Posts by -timekiller-

In jedem Läufer scheint ein verborgener Statistiker zu stecken. Das konnte man zum Jahreswechsel auf einigen Läufer-Blogs eindrucksvoll beobachten. Ich bin da keine Ausnahme. Ich hatte schon immer einen Hang zu Zahlen. Ich kann mich erinnern, dass ich als sechsjähriger tagelang die mechanische Digitalanzeige des Radioweckers meiner Oma abgeschrieben hatte. Irgendwann, bin dann auch ich drauf gekommen, dass sich die Zahlen in einem bestimmten Muster wiederholen….

Als ich anfing zu laufen, habe ich nach den ersten erfolgreichen Geh-Versuchen, ebenfalls begonnen meine Aufzeichnungen zu machen, in der stillen Hoffnung auch hier ein Muster zu erkennen. Zuerst wurden nur Uhrzeit, Gewicht, und Dauer des Laufes notiert.  Als ich bei einem Aldi-Einkauf  eine Pulsuhr auf einem Wühltisch entdeckte, kamen  Puls, Kalorien und BMI dazu. Das alles habe ich in ein kleines Trainingsbüchlein geschrieben, das eine gewisse Ähnlichkeit zu diesem WordPress Layout hat.

Mein Trainingsbüchlein

Als ich vor einem Jahr meine ersten Laufblogs gelesen habe, stieß ich dann auf sagenhafte Diagramme und Statistiken, sogar die gelaufenen Strecken wurden da in

Karten verzeichnet. –Boah-Fantastisch, das will ich auch!!!

„Garmin Forerunner 310XT “ so hieß fortan das Wunderding von dem ich nachts träumte. Aber 300€ dafür ausgeben? Das sind ja 600 Mark! Dafür hatte ich mir früher mein erstes Auto gekauft, vollgetankt, wohlgemerkt.  Aber was soll‘s, das letzte Hemd hat keine Taschen…, also 300€ vom Haushaltsgeld abgezwackt und  über Amazon den Garmin Forerunner 310XT gekauft. Ganz heimlich habe ich die Bestellung gemacht, meine Frau hätte mich einliefern lassen, wenn Sie mitbekommen hätte, dass ich als Schwabe, mir eine Pulsuhr für 300 Ocken kaufe. Schließlich ist ja Laufen eine so günstige Sportart, bei der man außer Turnschuhen ja nix sonst braucht, so denkt jedenfalls der Laie.

Kurz vor Ostern, kam dann das Päckchen…

Gerät ausgepackt, aufgeladen, Grundeinstellungen gemacht und losgelaufen. War das eine Freude, da piepte und brummte es am Handgelenk, dass es eine reine Freude war. Irgendwann war dann der Freude genug, und ich habe den Alarm abgestellt.

Die Ernüchterung kam, als ich mir die Daten dann auf meinen Rechner spielen wollte. –nix mit CD einlegen installieren und fertig, nein! Da musste erst übers Internet eine Software runter geladen werden. Allerdings war auf der Seite, auf der man dann schließlich landete, nicht ganz klar, was braucht man denn jetzt eigentlich… (Intuitive Benutzerführung ist was anderes)

-Klick-, -Klick-, -download-, -installier- – Irgendwann hab‘s dann auch ich hinbekommen …

..und das Ergebnis im „GarminTraining Center“ sah dann nicht nach dem aus, was ich da in den Blogs gesehen hatte. -Menno!-

Wieder etwas recherchiert, so habe ich herausgefunden, dass das „Garmin Training Center“ nix taugt, man aber  die Daten in SportTracks übernehmen kann, und hier die schönen Schaubilder und die Sattelitenbilder herkommen.  So war dann auch ich zufrieden gestellt. (Mittlerweile gibt’s ja auch die online Alternative Garmin Connect , das ist ganz OK, vergleichbar mit 1-2-Sports und ähnlichem.)

Am Anfang musste ich mich noch an ein paar Eigenheiten des Garmins gewöhnen, beispielsweise, dass das Gerät seine Zeit braucht bis er den Satteliten gefunden hat, und dann auch das korrekte Datum und Uhrzeit übernimmt. Daher lege ich nun immer meine Uhr auf den Gartentisch, während ich mich umziehe, dann muss ich beim loslaufen nicht lange auf die Lokalisierung warten… Bei größeren Ortswechseln (mehrere hundert km) dauert das Sattelitensuchen dann auch mal ein bisschen länger.

Aber mit der Zeit habe ich mich mit dem Gerät arrangiert, und auch gelernt, dass man einige Angaben nicht auf die Goldwaage legen darf, so hat meine Stammstrecke beispielsweise an schlechten Tagen auch mal 100 Meter mehr? –Erdkrümmung?- . Auch die Höhenmeter scheinen komplett aus dem Reich der Fantasie zu kommen, aber das ist ja auch nicht so wichtig.

Lange Unterführungen sind auch so eine Sache, da ist natürlich Essig mit GPS, da hilft dann nur der  Schrittsensor (aber den habe ich noch nicht kalibriert (Schrittsensor kostet auch extra (ca. 100€)), da kommen dann auch recht komische Werte raus, meist wird die Strecke  länger, wobei man auf diesen Abschnitten extrem schnell zu sein scheint.

Es kommt  auch schon mal vor, dass das Gerät streikt, oder man durch eine seltsame Tastenkombination alle Tasten gesperrt hat, und man dann das Gerät nicht mal mehr ausschalten kann. Aber so ist  das mit der Technik, ist halt auch nur ein Computer, und je komplexer die Dinger werden desto wunderlicher sind die Fehler …

Sonst bin ich aber mit dem Gerät voll zufrieden. Und würde mir wohl auch wieder einen kaufen. (Gesetzt den falles, der Lebenszyklus des Gerätes beträgt nicht nur 6 Monate)

Vor zwei Monaten begann dann aber mein Garmin ernsthaft rumzuspinnen. In immer kürzeren Abständen ist die Anzeige ausgestiegen, zuerst war die Anzeige zerhackt, und dann spiegelverkehrt?  -Ist dann etwas schwierig beim Laufen seinen Puls zu kontrollieren…-

-Aha-

-Spieglein, Spieglein...-

Kurz nach Weihnachten war‘s dann soweit, das Display ist komplett ausgefallen. -Super- wenn das meine Frau mitkriegt… „das teure Ding, schon kaputt!“

Jedes Produkt ist nur so gut wie sein Support, also bei Garmin Deutschland angerufen und die Probe aufs Exempel gemacht…

Die Wartezeit in der Telefonwarteschleife war erträglich, nach kurzer Zeit meldete sich auch schon eine freundliche Stimme (man bemerke, das war zwischen Weihnachten und Silvester, in der Woche hatte sogar ich frei ).

Ich erklärte dem Herren mein Problem, woraufhin ich ohne langes hin und her eine RMA und  eine Mail bekam mit Hinweisen, was im Reklamationsfalls alles einzuschicken ist. Da ich ein alter „Schachtelaufbewahrer“ bin, habe ich alles in die Originalverpackung gepackt und zur Post gebracht.

Den Silvesterlauf musste ich dann zwar wieder mit meiner alten Aldi Pulsuhr laufen, schneller wäre ich da aber mit dem Forerunner auch nicht gewesen. Laufen muss man mit den modernen Dingern ja auch immer noch selbst.

Letzte Woche, kurz vorm Crosslauf,  kam dann per UPS ein Packet von Garmin, mit einem niegelnagelneuen Forerunner 310XT. Dem beigelegten Lieferschein war nur zu entnehmen, dass das beanstandete Gerät kostenfrei ausgewechselt wurde, sonst nix. -OK, soll mir recht sein-.

Jetzt hoffe ich, dass der Totalausfall eine einmalige Ausnahme war, und wir beide noch viele gemeinsame Kilometer auf die Piste bringen,  nicht dass ich mich ganz ohne GPS in den Outbacks von München verlaufe…

Mein kleines Trainingsbüchlein führe ich übrigens immer noch, sicher ist sicher … 🙂

Mit der Ruhe ist es vorbei. Die Arbeit ist diese Woche wieder voll angelaufen. Apropos Laufen, am Mittwoch war wieder der ZHS Crosslauf. Der letzte Termin am 22.12.10 ist ja leider aufgrund der Witterung (Glatteis) und dem Ski Event im Olympiapark ausgefallen. Der Start wurde studentenfreundlich auf 19:00 Uhr gelegt, quasi kurz nach dem Frühstück. Als ich kurz vor 18:30 einlaufe bin ich der erste. Fällt auch diese Veranstaltung aus? Liegt es am Wetter? Doch ich warte nicht lange, da sammeln sich die wackeren Recken. 46 waren es dann doch, denen das Wetter nichts auszumachen schien. Um kurz nach 19:00 Uhr legte der Regen eine kurze Pause ein und der Startschuß fiel. Ich habe mir fest vorgenommen diesmal nicht gleich wieder nach den ersten 400 Metern abgehängt zu werden, und galoppiere munter drauf los. Am Ende der Tartan Bahn, wo die Strecke in den Park abbiegt bin ich diesmal nicht letzter, jedoch deutlich im hinteren Läuferfeld. Ich versuche dran zu bleiben und klemme mich hinter eine kleine Läuferin.

Die schmale Gasse hinterm Olympiastadion ist diesmal gut zu passieren, keine Konzertbesucher versperren den Weg. Nach zwei km ist das Läuferfeld schon ziemlich auseinander gefallen, da überholt mich plötzlich im Sturmschritt ein Läufer. Wo kommt der den jetzt her, gehört der zu uns? Das macht der doch extra, erst zwei Kilometer trödeln, und dann genüsslich das Feld von hinten aufrollen. Es gibt nichts demotivierenderes, als von solchen Läufern überholt zu werden, *heul*. Als ich mich von dem Schrecken erholt habe, packt mich der Ehrgeiz und ich  ziehe laaangsam an meiner kleinen Pacemakerin vorbei. Kurz vorm Oly-Berg schließt von hinten ein weiterer Läufer zu mir auf, ich versuche mich rechts zu halten, damit der vorbei kann, aber er bleibt dicht hinter mir. So schiebt er mich förmlich den Berg hoch, auch am Sattel macht er keine Anstalten mich zu überholen, läßt sich wohl ziehen, was? Eigentlich müssten mir jetzt langsam die ersten Läufer der Spitzentruppe wieder entgegen kommen, erstaunlich, wo bleiben die? Ich bin schon an der Bank vorbei wo ich mir das letzte mal den Schuh binden musste, da kommt mir das Führungstrio endlich entgegen. Entweder bin ich heute extra schnell unterwegs, oder die haben zwischendurch ein Picknick eingelegt. Ich horche in mich hinein “Hallo, alles klar, sind wir gut drauf?“ Ich meine ein zögerliches „Naja, geht so“ vernommen zu haben. OK, fragen wir später nochmals nach, jetzt geht es für mich erstmal wieder den Berg runter. Wie war das gleich beim Berg runter laufen? -Oberkörper leicht nach vorne, Schritte länger machen, und dann ausklinken…-, so sause ich den Berg hinunter, mein Schatten nach wie vor direkt hinter mir. Im „Tal“ versuche ich etwas Tempo rauszunehmen um für den nächsten Anstieg gewappnet zu sein. Mit meinem Schatten im Nacken gelingt mir das nicht so richtig, so beginne ich den Wiederaufstieg nicht gerade ausgeruht. Der Berg schafft mich, ich versuche mich an das Kapitel „Berg hochlaufen“ zu erinnern. -Aufrecht, kürzere Schritte, die Kuppe anfixieren…- Ich meine das wäre schon mal besser gegangen, aber mein Schatten japst genauso wie ich. Die Serpentinen runter,  nach dem Sattel, nehme ich diesmal innen, da mein Verfolger ja lieber im Windschatten läuft. So rennen wir dahin als Siamesisches Läuferpaar… Zwischen Olympiastation und Event Arena, höre ich ein „sind wir noch richtig?“ Aha, mein Schatten kann sprechen, und hat einen mangelhaften Orientierungssinn. Ich bringe nur ein japsendes „ja“ zustande, da zieht er auch schon an mir vorbei. So ist das also, der hat mich nur benutzt *buh*, aber der Drops ist noch nicht gelutscht. Ich versuche dran zu bleiben, doch der Kollege setzt sich deutlich von mir ab, klar, konnte sich ja auch die ganze Zeit in meinem Windschatten ausruhen.  So geht es an der Parkharfe vorbei, an der Abzweigung, wo es  zur Olympiahalle rechts ab geht, rennt mein Ex-schatten wie angebrannt an er Abzweigung vorbei.  Der kennt sich ja wirklich nicht aus. „RECHTS“ brülle ich, und bereue im selben Augenblick meine edelmütige Tat, meine Lunge Sticht, Argh…  Ausgerechnet hier geht es nochmals zur letzten Steigung hoch. –Röchel, Röchel-  Mein Mitstreiter hat damit auch nicht mehr gerechnet und wird deutlich langsamer, so kann ich wieder an ihm vorbei. Ab  jetzt geht es nur noch bergab. Ich checke nochmals meine Systeme „Hallo, alles klar, fertig zum Endspurt“, „bist du irre, das ist mindestens noch ein Kilometer…“, „Ja, aber bergab, los jetzt, legt noch ne Schippe drauf…“ Widerwillig gehorchen meine Stelzen. Tap, tap, tap, endlich auf der Tartanbahn des ZHS Stadions angekommen, möchte ich zusätzlich meine –timekiller- Rakete zünden, da quittiert mein Zwerchfell den Dienst „ich spiel nicht mehr mit“ und schlagartig setzt ein höllisches Seitenstechen ein. Verdammt, ich habe noch 200 Meter zu laufen, los weiter, am Seitenstechen ist noch keiner gestorben… Und was ist, wenn es kein Seitenstechen ist, sondern … Quatsch, so tief sitzt das Herz nicht, weiter, noch 100 Meter, die paar Meter brauchst du jetzt auch nicht mehr atmen … Ziel!!!

Und? war ich Super oder war ich Super? Ein Blick auf die Uhr, 35:22 für 7,4 km, nicht schlecht… wobei! Das ist ja 13 Sekunden langsamer als beim letzen Lauf?

-?-

Pfh! Was sind schon 13 Sekunden? Der Zitronentee wäre jedenfalls vor 13 Sekunden auch nicht kälter gewesen. Oder?

Zum ersten ZHS Cross Lauf

Die schönste Woche des Jahres 2011 ist eigentlich schon wieder rum. Der Jahresstart beginnt in Bayern aufgrund des Feiertages „Heilige Drei Könige“ und dem darauffolgenden Brückentag immer etwas gemächlicher. Die Projekte für 2011 schlummern noch in den Schubladen, werfen aber bereits ihre Schatten voraus.


Nachdem nun alle Blogger Ihre Jahresziele verkündet haben, möchte auch ich nicht fehlen. Wo soll es mit mir 2011 hingehen? Mit meiner sportlichen Bilanz für 2010 bin ich eigentlich recht zufrieden, ich habe es auf 1275 Jahreskilometer (bei 116 Läufen) gebracht und auch ein paar 10er unter 50 Minuten gefinisht.

Was ist 2011 drin?

Ich möchte mich endlich an mein großes Ziel „mein erster Marathon“ wagen und bin bereits für den München Marathon im Herbst gemeldet. Da der Marathon traditionell nur zwei Wochen nach der Wiesn stattfindet wird das eine echte Herausforderung. Dass es mir bis zum Herbst nicht langweilig wird, bin ich jeden Monat für mindestens einen kleinen Lauf gemeldet. Unter anderem möchte ich im Mai beim „9. MRRC Stadt Triathlon München“ teilnehmen und vielleicht im Juli noch am Karlsfelder Volkstriathlon.
Aber, die sportliche Seite meines Lebens muss zum Rest passen, ich habe beruflich in 2011 einiges vor, und muss hier richtig Gas geben, außerdem habe ich mir vorgenommen für die Familie wieder mehr Zeit zu haben.

Wie geht das alles zusammen?

Nun, ich habe festgestellt, dass das Laufen mehr für mich ist als nur den Schweinehund zu besiegen und Kilometer zu sammeln, das Laufen gibt mir die Energie die beruflichen Herausforderungen anzunehmen und zu meistern. Das Laufen tut mir einfach gut. Dabei habe ich durchaus auch einen gewissen Ehrgeiz, nicht dass ich mich mit Jemanden messen möchte, nein, es sind selbst gesteckte Ziele wie z.B. den Marathon unter 4 Stunden zu laufen. Ich möchte mich aber nicht unter die Knute eines engen Trainingsplans zwängen, da ich für meinen Beruf zeitlich flexibel sein muss. Der Job hat also weiterhin die Hoheitsgewalt über meinen Terminkalender. Trotzdem versuche ich jeden zweiten Tag zu laufen, mindestens an drei Tagen der Woche und mindestens einmal pro Monat eine längere Einheit einzubauen.  Flexibel eben. In den drei Monaten vor dem Marathon werde ich das noch ein bisserl intensivieren müssen.

Das hört sich jetzt viel an, woher die Zeit dafür nehmen?

Ich habe mal nüchtern meine Tage betrachtet und festgestellt, dass nicht etwa die Zeit fehlt, sondern sich die Aufgaben zu bestimmten Zeiten einfach häufen, und zu anderen Zeiten Leerlauf herrscht. Die größte Zeitvernichtung findet am Feierabend vor der Glotze statt. Ich habe nun ein paar Prioritäten geändert, und ich lasse das Fernsehen am Feierabend weg, statt dessen laufe ich Abends, bzw. kümmere ich mich um Dinge die tagsüber liegen geblieben sind oder habe einfach mal Zeit für meine Frau, (oder fürs Bloggen :-))
Ich habe das Fernsehen nicht komplett gestrichen, ich möchte nur bewusster konsumieren. Ich habe mich viel zu oft einfach nur zur Entspannung durch das Programm gezappt, und dabei war der Mehrwert für die verbrauchte Zeit eher gering. Wenn ich mir überlege wie viel sinnlose Zeit ich schon vor der Glotze verbracht habe werde ich richtig sauer.
Mit dem Festplatten Rekorder kann ich mir die interessanten Sendungen einfach aufnehmen und dann bei Bedarf, vielleicht nach dem Training, anschauen.
Mein Training am Wochenende habe ich auf die Frühe, bzw. auf den Abend gelegt, und es wird entweder Samstags oder Sonntags gelaufen, so bleibt auch Zeit für lange Ausflüge mit der Familie, wenn ich nicht gerade am Wochenende Arbeiten muss.

Das ist jetzt nicht nur pure Theorie, ich habe bereits im Herbst damit begonnen meine Wochenkilometer zu erhöhen, und mein Tag hat jetzt nicht plötzlich 28 Stunden. Bisher klappt das ganz gut! An der einen oder anderen Stelle muss ich noch etwas optimieren… Aber ich weiß dass es klappen kann, es gibt in der Lauf-Blogszene genug Beispiele die es täglich beweisen, dass Job, Familie und Sport sich nicht ausschließen.
Oder habe ich mir da doch zu viel vorgenommen?

Ich weiß, ich bin ein bisschen spät dran mit den Bildern zum Parallelslalom in München, dennoch möchte ich Euch die Bilder nicht vorenthalten. Außerdem ist das eine gute Gelegenheit mal die NextGEN Gallery auszuprobieren. Ansonsten wird in diesem Post nix übers laufen zu lesen sein, außer vielleicht, dass mir beim Warten auf den Start die Zehen vor Kälte blau angelaufen sind…

  • FIS-Parallelslalom

 

 

Die letzte Aktion für 2010 steht an, der 27. Silversterlauf vom MRRC durch den vereisten Olympiapark. Ich freue mich schon lange auf dieses Event. Es herrscht hier immer eine ganz besondere Atmosphäre. Diesmal ist die Freude besonders groß, da ich mich bei dem Lauf mit LocalZero von nachderkurve.wordpess.com treffen möchte.

Es ist elf Uhr am Freitag Vormittag, alles ist gepackt, ich bin startklar, trinke noch den letzten Schluck meiner speziell angemischten Zuckerplörre, da klingelt das Handy. Verdammt „die Arbeit“ ist am Apparat, ich wundere mich, dass der Kollege am Silvestervormittag überhaupt noch arbeitet. Vielleicht will er mir nur einen guten Rutsch wünschen, das könnte ich gut gebrauchen. Etwas widerwillig gehe ich ran.

-Jaaaaa?  Hm, hm, aha…verstehe-

Glückwünsche gibt es keine, dafür ein kleineres Problem. Nix akutes, hätte nur bis Montag erledigt sein sollen und jetzt klemmt was…, nun ist  mein Rat erwünscht. Zur Lösung des Problems fällt mir spontan nichts Brauchbares  ein, ich denke nur:

-du mußt los,  du bist viel zu  spät dran, schließlich willst du die 3 km zum Start an der Event-Arena joggen, um dich aufzuwärmen.-

Ich vertröste den Kollegen, und verspreche mich in zwei Stunden nochmals zu melden, lege auf und laufe los. Ich lasse den ersten km ganz langsam angehen, schließlich wärme ich mich ja auf, und möchte dann später Vollgas geben. Aber selbst das lockere laufen fällt mir schwer, beim zweiten Kilometer bin ich schon ziemlich außer Atem und die Beine schmerzen, vor allem das Schienbein.

-Oh je, das wird ein harter Ritt-

An der Event-Arena angekommen, bahne ich mir gleich den Weg zur Startnummernausgabe und mache mich auf eine längere Schlange gefasst, schließlich kann das bei knapp 2500 Startern etwas dauern. Aber nichts dergleichen tritt ein, ohne lange anzustehen bekomme ich meine Startnummer mit Einmal-Chip, der an der Perforation von der Startnummer abgetrennt und am Schuh verknotet werden muss. Perfekt, ich linse auf die Uhr, vielleicht schaffe ich den ersten Treffpunkt ja noch. Ich muss mich aber noch kurz trockenlegen, da meine Schweißproduktion schon angelaufen ist, also wechsle ich noch kurz das Oberhemd und verstaue meinen Sack auf einem T-Träger über einem Notausgang. Garderobe, bzw. Kleiderabgabe gibt’s hier nicht, braucht man auch nicht, schließlich sind Läufer freundliche und ehrliche Menschen. Auf dem Weg zum Treffpunkt komme ich noch an der seeeeehr langen WC-Schlange vorbei, und kontrolliere innerlich die Füllstandsanzeige meiner Blase…. –fast voll, mach mal lieber einen Boxenstop-. Also reihe ich mich auch ein, ich prüfen mehrmals, ob ich auch wirklich an der Herren-Tö anstehe und nicht etwa bei den Damen bzw. bei irgendeinem Gratisdingens. Bis ich meinen Ballast losgeworden bin, sammelt sich das Läuferfeld bereits zum Start. Ich schau mich noch am Treffpunkt um, ob ich jemand entdecke auf den die Beschreibung und Startnummer passt… Niemand da, OK, du bist auch gut 20 Minuten zu spät dran, vielleicht finde ich LokalZero ja in der Startaufstellung…

Einer der die 10km in 40 Minuten läuft wird sich nicht hinten bei den Amateuren anstellen, also drängle ich mich nach vorne, finde aber niemanden. Wenig später fällt der Startschuss. Aus der fünften Startreihe heraus beginne ich den Lauf. –Ich habe hier vorne nix verloren- Ich halte mich rechts, damit das Feld an mir vorbei ziehen kann.  Da mein Forerunner gestern den Dienst quittiert hat, bin ich nun mit meiner alten ALDI-Pulsuhr unterwegs, und habe keine Info über meine aktuelle Pace, Wahnsinn wie schnell man sich an den technischen Schnickschnack gewöhnt. Ich versuche mein Tempo zu laufen, und mich nicht zu sehr vom Feld ziehen zu lassen. Km 1 bei 4:36 abgedrückt, nicht schlecht, aber für mich zu flott, ich bin oft genug eingebrochen, also das Tempo weiter raus nehmen. Km 2 bei 4:51, -Perfekt, so kann es weiter gehen-.

Quelle: MRRC

Der Kurs wurde dieses Jahr aufgrund des anstehenden AUDI FIS Ski Welt Cup Parallel Slaloms geändert und zog sich in einer langen Schleife durch den gesamten Olympiapark. Eigentlich gefällt mir dieser Kurs wesentlich besser als der übliche, hat eben ein paar  kurze Anstiege mehr als sonst. Es war aber nicht einfach zu laufen, man musste ständig den Weg auf Eisplatten sondieren, bzw. die optimale Linie suchen.

Bei  km 3 zieht LocalZero an mir vorbei, jedenfalls denke ich, dass er es sein könnte, zum rufen fehlt mir die Puste, ich versuche dran zu bleiben, realisiere aber schnell, dass das nix wird. Was will ich auch? Plaudern? Das kann ich höchstens bei einer Pace ab 6:30, also laufe ich weiter mein Ding. Kurz später komme ich wieder an der Event-Arena vorbei, viele Zuschauer säumen hier den Weg. Allerdings ist es hier in einer engen spitzen Kurve auch extrem glatt. Die Läufer wackeln wie „Enten auf Speed“ durch die Kurve. Wäre ich Zuschauer, hätte ich mir auch diese Stelle zum Zuschauen ausgesucht. Wirklich sehr lustig was hier dargeboten wurde. Ich komme ohne Blessuren durch das eisige Eck, und mache mich auf weitere Rutschpartien im nördlichen und weniger frequentierten Olypark gefasst. An den Meldungen, dass das Streugut knapp wird, muss was dran sein. Hier wurde jedenfalls sehr sparsam das kostbare Streugut verteilt. Ich halte trotzdem  meine Pace bei knapp 5:00.

Bei km 9 biegt der ursprüngliche Weg ab und  führt durch den abgelassenen Olympiasee am Zielbereich des Slaloms vorbei, und wieder zurück auf die Zielgerade. Eine Zielgerade, die nicht enden möchte. Ich zünde die –timekiller- Rakete und versuche noch ein paar Läufer zu kassieren, aber meine Rakete entpuppt sich diesmal als Blindgänger, das Ziel kommt nicht näher, ich vertage den Zielspurt auf einen günstigeren Zeitpunkt und ziehe erst 200 Meter vorm Ziel nochmal an. Mit 4:26 schließe ich den letzen Kilometer ab, immerhin eine Steigerung zum ersten Kilometer. Mit 48:52 war ich schließlich im Ziel. Ist jetzt nicht die PB, aber was will ich mehr, Sub 50 das passt schon.

Wie ich wieder zu Atem gekommen bin, begebe ich mich zur Tassenausgabe und zur Zielverpflegung.

Ich brauche nicht lange und ich entdecke LocalZero. Völlig entspannt schlürft er seinen Zitronentee.

-Puh, der wartet schon lange-

Ich spreche Ihn an, und wir haben uns sofort was zu erzählen.  Eigentlich irre, schließlich kennen wir uns überhaupt nicht. Ich lerne einen sehr sympathischen Menschen kennen, der eine gesunde Einstellung zum Laufen und zum Leben hat. Wir Ratschen eine ganze Weile miteinander, während neben uns die Sektkorken knallen.

Auf dem Rückweg von der Event-Arena zurück zur Home-Base, sickerte langsam wieder das Problem des Vormittags durch.  Zuhause angekommen, bin ich fest der Überzeugung, dass dieses Problem diese Jahr nicht mehr gelöst werden muss.  -Jetzt ist einfach auch mal Feierabend-. Also, Kollege angerufen und zum Feierabend verdonnert, und dann unter die Dusche.

Das wars, das Jahr ist gelaufen, … so dachte ich, bis wir bei unserer Silvesterabend Einladung SingStar auf der PlayStation spielen mussten…

-..das hat mir jetzt wirklich alles abverlangt, ich habe hier mehr geschwitzt, als bei meinen letzten Läufen….

Ich wünsche Euch allen ein gesundes, verletzungsfreies und erfolgreiches neues Jahr 2011

Euer

-timekiller-

Ich weiß nicht woran es liegt, aber hier im Norden bin ich ständig müde. Liegt es an der Luftveränderung, oder gar am koffeinfreien Kaffee, der bei den Schwiegereltern gereicht wird? Daher habe ich mich heute Mittag hingelegt, um etwas zu lesen, bin aber nicht weit gekommen…

Um 15:30 bin ich hochgeschreckt, Mensch Du willst doch noch laufen…

Nach meinem Weihnachtslauf am 24. und einer Tempoeinheit am 26., stand wieder ein längerer Lauf von ca. 18 km auf dem Programm. Da ich den Lauf mit angezogener Handbremse bestreiten wollte, habe ich mich warm eingepackt. (habe ich bereits erwähnt, dass ich nicht gerne friere?) Da es schon spät war,  habe ich mich auch noch ein bisschen mit  Reflektor-Armbändern und Gürtel dekoriert, sowie mit einem Blink-Armband. Ich sah aus wie ein blinkender Wattwurm, OK, bei vier Schichten war ich eher eine Watt-Wurst.

Um 16 Uhr,  ging es dann los, ich hatte mich diesmal genau informiert, damit ich mich nicht wieder verlaufe. Soweit so gut, die Strecke war diesmal nicht das Problem, sondern die Dunkelheit, die mich dann  sehr schnell verschluckte. Um 17:00 Uhr bei ca. km 10 war es dann schon stockdunkel. Zum Glück hatte ich die Route so gewählt, dass ich ab km 11 nur noch auf dem Radweg von Charlottendorf nach Wardenburg  zurück laufen musste.

Vielleicht hatte ich ja doch eine Schicht zu viel aufgelegt, oder es lag an der ungünstigen Wetterkonstellation, jedenfalls begann ich langsam an zu dampfen. Von meinem Funktionsmützchen stiegen Nebelschwaden auf, und auch aus meinem Kragen dampfte es, wie aus einem Wasserkessel. Das wäre nicht weiter dramatisch, wäre ich kein Brillenträger, fortan beschlug also meine Brille… das ist ein bisschen ungünstig beim Laufen, vor allem wenn es dunkel ist.  Ich experimentierte mit meiner Atmung, machte die Jacke weiter auf, irgendwann habe ich es dann geschafft, dass nur der untere Rand der Brille beschlug.

Der Radweg vor mir war noch Schneebedeckt, nur die wenigen Fußstapfen waren freigeschmolzen. Links die weißen Felder, rechts die Böschung zur Straße, der Weg zog sich wie ein langer weißer Lochstreifen durch die Nacht. So rannte ich durch die Dunkelheit, fast in Trance durch das ständig wiederkehrende Muster des „Lochstreifens“ vor mir. Ab und an wurde ich von einem entgegenkommenden Fahrzeug geblendet. Der Weg verlief an einer Stelle etwa 1,5 Meter unterhalb der Fahrbahn, just als ich diese Passage  passiere, kommt mir ein PKW entgegen, der Wagen ist noch ca. 5 Meter von mir entfernt, da blendet der Sack auf…

X-E-N-O-N

Quelle: Wikipedia

…AArgh!

Weihnachten feiert Familie –timekiller- traditionell bei den Schwiegereltern in der Nähe von Oldenburg.

Da Oldenburg nicht gerade um die Ecke liegt, steht vor Weihnachten erstmal die lange Fahrt in den Norden an. Als alter Staustratege legte ich den  Abfahrtstermin  auf 23.12; 18:00 Uhr, und lag damit diesmal genau richtig, denn die Unbillen des Winterwetters, wie Schneeregen /überfrierende Nässe / Blitzeis…, zogen bereits am Nachmittag über Mittel und Norddeutschland hinweg, da suchte ich noch verzweifelt in  München nach einem Geschenk für die Gattin. Gut 8 Stunden haben wir dennoch  für die Strecke gebraucht und damit waren wir noch gut bedient, denn ab Paderborn ging es über eine geschlossene  Schneedecke. -Was tut man nicht alles für die Familie-

OK, ganz selbstlos war das nicht, ich wollte die Weihnachtstage nutzen um noch ein paar lange Läufe, die ich in den letzten Wochen etwas vernachlässigt hatte, in einer anderen, vor allem ländlichen, Umgebung zu absolvieren.  Für einen Stadtläufer ist das ein absoluter Genuss, wie Weihnachten eben.

Daher stopfte ich mich gleich am 24.12.  Nachmittags in meine Funktionsklammotten und los gings. Aber wohin? Meine Strecke durch den Wald und über Feldwege die ich sonst bei meinen Besuchen immer gelaufen bin, lag tief verschneit im Winterschlaf, da war kein Durchkommen möglich.

Während mein Forrunner im Garten noch den Satteliten sucht,  suche ich auf www.mapmyrun.com nach einer Alternativstrecke, die hoffentlich über geräumte Rad und Fußwege führt. Ok, zum warm werden, einfach mal  in den Nachbarort und zurück.

Auf dem Radweg ging es dann von Wardenburg Richtung Littel, der Weg war geräumt aber nicht ganz Schnee und eisfrei, aber dieses Jahr ist man das ja schon gewohnt. Vor Littel beschließe ich den Radweg zu verlassen um, über den Lübbersdamm um Littel herum zu laufen.  Der Schnee auf dem  Sträßchen ist festgefahren, und ziemlich rutschig, stellenweise sorgen Schneeverwehungen für  kleine Tiefschnee Einlagen.

Streckenweise ist die Sicht diffus, alles um mich herum ist weiß, der Weg, die Felder rechts und links, der Himmel… Mir wird ganz schwummerig, da dem Blick etwas fehlt um es zu fokusieren.

Nach Littel komme ich wieder auf eine größere Straße mit Radweg und biege rechts ab, um wieder nach Littel zurück zu kommen. -Ein folgenschwerer Fehler- Ich wundere mich noch, dass der Radweg nach dem Ort wohl die Fahrbahnseite gewechselt hat, aber OK, warum nicht.

Ich laufe weiter, auch wenn mich das Gefühl beschleicht, irgendwie die Orientierung verloren zu haben,  aber das mag daran liegen, dass ich die Gegend nicht gut genug kenne und irgendwie sieht das momentan eh alles gleich aus. Plötzlich stehe ich vor dem Ortsschild „Charlottendorf-West“

-wo bin ich-

Diese Frage kann ich schnell klären da am Ortseingang eine Umgebungskarte steht. Der Platz vor der Infokarte ist natürlich nicht geräumt und so stehe ich in 20 cm tiefem Schnee und versuche mich zu orientieren, während mir der Schnee in den Schuh rieselt.

OK, ich bin falsch abgebogen und bin im Nachbarort gelandet, ich könnte jetzt natürlich einfach wieder umdrehen, aber da ich lieber Rundkurse laufe, versuche ich mir eine andere Wegvariante einzuprägen. Jetzt gleich links Richtung  Charlottendorf-Ost und dann die nächste Straße wieder links zurück Richtung Littel. Ich laufe wieder auf einem schmalen Sträßchen, mir fällt auf, dass nirgends gestreut ist. Etwas Splitt würde das Fortkommen erheblich verbessern.  Wenn ich so drüber nachdenke fällt mir auf, dass die Größe des Streugutkörnung mit der geografischen Breit nach Norden hin abzunehmen scheint. Während noch in Österreich die Korngröße bei stattlichen 10 -15 mm liegt, ist die Körnung in Bayern und Baden-Würtenberg bei durchschnittlich 5mm. Hier im Norden scheint man überhaupt  nicht mehr zu streuen. Und gerade hier ist die Dichte der Sommerreifenfahrer besonders hoch. Eben hat mich wieder ein Kleinwagen mit durchdrehender Vorderachse überholt… Hätte der Motor nicht so geheult, ich hätte den Wagen nicht gehört, da der Schnee sämtliche Geräusche schluckt.

Eigentlich hätte die nächste Abzweigung nach ca. 1 km kommen sollen, bisher war da aber nix, nach 2km kommt endlich eine Straße. Der Name der Straße lautet anders als der, den ich mir versucht habe einzuprägen. –egal- ich muss hier links ab, sonst komme ich bis zur Bescherung nicht mehr nach Hause. Die Straße geht nun kilometerlang gerade aus. Am Horizont kann ich ein kleines gelbes Auto erkennen, das alle 100 Meter anhält. Da werden wohl noch die letzten Pakete ausgeliefert.  Es pfeift mir ein eisiger Wind entgegen. Ich habe das Gefühl ich stehe. Meter für Meter kämpfe ich mich weiter. So langsam wird’s anstrengend und ich beginne mich zu fragen, was mich geritten hat heute und hier zu laufen. Es ist Weihnachten und ich stolpere hier durch die Gegend. Irgendwann bin ich mit dem Postboten auf gleicher Höhe, ich grüße Ihn mit einem „Moin“, Der Postbote winkt mir zu während er durch den Schnee zu einem Hof stapft.   Das nächste Ortschild läßt mich aufatmen, „Littel“, ich weiß wieder wo ich bin. Ich laufe durch den Ort, zurück auf die Bundesstraße die mich zurück nach Wardenburg führt. Die einzigen Fußspuren auf dem Radweg sind von mir. Ich habe zwar keine Kraft mehr, aber ich stelle fest, dass meine Schrittlänge zugenommen hat, ich schaffe es nicht in meine eigenen Stapfen zu treten. Ist das das Geheimnis des negativen Splitts?

Aus meinen Gedanken reißt mich ein hupendes Auto das neben mir langsamer wird, es ist der Postbote und fragt, ob er mich ein Stück mitnehmen soll,  ich muss ein fürchterliches Bild abgegeben haben, aber diese Schmach kann ich nicht zulassen, dass mich die Post auf dem Hof der Schwiegereltern abliefert. Ich lehne dankend ab, und versuche zu lächeln.

Ziemlich KO, und vollkommen durchgeschwitzt komme ich zu hause an.  15 km stehen auf der Uhr, bei einer durchschnittlichen Pace von 5:20, nicht schlecht, aber ich bin völlig alle.  5 km gegen den Wind kann mit jedem Bergtraining mithalten. Das wars, die nächsten paar Tage wird nur noch gechillt.  Scheiß auf Dein Trainingsplan. Ich überlege meine dampfenden Schuhe gleich ins Auto zu packen,  damit ich nicht nochmals in Versuchung  geführt werde.

Ich komme in die warme Küche, meine liebe Familie schaut mich ungläubig an, „Wie? Du warst Laufen? Bei dem Schnee, du spinnst ja!“ Trotzdem bringt mir meine Tochter eine Flasche Vilsa (das beste Mineralwasser Norddeutschlands).  Der Inhalt der Flasche verdampft noch in meiner Kehle bevor er den Magen erreicht.  Während ich saftend auf der Küchenbank sitze und in Gedanken mein Läuferjahr abschließe, macht mich meine Schwägerin charmant darauf aufmerksam doch mal die Dusche aufzusuchen. „Ich glaube Dein Deo hat versagt“. Mit wackligen Knien erklimme ich die steile Treppe zu unserem Zimmer. Ich werde den heilig Abend wohl im Bett verbringen müssen, denn die Treppe komme ich nicht wieder runter…

Unter der warmen Dusche, kommt etwas verspätet das „Runners High“ „Mensch ist das schön“ durchströmt es mich . Die Glückshormone fangen an zu blubbern. In Gedanken feile ich schon wieder an meiner nächsten Tour, diesmal aber gleich eine richtig  große Runde. Aber erst morgen, jetzt freue ich mich auf  Heilig Abend mit den Kindern.

Ich wünsche Euch allen schöne Weihnachten, und viele tolle Laufmomente für 2011.

-timekiller-

Es ist ein Drama, die letzte Woche war schlimmer als befürchtet. Jede Menge Arbeit, und eine Feier, zu der ich vollkommen ausgehungert einlaufe und nach dem Aperitf schon ziemlich beschickert bin. Ich realisiere langsam, dass ich in einer schicken Vinothek nicht auf Bier umsteigen kann, auf bleifreies schon gar nicht.  -egal- Ich baue auf ein opulentes Menü und trinke mit den Kolleginen noch ein Gläschen.  Dummerweise haben schnieke Vinotheken die Eigenheit, daß die servierten Speisen zwar äußerst schmackhaft sind, jedoch nur in homöopatischen Dosen angeboten werden.  Nach der Nachspeise knurrt mir noch der Magen. Über das Vakuum im Magen macht sich allmählich der großzügig ausgeschenkte Schwarzriesling her. Ich bin kein Weinkenner, ich kann gerade mal Weiß- von Rotwein unterscheiden, aber irgendwie schmeckte der Wein nach „Lambrusco“. Oje, hoffentlich ähnelt sich nur der Geschmack…

Den Samstag habe ich dann (bei wunderschönem sonnigen Winterwetter), mit meinem Kater im Bett verbracht, der Kater schnurrte nicht,  er brummte ganz gehörig. Bis 20:00 Uhr musste ich einigermaßen wieder hergestellt sein, denn da ging es schon wieder zur nächsten Feier. Die beste Freundin meiner Gattin hatte zum Geburtstag geladen, aus der Nummer kam ich nicht raus. Ich hatte noch inständig gehofft, dass der Babysitter absagt, aber nix wars….

Vom Wein habe ich mich an diesem Abend fern gehalten, und nach dem ersten Bier kamen auch die Lebensgeister zurück,  aber ich war angezählt…, um 4 Uhr hatte meine Frau ein Einsehen, und nahm mich aus dem Ring.

Der Sonntag stand dann leider im Zeichen der Arbeit, ich musste bis Montag noch ein gaaaaaanz dringendes Konzept für ein Projekt fertig machen, das schon seit August vor sich hindümpelt, und jetzt, noch vor Weihnachten in die Spur gebracht werden soll. Also ignorie ich  das schöne Wetter, und verschiebe meinen geplanten (längeren) Lauf auf Nachmittag.  Aus dem Nachmittag wird natürlich wieder Abend und in der Dämmerung begebe ich mich auf meine Runde rund um den  Schlosspark Nymphenburg, am Kanal entlang, und noch eine kleine Schleife durch den Olympiapark.

Kurz vor dem Schloß kommt mir eine junge Frau entgegen und strahlt mich an, -mensch-, die sieht aus, als wolle sie Dich gleich um meine Telefonnummer bitten,  aber wer spricht schon einen Jogger an. Da spricht mich die Frau  tatsächlich an, und fragt: „Entschuldigung, können Sie mir sagen wo die nächste Telefonzelle ist?“ -???- Telefonzelle, gibts sowas noch? Öh, keine Ahnung, seit dem die Telekom die gelben Häuschen abgebaut hat, übersieht man die ja gerne. Ich kann Ihr leider nicht helfen.

(aus Garmin Connect)

Ansonsten begegne ich sonst fast niemandem mehr, die anderen Läufer haben alle das schöne Wetter am Vormittag genutzt. Der Lauf erweist sich als äußerst anstrengend, bei jedem Schritt bereue ich mein ausschweifendes Leben der letzten Tage. Bis Silvester ist Askese angesagt. Absolute Enthaltsamkeit…

Im Olympiapark, ist der Weg am See unterhalb des Olympiabergs aufgrund des geplanten Weltcup Slaloms  gesperrt. Ich ignoriere jedoch die Umleitung durch den abgelassenen See, und laufe durch das offene Absperrgitter. Hundert Meter weiter stehe ich vor einem riesigen Schneeberg, der mir den Weg versperrt.  Ich versuche das Hindernis zu erklimmen, bzw. zu umrunden und sinke dabei bis zum Knie im Schnee ein. Auf der Rückseite des Berges stehen zwei Streifenwagen der Polizei, die wohl auch die Absperrgitter ignoriert haben und sich im Tiefschnee festgefahren haben. Was die hier verloren haben ist mir schleierhaft, aber  als braver Bürger helfe ich den Streifenhörnchen Ihre Diestfahrzeuge wieder auf befestigte Wege zurück zu schieben. Nach 1:38 komme ich dann wieder zu hause an. Ich bin die 17 km Runde schon schneller gelaufen, aber da war auch ich und die Strecke in einer wesentlich besseren Verfassung, außerdem musste ich da nicht als ADAC-Helfer einspringen.

Die Weihnachtszeit ist nicht für Läufer gemacht, jedenfalls nicht für Läufer, die beim MRRC Silvesterlauf Ihre PB knacken wollen.  Wer „rastet der rostet“, diese Erfahrung ziehe ich aus dieser Saison. Ich hatte letztes Jahr einen guten Herbst mit einer PB beim 10 km Lauf anläßlich des München Marathons, danach gönnte ich mir eine vier wöchige Laufpause, und kam danach nicht mehr richtig in die Spur. Erst nachdem ich diesen Sommer die Wochenkilometer von 20 km auf  35-40 km hoch gesetzt habe, stellten sich erste Erfolge ein.

Und jetzt boykotiert mich die Vorweihnachtszeit. Vom Wetter, bzw. Laufbedingungen will ich ja gar nicht reden, es sind viel schlimmere Versuchungen die einen vom Laufen abhalten.

-Weihnachtsfeiern-

Eigentlich hat man ursprünglich keine rechte Lust, gehört dann aber immer zu den Letzen, die anschließend  noch um die Häuser ziehen. An Laufen ist am „Day-After“ nicht zu denken.  Die inoffiziellen Weihnachtsfeiern, der einzelnen Abteilungen/Kunden/Kollegen, bzw. die spontanen Glühweinverabredungen nach Feierabend sind noch viel schlimmer, da diese spontan sind, und den mühsam ausgetüftelten Trainingsplan, beim zweiten Rumpunsch einfach löschen.

Das Ergebnis ist, dass ich letzte Woche gerade mal läppische 20 Wochenkilometer auf der Uhr hatte.

So kann das nicht weiter gehen. Seit Wochen vernachlässige ich meine langen Läufe am Wochenende. Dieses Wochenende konnte ich Samstags nicht wegen der Weihnachtsfeier vom Freitag, und am Sonntag war ich mit der kleinen im Schneetreiben am Spitzingsee beim Skifahren, und habe am Pflugbogen meiner Tochter gefeilt. Anschließend wollte ich noch an meiner Ausdauer feilen und dafür einen langen Lauf um das Nymphenburger Schloß einbauen, aber das wusste meine Frau mit einem leckeren 3 Gänge Menü und einer guten Flasche Wein zu verhindern.

-ich bin so schwach-

Also, bin ich gestern los, und habe mir zur Strafe 3 x die Bezwingung des Olympiabergs auferlegt.  Ich mach es kurz, ich habe nur zwei Besteigungen geschafft.  Beim zweiten Abstieg  hat es mich, auf einer Eisplatte, so bärenmäßig auf den Arsch gehauen, dass ich danach nur noch wimmernd nach hause humpeln konnte.  Bei 75 kg Kampfgewicht kann ich nicht behaupten, dass der Sturz durch die 15,3 % Körperfettanteil irgendwie gedämpft worden wären.  Die Nacht habe ich jamernd auf dem Bauch geschlafen, und heute arbeite ich auch eher im stehen.

Es sind jetzt noch 10 Tage , eine Weihnachtsfeier und eine Geburtstagsfeier bis Weihnachten.  Die Weihnachtstage bei den Schwiegereltern stelle ich einfach unter das Motto „extreme Carboloading“. Wenn ich über die Feiertage täglich laufe werden sich die Auswirkungen der Weihnachtszeit hoffentlich in Grenzen halten.