf der Mittelstrecke (3800m) bzw. Langstrecke(6200m) und die Herren auf Mittelstrecke (3800m) und Langstrecke (8600m) an. Der Veranstalter ist die Leichtathletikabteilung des PostSportVerein München, die Ausschreibung und die Bilder aus dem Vorjahren sahen sehr vielversprechend aus, also habe ich nicht lange gefackelt und habe mich per Mail nachgemeldet. Natürlich für die Langstrecke, ist ja klar, schließlich will ich im Herbst einen Marathon laufen, da brauche ich Kilometer. Erst später bin ich auf den Trichter gekommen, vielleicht mal die Ergebnislisten der Vorjahre und die aktuelle Starterliste zu checken.

-OHA! Auf die lange Distanz gehen gerade mal 40 Teilnehmer an den Start, und letztes Jahr wurde die rote Laterne mit 41 Minuten ins Ziel getragen. Bei dem starken Läuferfeld ist die Nachhut arg dürftig besetzt.-

Aber da war es schon zu spät, vom Organisator habe ich postwendend eine Antwort bekommen, dass ich angemeldet sei, sicherheitshalber hat er auch mal die prognostizierten Siegerzeiten durchgegeben. (Das hätte ich auch gemacht, bei einem dahergelaufenen, vereinslosen, vierzigjährigen). Da begann ich zu rechnen, meine letzte Pace beim ZHS-Crosslauf hochgerechnet ergibt ca. 40 Minuten auf diese Distanz. –Puh- Da muss ich mich aber sputen, dass nicht ich der Laternenträger bin.

Und so nagte es in mir seit zwei Tagen, soll ich absagen? Einfach nicht hingehen? 10 Minuten nach dem Hauptfeld einlaufen… Ist das peinlich? Weshalb habe ich mich nicht für die Mittelstrecke, bzw. für den Hobbylauf(5000m) angemeldet? Aber Hobbylauf, wie sich das anhört. „HOBBY“. Hobby, das ist Modelbahn bauen, Briefmarken sammeln oder sowas, aber wir sind doch Sportler, wenn auch die langsamere Abteilung.

Am Samstag bin ich mal zum Vereinsgelände gefahren, und habe die Strecke inspiziert. Ein Rundkurs von ca. 1200m der mehrmals durchlaufen werden muss. Dabei geht es über den Rasen, durchs Gebüsch, eine Böschung hoch, eine wieder runter, durch die Sandkiste, und das alles ist teilweise Schneebedeckt und etwas eisig.

Eines ist klar, wenn ich hier einigermaßen bestehen will, dann brauche ich Spikes oder anderes Schuhwerk. Silberläufer hat Anfang des Winters von seinen Yaktrax Ketten geschwärmt. Also, wenns der Läufer schon nicht bringt, dann muss wenigstens das Material stimmen. Also bin ich fluchs in die Lauf-Bar gefahren und habe nach Yaktrax Ketten gefragt. Da ich schon mal da war habe ich mir auch die Trailschuhe genauer angeschaut. Und da ich ein ausgesprochener Spontankäufer bin habe ich mir auch gleich ein Paar andrehen lassen und habe die Ketten im Laden gelassen. Jetzt bin ich stolzer Besitzer eines Paares Mizuno Wave Ascend 5.

So ausgestattet, ging‘s am Sonntag eine Stunde vor Start zum PSV. Zum aufwärmen bin ich wieder direkt hingelaufen, sind ja nur 2 Kilometer. Dort in der Umkleidekabine wurde ich dann gleich wieder auf den Boden der Tatsachen geholt. Ein Läufer meinte „wie, du läufst die Strecke ohne Spikes?“ und schraubt sich lässig seine 12mm Nägel in den Schuh. –Soll ich einfach wieder gehen?- Noch hat mich ja keiner gesehen…, wobei, die Startunterlagen habe ich ja schon abgeholt –Mist-

Aber da kommt mir ein Artikel bzgl. Aufgeben von Ultraistgut in den Sinn. „Gib niemals auf, du kannst mehr als du denkst …)

Nadann, gehen wir mal zum Start.

Es ist saukalt, -7 °C, trotzdem gibt es ein paar Läufer die in kurzer Hose antreten, OK, die sind auch nicht so lange wie ich unterwegs. Das Starterfeld ist wirklich sehr übersichtlich. Es passen fast alle in die erste Reihe unter den Saucony Startbogen. Nur vier Läufer stehen in zweiter Reihe, und da bin ich dabei.

Der Startschuss fällt, ich lasse die Meute davon brausen, ich orientiere mich an den drei Kollegen aus der zweiten Reihe. Ich klemme mich hinter einen, der cirka in meinem Alter zu sein scheint. Mal die erste Runde abwarten und nicht gleich Vollgas geben, mal sehen, wie ich die Steigungen vertrage.

"die Streif"

Es geht in einem Bogen über einen Fußballplatz, dann eine kleine Steigung hoch, dann runter auf eine zugeschneite Tartanbahn („Stadionschuss“), dahinter geht es durchs Gebüsch („kleiner Tazelwurm“) hoch auf ein kleines Plateau, wo eine kleine Schleife gelaufen wird, um dann wieder über zwei Abstiege, der zweit ist seitlich abfallend,  zurück ins Stadion zu kommen. Der Platz wird überquert, und am anderen Ende geht es steil eine Böschung nach oben („der Schinder“), von dort einen schmalen Trampelpfad durchs Gebüsch, und dann wieder steil runter („die Streif“)auf den Fußballplatz, nach einer scharfen Linkskurve geht es über zwei Hindernisse gefolgt von einem ca. 10meter langen Sandkasten, jetzt noch um ein Kunstrasenplatz rum und wieder zurück Richtung Start. Das ganze musste sieben mal durchlaufen werden.

"der Schinder"

Mit meinem Pacemaker kann ich zunächst gut mithalten, nach einer halben Runde bricht der aber schon ein, noch vor der bösen Steigung („der Schinder“) gehe ich an Ihm vorbei. Bereits in der zweiten Runde werde ich von der Spitze überrundet, fortan laufe ich auf der Außenbahn, um den schnellen nicht den Weg zu versperren. Am „Schinder“ stapfe ich zum Teil durch höheren Schnee, um die Ideallinie nicht zu blockieren, mit den Steigungen und Abstiegen komme ich eigentlich gut zurecht, was zum Problem wird, sind die Hindernisse, die sind echt fies, und danach der Sandkasten, eine wahre Freude. So drehe ich meine Runden…

In Höhe des Zielkorridors stehen die „Zähler“, die für die Läufer die Runden zählen und zurufen. Nicht sehr erbauend ist es zu hören,“ letzte Runde“, „letzte Runde“, „für Dich noch 3 Runden“, und damit war natürlich ich gemeint.

So langsam setzt mir die Strecke zu, die Kräfte schwinden, es sind zwar nur 8 Kilometer, aber so ein Cross bin ich noch nie gelaufen, das ist doch ein bisserl was anderes wie auf Teerwegen seine Runden zu drehen. Der ZHS-Crosslauf hat zwar ordentlich Höhenmeter, aber dafür geht es zu 95% über Asphalt. Und hier, ist das Geläuf ziemlich hoppelig, naja ist klar, ist ja auch ein Crosslauf.

Die Überrundungen meinerseits nehmen ab, und für mich steht als Premiere in der vorletzen Runde die erste Überrundung eines anderen Läufers an. Mein ursprünglicher Pacemaker ist nicht schneller geworden und ich darf innen an Ihm vorbei -toll- Ich werde definitiv nicht Letzter! Das gibt mir Kraft für die letzte Runde. Am Start formieren sich bereits die Läufer für den Start des Hobbylaufes. Exakt 40 Minuten nach der Langstrecke sollen die Hobbyläufer auf die Strecke, ob ich das noch schaffe…? Das letzte Mal den „kleinen Tatzelwurm“ und den „Schinder“ hoch, über die Drecks Hindernisse, und ab Richtung Ziel. Ich versuche die –timekiller- Rakete zu zünden, aber da kommt nix mehr, ich höre die Zeit-Crew sich zurufen, „es sind noch vier auf der Strecke, den einen hier warten wir noch ab, dann starten wir…“  ich biege in den Zielkorridor ein, und sehe die Uhr unerbittlich hoch zählen 39:45 … 39:46…39:47… Zähne zusammenbeißen und das letzte aus dem geschundenen Körper rausgequetscht… -ZIEL- 39:53!  Na also, sage ich doch ca. 40 Minuten.

Rauchen meine Füße etwa? Ist es heißer Gummi? Oder ist es der dampfende Zitronentee, den ich vor lauter Entkräftung über meine Schuhe geschüttet habe?  Die Schuhe sind übrigens super, ich bin nicht einmal nennenswert gerutscht, ich hatte  immer einen sicheren Halt, auch auf dem seitlich abfallenden Abschnitt hatte ich keinerlei Probleme. Mit Spikes wäre ich wohl kaum schneller gewesen… da muss ich noch arg zulegen um solche Steigeisen wirklich zu benötigen.

Am Sonntag stand der zweite Lauf der Winterlaufserie auf dem Plan. Über 15 km sollte es gehen, d.h. drei Runden durch den Olympiapark auf altbekannter Strecke. Der Start war auf 11 Uhr angesetzt, eigentlich kein Problem, aber am Sonntag bin ich überhaupt nicht in die Spur gekommen, ich hätte ewig schlafen können… Gegen 9:00 Uhr habe dann auch ich mich aus dem Bett gequält, der erste Blick auf das Außenthermometer lässt mich erschauern.  Minus 7°C. -Brrr-, da packe ich doch gleich mal eine weitere Schicht Polyester in meine Lauftasche. Auf Frühstück habe ich nicht wirklich Appetit. Zwei Tassen Kaffee, damit die Augen offen bleiben, mehr ging nicht.  Als Frühstücksersatz stecke ich zwei Gel-Chips und ein Müsliriegel in die Tasche, falls der kleine Hunger kommt…

Kurz nach 10 Uhr breche ich auf, zum Aufwärmen, jogge ich gemächlich in den 3 km entfernten Olympiapark.

-Mühsam-

Ich stelle mir erstmals an diesem Tage die Frage, ob was geht. Die Beine sind schwer wie Blei, nein, gibt’s was schwereres? Iridium? Osmium? –Egal- Richtig schwer halt-. Die Schienbeine schmerzten höllisch, die rechte Achillessehne zwickt… Es war zääääh. Und dabei bin ich mit knapp 6:00 min/km dahingezuckelt. Nach gut 18 Minuten komme ich an der Olympia-Schwimmhalle an. Der Startbogen vom Skinfit und Erdinger stehen noch verlassen da, sonst niemand da. Wenn das so bleibt, hätte ich Chancen unter die ersten 10 zu kommen ;-).

In der Schwimmhalle treffe ich dann jedoch auf die verfrorene Meute, die sich bei angenehmen 28 °C aufwärmt.  Da die Sonne raus gekommen ist, beschließe ich die dritte Schicht und die Jacke im Spinnt zu lassen, aber wohin jetzt mit meiner Wegverpflegung? Zwei Gel-Chips und ein Müsliriegel! Wohin damit, meine Tight hat nur eine winzige Tasche, da bekomme ich gerad mal meinen MP3 Player rein. In die Underbuxe stecken? Hinten? Vorne? Neee! das sieht wirklich doof aus. Ich quetsche einen der Gel-Chips zusammen und stopfe Ihn zum MP3-Player, der Rest muss da bleiben.

In der Halle treffe ich noch LocalZero, und wir gehen gemeinsam zum Start. Da ist es mittlerweile auch etwas voller geworden. Vor lauter quatschen verpasse ich beinahe den Start. Während ich noch mit der Technik kämpfe (ich musste den Garmin noch resetten), stürmt die Läuferschaar an mir vorbei. Von LocalZero ist nix mehr zu sehen, -Blitzstart?-

Ich lasse mich mit der Meute mittreiben und mache mir Gedanken über meine Lauftaktik. Eigentlich war ein 5:10er Schnitt geplant, aber in meiner Verfassung lege ich mal zur Sicherheit noch 5 Sekunden drauf. Den ersten Kilometer laufe ich trotz verpasstem Start in 4:50 min, OK, geht ja auch den Berg runter… das böse Ende kommt bei 4, 9 und 14km, ganz zu schweigen von dem Anstieg an der BMW Welt bei km 2, 7, und 12km…

Den zweiten Kilometer bleib ich am Gas um mir ein bisschen Platz zu verschaffen. Bei Kilometer 3 checke ich mal vorsichtig die Systeme.

Schienbeine? – OK –

Achillessehne? – zwickt, aber geht –

Atmung? – hechel –

Puls? – hoch –

Hunger? – Nö –

Allgemeine Stimmung?  -? Jippie ? –

Also, weiter, Tempo ein bisschen drosseln, schließlich kommen ja noch 12 km. Die erste  5km Runde laufe ich in 24:30 min! Hui, das ist schnell.  24:30 Minuten ist ganz OK für 5km, ordentlich, wenn‘s 10km werden sollen, aber zu schnell, wenn ich 15km durchhalten will. Also Tempo weiter drosseln, aber jetzt geht es  erst mal wieder den Berg runter Richtung BMW-Welt, langsam werden kann ich später immer noch. Bei Kilometer 8 beschließe ich doch ein kurzes Frühstück einzunehmen, ich fummle den Gel-Chip aus der Tasche, reiße das Cellophan auf, beiße den zerknüllten Klumpen einmal durch und stecke mir jeweils ein Teil davon rechts und links in die Backe.  So kann sich das Zeugs langsam auf lösen, und bei der Zwischenzeit, kann ich den verbliebenen Rest mit einem Schluck Wasser runterspülen.  Ab km 9 wurde ich in den letzen Jahren normalerweise immer von den Führungsläufern überrundet. Wem darf ich denn dieses Jahr im Weg rumstolpern? Wieder dem Lokalmatador Andre Green, oder gar Faris AL-Sultan, der dieses Jahr mit von der Partie ist? Die erste der zwei Steigungen bei km9  habe ich hinter mir, da keimt die Hoffnung auf, dieses Jahr vielleicht doch nicht die Schmach des „überrundet werden“ ertragen zu müssen, somit ziehe ich wieder an. Ich schiele auf die Uhr, 45 Minuten, das könnte klappen. Ich hetze zum Olympiastadion hoch, oben von der Kuppe aus, kann ich das Ziel am Cubertin-Platz sehen und den Moderator „Peter Maisenbacher“ hören, nichts deutet drauf hin, dass gleich der Sieger einläuft. Der Moderator motiviert unermüdlich die Läufer die über die Zwischenzeitenmatte laufen. Erstaunlich was der Mann eineinhalb Stunden zu erzählen weiß. Das Ziel, bzw. für mich, die Zwischenrundenmatte ist in greifbarer Nähe, da höre ich von hinten ein „Hee!  Andre kommt“ –Nein! Nicht doch noch!- Ich gebe Gas, meine Schritte werden länger, ich nehme weiter Tempo auf, (geht ja hier den Berg runter), zehn Meter bevor der Zielkanal abzweigt, schießt ein Blitz an mir vorbei. Ist es ein Vogel? ein Flugzeug?  Nein, es ist Andre Green, der mich doch noch überrundete…

Vor lauter (End)Spurt vergesse ich an der Wasserstelle vorbei zu schauen, und laufe weiter auf zu meiner letzten Runde.

Mein Mund ist mittlerweile etwas trocken und der Gel-Chip mag sich nicht recht auflösen, es klebt. Ich rekapituliere meinen bisherigen Lauf:  5km in 24:30 Minuten , 10km in 49:30 Minuten, Auweia, wenn sich das mal nicht rächt. Höchste Zeit mal wieder die Systeme zu checken?

Schienbeine? – OK –

Achillessehne? – drückt, aber geht –

Atmung? – hechel, hechel –

Puls? – hoch, aber nicht besorgniserregend –

Hunger? – gnfpf –

Allgemeine Stimmung? – Jippie-Jippie-Jey!!! –

Sollte ich sowas wie den zweiten Atem verspüren? Ich laufe einfach meinen Stiefel weiter, wenn ich nicht mehr kann, kann ich immer noch langsamer werden. Ich schalte das Hirn ab und laufe einfach weiter…

Bei Kilometer 14 schalte ich kurz nochmals das Hirn ein, wieviel Runden muss ich eigentlich noch?  Muss ich jetzt noch eine, oder was? Vor mir biegen alle in den Zielkanal ab, also folge ich …

1:13:44 ???  -Hä, ist die Uhr irgendwann stehen geblieben?-   Nach 1:18 und 1:17 in den letzten Jahren, ein fantastisches Ergebnis für mich.  Laut meinem Garmin müsste ich jetzt eigentlich noch 300 Meter laufen, aber da will ich mal nicht so sein…

So, jetzt den Kleister in  Mund mit einem schön kühlen alkoholfreien Bier runterspülen. Die Schlange am Erdingerstand ist aber auch schon wieder beträchtlich lange, und dabei hatte ich mich doch extra so beeilt.

Von der Schlange aus, sehe ich LocalZero, sein Becher ist leer. So entspannt wie der da steht…, ist der überhaupt mitgelaufen?

Die Sieger, Ingalena Heuck, und Andre Green mit Organisator Dr. Alexander Fricke

Mit der Ruhe ist es vorbei. Die Arbeit ist diese Woche wieder voll angelaufen. Apropos Laufen, am Mittwoch war wieder der ZHS Crosslauf. Der letzte Termin am 22.12.10 ist ja leider aufgrund der Witterung (Glatteis) und dem Ski Event im Olympiapark ausgefallen. Der Start wurde studentenfreundlich auf 19:00 Uhr gelegt, quasi kurz nach dem Frühstück. Als ich kurz vor 18:30 einlaufe bin ich der erste. Fällt auch diese Veranstaltung aus? Liegt es am Wetter? Doch ich warte nicht lange, da sammeln sich die wackeren Recken. 46 waren es dann doch, denen das Wetter nichts auszumachen schien. Um kurz nach 19:00 Uhr legte der Regen eine kurze Pause ein und der Startschuß fiel. Ich habe mir fest vorgenommen diesmal nicht gleich wieder nach den ersten 400 Metern abgehängt zu werden, und galoppiere munter drauf los. Am Ende der Tartan Bahn, wo die Strecke in den Park abbiegt bin ich diesmal nicht letzter, jedoch deutlich im hinteren Läuferfeld. Ich versuche dran zu bleiben und klemme mich hinter eine kleine Läuferin.

Die schmale Gasse hinterm Olympiastadion ist diesmal gut zu passieren, keine Konzertbesucher versperren den Weg. Nach zwei km ist das Läuferfeld schon ziemlich auseinander gefallen, da überholt mich plötzlich im Sturmschritt ein Läufer. Wo kommt der den jetzt her, gehört der zu uns? Das macht der doch extra, erst zwei Kilometer trödeln, und dann genüsslich das Feld von hinten aufrollen. Es gibt nichts demotivierenderes, als von solchen Läufern überholt zu werden, *heul*. Als ich mich von dem Schrecken erholt habe, packt mich der Ehrgeiz und ich  ziehe laaangsam an meiner kleinen Pacemakerin vorbei. Kurz vorm Oly-Berg schließt von hinten ein weiterer Läufer zu mir auf, ich versuche mich rechts zu halten, damit der vorbei kann, aber er bleibt dicht hinter mir. So schiebt er mich förmlich den Berg hoch, auch am Sattel macht er keine Anstalten mich zu überholen, läßt sich wohl ziehen, was? Eigentlich müssten mir jetzt langsam die ersten Läufer der Spitzentruppe wieder entgegen kommen, erstaunlich, wo bleiben die? Ich bin schon an der Bank vorbei wo ich mir das letzte mal den Schuh binden musste, da kommt mir das Führungstrio endlich entgegen. Entweder bin ich heute extra schnell unterwegs, oder die haben zwischendurch ein Picknick eingelegt. Ich horche in mich hinein “Hallo, alles klar, sind wir gut drauf?“ Ich meine ein zögerliches „Naja, geht so“ vernommen zu haben. OK, fragen wir später nochmals nach, jetzt geht es für mich erstmal wieder den Berg runter. Wie war das gleich beim Berg runter laufen? -Oberkörper leicht nach vorne, Schritte länger machen, und dann ausklinken…-, so sause ich den Berg hinunter, mein Schatten nach wie vor direkt hinter mir. Im „Tal“ versuche ich etwas Tempo rauszunehmen um für den nächsten Anstieg gewappnet zu sein. Mit meinem Schatten im Nacken gelingt mir das nicht so richtig, so beginne ich den Wiederaufstieg nicht gerade ausgeruht. Der Berg schafft mich, ich versuche mich an das Kapitel „Berg hochlaufen“ zu erinnern. -Aufrecht, kürzere Schritte, die Kuppe anfixieren…- Ich meine das wäre schon mal besser gegangen, aber mein Schatten japst genauso wie ich. Die Serpentinen runter,  nach dem Sattel, nehme ich diesmal innen, da mein Verfolger ja lieber im Windschatten läuft. So rennen wir dahin als Siamesisches Läuferpaar… Zwischen Olympiastation und Event Arena, höre ich ein „sind wir noch richtig?“ Aha, mein Schatten kann sprechen, und hat einen mangelhaften Orientierungssinn. Ich bringe nur ein japsendes „ja“ zustande, da zieht er auch schon an mir vorbei. So ist das also, der hat mich nur benutzt *buh*, aber der Drops ist noch nicht gelutscht. Ich versuche dran zu bleiben, doch der Kollege setzt sich deutlich von mir ab, klar, konnte sich ja auch die ganze Zeit in meinem Windschatten ausruhen.  So geht es an der Parkharfe vorbei, an der Abzweigung, wo es  zur Olympiahalle rechts ab geht, rennt mein Ex-schatten wie angebrannt an er Abzweigung vorbei.  Der kennt sich ja wirklich nicht aus. „RECHTS“ brülle ich, und bereue im selben Augenblick meine edelmütige Tat, meine Lunge Sticht, Argh…  Ausgerechnet hier geht es nochmals zur letzten Steigung hoch. –Röchel, Röchel-  Mein Mitstreiter hat damit auch nicht mehr gerechnet und wird deutlich langsamer, so kann ich wieder an ihm vorbei. Ab  jetzt geht es nur noch bergab. Ich checke nochmals meine Systeme „Hallo, alles klar, fertig zum Endspurt“, „bist du irre, das ist mindestens noch ein Kilometer…“, „Ja, aber bergab, los jetzt, legt noch ne Schippe drauf…“ Widerwillig gehorchen meine Stelzen. Tap, tap, tap, endlich auf der Tartanbahn des ZHS Stadions angekommen, möchte ich zusätzlich meine –timekiller- Rakete zünden, da quittiert mein Zwerchfell den Dienst „ich spiel nicht mehr mit“ und schlagartig setzt ein höllisches Seitenstechen ein. Verdammt, ich habe noch 200 Meter zu laufen, los weiter, am Seitenstechen ist noch keiner gestorben… Und was ist, wenn es kein Seitenstechen ist, sondern … Quatsch, so tief sitzt das Herz nicht, weiter, noch 100 Meter, die paar Meter brauchst du jetzt auch nicht mehr atmen … Ziel!!!

Und? war ich Super oder war ich Super? Ein Blick auf die Uhr, 35:22 für 7,4 km, nicht schlecht… wobei! Das ist ja 13 Sekunden langsamer als beim letzen Lauf?

-?-

Pfh! Was sind schon 13 Sekunden? Der Zitronentee wäre jedenfalls vor 13 Sekunden auch nicht kälter gewesen. Oder?

Zum ersten ZHS Cross Lauf

Die letzte Aktion für 2010 steht an, der 27. Silversterlauf vom MRRC durch den vereisten Olympiapark. Ich freue mich schon lange auf dieses Event. Es herrscht hier immer eine ganz besondere Atmosphäre. Diesmal ist die Freude besonders groß, da ich mich bei dem Lauf mit LocalZero von nachderkurve.wordpess.com treffen möchte.

Es ist elf Uhr am Freitag Vormittag, alles ist gepackt, ich bin startklar, trinke noch den letzten Schluck meiner speziell angemischten Zuckerplörre, da klingelt das Handy. Verdammt „die Arbeit“ ist am Apparat, ich wundere mich, dass der Kollege am Silvestervormittag überhaupt noch arbeitet. Vielleicht will er mir nur einen guten Rutsch wünschen, das könnte ich gut gebrauchen. Etwas widerwillig gehe ich ran.

-Jaaaaa?  Hm, hm, aha…verstehe-

Glückwünsche gibt es keine, dafür ein kleineres Problem. Nix akutes, hätte nur bis Montag erledigt sein sollen und jetzt klemmt was…, nun ist  mein Rat erwünscht. Zur Lösung des Problems fällt mir spontan nichts Brauchbares  ein, ich denke nur:

-du mußt los,  du bist viel zu  spät dran, schließlich willst du die 3 km zum Start an der Event-Arena joggen, um dich aufzuwärmen.-

Ich vertröste den Kollegen, und verspreche mich in zwei Stunden nochmals zu melden, lege auf und laufe los. Ich lasse den ersten km ganz langsam angehen, schließlich wärme ich mich ja auf, und möchte dann später Vollgas geben. Aber selbst das lockere laufen fällt mir schwer, beim zweiten Kilometer bin ich schon ziemlich außer Atem und die Beine schmerzen, vor allem das Schienbein.

-Oh je, das wird ein harter Ritt-

An der Event-Arena angekommen, bahne ich mir gleich den Weg zur Startnummernausgabe und mache mich auf eine längere Schlange gefasst, schließlich kann das bei knapp 2500 Startern etwas dauern. Aber nichts dergleichen tritt ein, ohne lange anzustehen bekomme ich meine Startnummer mit Einmal-Chip, der an der Perforation von der Startnummer abgetrennt und am Schuh verknotet werden muss. Perfekt, ich linse auf die Uhr, vielleicht schaffe ich den ersten Treffpunkt ja noch. Ich muss mich aber noch kurz trockenlegen, da meine Schweißproduktion schon angelaufen ist, also wechsle ich noch kurz das Oberhemd und verstaue meinen Sack auf einem T-Träger über einem Notausgang. Garderobe, bzw. Kleiderabgabe gibt’s hier nicht, braucht man auch nicht, schließlich sind Läufer freundliche und ehrliche Menschen. Auf dem Weg zum Treffpunkt komme ich noch an der seeeeehr langen WC-Schlange vorbei, und kontrolliere innerlich die Füllstandsanzeige meiner Blase…. –fast voll, mach mal lieber einen Boxenstop-. Also reihe ich mich auch ein, ich prüfen mehrmals, ob ich auch wirklich an der Herren-Tö anstehe und nicht etwa bei den Damen bzw. bei irgendeinem Gratisdingens. Bis ich meinen Ballast losgeworden bin, sammelt sich das Läuferfeld bereits zum Start. Ich schau mich noch am Treffpunkt um, ob ich jemand entdecke auf den die Beschreibung und Startnummer passt… Niemand da, OK, du bist auch gut 20 Minuten zu spät dran, vielleicht finde ich LokalZero ja in der Startaufstellung…

Einer der die 10km in 40 Minuten läuft wird sich nicht hinten bei den Amateuren anstellen, also drängle ich mich nach vorne, finde aber niemanden. Wenig später fällt der Startschuss. Aus der fünften Startreihe heraus beginne ich den Lauf. –Ich habe hier vorne nix verloren- Ich halte mich rechts, damit das Feld an mir vorbei ziehen kann.  Da mein Forerunner gestern den Dienst quittiert hat, bin ich nun mit meiner alten ALDI-Pulsuhr unterwegs, und habe keine Info über meine aktuelle Pace, Wahnsinn wie schnell man sich an den technischen Schnickschnack gewöhnt. Ich versuche mein Tempo zu laufen, und mich nicht zu sehr vom Feld ziehen zu lassen. Km 1 bei 4:36 abgedrückt, nicht schlecht, aber für mich zu flott, ich bin oft genug eingebrochen, also das Tempo weiter raus nehmen. Km 2 bei 4:51, -Perfekt, so kann es weiter gehen-.

Quelle: MRRC

Der Kurs wurde dieses Jahr aufgrund des anstehenden AUDI FIS Ski Welt Cup Parallel Slaloms geändert und zog sich in einer langen Schleife durch den gesamten Olympiapark. Eigentlich gefällt mir dieser Kurs wesentlich besser als der übliche, hat eben ein paar  kurze Anstiege mehr als sonst. Es war aber nicht einfach zu laufen, man musste ständig den Weg auf Eisplatten sondieren, bzw. die optimale Linie suchen.

Bei  km 3 zieht LocalZero an mir vorbei, jedenfalls denke ich, dass er es sein könnte, zum rufen fehlt mir die Puste, ich versuche dran zu bleiben, realisiere aber schnell, dass das nix wird. Was will ich auch? Plaudern? Das kann ich höchstens bei einer Pace ab 6:30, also laufe ich weiter mein Ding. Kurz später komme ich wieder an der Event-Arena vorbei, viele Zuschauer säumen hier den Weg. Allerdings ist es hier in einer engen spitzen Kurve auch extrem glatt. Die Läufer wackeln wie „Enten auf Speed“ durch die Kurve. Wäre ich Zuschauer, hätte ich mir auch diese Stelle zum Zuschauen ausgesucht. Wirklich sehr lustig was hier dargeboten wurde. Ich komme ohne Blessuren durch das eisige Eck, und mache mich auf weitere Rutschpartien im nördlichen und weniger frequentierten Olypark gefasst. An den Meldungen, dass das Streugut knapp wird, muss was dran sein. Hier wurde jedenfalls sehr sparsam das kostbare Streugut verteilt. Ich halte trotzdem  meine Pace bei knapp 5:00.

Bei km 9 biegt der ursprüngliche Weg ab und  führt durch den abgelassenen Olympiasee am Zielbereich des Slaloms vorbei, und wieder zurück auf die Zielgerade. Eine Zielgerade, die nicht enden möchte. Ich zünde die –timekiller- Rakete und versuche noch ein paar Läufer zu kassieren, aber meine Rakete entpuppt sich diesmal als Blindgänger, das Ziel kommt nicht näher, ich vertage den Zielspurt auf einen günstigeren Zeitpunkt und ziehe erst 200 Meter vorm Ziel nochmal an. Mit 4:26 schließe ich den letzen Kilometer ab, immerhin eine Steigerung zum ersten Kilometer. Mit 48:52 war ich schließlich im Ziel. Ist jetzt nicht die PB, aber was will ich mehr, Sub 50 das passt schon.

Wie ich wieder zu Atem gekommen bin, begebe ich mich zur Tassenausgabe und zur Zielverpflegung.

Ich brauche nicht lange und ich entdecke LocalZero. Völlig entspannt schlürft er seinen Zitronentee.

-Puh, der wartet schon lange-

Ich spreche Ihn an, und wir haben uns sofort was zu erzählen.  Eigentlich irre, schließlich kennen wir uns überhaupt nicht. Ich lerne einen sehr sympathischen Menschen kennen, der eine gesunde Einstellung zum Laufen und zum Leben hat. Wir Ratschen eine ganze Weile miteinander, während neben uns die Sektkorken knallen.

Auf dem Rückweg von der Event-Arena zurück zur Home-Base, sickerte langsam wieder das Problem des Vormittags durch.  Zuhause angekommen, bin ich fest der Überzeugung, dass dieses Problem diese Jahr nicht mehr gelöst werden muss.  -Jetzt ist einfach auch mal Feierabend-. Also, Kollege angerufen und zum Feierabend verdonnert, und dann unter die Dusche.

Das wars, das Jahr ist gelaufen, … so dachte ich, bis wir bei unserer Silvesterabend Einladung SingStar auf der PlayStation spielen mussten…

-..das hat mir jetzt wirklich alles abverlangt, ich habe hier mehr geschwitzt, als bei meinen letzten Läufen….

Ich wünsche Euch allen ein gesundes, verletzungsfreies und erfolgreiches neues Jahr 2011

Euer

-timekiller-

Ungünstiger hätten die Bedingungen nicht sein können, um beim Nikolauslauf am Samstag seine persöhnliche Bestzeit zu knacken. Wie in ganz Deutschland liegt in München eine geschlossene Schneedecke, und die Wege und (Neben-)Straßen sind schnee- und eisverkrustet. Der Nikolauslauf ist Teil der Winterlaufserie, bestehend aus einem 10  km, 15 km und 20 km Lauf.  Ich bin dieses Jahr zum dritten mal am Start.

Nach 51:51 in 2008, 51:56 in 2009 wollte ich nun wenigstens  diese Zeiten unterbieten. In den Jahren zuvor wurde der 10km Lauf allerdings auf einer anderen Strecke durch den Olympiapark gelaufen. Ein direkter Vergleich ist daher nicht ganz gegeben.

Ob ich überhaupt an dem Lauf teilnehme  war bis Samstag Mittag nicht wirklich sicher. Meine Läufe unter der Woche sind mir sichtlich schwer gefallen und ich fühlte mich ein bisschen schlapp. Samstag Vormittag, hatte ich etwas muse und stöberte durch meine Lauf-Blog-Bookmarks und bin auf den Bericht von runningfreak über sein Debüt beim 24h Lauf gestoßen. Angestachelt von dieser außergewöhnlichen Leistung, konnte ich nicht anders als meine Sachen zu packen und mich um meine eigenen Grenzen zu kümmern. -50er Grenze heute bist du fällig-.

Da ich nicht gerne friere, habe ich mich bei -4 °C  warm eingepackt und bin um 14 Uhr locker in den Olympiapark gejoggt. Auf dem Weg dorthin, kamen jedoch erste Zweifel, ob heute eine günstige Gelegenheit sei, seine Grenzen auszutesten. Die Wege bis zum Olypiapark waren tief zerwühlt, ein laufen/joggen war schwierig bzw. sehr anstrengend. Die Wege im Park waren jedoch bestens geräumt und gestreut. Ich bin dann doch  völlig nassgeschwitzt und schon mit einem Puls von 175 in der Olympiaschwimmhallen angekommen, wo die Startnummern abgeholt, und man sich umkleiden konnte. Beim Eintritt in die aufgeheizte Schwimmhalle, legte meine Schweißproduktion nocheinmal zu. Ich fühlte mich wie ein Würstchen in einem Dampkochtopf aus Polyester. Ich glaube aus meine Kragen sind kleine Dampfwölkchen aufgestiegen…

Erstmal aus den Schichten gepellt und trochen gelegt. Ich beschloss bei dem Lauf mit einer Schicht weniger anzutreten. Wieder draußen wars dann doch etwas frisch, aber da musste ich jetzt durch -schlotter-.

Nikolauslauf rund um den Olympiaturm

Ich sortierte mich im mittleren Starterfeld ein, und um punkt 15 Uhr wurde gestartet. Fest entschlossen, mich diesmal nicht gleich wieder nach den ersten 400 Metern abhängen zu lassen, bin ich munter losgalopiert. Bei Kilometer eins stand 4:37 auf der Uhr, nicht schlecht, jetzt ein bisserl vom Gas, sonst geht mir hintenraus die Puste aus. Wie ich noch in Gedanken meine Renntaktik durchgehe knalle ich, in höhe der BMW-Welt, an der kurzen Ansteigung zur Brücke, beinahe auf einen Rollstuhlfahrer, der sich offensichtlich im Schnee festgefahren hat. Ich kann gerade noch ausweichen, und überlege kurz den ADAC zu rufen, habe aber kein Handy dabei, OK, ich komme in der nächsten Runde  ja nochmal vorbei, wenn er dann noch da steht,  schiebe ich Ihn den Buckel vollends rauf.

Der Rundkurs durch den Olympiapark war zum Teil Eis- und Schneefrei, über weite Passagen ging es aber über festgetrampelten Schnee. Am See entlag, war das Geläuf  etwas weicher und  ziemlich zerwühlt und es fiel mir schwer das Tempo zu halten. Irgendwie hatte ich Probleme meine Kraft verlustfrei in Vorschub zu wandeln.  Vor mir  lief eine dreier Läuferkette, hinter der ich schon seit einem Kilometer herdackelte, es fehlten mir aber die nötigen PS um an der Gruppe vorbei zu ziehen. Da nagelt ein kleiner, älterer Mann (ca. 60 Jahren), mit kleinen Trippelschritten an uns vorbei. -Holla-   der läuft ja mit einer ganz anderen Übersetzung, das ist wohl der Geländegang. Mal sehen, ob ich das auch drauf habe! Ich erhöhe die Schrittfrequenz und reduziere die Schrittlänge und tippel ebenso an den drei Musketieren vorbei. Ich versuche an der Senioren-Nähmaschine dran zu bleiben, aber ich bin diese Gangart nicht gewohnt, und muss Ihn ziehen lassen.

Sonst läufts, vor allem meine Nase, die legt sich so richtig ins Zeug. Die Kapazität meines Ärmels ist bald erschöpft, -noch einmal wischen-, gleich kommt der Fotograf bei der Zwischenzeit, da möchte man ja nicht wie ein Niagarfall- Imitator aussehen.

Die ersten 5 Kilometer bewältigte ich jeweils unter 5:00 Minuten pro Kilometer und nach 24 Minuten überquerte ich die Zwischenzeitmatte. -Perfekt- jetzt, das Tempo halten.

Bei Kilomter sieben fängt mein MP3 Player an in regelmäßigen Abständen zu quitschen, komisch? Irgendwie wird das Quietschen lauter, moment, das ist kein Quietschen es ist eher ein Stöhnen? Mein MP3 kann stöhnen? Ich blicke mich um und  sehe einen Frau die bei jedem ihrer Schritte laut stöht. -Weiea-, ist wohl eine Tennisspielerin, vielleicht gar Monica Seles? Das Stöhnen ist so laut, dass ich mich nicht auf meinen Rhytmus konzentrieren kann, -ich muss hier weg-, also versuche ich das Tempo zu erhöhen, und versuche vor dem ächzenden Elend zu fliehen. Die Frau jagt mich förmlich über die letzten drei Kilometer. Kurz vorm Ziel, an der letzten Steigung zum Olympiastadion, zünde ich meine -timekiller- Rakete und kann noch einige Läufer kasieren, zum Ziel geht es dann nur noch bergab, mit Karacho rase ich durch den Erdinger-Alkoholfrei Pavilion, in dem sich die Zielmatte befindet  und zerschelle dabei um ein Haar am Moderator der Veranstaltung, „Peter Maisenbacher“,  der es sich auch bei 800 Teilnehmern nicht nehmen läßt, jeden Finisher persöhnlich abzuklatschen. Bei uns war der Kontakt etwas stürmischer… Sorry.   Dann der Blick zur Uhr, handgestoppte 48:49!  -Jaaawollll- PB nur knapp verpasst, aber bei den Bedingungen haue ich jetzt ein Ei drauf.  Brutto kommt da noch ein bisschen was drauf, aber es bleibt deutlich unter 50 Minuten.

Völlig fertig schleppe ich mich in die Olympiaschwimmhalle zur Zielverpfelegung. Ich alter Amateur greife mir eine handvoll Schokoladenlebkuchen. In meiner dampfenden Hand, schmilzt schlagartig die Schokolade, binnen Sekunden saue ich mich ein, -prima-,  ach egal, kommt alles an den Ärmel.

Sogar am Erdinger Stand hat sich noch keine Schlange gebildte, wow, das ist doch die wahre Auszeichnung…

Nach drei weiteren alkoholfreien Weißbieren gings dann wieder nach hause.

Aber langsam, gaaaanz langsam.

Schnell noch die Laufschuhe geputzt und rausgestellt, vielleicht bringt der Nikolaus ja ein neues Laufshirt.