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Musikgenuss beim Gräfelfinger Kulturfestival

Musikgenuss beim Gräfelfinger Kulturfestival

Laufen und Musik gehört für mich einfach zusammen. Laut einer Studie von Nike, laufen 3 von 4 Läufern mit Musik. Die Auswahl der Musik  kann dabei durchaus eine leistungssteigernde Wirkung haben. Aber darum geht es mir heute nicht.

Als ich vor rund 7 Jahren mit dem Laufen anfing,  war ich der einsame Laufwolf, alleine zog ich meine Runden. Damit das nicht ganz so langweilig ist, lief ich mit Musik. Meine Playlist, die ich nur beim Laufen höre, hat sich seit dem nicht groß verändert. Von Zeit zu Zeit kommt ein neues Stück hinzu. Was ich in den letzten Jahren häufiger gewechselt habe, sind die Ohrhörer.

Die normalen Ohrhörer kann ich eine Zeit lang einsetzen, aber wenn die Kunststoffummantelung der Kabel über die Jahre steif werden, und sich in eine Spiralfeder verwandeln, halten die Hörer während des Laufens nicht mehr im Ohr fest.

Ich weiß nicht, ob es an meinem eigenwilligen Laufstil liegt, aber der linke Ohrhörer treibt mich dann zum Wahnsinn.  Also muß ein vernünftiges Hörgerät her, das auch bei meinem Laufstil in den Lauschern verweilt.

Am naheliegensten sind da die Sporthörer, die mit einem Ohr-Bügel versehen sind. Als Brillenträger ist das aber ziemlich doof. Ich habe noch keinen Bügel-Sporthörer gefunden, der sich mit meinem Brillenbügel den Platz hinter meinem Ohr teilen will.

Auf der Suche nach einem neuen Kopfhörer bin ich bei meinem Hardware-Dealer auf eine interessante Alternative gestoßen.

Den Sennheiser MX 685 Sports

Sennheiser MX 685

Laut Beschreibung auf der Verpackung, hat der Hörer ein „Slide-To-Fit In-Ear System“.

„Slide-to-Fit“ ? Was soll das sein. Auch wenn ich die Packung genauestens Studiert habe, stand ich auf dem Schlauch und kann mir nicht vorstellen wie dieses System halten soll.

Aber bin ich Blogger oder bin ich Blogger? Weshalb warten bis einem vom Hersteller irgendwelche Produkte zum testen Angeboten werden, die einen oft gar nicht interessieren.  Man kann ja auch mal selbst aktiv werden.

Also habe ich  Sennheiser angeschrieben, um dem Slide-to-Fit Geheimnis auf den Grund zu gehen.

Postwendend kam ein Päckchen von der Sennheiser PR-Abteilung. Von den Mitbewerbern die ich ebenfalls zu dem Thema angeschrieben habe, habe ich hingegen nicht mal eine Antwort per Mail erhalten.  Das fand ich ziemlich BOSE. 😉

IMG_1167Der Sennheiser MX 685 Sports sieht im Grunde wie ein normaler Ohrhörer aus. Auffällig ist der kleine Gummi Haken, der über den eigentlichen Hörer heraussteht. Dieser Gummi Haken ist beweglich im Schaft gelagert.

Das Geheimnis des „Slide-to-Fit In-Ear System“ ist so simpel wie genial. Mit diesem Gummihaken arretiert man den Hörer an der „Reling“ des Außenohrs. Da das menschliche Ohr in seiner Größe stark variieren kann, wurde der Haken beweglich ausgeführt.

Aber hält das denn? Das erste anprobieren ist noch etwas fummelig. Aber vor dem Spiegel kommt man schnell zu recht. Mit etwas Routine kann man den Ohrhörer dann auch schnell mit einer Hand justieren.

Kommen wir zum Test;

Erstes vorsichtiges hüpfen, -der Hörer hält-

Stärkeres hüpfen, – der Hörer hält-

Wildes kopfwackeln, -der Hörer hält-

Wildes headbangen, -ich bin erstaunt, der Hörer hält-

 

Wie sieht es beim Laufen aus?

IMG_6559

Im Einzelhandel werden die Sennheiser MX 685 für gut 50€ angeboten. Übers Internet sind die Hörer aber deutlich günstiger zu bekommen.

Der normale Lauf ist die kleinste Herausforderung für den MX 685, selbst auf einem wurzeligen Single Trail über Stock und Stein sitz der Hörer sicher im Ohr.

Die Hörer sitzen auf dem Ohr und nicht im Gehörgang, was ich sehr angenehm finde. So ist man (abhängig von der Lautstärke) nicht komplett von der Außenwelt abgeschlossen, sondern bekommt auch das Hupen des heranrasenden 12-Tonners noch mit.

Zur Klangqualität kann ich ansonsten wenig sagen, ich bin kein HiFi Junkie, ich tue mich da sehr schwer einen Unterschied zu anderen Kopfhörern festzustellen. Weder besser noch schlechter als andere Hörer. Kritiker des MX 685 bemängeln fehlende Bässe, das mag aber auch an den kastrierten MP3s liegen, die wir so hören. Ich finde den Klang  OK. Primär will ich ja nur während des Sports etwas Musik hören und keiner Oper lauschen.

Einzig eine Lautstärkenregelung am Kabel wäre noch schön, aber sonst ist der Sennheiser MX 685 Sport ein guter Sport Hörer, den ich jedem Musik-Läufer empfehlen kann.

 

 

Die einen backen einen Kuchen und stecken eine Kerze drauf, andere laden zum Laufen ein…

citytrailrun2014

Die Ähnlichkeit mit lebenden Personen ist rein zufällig.

München, Juni 2014 – Anlässlich des ersten Jahrestages der Caverion Deutschland GmbH veranstaltet der Gebäudetechnik und Facility Services Spezialist am 1. Juli in Kooperation mit Salomon den Caverion City Trail Run. Auf einer knapp 8 Kilometer langen Runde geht es vorbei an ausgewählten Caverion Referenzgebäuden und durch den Olympiapark. Mitmachen kann jeder. Die Anmeldung erfolgt unter: www.caverion.de/city-trail-run. Die ersten 100 Teilnehmer erhalten ein hochwertiges Funktions-Shirt des Kooperationspartners Salomon. Vor und nach dem Lauf besteht die Möglichkeit die Umkleide und Duschen des neu eröffneten Fitness-Studios body + soul München Nord zu nutzen.

Start und Ziel des Caverion City Trail Run ist am neuen Hauptsitz der Caverion Deutschland, im 88north in der Riesstraße 8, München. Teilnehmer können sich individuell zwischen 8:00 Uhr und 19:00 Uhr auf den „Sightseeing-Kurs“ begeben. Eine Zeitmessung erfolgt nicht.

Der Kooperationspartner Salomon Deutschland wird während des ganzen Tages begleitende Runden mit einem erfahrenen Lauftrainer anbieten. Gleichzeitig werden auf der Strecke sowie beim Start- und Zielpunkt Funktionstests verschiedener neuer Produkte durchgeführt.

Lauf-Route Caverion City Trail

Lauf-Route des Caverion City Trail

„Wir wollten bewusst keinen Wettbewerb aus der Veranstaltung machen“, erläutert Michael Giffels, Leiter Marketing und Kommunikation bei Caverion. Vielmehr liege den Veranstaltern daran, den Blick für die Gebäudetechnik zu schärfen. „Wer den Caverion City Trail Run abläuft bekommt eine der schönsten Strecken im Olympiapark zu sehen und wird nebenbei auf Architektur und Gebäudetechnik aufmerksam gemacht.“, so Michael Giffels weiter. Mit der kostenlosen Lauf- App von Salomon kann die Strecke exakt nachgelaufen werden und hält zusätzliche Informationen bereit. Unter dem Titel „Gebäude sind wie Körper“ will das Unternehmen bis Oktober auf das enorme Potenzial moderner Gebäudetechnik aufmerksam machen. So können je nach Komplexität eines gewerblich bzw. industriell genutzten Gebäudes allein durch Einsatz moderner Technik bis zu 30 Prozent Energiekosten eingespart werden.

Die klassischen Laufevents werden ja meist in Runden ausgetragen. Man läuft 5, 10, 21, oder gar 42 Kilometer und kommt doch IMG_7590-w1200wieder dort an, wo man einst losgelaufen ist. Gut, man sagt, die Strecke ist egal, der Weg ist das Ziel, aber unsinnig ist das ja schon so ein bisschen.

Aus technischen und organisatorischen Gründen ist das in vielen Fällen aber auch gar nicht anders realisierbar.

Privat reizen mich die One-Way-Strecken aber mehr. Das macht schon etwas her, wenn man behaupten kann, man ist von München nach Starnberg, oder nach Freising bzw. zum Flughafen gelaufen. Ich finde das hat Charme.

Auf meiner Suche nach geeigneten One-Way-Laufstecken bin ich auf eine interessante Laufveranstaltung gestoßen.

den 3. Schliersee Lauf & Walk

am 25.Mai 2014,

Seit diesem Jahr heißt der Lauf offiziell Sixtus-Lauf, aber das wird der Veranstaltung keinen Abbruch tun, es ist nur etwas verwirrend, da man hinter diesem Namen nicht unbedingt einen schönen Landschaftslauf vermutet.

Im ersten Moment mag man meinen, Schliersee Lauf, klar, da läuft man halt um den See rum, aber falsch, der Sixtus-Lauf hat mehr zu bieten,  denn der Schliersee ist gar nicht so groß. Nach gut 7,5 km ist man da schon wieder rum, bei einem Halbmarathon müsste man da gleich 3mal rum laufen.

IMG_7487-w1200Die Veranstalter haben den Start einfach nach Bayrischzell verlegt. Von dort geht es auf unversiegelten Wegen durch die herrliche Landschaft des Schlierachtal nach Schliersee. Da das Gelände in Bayern nicht ganz flach ist, liegen da auch noch ein paar Höhenmeter rum. Drum lautet die Wertungsklasse für den Halbmarathon dann auch „21,1km KSK Miesbach-Tegernsee Trailrun“. Aber ich denke das mit dem „Trailrunning“ wird sich in Grenzen halten, schließlich starten auf der gleichen Strecke auch die Walker.

Neben der 21km One-Way-Strecke gibt es auch eine 10km und eine 7,5km Runde um den Schliersee.

Bereits am Samstag wird um 9:00 Uhr auf der Halbmarathon Strecke der kulinarische Erlebniswalk angeboten. Während der geführten Wanderung werden entlang der Strecke Schmankerl aus der Region angeboten. Die Verköstigung ist beim kulinarischen Erlebniswalks im Startgeld enthalten.IMG_0449-w1200

Apropos Startgeld. Der Spaß ist nicht ganz billig, wer sich  noch bis 30.4 anmeldet spart jedoch 5 €. Ab Mai kostet der 21,1km Trailrun dann 40€. Aber dafür gibt es dann auch ein Funktionsshirt (die ersten 1000), Chip-Zeitnahme, Streckenverpflegung, Duschen und einen Shuttleservice mit der BOB nach Bayrischzell.

Da ich momentan auf Landschaftsläufe stehe, werde ich mir diesen Lauf nicht entgehen lassen. Ich werde berichten…

Spartan(85)Es gibt ja wenig Laufevents im Olympiapark, bei denen ich nicht teilnehme. Aber bei diesem Event am Wochenende habe ich gekniffen. Laufen stand da auch gar nicht so sehr im Fokus.

Am Wochenende war das Reebok Spartan Race zu Gast im Münchner Olympia Park. Das Spartan Race, ist ein Hindernis-Rennen, vergleichbar mit dem Strongmanrun, wobei aber das Spartan Race, die weltweit größte Hindernis-Laufserie ist. 2014 werden bei weltweit 70 Rennen mit bis zu einer Millionen Teilnehmern gerechnet. Im Olympiapark  feierte nun die Serie, die ursprünglich aus den USA kommt,  seine Deutschland Premiere, und sorgte bei  vielen unbeteiligten Parkbesuchern für anhaltendes Kopfschütteln.

Wenn man nicht vom „Obstacle-Race-Virus“ befallen ist, fällt es schon schwer nachzuvollziehen, SpartanSuper(77)weshalb man sich diese Strapazen freiwillig antun sollte. Da hat man vor 20 Jahren erfolgreich den Militärdienst verweigert, um unter anderem, solchen Schindereien zu entgehen,  und dann klettert man freiwillig zur Freizeitbeschäftigung über Bretterwände, robbt unter Stacheldraht hindurch und wadet im April bis zur Brust durch den Olympiasee.

Und  das soll Spaß machen?

Die 4.000 Spartaner wurden ab 9:00 Uhr alle 15 Minuten in Gruppen von ca. 200 Teilnehmern auf die 7km bzw. 14km lange Strecke geschickt, nicht ohne Sie vor dem Start mit dem Kampfschrei „ARRROOOO, ARRROOOO“ gehörig einzupeitschen und an den Teamspirit zu apellieren, denn es gilt die Hindernisse aus eigener Kraft oder mit Hilfe eines anderen Spartaners zu bezwingen, Hilfe von außen ist nicht erlaubt. In den Startbereich kam nur, wer nach Kontrolle der Startnummer die erste Bretterwand überwunden hatte. Ich wäre schon an dieser ersten Hürde gescheitert. Äußerst erstaunt war ich, daß zu den Spartanern auch sehr viele Kriegerinnen zählten. Das muss also ein Spaß für Männlein und Weiblein sein.

Spartan(300)Spartan(288)

 

 

 

 

 

 

 

Den strahlenden Finisher Gesichtern im Ziel nach zu urteilen, müssen auf der Strecke irgendwo Drogen verteilt worden sein, anders kann ich mir das debile Grinsen auf den Matsch verschmierten Gesichtern kaum erklären.

Also zog ich mit meiner Kamera los um Beweismittel zu sichern.

Aber sehet selbst:

Galerie Sprint  Spartan(279)

 

 

Galerie Super  SpartanSuper(50)

Fazit: Das mit dem Glück ist schon eine komische Sache, je stärker man im Vorfeld gelitten hat, um so glücklicher ist man, wenn es überstanden ist. Und wenn man das dann auch noch freiwillig macht, ist das ein großer Spaß.

–Irgendwie verrückt –

Ich gehe jetzt in den Keller und haue mir mit dem Hammer auf den Daumen und freue mich  wenn der Schmerz nachläßt.

Auf der anderen Seite kann ein Nichtläufer auch nicht nachvollziehen, was daran toll sein soll, wenn man freiwillig 30 km von München nach Starnberg läuft.

– Jedem das seine, oder? –

Das Spartan Race aus Sicht des „Elite Teams“ gibt es  bei Balla-Balla.org zu lesen

 

IMG_4634Ich bin zur Zeit beim Flachlandtraining in Oldenburg. Bergluft wird total überbewertet.  Für mich kann es zu Weihnachten nichts Schöneres geben als das Oldenburger Land. Mit meinem Flachlandtrainer Volker ging es am Vormittag des Heiligabends durch die Osenberge (das ist eine bewaldete Sanddüne) und durch das Barneführer Holz. Aufgrund diverser Navigationsschwierigkeiten standen dann auch gut 13 Kilometer auf dem Tacho. Wenn es nach mir gegangen wäre hätte ich noch ewig mit Volker laufen können, aber der 24.12. bietet da wenig Spielraum.

IMG_0171Nachdem es am Heiligabend etwas später wurde, lief ich am späten Nachmittag des ersten Weihnachtsfeiertages zum Ausnüchtern alleine um die Thülsfelder Talsperre. Da es im Norden schon kurz nach 16:00 Uhr duster wird, musste ich schauen, dass ich wiedert zu meinem zurück Auto finde.

Am zweiten Weihnachtsfeiertag stand wieder ein gemeinsamer Lauf mit dem Deichläufer Volker auf dem Programm, es gab ja noch viel zu erzählen. Zu den Ahlhorner Fischteichen sollte es diesmal gehen. Leider musste Volker den Lauf kurzfristig absagen, sodaß ich fluchs meine Frau als Trainingspartnerin rekrutieren musste.

Der Schwiegervater schickte uns zum Laufen in den Litteler Fuhrenkamp, das ist ein Forst in der Nähe einer militärischen Schießanlage.  Weshalb wir ausgerechnet dort laufen sollten verriet er aber nicht. Ist die Anlage während der Weihnachtsfeiertage in Betrieb? Muss ich mir Sorgen machen?

In Norddeutschland wird es nicht nur früher dunkel, sonder auch später hell. Wenn der Himmel bedeckt ist, hat man das Gefühl dass es überhaupt nicht Tag werden möchte.  Der Nebel lieferte sich auch nach 10:00 Uhr noch eine erbitterte Schlacht mit den ersten Sonnenstrahlen. Die dicken Nebelschwaden sollten noch bis weit nach 12 Uhr die Herrschaft über das Land haben. Es war eine tolle Stimmung, alles wirkte wie in Watte gepackt.

Ich war etwas erstaunt, dass wir bei dem Wetter nicht alleine im Forst waren. In der Ferne sahen wir immer wieder vereinzelte  Radfahrer und Spaziergänger. Alle machten irgendwie den Eindruck dass sie nach etwas suchten. Was ist hier los? Wer geht  vor dem Mittagessen schon zum spazieren? Familien die uns entgegen kamen sahen uns fragend mit großen Augen an. Sind wir Läufer so exotisch?  Nein, kurze Zeit später begegnete uns ein älterer Jogger.  Er zwinkerte uns zu und nickte mit dem Kopf mehrmals nach links. Hä??? Hier ist doch was faul. Bei der nächsten Kreuzung bogen wir einfach mal nach rechts ab. Die Forststraße in die wir einbogen war eher ein Feldweg der schon lange nicht mehr befahren wurde.

Nach hundert Metern standen wir plötzlich vor einem festlich geschmückten Tannenbaum.

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-???-

Später erfuhren wir, dass seit gut 25 Jahren jedes Jahr im Litteler Fuhrenkamp auf wundersame Weise ein Tannenbaum geschmückt wird. Immer an einer anderen Stelle. Niemand weiß wer dahinter steckt.

Vielleicht ist es ja der Weihnachtsmann.

IMG_3679Ich weiß nicht was verrückter ist,  einen Lauf zur Zeitumstellung zu organisieren, oder daran teil zu nehmen?  Wer macht bei sowas mit?  Freiwillig, nachts wie ein Hamster, 20 Runden in einem 2,11km großen Hamsterrad im Kreis zu laufen.  Ich war skeptisch, ob sich außer dem Orga-Team sonst jemand für diese etwas bekloppte Idee begeistern würde. Läufer sind doch, durch und durch vernünftige Menschen, achten auf Ihre Ernährung, trinken keinen Alkohol und gehen früh ins Bett. Wer soll da also bitte mitmachen?

BZM-Banner_v1Am 5.5.2013 eröffneten wir großspurig die Anmeldung und machten über Twitter und Facebook ein bisschen TamTam. Die Wirkung war überwältigend, schon ein Monat später am 3.6. zeigte unsere Sozial-Media Kampagne Wirkung, eine junge Spanierin aus München verirrte sich auf unsere Seite und meldete sich  für den Halbmarathon an.  Als dann am nächsten Tag  sogar die freiwillige Teilnehmergebühr von 15€ einging, war ich bass erstaunt. Da will ernsthaft eine junge Frau am 27. Oktober mit uns durch den Park rennen. –die ist ja total verrückt-

Bis Ende Juni gesellten sich weitere drei  wagemutige Läufer dazu. Zusammen mit dem Orgateam hatten wir damit die Teilnehmerzahlen vom Vorjahr erreicht. Damit stand fest, das Experiment Zeitsprung 2013 muss nicht  mangels Beteiligung abgesagt werden.

Bis Ende August verdoppelten sich dann die Anwärter auf den Zeitsprung.  Jetzt stand fest, das wird eine Gaudi…

Im September gingen dann die Anmeldungen nach unserem Empfinden durch die Decke. 30 Anmeldungen in einem Monat! Alleine während des Berlin Marathons flatterten 6 Anmeldungen herein.  Sogar bis nach Österreich hatte sich unsere kleine Veranstaltung herumgesprochen.

Der Oktober wurde dann richtig unheimlich, Anmeldungen aus Lichtenstein und der Schweiz krönten die Zahlen. Das durch die Resonanz leicht verunsicherte Orga-Team (bestehend aus Henrik, Chief und mir) beschloss  Mitte Oktober bei 60 Teilnehmern die Anmeldung vorsorglich zu schließen, nicht dass sich das zu einer großen Facebook Party entwickelt. Außerdem hatten wir ja nur rund 60 Chips für die Zeitmessung gesammelt (Zitat des Zeitnahme-Chiefs: „das reicht ja loooooocker“). Mit jeder Anmeldung  schwand natürlich auch für uns die Chance selbst am Lauf teilzunehmen, bzw. diesen bis zum bitteren Ende durchzulaufen.  Es ist eben wie bei einer Party, da sollte der Gastgeber nicht unbedingt als erstes unterm Tisch liegen, bzw. japsend in der Ecke hocken.

BZM_2013_10Und es war wirklich eine Party,  53 bestgelaunte Läuferinnen und Läufer fanden sich am 26/27. Oktober im Ostpark ein um an unserem Zeitsprungs-Experiment teilzunehmen.

Was zeichnet nun den typischen Zeitsprungläufer, in Fachkreisen auch Chrononaut genannt, aus?

Der Chrononaut ist vor allem eins, er ist spontan.  Die Anmeldezahlen von September und Oktober belegen dies ganz deutlich. Einige haben sich sogar noch am Samstag auf freigewordene Startplätze beworben. Den Vogel schossen drei Girlies ab, die um 23:15 auf Ihrem  Nachhauseweg an unserem Pavillon-Dorf im Ostpark vorbeikamen.

„Hey was macht Ihr denn hier?“

-wir veranstalten einen Lauf zur Zeitumstellung, Start ist um 0:00 Uhr.-

„Cool, kann man da noch mitmachen?“

-klar, aber wir haben nur noch 2 Startnummern-

„Okay , Tschüss bis gleich.“

Um 23:57 holten  die jungen Damen dann in Sportmontur mit lärmendem Ghettoblaster im Gepäck ihre Startnummern ab.

Ansonsten ist der BZM-Nightrunner sehr mobil und läuft gerne in anderen Gefilden. Viele haben eine lange Anreise von mehreren Hundert Kilometern, teils aus dem Ausland, auf sich genommen nur um mit gleichgesinnten im Kreis zu laufen. Das ist wahre Leidenschaft, der Chrononaut  hat Spaß an seinem Sport und praktiziert diesen nicht nur vor der eigenen Haustüre. Die „Running Divas“ aus Lichtenstein gehen beispielsweise am 17. November beim Istanbul Marathon an den Start. -Im Gegensatz zu Istanbul ist München  ja schon fast um die Ecke-.

Der Timejumper ist sehr Naturverbunden, oder aber ein  großer Spaßvogel. Spitznamen und Teamnamen wie „die Nacktschnecken“, „Uhu“, „Nachteule“,  „Bleiente“, „Burnt Shrimp“ „Eat the damn cookie!“, „Kraxi“, „Marathon Maniacs“, „Running Diva“, „CaBa´s CaBaNauTeN“, läßt erahnen, dass der typische Chrononaut   nicht zum Lachen in den Keller geht.

Das erklärt auch, dass ein Teil der Läufer  dazu neigt in Verkleidung zu laufen oder den Drang hat die Kleidung komplett abzulegen.

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Altersmäßig ist alles vertreten, vom 18 jährigen Junior bis zu Altersklasse M/W50 ist alles dabei.  Die meisten Timejumper rekrutieren sich aber aus der Altersgruppe M/W 40, eine Altersgruppe die auch bei anderen unsinnigen Läufen, vornehmlich „Matsch-Balla-Balla Läufen“ wie  Strongmanrun  o.ä.  zahlenmäßig schon auffällig wurden.

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Bei diesen Teilnehmern wundert man sich dann auch nicht, wenn am persönlichen Verpflegungsstand mit Augustiner und Stiegel Bier gedopt wird.

Hier erkennt man klar den Profi. Der erfahrene Marathonläufer experimentiert niemals während einem Marathon mit der Ernährung, da wird nur konsumiert, was man aus dem Training kennt. So wird dann eben auch österreichisches Bier nach München, in die Stadt des Bieres, importiert.

Apropos importieren, der Nightrunner zeigt sich sehr spendabel. Fast alle Teilnehmer haben den freiwilligen Unkostenbeitrag geleistet, sehr viele haben sogar mehr, gar das doppelte bezahlt, sodaß nach allen Kosten noch ein schöner Betrag von 300€ übrig bleibt den wir an den Horizont e.V. spenden können. Vielen Dank an dieser Stelle.

Wie könnte man  also den typischen Chrononaut  charakterisieren?

Als einen humorvollen, spendablen, mobilen 40-jährigen extrovertierten  Marathonroutinier, mit Alkoholproblemen?

-Hm?-

Ich würde sagen, Chrononauten sind Läuferinnen und Läufer wie Du und Ich. halt ein bisschen verrückt ;-).

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Wilson Kipsang hat  in Berlin  der Laufwelt eindrucksvoll gezeigt wo der Hammer hängt. Die Europäer können da nur staunend hinterherlaufen.  Wobei sich die deutsche Elite sehr achtbar geschlagen hat. André Pollmächer (2:13:05), Falk Cierpinski (2:14:50), Vitaliy Rybak (2:15:39) und Marcin Blazinski (2:17:53) haben ein starkes Ergebnis abgeliefert.

Jan Fitschen, der letztes Jahr in Berlin ebenfalls eine 2:13:10 rausgehauen hat, konnte verletzungsbedingt dieses Jahr seine Zeit leider nicht nochmals angreifen. Sehr schade, wäre doch letztes Jahr vielleicht sogar noch mehr drin gewesen. Wir erinnern uns noch alle an den 20 Sekunden Dixi-Stopp bei der Hälfte der Distanz. (Vgl. „den Fitschen machen“)

Gut möglich, dass dieses Ereignis bzw. die Magenprobleme die zu dem Stopp geführt haben, Jan dazu bewogen haben, gemeinsam mit Timo Weckman, ebenfalls ein erfolgreicher Läufer, ein bekömmliches Läufermüsli zu entwickeln, damit sowas nicht noch einmal passiert.

IMG_4239Und wie das bei Profis üblich ist, setzt man sich mit anderen Profis zusammen, dann hat das ganze Hand und Fuß. Gemeinsam mit dem Institut für Sporternähung e.V. und dem Naturkosthersteller Bauckhof aus der Lüneburgerheide wurde so gemeinsam das Läufermüsli entwickelt.

Irgendwas muss man ja tun, wenn man nicht Laufen darf.

Auf der Berliner Marathon Messe wurde jetzt das Läufermüsli offiziell vorgestellt.  Das Müsli gibt es in zwei Sorten: Läufermüsli „Start“ und Läufermüsli „Ziel“.

Die Müslis heißen nicht nur unterschiedlich und sind verschieden verpackt, sondern sie sind natürlich auch anders zusammen gestellt.

Das „Start“ Müsli enthält neben Hafer, DinkelIMG_4240, Buchweizen und Trockenfrüchten auch Amaranth und Teff. Amaranth gibt dem Müsli einen angenehm nussigen Geschmack. Teff ist eine Hirseart, die ursprünglich aus Äthiopien kommt und dort bei Läufern sehr beliebt ist.  Teff steht auch im Verdacht,   der geheime Tiger im Tank der Afrikaner zu sein.

IMG_4241Das „Ziel“ Müsli ist nussiger und aufgrund der Rosinen etwas süßer. Es soll nach einer Trainingseinheit schnell wieder die Nährstoffdepots  füllen. Soja Flocken, Amaranth und Cashewkerne sorgen für die wichtigen Proteine.

Ob Lauf-Wunder zu erwarten sind vermag ich nicht zu sagen,  aber wer dran glaubt den wird zumindest der Placebo Effekt beflügeln, bei Kompressionsstrümpfen klappt das ja auch.  Ich denke, ums trainieren werden wir aber nicht drum herum kommen,  aber mit dem Läufermüsli stimmt zumindest schon mal die Ernährung, das kann ja nie ein Fehler sein.  Auch wenn Kritiker   maulen, ein „Läufermüsli“ sei nur ein  weiteres unnützes Sternchen im weiten All der kommerziellen Laufequimpment Industrie.

Ich selbst starte täglich auch mit einer Portion Müsli in den Tag. Da mir die üblichen Müslimischungen aus dem Cerialien Regal aber zu süß sind, und mir die Müslis meines schwäbischen Landsmannes (Läcker, Läcker, Läcker),  zu grob sind, mische ich gewöhnlich meine Müslis selbst aus Einzelkomponenten zusammen. Meist ist jedoch immer eine Komponente leer, sodaß der Müsligenuss manchmal etwas einseitig ist.

Das „Start“ Müsli schmeckt mir persönlich am Besten. Aufgepeppt mit Quark und frischen Früchten bleiben keine Wünsche offen.

Auch wenn ich kein Freund von Rosinen bin, so kann ich doch auch das „Ziel“ Müsli genießen.  Die Rosinen sind recht klein und kommen in der aufpeppten Variante kaum zum Tragen.  Amaranth, Cashew, Teff und Co gleichen das geschmacklich locker aus.

Das Läufermüsli gibt es in ausgesuchten Laufshops und kann über diverse Webshops bezogen werden. Die Bioqualität und die ausgesuchten Zutaten schlagen sich leider auch im Preis nieder. 3,99€ für eine 325g Packung ist nicht gerade ein Schnäppchen. Aber Qualität hat eben seinen Preis, und wenn es schneller macht, sind wir Läufer ja gerne bereit, etwas tiefer in die Tasche zu greifen.

„Hallo  -Herr Kiler*-  hören Sie mich?“

„Hallo?“

Eine Stimme von ganz weit weg versucht zu mir durchzudringen.

-Ich höre, aber ich fühle mich nicht angesprochen.  Wo bin ich eigentlich?-

Wo immer ich auch bin, es ist warm und es fühlt sich komisch an, irgendwie so „wattig“, alles um mich herum ist in ein grelles  weiß getaucht. Ich bin in einem weißen, heißen, Watte Kosmos.  Wallis_Stellihorn_mg-k

Träume ich?

Man piekt mich, jemand öffnet mir ein Auge…,

ein Lichtblitz schießt mir durch den Kopf und versengt mir die Netzhaut. Jetzt hüpfen rote Tupfen über die weiße Umgebung.

Die Betriebsamkeit um mich herum nimmt zu, Befehle werden gerufen.

Was geht da vor sich, wurde ich von Aliens entführt, die jetzt Ihre Experimente mit mir machen?

So, muss es sein,  oder doch ein Traum?  Einfach mal wieder wegdämmern, dann verschwindet der seltsame Traum sicher wieder.

Aber ich darf nicht dösen.  Eine freundliche Stimme will sich unbedingt mit mir unterhalten.

„Herr Kiler, wie ist Ihr Vorname? Wie alt sind Sie? Welcher Tag ist heute? Wissen Sie wo Sie sind?“

Die Aliens sprechen unsere Sprache… -Ich bin erstaunt-.

Die versuchen sicherlich mit einfachen Fragen  Vertrauen aufzubauen, um mich dann ganz nebenbei über die Existenz des Flux Kompensators auszufragen. Genau so wird das laufen, aber ich bin ein schlechter Quiz Kandidat.  Auf die Fragen kann ich keine eindeutigen Antworteb geben.  Das ist ein bisschen beängstigend.  Nach etwas Recherche habe ich  zumindest meinen Vorname parat,  bei  den anderen Fragen muss ich passen.

-Tim- versuche ich zu sagen, aber es kommt nur ein unverständliches  Gestammel über meine Lippen. Dort wo sonst meine Zunge war, ist jetzt ein ledriger Lappen. Damit sprechen.. –Fehlanzeige-

Irgendetwas ist hier definitiv nicht in Ordnung.

Die Hektik um mich herum nimmt weiter zu.  Ich werde hin und her gewälzt, angehoben und dann in einen großen Container geschoben.

Meine Füße fühlen sich an, als ob sie in Schraubstöcken eingespannt wären. Habe ich etwa Skistiefel an? Hatte ich einen Skiunfall und werde gar nicht von Außerirdischen entführt?

Aber im Sommer? Skifahren? Was mache ich denn sonst noch so?

Schwimmen,  Radeln, Laufen… genau Triathlon.

Stand da nicht eine Veranstaltung auf dem Plan? Der Karlsfeld Triathlon?  Die Olympische Distanz?

Langsam dämmert es mir…

Ich bin doch heute früh in Karlsfeld an den Start gegangen….

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Stimmt, und ich war auch  gar nicht schlecht. Das Schwimmen war super, beim Wasserstart der letzten Startwelle konnte ich mich günstig positionieren und bin ohne Hauen und Stechen  vom Start gut weg gekommen. Diesmal gab es auch keine Brustpassagen, weite Strecken der Distanz konnte ich im Schwimmschatten eines anderen Teilnehmers schwimmen, so kam es, dass ich bereits nach 28 Minuten und 30 Sekunden aus dem Wasser stieg.  Für mich ein absoluter Rekord auf die Distanz, und das ohne Neo.

Meine erste Wechselzeit war zwar  wieder unterirdisch, dafür lief das Radeln wie geschmiert. Die Strecke in Karlsfeld ist eine echte Rennstrecke, auf 20 Kilometer gesperrter Bundesstraße kann man es so richtig laufen lassen.  Die Sprinter fahren das einfach, die Kurzdistanzler doppelt.

Aufgrund des Ostwindes wurde man in eine Richtung schön geschoben. Auf dem kleinsten Ritzel waren so, selbst für Amateure wie mich, 45km/h und mehr möglich. In die andere Richtung, gegen den Wind, sah das Ergebnis dann nicht ganz so gut aus. Aber dennoch habe ich die 47 km in 1:17h gemeistert. Das ist ein 36er Schnitt, für mich Radmuffel ist das durchaus beachtlich. So macht das Spaß, der Wettkampf läuft…

So wie es aussieht kann ich auch in Karlsfeld trotz längerer Radstecke die 2:45h Marke knacken. Quatsch, ich bin sogar auf einem 2:40 Kurs,  kommt ganz aufs Laufen an, aber 50 Minuten für die 10km sollten ja wohl noch doch drin sein.

The_sun1Die ersten Kilometer beim Laufen gehen auch ganz gut, Pace deutlich unter 5 Minuten. Aber die Laufstrecke hat es in sich. Pralle Sonne, kaum Schatten.  Alle 2,5km gibt es einen Verpflegungsstand, ich nehme nur die Schwämme und drücke sie mir über Kopf und Brust aus. Getrunken habe ich nix. Auf dem Rad habe ich ja vorgetrunken, aus meiner neuen Errungenschaft, der Aero Trinkflasche für den Aerobar, das muss reichen. Beim Laufen kann ich ohnehin nicht trinken, das führt unweigerlich zu Seitenstechen, und meinen Trinkhalm so wie ich Ihn beim Marathon benutze habe ich nicht dabei.

Die Sonne brennt unbarmherzig, es hat weit über 30°C,  die Kilometer ziehen sich hin wie Kaugummi , kurz vor Kilometer 9 merke ich wie meine Waden anfangen zu krampfen.

Ah, nein, nicht jetzt, noch ein Kilometer. Ich versuche das Tempo rauszunehmen, verdammt, torkle ich etw–   <shutdown -h now >-.-.-.-.-.-. -.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-das System wurde heruntergefahren -.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-

„Hallo Herr „Kiler“, können Sie mich hören?“

BlaulichtWenn ich die Ereignisse jetzt richtig interpretiere, befinde ich mich nicht in einem Raumschiff, sondern in einem Rettungswagen auf dem Weg in die Klinik.

–WELTKLASSE-

Das erste, was mir durch den Kopf schießt, nachdem sich der Wattenebel etwas gelöst hat…

-HAST DU GEFINISHT?-

Habe ich es noch ins Ziel geschafft, und bin  wie Michael Raelert beim Frankfurt Ironman  hinter der Ziellinie zusammen gebrochen?

Ich habe keine Ahnung! Ab km 8 habe ich keine Erinnerung mehr. Laut Garmin sind mir bei Kilometer 9 um kurz nach 12 Uhr die Lichter ausgegangen. Kein Schimmer wie lange ich weg war. Wie ich im RTW wieder langsam zu mir komme ist es kurz vor 13 Uhr.

So ein Bootvorgang nach einer Systemabschaltung ist schon etwas gruselig. Nur langsam kommt das System wieder in Gang. Ich hätte nicht sagen können, ob ich  Arme oder Beine habe, OK, Beine schon, die steckten ja in den „Stiefeln“ fest. Erst als ich nach mehreren Versuchen dem Sanitäter verständlich machen konnte mir die Schuhe auszuziehen, fuhr der Rest des Systems langsam wieder hoch. Die Entdeckung der rechten Hand war ein echtes Freudenfest. Erst mal alles abtasten, ob noch alles da ist wo es hingehört, aber es sollte noch eine gute Weile dauern bis ich komplett wieder hergestellt war.

So zermartere  ich mir in der Notaufnahme gut 10 Minuten das ausgedörrte Hirn auf der Suche nach unserer Festnetznummer. Irgendwie muss ich ja zuhause Bescheid geben, dass ich heute Nachmittag wohl nicht um 16:00 Uhr am vereinbarten Treffpunkt sein werde, um gemeinsam mit der Familie eine Vorstellung von STOMP (eine Percusion Show) zu besuchen.

Nach etlichen Fehlversuchen, schließlich unter Zuhilfenahme der Münchner Vorwahl,  hatte ich endlich Erfolg und konnte Zuhause Bescheid geben, daß Papa ganz glorreich vom Triathlon direkt ins Krankenhaus gefahren wurde.

Da war Frohsinn angesagt,  im Hause –timekiller-!!!

Ich war zwar noch etwas geschwächt, ich konnte mich jedoch in der anschließenden Diskussion durchsetzen, die Vorstellung bitte ohne mich zu besuchen, schließlich waren die Karten ein Geschenk von mir und ich hab jetzt echt kein Bock, mir nochmals ein neues Geschenk auszudenken.

In der Notaufnahme ging es turbulent zu, Verständnis für Triathleten durfte ich hier nicht erwarten, eine Pflegerin quittierte meine Einlieferung mit den Worten:

„Jetzt regt er mich aber langsam auf, der Triathlon, erst sind alle Straßen  gesperrt, und dann kippen die auch noch um.“

Meine Hoffnung das Krankenhaus noch am selben Tag verlassen zu dürfen zerplatzte dennoch recht schnell.

„Wie? Ihnen geht es wieder gut? Schauen Sie doch mal wie Sie beinander sind. Der Notarzt hat Ihnen ja nicht zum Spaß Atropin gegeben. Sie kommen jetzt mal schön auf die Wachstation zur Beobachtung“

-OK-

So liege ich, bekleidet mit einem Flügelhemdchen, verkabelt wie ein Rechenzentrum, im Bett der Wachstation und denke über mein Leben nach. Da fällt mir das Zitat von Josef Bruokal ein:

„Man kann die eigenen Grenzen nur feststellen, indem man sie gelegentlich überschreitet“

-Wenigstens das ist mir heute ganz grandios gelungen-

Irgend etwas ist im Busch! Spätestens nach dem Beitrag von Eddy „Leistung vs Leidenschaft“ brodelt die Gerüchteküche im sozialen Netz.

Was ist da los, am 15. Juni?

Weshalb trifft ausgerechnet Eddy, ein etwas übergewichtiger, aber ambitionierter Freizeitläufer, Jan Fitschen, Europameister von 2006?

In den Folgetagen sind weitere Artikel aufgetaucht, die von einem Laufsport Blogger-Camp sprechen. Um genauer zu sein,  dem BMW Laufsport Blogger-Camp in München bzw. am Tegernsee.

Etwas im Internet recherchiert hat ergeben, dass BMW bereits im letzten Jahr am Tegernsee ein exklusives Laufseminar für 8 Teilnehmer veranstaltet hat, das über ein Fitness Journal  verlost wurde.

Dieses Jahr hat die BMW Laufsport Abteilung acht Blogger aus Deutschland an den Tegernsee bzw. in die Firmenzentrale nach München geladen.

BMW engagiert sich seit vielen Jahren für den Laufsport und richtet seit 2005 gemeinsam mit Sport Scheck die größte nationale Stadlaufserie aus und unterstützt weitere Großveranstaltungen wie den Berlin und Frankfurt Marathon. Allein 2013 ist BMW bei 8 Marathons und 19 Stadtläufen präsent.

BMW begnügt sich nicht nur mit dem Sponsoring, sondern befasst sich ernsthaft mit dem Thema Laufen und Ausdauersport und hat Ingalena Heuck und Jan Fitschen als Laufbotschafter engagiert. Auch bei der Auswahl der Blogs hat die Laufsportabteilung ein geschicktes Händchen bewiesen und gezeigt, dass Sie sich in der Laufblogszene auskennen.

Zum BMW Laufsport Blogger-Camp wurden einige der besten deutschsprachigen Laufblogs ausgewählt und eingeladen.

Die Blogs sind so unterschiedlich wie die Leistungsbereiche bzw. die Gewichtsklassen der einzelnen Autoren, und doch schreiben sie alle über das Gleiche: Ihre große Leidenschaft, das Laufen.  Dies aber jeder in seinem eigenen unverkennbaren Stil.

Da wären:

OK, OK,  ich bin auch dabei! Ich will auch gar nicht wissen welche Kandidaten da vor mir abgesagt haben. Aber HEY, wer sagt denn da ab?  Da müsste ja schon Muttertag (Achtung Insider!) oder irgendein hohes Familienfest anstehen, damit ich mir diese einmalige Chance entgehen lasse. Ein Treffen mit Ingalena Heuck, Jan Fitschen und dem Who is Who der Laufblogszene.

Das wird ein Spaß.  -I gfrei mi narrisch- *

Oh Gott, Oh Gott,  bei der Prominenz weiß ich noch gar nicht welche Gardarobe ich einpacken soll. Und die Abendgardarobe bereitet mir da weniger Kopfzerbrechen, eher die Schuhwahl genauer  die Laufschuhwahl. Welche meiner acht Paar Laufschuhe dürfen mit an den Tegernsee…?

Ich glaube ich kaufe jetzt erstmal eine größere Tasche.

* ich freue mich sehr

„Hunger? Du weißt doch gar nicht was Hunger bedeutet“, das entgegnete gewöhnlich mein Großvater,  wenn bei mir als kleiner Steppke  der kleine Hunger vorbei schaute. Ich durfte mir dann  einen Vortrag über wirkliche Entbehrungen, Krieg und Flucht anhören. Ja, ich muss zugeben ich habe bisher nie richtig Hunger leiden müssen und darüber bin ich sehr dankbar. Mein Opa wäre auch nie auf die Idee gekommen, eine Woche auf feste Nahrung zu verzichten.

Früher hieß das „schlechte Zeit“, heute ist das Wellness.

Dem selbstbestimmten Hungern werden fantastische Wirkungen nachgesagt, es dient der Gewichtsreduktion,  soll entgiftend und entschlackend wirken und auch die Seele kommt nicht zu kurz.  Es sei eine spirituelle Erfahrung,  man finde zu sich selbst und es komme nicht selten zu euphorischen Zuständen, all so Zeugs. Also das mit dem Abnehmen und Entgiften/Entschlacken hat mich jetzt nicht wirklich gereizt, aber gegen so ein paar euphorische Zustände hätte ich nichts einzuwenden.

Tipp: Das Fasten freitags vor dem Wochenende beginnen, so hat man das schlimmste bis Montags überwunden und kann während des Fastens normal arbeiten.

Ich beginne meinen  Entlastungstag (das ist der erste Tag, an dem der Körper langsam drauf vorbereitet wird was da noch kommt, oder besser gesagt , was eben nicht mehr kommt)  mit einem Humpen Glaubersalz zum Abführen.

Ein Kaffee wäre mir jetzt lieber. Ich bin leicht verkatert, da ich am Vorabend noch die Hausbar geplündert habe. Reine Vorsichtsmaßnahme, klar, nicht dass ich während der Fastenwoche in Versuchung gerate.

Fasten ohne Abführen geht nicht. Solange der Darm etwas zum verarbeiten hat, fordert er Nachschub, das bedeutet Hunger. Also muss alles raus. Glaubersalz schmeckt  dermaßen scheußlich dass der Würgereflex  auf Hochtouren arbeitet. Die Alternative zu Glaubersalz ist „der Irrigator“. Ist die Frage was schlimmer ist.

Tipp: Ein Einlauf hört sich furchtbar an, ist aber weniger Schlimm als angenommen. Vorausgesetzt das Wasser ist warm. Diese Prozedur muss alle 3 Tage wiederholt werden.

Zum Frühstück gibt’s ungesüßten Kräutertee und 60 Gramm Wildreis. Für Mittag und Abendessen stehen nochmals 60 Gramm Reis auf dem Speiseplan. Reis ohne alles hat ungefähr so viele Nährstoffe wie ein Blatt Papier, so macht sich  schnell  wieder Hunger breit.  Wenn der Hunger zu  stark wird,  greife ich zur Flasche,  zur Wasserflasche, das lindert den Hunger. Man soll ja während des Fastens  viel trinken, mindestens 3 Liter. Bis abends habe ich locker 5 Liter Wasser weg gegluckert.

Meinen ersten Tag  bringe ich so lala über die Bühne. Ich  komme den ganzen Tag  nicht so richtig auf Touren und bin unkonzentriert, ob das am permanenten Hungergefühl , oder  am vorabendlichen Alkoholabusus  liegt  kann ich nicht sagen.

Tipp: Hausbar besser abschließen, nicht austrinken

Samstags, am Tag 2, muss ich arbeiten, laut Fachliteratur soll man sich jedoch schonen. Mir hilft die Arbeit jedoch mich vom Essen abzulenken. Heute gibt es überhaupt nichts mehr zu Essen. Ich stelle fest,  zu den gewohnten Essenszeiten, wenn ich üblicherweise etwas essen würde, ist es besonders schlimm. Der Mensch ist eben ein Gewohnheitstier.

Es gibt unzählige Fastenkuren und eben soviel Literatur darüber. Meine Frau hat aus der Bibliothek zwei Bücher ausgeliehen. Erstaunlich was man übers Fasten alles schreiben kann, geht es doch nur darum nix zu essen.   Von allen Fasten-Varianten hat meine Frau die Hardcore Version extrahiert. Bei uns gibt es nix, nur ungesüßten Kräutertee und Wasser, viel Wasser, und  abends  als Highlight ein Glas Gemüsesaft. Das war‘s.

Der Abend ist ein gefürchteter Fastenbrecher, daher organisiert die Gattin für den Abend einen Kinobesuch. Den Film „Life of Pi: Schiffbruch mit Tiger“ kann man mit knurrendem Magen auch viel besser nachempfinden.

Tag 3: Ein Glück, es ist Sonntag, ich bin furchtbar müde, ich verbringe die meiste Zeit des Tages im Bett und schlafe oder lese. Damit ich nicht ganz untätig bin, gehe ich Nachmittags mit der Gattin eine runde Laufen.  Sport und Fasten schließen sich nicht aus, es wird sogar empfohlen um den Stoffwechsel anzuregen. Man soll es halt ruhig angehen, z.B. mit Walken. Ich bin jetzt kein Walkingfreund, daher legen wir einfach beim Laufen eine kurze Gehpause ein. Den Rest des Tages verbringe ich weiter im Bett.  So überstehe ich den kritischen dritten Tag.

Tipp: Wer schläft isst nicht.

Tag 4: Nach über 12 Stunden Schlaf starte ich fit in die Arbeitswoche. Dem Fasten wird ja auch nachgesagt, dass man während dieser Zeit ungeheuer produktiv sei. Ich kann das bestätigen, während die Kollegen eine Zigarettenpause,  Frühstückspause , Mittagspause oder sonstige Pausen machen und was futtern, kann man schön was wegarbeiten. So bekommt man während eines Arbeitstages unheimlich viel unter. In der Freizeit kann man sich dann auf so tolle Dinge wie Nebenkostenabrechnungen oder Steuererklärungen stürzen, Hauptsache man muss nicht unter Menschen, unter essende Menschen.

Tag 5: Die Produktivität hält an, aber euphorischen Zuständen habe sich bisher nicht eingestellt. Hunger habe ich keinen, aber Gelüste, also Essensgelüste, keine horizontalen Gelüste. Die Libido befindet sich während des Fastens im Tiefschlaf. Wer möchte sich schon reproduzieren, wenn es nix zu beißen gibt.

Tipp: Die Produktivität beschränkt sich auf geistigem Niveau. Höchstleistungen in anderen Bereichen sind nicht zu erwarten, eher das Gegenteil.

Tag 6: Mittwoch ist Lauftag, auch während des Fastens will ich da keine Ausnahme machen. Ich merke aber schnell, der Akku ist leer, die Leistungsfähigkeit lässt nach 6 Tagen ohne feste Nahrung einfach nach. Bei arktischen Temperaturen bekomme ich gerade mal 8 Kilometer auf den Tacho, acht harte Kilometer. Es fühlt sich an wie die letzten 8 Kilometer beim Marathon.  Wer meine Langstreckentauglichkeit kennt, weiß, Spaß ist das keiner.

Tipp:  Wer noch nie dem Hammermann begegnet ist, trifft den Gesellen nach sechs Tagen Fasten ganz sicher, und das schon auf dem ersten Kilometer.

Tag 7: Noch immer haben sich keine euphorischen Zustände eingestellt, das enttäuscht mich ein wenig. Die Gelüste nach „Geschmack“ werden jedoch immer stärker. Nach 7 Tagen mit Wasser und fadem Kräutertee möchte man endlich wieder etwas schmecken. Man freut sich  auf den abendlichen Gemüsesaft. Gerade der Sauerkrautsaft hat es mir angetan. Vor dem Fasten hätte ich mir nicht träumen lassen, jemals überhaupt Sauerkrautsaft zu trinken. Jetzt freue ich mich darauf wie ein kleines Kind. Mit kleinen Schlückchen wird der Saft langsam  getrunken um möglichst lange etwas von dem Geschmackserlebnis zu haben.

Tipp: ein Glas Sauerkrautsaft am Abend genügt, eine höhere Dosierung führt unweigerlich zu  heftigem Magenrumpeln.

Tag 8, erster Aufbautag: Gebratene Hähnchen fliegen durch die Luft, ich schlendere durch einen Wald aus Dauerwürsten, auf einer Bank aus Knäckebrot lasse ich mich nieder und beiße herzhaft in ein Leberwurstbrot, das ich eben am Wegrand gepflückt habe… „Da ist ja überhaupt kein Senf drauf“,  denke ich und wache auf.  Puh, ein Traum, war das jetzt ein Albtraum?

Jetzt habe ich Hunger, bzw. Appetit auf Leberwurstbrot. Zum Frühstück gibt’s aber nur ein kleines Schüsselchen Haferschleim. Das ist schon mal ein Anfang. Abends gibt’s dann sogar ein Apfel zum Gemüsesaft. –lecker-

Tag 9, zweiter Aufbautag: Ich hatte schon wieder diesen Traum. Ich gehe jetzt gleich mal einkaufen, für das Leben danach. Abends gibt’s zwar kein Leberwurstbrot, dafür aber eine klare Gemüsebrühe (ohne Salz). Man freut sich schon über kleine Dinge.

Tipp: EC und Kreditkarte beim Einkaufen zuhause lassen und nur eine geringe Geldmenge in bar mitführen. Spontankäufe im aneroben Zustand können sehr teuer werden.

Tag 10, letzter Tag: Heute steht wieder Sport auf dem Plan, es soll mit der Tochter zum Skifahren gehen ( ich fastete ja bereits im Januar). Das Frühstück fällt mit einem geriebenen Apfel und Haferschleim schon fast üppig aus. Beim Mittagessen auf der Hütte, sündige ich das erste mal während der 10 Tage. Ich esse den Rest der Käsespatzen, die meine Tochter nicht mehr geschafft hat. Fettige Käsespatzen sind zum Fastenbrechen nicht so dolle geeignet, dementsprechend schwer liegt die Portion im leeren Magen, ich hoffe ich löse keine Lawine aus.

Am Abend gibt’s dann zum Abschluss unserer Fastenwoche  eine Suppe mit Einlage. Ab morgen darf ich dann wieder normal essen.

Während des sonntäglichen Tatorts nicke ich ein und schrecke hoch, als der Verdächtige den Kommissar mit einem Leberwurstbrot bedroht.

Jetzt reicht’s, das muss ein Zeichen sein! Drei Träume die sich um Leberwurst drehen, sind ein klares Signal meines Körpers. Ich darf meinem ausgehungerten Körper diese Delikatesse nicht mehr länger vorenthalten.

-Ich brauche Leberwurst, jetzt sofort-

Ich schmiere mir ein frisches Graubrot mit dick Butter und einer ordentlichen Schicht Trüffel-Leberwurst. Darauf feine Essig Gürkchen und das ganze garniert mit ein paar Spritzern extra scharfem Löwensenf.

-eine Offenbarung-

Jetzt gibt es kein Halten mehr, ich esse bis die Wurst alle ist. Ich könnte gerade weiter machen, gut, dass ich kein Bier im Hause habe. Aber für heute habe ich genug  gesündigt. Nach 10 Tagen gehe ich mal wieder satt ins Bett.

Tipp: Wer fastet um Gewicht zu verlieren, sollte es nach dem Fasten gemächlich angehen lassen. Der Stoffwechsel befindet sich noch im „Hungermodus“. Die zugeführten Kalorien können nach dem Fasten noch gar nicht verarbeitet werden und landen flux wieder an den Problemzonen.

Und? Würde ich nochmals fasten? Euphorische Zustände haben sich nicht eingestellt, nur seltsame Leberwurst-Träume. Dennoch war das Fasten eine interessante Erfahrung. Es ist erstaunlich wozu der  Körper in der Lage ist, bzw. wie er sich auf äußere Bedingungen einstellt und sich anpasst. Für mich war das Fasten eine große mentale Herausforderung, den vielen Verlockungen, die überall dort draußen lauern, zu widerstehen. Es gehört schon eine gewisse Willensstärke dazu, 10 Tage auf alles zu verzichten, und nicht aufzugeben auch wenn es hart wird. Dieser Wille hilft mir vielleicht bei meinem nächsten Marathon, wenn es mal wieder etwas härter wird.