Spartan(85)Es gibt ja wenig Laufevents im Olympiapark, bei denen ich nicht teilnehme. Aber bei diesem Event am Wochenende habe ich gekniffen. Laufen stand da auch gar nicht so sehr im Fokus.

Am Wochenende war das Reebok Spartan Race zu Gast im Münchner Olympia Park. Das Spartan Race, ist ein Hindernis-Rennen, vergleichbar mit dem Strongmanrun, wobei aber das Spartan Race, die weltweit größte Hindernis-Laufserie ist. 2014 werden bei weltweit 70 Rennen mit bis zu einer Millionen Teilnehmern gerechnet. Im Olympiapark  feierte nun die Serie, die ursprünglich aus den USA kommt,  seine Deutschland Premiere, und sorgte bei  vielen unbeteiligten Parkbesuchern für anhaltendes Kopfschütteln.

Wenn man nicht vom „Obstacle-Race-Virus“ befallen ist, fällt es schon schwer nachzuvollziehen, SpartanSuper(77)weshalb man sich diese Strapazen freiwillig antun sollte. Da hat man vor 20 Jahren erfolgreich den Militärdienst verweigert, um unter anderem, solchen Schindereien zu entgehen,  und dann klettert man freiwillig zur Freizeitbeschäftigung über Bretterwände, robbt unter Stacheldraht hindurch und wadet im April bis zur Brust durch den Olympiasee.

Und  das soll Spaß machen?

Die 4.000 Spartaner wurden ab 9:00 Uhr alle 15 Minuten in Gruppen von ca. 200 Teilnehmern auf die 7km bzw. 14km lange Strecke geschickt, nicht ohne Sie vor dem Start mit dem Kampfschrei „ARRROOOO, ARRROOOO“ gehörig einzupeitschen und an den Teamspirit zu apellieren, denn es gilt die Hindernisse aus eigener Kraft oder mit Hilfe eines anderen Spartaners zu bezwingen, Hilfe von außen ist nicht erlaubt. In den Startbereich kam nur, wer nach Kontrolle der Startnummer die erste Bretterwand überwunden hatte. Ich wäre schon an dieser ersten Hürde gescheitert. Äußerst erstaunt war ich, daß zu den Spartanern auch sehr viele Kriegerinnen zählten. Das muss also ein Spaß für Männlein und Weiblein sein.

Spartan(300)Spartan(288)

 

 

 

 

 

 

 

Den strahlenden Finisher Gesichtern im Ziel nach zu urteilen, müssen auf der Strecke irgendwo Drogen verteilt worden sein, anders kann ich mir das debile Grinsen auf den Matsch verschmierten Gesichtern kaum erklären.

Also zog ich mit meiner Kamera los um Beweismittel zu sichern.

Aber sehet selbst:

Galerie Sprint  Spartan(279)

 

 

Galerie Super  SpartanSuper(50)

Fazit: Das mit dem Glück ist schon eine komische Sache, je stärker man im Vorfeld gelitten hat, um so glücklicher ist man, wenn es überstanden ist. Und wenn man das dann auch noch freiwillig macht, ist das ein großer Spaß.

–Irgendwie verrückt –

Ich gehe jetzt in den Keller und haue mir mit dem Hammer auf den Daumen und freue mich  wenn der Schmerz nachläßt.

Auf der anderen Seite kann ein Nichtläufer auch nicht nachvollziehen, was daran toll sein soll, wenn man freiwillig 30 km von München nach Starnberg läuft.

– Jedem das seine, oder? –

Das Spartan Race aus Sicht des „Elite Teams“ gibt es  bei Balla-Balla.org zu lesen

 

Donnerstag früh, 8:00 Uhr
Ein Facebook Post meines Lauffreundes Ludwig erregt meine Aufmerksamkeit.

„Heute ein bisserl früher: nachdem ich gestern schon im Rangierbahnhof unterwegs war, aber die Strecke etwas mehr „flow“ braucht bin ich heute wieder unterwegs auf den kleinen Trails im Rangierbahnhof. Wer Zeit und Lust hat, 17:45 ab den den Altglascontainern in der Pasteurstrasse für ca. 1 Stunde.“

Lust?, ja, ich habe Lust, aber 17:45 ist mir unter der Woche einfach zu früh, außerdem hatte ich mir für heute Intervalle verordnet, aber in letzter Zeit laufe ich lieber in Gesellschaft, als strikt nach Trainingsplan.

11:00 Uhr
Der Vormittag entwickelt sich positiv und die Termine sind vor Ihrer Zeit erledigt was bei mir sehr selten vorkommt. Ich schöpfe Hoffnung und sage auf Facebook der Trailrunde zu.

16:00 Uhr
Man sollte den Tag nicht vor dem Abend loben, es kommt wie es kommen musste. Bei einem Routinebesuch bei einem Kunden ist ein hartnäckiges Problem aufgetaucht.

17:20 Uhr
Das Problem ist provisorisch behoben, aber ich stelle fest, dass ich für meine Laufverabredung viel zu spät dran bin.

17:25 Uhr
Überstürzt verlasse ich den Kunden. Noch auf dem Weg zur U-Bahn schicke ich Ludwig eine Nachricht:

„Ich schaffe es nicht, bin noch am Marienplatz. Lauf schon mal los, ich komme auch zur Pasteurstr, vielleicht laufen wir uns ja über den Weg, Sorry“.

17:30 Uhr
Das Glück ist mir hold, wie ich auf den Bahnsteig komme fährt gerade meine U-Bahn ein.

17:45 Uhr
Grußlos  stürme ich ins Haus, renne die Treppe hoch, ziehe mich um. Auf der Toilette checke ich schnell die Nachrichten bei Facebook, Ludwig schreibt:

„bin gerade angekommen, warte noch“, „sitze im Auto und muss arbeiten >.<“  IMG_0287

17:50
ich sitze im Auto und quäle mich durch den Feierabendverkehr. Laut Naiv solle ich um 18:05 am Treffpunkt sein. -Arg, 20 Minuten zu spät-, ich hasse es wenn ich zu spät komme. An einer der vielen Ampeln diktiere ich per Siri:

„Bin in 5 Minuten da“.

18:08 Uhr
Der Verkehr hat zu den angekündigten 5 Minuten nochmals 5 Minuten oben drauf gepackt. Ich habe ein schlechtes Gewissen. Ludwig wollte heute früher los, da es für die Trails sonst zu dunkel wird.

18:10 Uhr
Endlich bin ich am Treffpunkt angelangt. Ludwig steht noch im Business Outfit am Auto und telefoniert wild gestikulierend. -das sieht nach Ärger aus-  

18:12 Uhr
Fluchend legt Ludwig auf und begrüßt mich. „Gut, dass Du kommst ich wäre sonst nachhause gefahren, ich hab grad soIMG_4895 ein Ärger…“. Schnell zieht er sich um und wir starten zu unserer Feierabend Runde. Ohne viel Worte rennen wir in den Wald. Ludwig flucht noch leise vor sich hin.  Ansonsten beschränkt sich die Kommunikation hauptsächlich auf Richtungsangaben. Jeder von uns ist noch viel zu sehr mit seinem Tag beschäftigt.  Auf flachen Trampelpfaden geht es im Zickzack durch den Allacher Forst. Die Richtung scheint  erstmal egal zu sein, Hauptsache Laufen abseits der ausgetretenen Wege. Wir legen ein ordentliches Tempo vor, der erste Kilometer wird deutlich unter 5:00 min gelaufen, man könnte meinen wir sind auf der Flucht.

Ludwig navigiert mich irgendwie querfeldein zum Allacher See, dort geht es ins Unterholz, auf einem schmalen Pfad geht es direkt am Ufer entlang um den See. Am Ostende des Sees verlassen wir den Pfad und passieren die Unterführung unter der B304 . Auf der Schotterstraße geht es hoch zum Damm entlang des Moosacher Rangierbahnhofes. Neben dem Weg befindet sich noch ein erhöhter Wall, mit steilen Flanken, auf den Ludwig jetzt zusteuert.

IMG_4897Kann man da laufen? Das ist doch ein Gebüsch? Von unten kaum sichtbar, schlängelt sich durch die Hecke ein schmaler Pfad. Zum Teil muss man sich unter Ästen ducken. Auf dem schmalen Grat geht es gut zwei Kilometer entlang. Der Wall fällt steil Richtung Gleisanlagen ab. Hier sollte man nicht daneben treten. Alle Sinne sind auf das hier und jetzt fokussiert. Der nächste Schritt, der nächste Anstieg, die nächste Wurzel, das nächste Loch, der Atem, der Puls…, sonst ist nichts.
Wir verlassen den Wall und laufen ein kurzes Stück auf der Schotterstraße bis uns wieder ein Dickicht verschluckt. Hier erwarten uns kurze aber knackige Anstiege, schlängelnde Pfade, Wurzeln und Abstiege bis uns der Trial wieder auf einem breiteren Weg ausspuckt. Wir folgen dem Weg hoch in Richtung Gleisdamm. Dort empfängt uns ein prächtiges Farbenspiel, das der Sonnenuntergang an den Himmel Trail-Sunsetgemalt hat. Nach einem Selfie, soviel Zeit muss sein, geht es zurück Richtung Allacher See. Ludwig will aber noch eine optimalere Wegführung ausprobieren und so laufen wir einen steilen Hang hinunter und umrunden auf einem Trampelpfad den nahe gelegenen Campingplatz, um gleich darauf an der Unterführung der B304 zum Allacher See wieder heraus zu kommen.   Da es am Nordufer des Sees schienbar keinen Pfad gibt, laufen wir  am Südufer wieder zurück. Allerdings ist es jetzt schon fast zu dunkel um hier überhaupt noch laufen zu können. Unbeirrt rennen wir weiter, ich vielleicht einen Tick langsamer.

Da es für einen Abstecher in den Wald jetzt eindeutig zu dunkel ist, laufen wir auf der Forststraße zurück zum Ausgangspunkt. Erst hier kommen IMG_4901wir dazu uns  zu unterhalten. Wir stellen fest, dass wir den Alltag in den  letzten 45 Minuten weit hinter uns gelassen haben. Die Last die noch vor einer Stunde auf unseren Schultern lag, wiegt mit etwas Abstand nicht mehr ganz so schwer. Wir konnten in der letzten Stunde unsere Probleme zwar nicht lösen, aber wir haben die nötige Kraft geschöpft um auch morgen wieder die Welt ein bisschen zu retten.

Mit diesem Wissen beenden wir nach 10 Kilometern durch unwegsames Terrain nach 55 Minuten überglücklich unseren Feierabend Lauf.

Jetzt haben wir wirklich Feierabend, das war Abschalten vom Feinsten.

Danke Ludwig, dass Du auf mich 25 Minuten gewartet hast.

——
Ludwig hat auf seinem Blog Hale-Hearty.de , den ich jedem Empfehle, der wissen will wie man sich auf eine Triathon Langdistanz vorbereitet, auch den Trail mit GPS Koordinaten vorgestellt,  wer also wissen will wo wir uns rumgetrieben haben, bitte hier klicken.

Wer als Läufer etwas auf sich hält nennt Minimum 3 bis 4 Paar Laufschuhe sein eigen. Und damit sind nicht die ausgelatschten Treter der Vorjahre gemeint, sondern Schuhe die abwechselnd zum Einsatz kommen. Für jeden Bedarf ist da etwas dabei, die normalen Trainingsschuhe, der leichtere Wettkampfschuh, der robustere Trail Schuh, etc.Schuhregal
Und die ausrangierten Modelle wandern nicht etwa in die Tonne, sondern werden wie Trophäen zusammen mit unzähligen Startnummern und Finisher-Shirts im Keller aufbewahrt.  Zu groß ist die Emotionale Bindung  zum lieb geworden Schuh, der einen treu über tausend Kilometer getragen hat, als dass man sie so einfach dem Müll übereignen könnte. Eine feierliche Beisetzung wäre da schon angebrachter. Vielleicht baue ich für meine lieb gewonnen Schuhe ja mal eine Vitrine, aber das muss ich erst noch bei meiner Regierung durchboxen.

Aber ich schweife ab, eigentlich wollte ich nur berichten, dass ich in meiner Schuhsammlung ein neues „Lieblingsteil“ habe.

Den ASICS GEL-SUPER J33

ASICS_GEL-SUPER-J33

Zugegeben, ein Exot in meiner Laufschuhsammlung, die sich hauptsächlich aus gut gedämpften neutral Schuhen zusammen setzt. Da ich öfters mal Knieprobleme habe, bin ich bisher nicht auf den Barfuß bzw. Natural-Running Zug aufgesprungen. So begnügte ich mich bisher mit meinen Dämpfungsmonstern und war glücklich. Bis mir ASICS den neuen GEL-SUPER J33 zum Testen anbot. Ein neuer Natural-Schuh speziell für Überpronierer.

Nach anfänglicher Skepsis, ob der dünnen „Schläppchen“, wuchs die Begeisterung mit dem ersten „Reinschlüpfen“. Der Oberschuh besteht aus einem nahtlosen, Kunststoff verstärkten Mesh-Gewebe und fühlt sich dadurch schon sehr leicht an. Eine Fersenkappe fehlt komplett, was zusätzlich ein leichtes, unbeengtes Gefühl gibt. Die Waage bestätigt dieses Leichtgefühl. Lediglich 206* Gramm bringt der Schuh auf die Waage. Zum Vergleich, der ASICS Nimbus 15 (mein Ex-Lieblingsschuh) wirft 330 Gramm in die Waagschale.

Den Gewichtsunterschied merkt man dann auch sofort beim Loslaufen. Eine gewisse Leichtigkeit macht sich breit. Ihr kennt das Gefühl, es ist wie wenn man nach 3-4 Tagen Laufpause ausgeruht seine Runden zieht. Es ist wie Laufen mit Rückenwind.

Die Sohle, bei der die neue FluidAxis-Technologie zum Einsatz kommt, ist dünner, bietet aber dennoch mehr Dämpfung als ich erwartet hätte. Durch die sogenannten Flex-Kerben passt sich die Sohle schön der Abrollbewegung des Fußes an und bietet ein direktes Bodengefühl.

Nicht nur die Leichtigkeit des Schuhs macht Spaß, sondern auch das Laufen selbst. Ich habe das Gefühl, dass ich mit dem Schuh mehr auf dem Vorfuß laufe, im Gegansatz zu dem Herrn im Video, der mit dem Schuh ja deutlich auf der Hacke läuft. Mein Gefühl kann jedoch subjektiv sein, an den 6 Millimeter Sprengung alleine kann es ja kaum liegen, oder die FluidAxis-Technologie ist doch mehr als ein Marketing Begriff.

Bei meinem ersten Ausritt mit dem GEL-SUPER J33, begnügte ich mich noch mit einer kleinen 5km Runde. Aber das Laufgefühl war so toll, dass ich die Runden Stück für Stück ausdehnte. Auch beim 10km Nikolauslauf und beim Silvesterlauf im Olympia Park kam der Schuh zum Einsatz, aber da habe ich dann schon die fehlende Dämpfung gemerkt, vor allem die Waden haben das zu spüren bekommen. Den 15er und den 20er der Münchner Winterlaufserie bin ich dann aber doch lieber wieder mit meinen Dämpfungsmonstern gelaufen.

ASICS33 ist die Natural-Kategorie des japanischen Laufschuhherstellers. In diesem Bereich bietet ASICS momentan 4 Modelle an, die der folgenden Matrix zu entnehmen sind.Natural_MatrixNeu in der Kategorie ist die gestützte Variante (Structured Cushioning). Der neue GEL-ELECTRO33 und GEL-SUPER J33 wurde speziell für Überpronierer entwickelt. Die neutral Modelle (Neutral Cushioning) wären der GEL-EXCELL33 3und der GEL-LYTE33 3. Das Leichtgewicht in dem Quartett ist dabei der GEL-LYTE33 3 mit nur 195 Gramm*.

Nun habe ich natürlich mit dieser Art von Schuhen noch überhaupt keine Erfahrung bzw. Vergleichsmöglichkeiten. Einen Natural-Schuh mit einem Dämpfungsschuh zu vergleichen ist so, als wolle man Äpfel mit Melonen vergleichen. Mich hat aber positiv überrascht wieviel Komfort Natural-Schuhe überhaupt bieten, und vor allem dass diese Art von Laufschuh doch auch etwas für mich ist. Mich persönlich würde der direkte Vergleich zum GEL-LYTE33 3 interessieren, ob ich da die fehlenden Pronationshilfe bemerken würde.

Natürlich ist ein Minimal-Schuh nicht für das tägliche Training gedacht. Alle ein bis zwei Wochen darf der J33 nun mit mir auf die Strecke. Wenn es glatt ist, muss der Schuh aber zuhause bleiben, denn die Sohle ist leider nicht ganz so griffig.

Der SUPER J33 hat das Zeug dazu einen Platz in meiner „Hall of Fame“ Vitrine zu bekommen, davor werde ich aber noch ein paar „Leicht-Modelle“ ausprobieren, das Interesse ist geweckt.

* Männer Schuhgröße 9

IMG_4634Ich bin zur Zeit beim Flachlandtraining in Oldenburg. Bergluft wird total überbewertet.  Für mich kann es zu Weihnachten nichts Schöneres geben als das Oldenburger Land. Mit meinem Flachlandtrainer Volker ging es am Vormittag des Heiligabends durch die Osenberge (das ist eine bewaldete Sanddüne) und durch das Barneführer Holz. Aufgrund diverser Navigationsschwierigkeiten standen dann auch gut 13 Kilometer auf dem Tacho. Wenn es nach mir gegangen wäre hätte ich noch ewig mit Volker laufen können, aber der 24.12. bietet da wenig Spielraum.

IMG_0171Nachdem es am Heiligabend etwas später wurde, lief ich am späten Nachmittag des ersten Weihnachtsfeiertages zum Ausnüchtern alleine um die Thülsfelder Talsperre. Da es im Norden schon kurz nach 16:00 Uhr duster wird, musste ich schauen, dass ich wiedert zu meinem zurück Auto finde.

Am zweiten Weihnachtsfeiertag stand wieder ein gemeinsamer Lauf mit dem Deichläufer Volker auf dem Programm, es gab ja noch viel zu erzählen. Zu den Ahlhorner Fischteichen sollte es diesmal gehen. Leider musste Volker den Lauf kurzfristig absagen, sodaß ich fluchs meine Frau als Trainingspartnerin rekrutieren musste.

Der Schwiegervater schickte uns zum Laufen in den Litteler Fuhrenkamp, das ist ein Forst in der Nähe einer militärischen Schießanlage.  Weshalb wir ausgerechnet dort laufen sollten verriet er aber nicht. Ist die Anlage während der Weihnachtsfeiertage in Betrieb? Muss ich mir Sorgen machen?

In Norddeutschland wird es nicht nur früher dunkel, sonder auch später hell. Wenn der Himmel bedeckt ist, hat man das Gefühl dass es überhaupt nicht Tag werden möchte.  Der Nebel lieferte sich auch nach 10:00 Uhr noch eine erbitterte Schlacht mit den ersten Sonnenstrahlen. Die dicken Nebelschwaden sollten noch bis weit nach 12 Uhr die Herrschaft über das Land haben. Es war eine tolle Stimmung, alles wirkte wie in Watte gepackt.

Ich war etwas erstaunt, dass wir bei dem Wetter nicht alleine im Forst waren. In der Ferne sahen wir immer wieder vereinzelte  Radfahrer und Spaziergänger. Alle machten irgendwie den Eindruck dass sie nach etwas suchten. Was ist hier los? Wer geht  vor dem Mittagessen schon zum spazieren? Familien die uns entgegen kamen sahen uns fragend mit großen Augen an. Sind wir Läufer so exotisch?  Nein, kurze Zeit später begegnete uns ein älterer Jogger.  Er zwinkerte uns zu und nickte mit dem Kopf mehrmals nach links. Hä??? Hier ist doch was faul. Bei der nächsten Kreuzung bogen wir einfach mal nach rechts ab. Die Forststraße in die wir einbogen war eher ein Feldweg der schon lange nicht mehr befahren wurde.

Nach hundert Metern standen wir plötzlich vor einem festlich geschmückten Tannenbaum.

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-???-

Später erfuhren wir, dass seit gut 25 Jahren jedes Jahr im Litteler Fuhrenkamp auf wundersame Weise ein Tannenbaum geschmückt wird. Immer an einer anderen Stelle. Niemand weiß wer dahinter steckt.

Vielleicht ist es ja der Weihnachtsmann.

Man kann ja eigentlich gar nicht mehr ohne. Also ohne Pulsuhr. Ja, ich weiß der Genussläufer braucht solch Chichi nicht, aber die etwas ambitionierteren Läufer unter uns, wagen sich ohne Ihre Laufcomputer nicht mehr auf die Strecke. Alles muss getrackt, gemessen und anschließend höchst wissenschaftlich analysiert werden. Mit profanen Excellisten begnügen sich nur noch die Puristen.  Ein Traum für jeden Statistik Fan sind die neueren Modelle, die den ganzen Datenwust direkt ins Internet laden. Anhand schöner Schaubilder und Tabellen lässt sich dann der Trainingszustand des Athleten ablesen.

Meine erste Pulsuhr habe ich vor 6 Jahren bei einem Discounter erstanden. Eine robuste Stoppuhr mit HF Messung. Als die Distanzen mit der Zeit Stück für Stück länger wurden, und man  öfters in unbekanntem Terrain unterwegs war, wollte man natürlich wissen „wie weit ist man denn gelaufen“ und vor allem „wo war man überhaupt“. Der Ruf nach einer GPS-Laufuhr wurde lauter. Da ich zwischenzeitlich auch das Radeln und das Schwimmen für mich entdeckt hatte, sollte es eine Multisport-Uhr bzw. ein Triathlon-Uhr sein. Das Angebot in diesem Segment ist aber noch sehr übersichtlich und meist mit einer größeren Investition verbunden.

Daher las ich mit großem Interesse  die Pressemeldung von TomTom , die im Spätsommer in meinem Postfach gelandet war:

TomTom Runner und TomTom Multi-Sport GPS-Uhren ab sofort erhältlichIMG_4532

Da mich das Multisport Gerät wirklich interessiert hat, habe ich von der Presseagentur ein Testgerät angefordert. Für zwei Monate wurde mir der TomTom Multisport inkl. Textil Pulsgurt und Fahrradhalterung zur Verfügung gestellt.

Der erste Eindruck

IMG_4550Die Uhr punktet beim Design. Selbst bei der Verpackung wurde nichts dem Zufall überlassen.  Die Uhr selbst hat ein revolutionäres schlankes Design und besticht durch seine simple Bedienung. Das Uhrengehäuse besteht nicht wie sonst üblich aus dem üblichen Gehäuse unter  der LCD-Anzeige, sondern das Gehäuse wurde in Richtung des Armbandes etwas verlängert. Dort haben die Designer die Steuerungseinheit platziert. Ein neues Konzept zur Bedienung von  Digitaluhren, weg vom 4-Knopfsystem hin zur Multifunktionstaste. Über die Multifunktions-Wipptaste läßt sich die Uhr wirklich idiotensicher bedienen.  Der verlängerte Gehäuseteil  ist gleichzeitig Anschlussverbindung für die Dockingstation, worüber die Uhr geladen bzw. die Daten auf den PC geladen werden können. Das eigentliche Armband ist austauschbar und  in unterschiedlichen Farben erhältlich. Ein Feature, das den normalen Sportler weniger interessieren dürfte, aber der modischere Typ bzw. Frauen, die gerne ihre modischen Accessoires aufeinander abstimmen werden sich darüber freuen, denn die TomTom Multisport Uhr kann (oder muss?) auch als Alltagsuhr getragen werden. Daher verwundert es nicht, dass man die Uhr überhaupt nicht ausschalten kann. Im „Uhrenmodus“ hält die Batterie locker über eine Woche. Im GPS-Modus angeblich bis zu 10 Stunden. Mir ist allerdings mehrmals passiert, dass die Uhr im Training Schlapp gemacht hat, da Sie im Vorfeld schon einige Tage im Uhrenmodus lief. Etwas irritierend ist auch, dass der Uhr kein Netzteil zum Aufladen beigelegt ist.  Man geht wohl davon aus, dass der geneigte Sportler ohnehin ein USB Netzteil von seinem SmartPhone besitzt. Andernfalls muss die Uhr eben über die heimische EDV geladen werden.IMG_4538

Apropos EDV, die Uhr sollte nach dem Auspacken dringend mit der neuesten Firmware gefüttert werden, ansonsten macht die Uhr keinen Spaß. Firmware Versionen unter 1.5 sind noch sehr buggy. Viele Probleme, von denen andere Tester berichtet haben werden durch die letzten Updates gefixt, so lassen sich zum Beispiel laufende Trainings nicht mehr so leicht über die Wipptaste beenden und die Uhr verfällt auch nicht immer in den Demo Modus nachdem  die Uhr am PC angeschlossen war, bzw. speichert dann  auch die korrekten Spracheinstellungen.

Das Update der Firmware lief bei mir übrigens ganz zügig. Nach ca. einer halben Stunde war die Sache gegessen (der Vorgang ist natürlich abhängig von der Internetanbindung für den Download).

Laufen

Im Laufmodus können zunächst  unterschiedliche Ziele und Trainings ( einfache Intervalle, Rennmodus (ab Firmware Version 1.4.1)) definiert werden, oder aber man startet die Uhr einfach ohne Ziele bzw. Trainings. Wenn allerdings kein Satellitensignal vorhanden ist, lässt sich das Training nicht starten. Im freien findet die Uhr aber sehr schnell ein Ortungssignal. Aber laufen ohne Satellit geht nicht, da muss man dann im Notfall auf den Laufband-Modus (s.u.) umschalten, ein Wechsel des Betriebsmodi während des Trainings ist aber nicht möglich.

Ist das Training gestartet, werden in großen Ziffern die einzelnen Trainingsparameter auf dem Display angezeigt. Allerdings nicht alles im Überblick, sondern jeder Wert einzeln. Mit der Wipptaste kann dann zwischen den Anzeigen gewechselt werden. Ein Umstand der sich kompliziert anhört, aber nur stört wenn man die Uhr testet. Im normalen Training interessieren einen ohnehin nur wenige Werte. Nebenwerte wie bsp. Distanz oder Zeit lassen sich in zwei kleineren Feldern über der Hauptanzeige anzeigen. Dieses Feld ist  aber etwas klein geraten, da muss man schon gute Augen haben, bzw. genau hinschauen.

Ansonsten fällt auf, dass die aktuelle Pace nicht sehr genau ist. Die einzelnen Splits stimmen dann aber wieder.

Anzumerken ist, dass der TomTom  Multisport über einen integrierten Schrittsensor auch auf Laufbändern eingesetzt werden kann, ein Feature, das ich sonst von keiner anderen Uhr kenne.  Für sinnvolle Ergebnisse muss aber dieser Modus  zuvor mit der Schrittlänge (rechts-links-rechts) kalibriert werden.

TomTom_Banner

Radfahren

Den Bikemodus habe ich selbst nicht getestet, da meinem Modell kein Kadenz/Geschwindigkeitsmesser beilag. Dieser Sensor kann nachträglich  für 60€ bezogen werden, bzw. man entscheidet sich gleich für das Komplettset für 299€  inkl. Kadenz-Sensor und Höhenmesser. Aber ich habe mir IMG_4547mal die Zeit genommen, die Uhr samt beigelegter Fahrradhalterung an mein Tri-Bike Lenker zu schnallen.  Auf einem Triathlon-Lenker mit Aero-Bars steht aber traditionell wenig Platz zur Verfügung, auf einem normalen Rennrad läßt sich die Halterung sicherlich günstiger positionieren.

Ansonsten sind die Menüs und die Funktionen im Bikemodus gleich wie beim Laufen.

Schwimmen

Viel neugieriger war ich auf die Schwimmfunktion und war etwas enttäuscht als ich feststellte, dass der TomTom Multisport beim Schwimmen nur Bahnen zählen kann, und  das auch noch recht unzuverlässig. Eine GPS Funktion für Freiwasser gibt es nicht,  gerade da hätte TomTom  als GPS-Profi Punkten können.

Im Schwimmmodus muss zunächst die Poollänge eingestellt werden, ansonsten lassen sich auch hier Ziele wie Distanz und Dauer etc. einstellen. Ein Intervall-Training hat bei mir im Schwimm-Modus aber überhaupt nicht funktioniert, da wurde außer der Zeit überhaupt nix gemessen –nix-.  Kleinste Einheit für ein Intervall sind hier auch nur 100 Meter, was fürs Schwimmen etwas grob ist.

Beim ersten Schwimmeinsatz des TomTom Multisport war ich zwar freudig überrascht, dass ich meine 3000 Meter deutlich unter einer Stunde absolviert hatte. Aber eine Verbesserung von über 4 Minuten auf 1000 Meter kam mir dann doch spanisch vor.  Die nächsten Schwimmtermine absolvierte ich dann mit zwei Uhren, einmal den TTM und dann den Garmin 910XT.  Bis 1000 Meter war alles gut, doch dann zählt der TomTom immer häufiger mehr Bahnen, und das obwohl ich die Uhren nicht durch ein Wechsel des Schwimmstils verwirrt hätte. Am Ende von 3000 Meter Kraul hatte der TomTom dann meist zwischen 600 und 800 Meter mehr auf der Uhr.

Ein weiterer Punkt den ich nicht so toll finde, ist dass die Uhr zwar Multisport heißt, aber damit keine wirklichen Multisport-Events wie ein Duatlhon oder Triathlon erfasst werden können. Multisport ja, aber dann bitte alles schön nacheinander.

Auswertung

TT-MysportsNach erfolgtem Training steht die Auswertung auf dem Plan. Auf der Uhr selbst erhält man relativ wenig Informationen zu den getätigten Trainings, lediglich eine Übersicht mit den wichtigsten Werten wie Entfernung, Zeit, Durchschnittspace und HF sind zu sehen, aber das reicht ja meist auch.

Über die Dockingstation die per USB an den Rechner angeschlossen wird, lassen sich die Trainings auf den Rechner bzw.  ins Internet laden. Per Default werden die Daten direkt auf das MySports Portal von TomTom geladen.

Ein Löschen von Trainings direkt auf der Uhr, die z.b. im Alltagsmodus ausversehen gestartet wurden, ist nicht möglich. Dies muss dann umständlich auf dem Rechner  bzw. in den Portalen der Wahl gesehen. Eine Abfrage, welche Trainings übertragen  werden sollen erfolgt nicht. Nach der Übertragung werden die Daten komplett von der Uhr gelöscht. Allerdings stehen dann auch keine eigenen Trainings mehr zur Verfügung,  gegen die  man im Rennmodus antreten könnte. Ob das so gedacht war, ist fraglich.

Die Funktionen auf TomToms MySport Portal sind noch sehr eingeschränkt, das Portal befindet sich noch im BetaStadium. Außer dem Kurs und den Kurven zu Tempo, Höhe und Herzfrequenz gibt es hier nix zu sehen. Tabellen mit den einzelnen Splits sucht man vergebens. Auch lassen sich die Schaubilder nicht modifizieren, bzw. deren Maßstab verändern. Es ist zu hoffen, das da in Zukunft noch mehr kommt. So ist das MySport Portal etwas mager.

Positiv hingegen ist, dass sich die Trainings über den Connector leicht für andere Plattformen und in andere Formate exportieren lassen. Sind die Trainings aber erst einmal von der Uhr heruntergeladen, lassen Sie sich nicht mehr in andere Formate wandeln.

Mit Hilfe der Exportfunktion konnte ich beispielsweise meine Trainings, die ich mit dem TTM absolviert hatte, über das TCX Format  in mein geliebtes Runalyze importieren.

Ein hochladen von Trainings (bsp. für den Rennmodus)  oder gar GPS-Routen für den Marsch durchs unbekannte Terrain ist leider nicht möglich.

Preise

Der TomTom Multisport wird in unterschiedlichen Ausstattungen angeboten.  Das Basismodel ohne HF-Gurt ist für 199€ zu haben. Das Modell mit Brustgurt kostet 249€ und das Premimmodell mit HF-Gurt, Kadenz-Sensor und barometrischem Höhenmesser kostet 299€.

Die Running Modelle sind günstiger, und werden auch in unterschiedlichen Ausstattungen angeboten. Das Basismodell für 169€ und die Uhr inkl. Brustgurt für 219€

Fazit

Eine GPS-Uhr die beim Design und der Usability überzeugt. Die Erfassung der einzelnen Sportarten erfolgt zufriedenstellend, beim Schwimmen ist noch Raum für Verbesserungen.  Für den Gelegenheitssportler, der nicht auf Laufen Radeln oder Schwimmen festgelegt ist, für den ist  die TomTom Multisport eine gute Wahl. Für ambitioniertere Sportler und Triathleten die ausgefeiltere Trainings und wirkliche Multisportevents  brauchen, ist die Uhr eher nix.

Es gibt sicherlich bessere Läufe als den ZHS Crosslauf,  um nach vier Monaten Abstinenz wieder in den Volkslauf-Zirkus einzusteigen. Aber vor meinem offiziellen Start beim Nikolauslauf im Rahmen  der Winterlaufserie im Olympiapark, wollte ich mal eine Standortbestimmung durchführen.

-Mal sehen was der alte Diesel noch so drauf hat-

Bis 19 Uhr fanden sich gut 70 Läufer im ZHS-Stadion ein. Alles junges, knackiges Sportler-Gemüse, aber auch ein paar Laufveteranen waren dabei, die gemeinsam mit mir die Nachhut bilden sollten.

Meinen ersten schnelleren Lauf seit Monaten wollte ich aber bewusst locker angehen, sofern das beim ZHS-Crosslauf überhaupt möglich ist. Pace so um die 5:00 Minuten?

Doch bereits im Vorfeld machte sich das alte Fieber wieder bemerkbar, sodass ich noch in der Startaufstellung  die Pace gedanklich wie auch auf dem Garmin auf eine 4:50 justierte. Das sollte ja nach vier Monaten ohne Tempotraining noch drin sein, oder?

tartanbahn_bei_nachtGleich nach dem Startschuss fällt das Feld  auf seine ZHS typische Weise  auseinander,  die Schnellen vorne weg, dann lange nix, und dann kommt die Nachhut mit mir im Schlepptau.

Auf dem ersten Kilometer versuche ich noch kontrolliert zu laufen, und nicht wie sonst üblich, mein ganzes Pulver schon auf den ersten Metern abzufackeln. Mit einer 4:47 gelingt mir das auch ganz gut, sieht man mal davon ab, dass es auf dem ersten Kilometer eigentlich stetig bergan geht.  Auf dem zweiten Kilometer habe ich mich etwas geschont (4:57), schließlich geht es gleich  über Serpentinen den Olympiapass hoch, außerdem hatte ich mit meinem Pulsgurt zu kämpfen. Von der Erdanziehung bemächtigt, rutschte dieser tiefer und tiefer. Normalerweise wird der Abwärtsdrang des Gurtes durch meinen Bauchansatz gebremst. Wurde ich Opfer einer Bliztdiät? Oder aber mein jüngstes Sportprogramm „jeden Tag eine Stunde Sport“ zeigt erste Ergebnisse.  Da das Wohlstandsbäuchlein  das Rutschen nicht verhindert, misst der Pulsgurt die restlichen fünf Kilometer den Puls am Nabel.

-Auf die Werte bin ich ja dann mal gespannt-

Oben auf dem Olympiasattel stehen bereits die Schneekanonen, die bei Temperaturen von -2 C°,  Schnee für den Audi FIS Ski World Cup am Neujahrstag vorproduzieren. Der Weg ist hier Schnee- und Eisverkrustet und daher etwas schwierig zu laufen.   Kurz nach der Olympia-Alm kommt mir auch schon der erste Läufer wieder entgegen, das zeigt mir, ich bin langsamer als sonst unterwegs, oder aber, der Kerl hat im Gegensatz zu mir über  den Sommer kräftig trainiert. Ab der Alm geht es für mich talwärts in Richtung Eishalle, eine gute Gelegenheit etwas Atem zu schöpfen, doch die Erholung währt nicht lange, denn nach einer kleinen Schleife am Fuße des Olympiaberges gilt es diesen wieder zu besteigen.  Vor mir sehe ich im Dunst  zwei Läufer, einer fällt merklich zurück.

Der Ehrgeiz ist geweckt, Stück für Stück kämpfe ich mich heran. Auf der Hälfte des Passes kann ich an einem  vorbei ziehen. Am Sattel erreiche ich dann auch den zweiten Läufer, der hier japsend eine Geh-Pause eingelegt hat. Jetzt gilt es das Tempo zu halten, nicht dass mich die Verfolger beim Abstieg gleich wieder einkassieren. Ungebremst jage ich die Serpentinen runter. Vom Fuße des Olympiaberges sind es jetzt noch zwei Kilometer zurück ins ZHS Stadion, aber da lauern  noch 3 kurze Anstiege, die sich meinem Vorwärtsdrang entgegen stellen. Nach dem Abstieg habe ich sogar noch etwas Luft und kann auf den letzten zwei Kilometern  noch eine Schippe drauf legen.

-auch mal schön wenn man sich sein Rennen richtig eingeteilt hat-

Ab der Olympiahalle geht es dann nur noch abwärts, jetzt darf ich nur nicht wieder die Abzweigung zum ZHS verpassen. Zurück auf dem ZHS-Gelände drehe ich noch eine einsame Runde auf der Tartanbahn. Diesmal sitzt mir mal keiner im Nacken der mich noch zu einem infernalischen Zielspurt nötigt. -Schade eigentlich-

Mit einer 35:13 bin ich nach 7,3km schließlich im Ziel.

Das war jetzt nicht übermäßig schnell, genau genommen war es fast das schlechteste Ergebnis von all meinen ZHS Läufen, aber es fühlte sich SAUGUT an  und die Pulswerte waren SENSATIONELL !

Das alte Fieber ist zurück.

 

Weitere Abenteuer aus der ZHS Crosslauf Serie:

Letzter beim ZHS Crosslauf?

13 Sekunden

Bundesjugendspiele

Winterspiele

Vergeigt

IMG_3679Ich weiß nicht was verrückter ist,  einen Lauf zur Zeitumstellung zu organisieren, oder daran teil zu nehmen?  Wer macht bei sowas mit?  Freiwillig, nachts wie ein Hamster, 20 Runden in einem 2,11km großen Hamsterrad im Kreis zu laufen.  Ich war skeptisch, ob sich außer dem Orga-Team sonst jemand für diese etwas bekloppte Idee begeistern würde. Läufer sind doch, durch und durch vernünftige Menschen, achten auf Ihre Ernährung, trinken keinen Alkohol und gehen früh ins Bett. Wer soll da also bitte mitmachen?

BZM-Banner_v1Am 5.5.2013 eröffneten wir großspurig die Anmeldung und machten über Twitter und Facebook ein bisschen TamTam. Die Wirkung war überwältigend, schon ein Monat später am 3.6. zeigte unsere Sozial-Media Kampagne Wirkung, eine junge Spanierin aus München verirrte sich auf unsere Seite und meldete sich  für den Halbmarathon an.  Als dann am nächsten Tag  sogar die freiwillige Teilnehmergebühr von 15€ einging, war ich bass erstaunt. Da will ernsthaft eine junge Frau am 27. Oktober mit uns durch den Park rennen. –die ist ja total verrückt-

Bis Ende Juni gesellten sich weitere drei  wagemutige Läufer dazu. Zusammen mit dem Orgateam hatten wir damit die Teilnehmerzahlen vom Vorjahr erreicht. Damit stand fest, das Experiment Zeitsprung 2013 muss nicht  mangels Beteiligung abgesagt werden.

Bis Ende August verdoppelten sich dann die Anwärter auf den Zeitsprung.  Jetzt stand fest, das wird eine Gaudi…

Im September gingen dann die Anmeldungen nach unserem Empfinden durch die Decke. 30 Anmeldungen in einem Monat! Alleine während des Berlin Marathons flatterten 6 Anmeldungen herein.  Sogar bis nach Österreich hatte sich unsere kleine Veranstaltung herumgesprochen.

Der Oktober wurde dann richtig unheimlich, Anmeldungen aus Lichtenstein und der Schweiz krönten die Zahlen. Das durch die Resonanz leicht verunsicherte Orga-Team (bestehend aus Henrik, Chief und mir) beschloss  Mitte Oktober bei 60 Teilnehmern die Anmeldung vorsorglich zu schließen, nicht dass sich das zu einer großen Facebook Party entwickelt. Außerdem hatten wir ja nur rund 60 Chips für die Zeitmessung gesammelt (Zitat des Zeitnahme-Chiefs: „das reicht ja loooooocker“). Mit jeder Anmeldung  schwand natürlich auch für uns die Chance selbst am Lauf teilzunehmen, bzw. diesen bis zum bitteren Ende durchzulaufen.  Es ist eben wie bei einer Party, da sollte der Gastgeber nicht unbedingt als erstes unterm Tisch liegen, bzw. japsend in der Ecke hocken.

BZM_2013_10Und es war wirklich eine Party,  53 bestgelaunte Läuferinnen und Läufer fanden sich am 26/27. Oktober im Ostpark ein um an unserem Zeitsprungs-Experiment teilzunehmen.

Was zeichnet nun den typischen Zeitsprungläufer, in Fachkreisen auch Chrononaut genannt, aus?

Der Chrononaut ist vor allem eins, er ist spontan.  Die Anmeldezahlen von September und Oktober belegen dies ganz deutlich. Einige haben sich sogar noch am Samstag auf freigewordene Startplätze beworben. Den Vogel schossen drei Girlies ab, die um 23:15 auf Ihrem  Nachhauseweg an unserem Pavillon-Dorf im Ostpark vorbeikamen.

„Hey was macht Ihr denn hier?“

-wir veranstalten einen Lauf zur Zeitumstellung, Start ist um 0:00 Uhr.-

„Cool, kann man da noch mitmachen?“

-klar, aber wir haben nur noch 2 Startnummern-

„Okay , Tschüss bis gleich.“

Um 23:57 holten  die jungen Damen dann in Sportmontur mit lärmendem Ghettoblaster im Gepäck ihre Startnummern ab.

Ansonsten ist der BZM-Nightrunner sehr mobil und läuft gerne in anderen Gefilden. Viele haben eine lange Anreise von mehreren Hundert Kilometern, teils aus dem Ausland, auf sich genommen nur um mit gleichgesinnten im Kreis zu laufen. Das ist wahre Leidenschaft, der Chrononaut  hat Spaß an seinem Sport und praktiziert diesen nicht nur vor der eigenen Haustüre. Die „Running Divas“ aus Lichtenstein gehen beispielsweise am 17. November beim Istanbul Marathon an den Start. -Im Gegensatz zu Istanbul ist München  ja schon fast um die Ecke-.

Der Timejumper ist sehr Naturverbunden, oder aber ein  großer Spaßvogel. Spitznamen und Teamnamen wie „die Nacktschnecken“, „Uhu“, „Nachteule“,  „Bleiente“, „Burnt Shrimp“ „Eat the damn cookie!“, „Kraxi“, „Marathon Maniacs“, „Running Diva“, „CaBa´s CaBaNauTeN“, läßt erahnen, dass der typische Chrononaut   nicht zum Lachen in den Keller geht.

Das erklärt auch, dass ein Teil der Läufer  dazu neigt in Verkleidung zu laufen oder den Drang hat die Kleidung komplett abzulegen.

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Altersmäßig ist alles vertreten, vom 18 jährigen Junior bis zu Altersklasse M/W50 ist alles dabei.  Die meisten Timejumper rekrutieren sich aber aus der Altersgruppe M/W 40, eine Altersgruppe die auch bei anderen unsinnigen Läufen, vornehmlich „Matsch-Balla-Balla Läufen“ wie  Strongmanrun  o.ä.  zahlenmäßig schon auffällig wurden.

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Bei diesen Teilnehmern wundert man sich dann auch nicht, wenn am persönlichen Verpflegungsstand mit Augustiner und Stiegel Bier gedopt wird.

Hier erkennt man klar den Profi. Der erfahrene Marathonläufer experimentiert niemals während einem Marathon mit der Ernährung, da wird nur konsumiert, was man aus dem Training kennt. So wird dann eben auch österreichisches Bier nach München, in die Stadt des Bieres, importiert.

Apropos importieren, der Nightrunner zeigt sich sehr spendabel. Fast alle Teilnehmer haben den freiwilligen Unkostenbeitrag geleistet, sehr viele haben sogar mehr, gar das doppelte bezahlt, sodaß nach allen Kosten noch ein schöner Betrag von 300€ übrig bleibt den wir an den Horizont e.V. spenden können. Vielen Dank an dieser Stelle.

Wie könnte man  also den typischen Chrononaut  charakterisieren?

Als einen humorvollen, spendablen, mobilen 40-jährigen extrovertierten  Marathonroutinier, mit Alkoholproblemen?

-Hm?-

Ich würde sagen, Chrononauten sind Läuferinnen und Läufer wie Du und Ich. halt ein bisschen verrückt ;-).

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Wilson Kipsang hat  in Berlin  der Laufwelt eindrucksvoll gezeigt wo der Hammer hängt. Die Europäer können da nur staunend hinterherlaufen.  Wobei sich die deutsche Elite sehr achtbar geschlagen hat. André Pollmächer (2:13:05), Falk Cierpinski (2:14:50), Vitaliy Rybak (2:15:39) und Marcin Blazinski (2:17:53) haben ein starkes Ergebnis abgeliefert.

Jan Fitschen, der letztes Jahr in Berlin ebenfalls eine 2:13:10 rausgehauen hat, konnte verletzungsbedingt dieses Jahr seine Zeit leider nicht nochmals angreifen. Sehr schade, wäre doch letztes Jahr vielleicht sogar noch mehr drin gewesen. Wir erinnern uns noch alle an den 20 Sekunden Dixi-Stopp bei der Hälfte der Distanz. (Vgl. „den Fitschen machen“)

Gut möglich, dass dieses Ereignis bzw. die Magenprobleme die zu dem Stopp geführt haben, Jan dazu bewogen haben, gemeinsam mit Timo Weckman, ebenfalls ein erfolgreicher Läufer, ein bekömmliches Läufermüsli zu entwickeln, damit sowas nicht noch einmal passiert.

IMG_4239Und wie das bei Profis üblich ist, setzt man sich mit anderen Profis zusammen, dann hat das ganze Hand und Fuß. Gemeinsam mit dem Institut für Sporternähung e.V. und dem Naturkosthersteller Bauckhof aus der Lüneburgerheide wurde so gemeinsam das Läufermüsli entwickelt.

Irgendwas muss man ja tun, wenn man nicht Laufen darf.

Auf der Berliner Marathon Messe wurde jetzt das Läufermüsli offiziell vorgestellt.  Das Müsli gibt es in zwei Sorten: Läufermüsli „Start“ und Läufermüsli „Ziel“.

Die Müslis heißen nicht nur unterschiedlich und sind verschieden verpackt, sondern sie sind natürlich auch anders zusammen gestellt.

Das „Start“ Müsli enthält neben Hafer, DinkelIMG_4240, Buchweizen und Trockenfrüchten auch Amaranth und Teff. Amaranth gibt dem Müsli einen angenehm nussigen Geschmack. Teff ist eine Hirseart, die ursprünglich aus Äthiopien kommt und dort bei Läufern sehr beliebt ist.  Teff steht auch im Verdacht,   der geheime Tiger im Tank der Afrikaner zu sein.

IMG_4241Das „Ziel“ Müsli ist nussiger und aufgrund der Rosinen etwas süßer. Es soll nach einer Trainingseinheit schnell wieder die Nährstoffdepots  füllen. Soja Flocken, Amaranth und Cashewkerne sorgen für die wichtigen Proteine.

Ob Lauf-Wunder zu erwarten sind vermag ich nicht zu sagen,  aber wer dran glaubt den wird zumindest der Placebo Effekt beflügeln, bei Kompressionsstrümpfen klappt das ja auch.  Ich denke, ums trainieren werden wir aber nicht drum herum kommen,  aber mit dem Läufermüsli stimmt zumindest schon mal die Ernährung, das kann ja nie ein Fehler sein.  Auch wenn Kritiker   maulen, ein „Läufermüsli“ sei nur ein  weiteres unnützes Sternchen im weiten All der kommerziellen Laufequimpment Industrie.

Ich selbst starte täglich auch mit einer Portion Müsli in den Tag. Da mir die üblichen Müslimischungen aus dem Cerialien Regal aber zu süß sind, und mir die Müslis meines schwäbischen Landsmannes (Läcker, Läcker, Läcker),  zu grob sind, mische ich gewöhnlich meine Müslis selbst aus Einzelkomponenten zusammen. Meist ist jedoch immer eine Komponente leer, sodaß der Müsligenuss manchmal etwas einseitig ist.

Das „Start“ Müsli schmeckt mir persönlich am Besten. Aufgepeppt mit Quark und frischen Früchten bleiben keine Wünsche offen.

Auch wenn ich kein Freund von Rosinen bin, so kann ich doch auch das „Ziel“ Müsli genießen.  Die Rosinen sind recht klein und kommen in der aufpeppten Variante kaum zum Tragen.  Amaranth, Cashew, Teff und Co gleichen das geschmacklich locker aus.

Das Läufermüsli gibt es in ausgesuchten Laufshops und kann über diverse Webshops bezogen werden. Die Bioqualität und die ausgesuchten Zutaten schlagen sich leider auch im Preis nieder. 3,99€ für eine 325g Packung ist nicht gerade ein Schnäppchen. Aber Qualität hat eben seinen Preis, und wenn es schneller macht, sind wir Läufer ja gerne bereit, etwas tiefer in die Tasche zu greifen.

„Hallo  -Herr Kiler*-  hören Sie mich?“

„Hallo?“

Eine Stimme von ganz weit weg versucht zu mir durchzudringen.

-Ich höre, aber ich fühle mich nicht angesprochen.  Wo bin ich eigentlich?-

Wo immer ich auch bin, es ist warm und es fühlt sich komisch an, irgendwie so „wattig“, alles um mich herum ist in ein grelles  weiß getaucht. Ich bin in einem weißen, heißen, Watte Kosmos.  Wallis_Stellihorn_mg-k

Träume ich?

Man piekt mich, jemand öffnet mir ein Auge…,

ein Lichtblitz schießt mir durch den Kopf und versengt mir die Netzhaut. Jetzt hüpfen rote Tupfen über die weiße Umgebung.

Die Betriebsamkeit um mich herum nimmt zu, Befehle werden gerufen.

Was geht da vor sich, wurde ich von Aliens entführt, die jetzt Ihre Experimente mit mir machen?

So, muss es sein,  oder doch ein Traum?  Einfach mal wieder wegdämmern, dann verschwindet der seltsame Traum sicher wieder.

Aber ich darf nicht dösen.  Eine freundliche Stimme will sich unbedingt mit mir unterhalten.

„Herr Kiler, wie ist Ihr Vorname? Wie alt sind Sie? Welcher Tag ist heute? Wissen Sie wo Sie sind?“

Die Aliens sprechen unsere Sprache… -Ich bin erstaunt-.

Die versuchen sicherlich mit einfachen Fragen  Vertrauen aufzubauen, um mich dann ganz nebenbei über die Existenz des Flux Kompensators auszufragen. Genau so wird das laufen, aber ich bin ein schlechter Quiz Kandidat.  Auf die Fragen kann ich keine eindeutigen Antworteb geben.  Das ist ein bisschen beängstigend.  Nach etwas Recherche habe ich  zumindest meinen Vorname parat,  bei  den anderen Fragen muss ich passen.

-Tim- versuche ich zu sagen, aber es kommt nur ein unverständliches  Gestammel über meine Lippen. Dort wo sonst meine Zunge war, ist jetzt ein ledriger Lappen. Damit sprechen.. –Fehlanzeige-

Irgendetwas ist hier definitiv nicht in Ordnung.

Die Hektik um mich herum nimmt weiter zu.  Ich werde hin und her gewälzt, angehoben und dann in einen großen Container geschoben.

Meine Füße fühlen sich an, als ob sie in Schraubstöcken eingespannt wären. Habe ich etwa Skistiefel an? Hatte ich einen Skiunfall und werde gar nicht von Außerirdischen entführt?

Aber im Sommer? Skifahren? Was mache ich denn sonst noch so?

Schwimmen,  Radeln, Laufen… genau Triathlon.

Stand da nicht eine Veranstaltung auf dem Plan? Der Karlsfeld Triathlon?  Die Olympische Distanz?

Langsam dämmert es mir…

Ich bin doch heute früh in Karlsfeld an den Start gegangen….

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Stimmt, und ich war auch  gar nicht schlecht. Das Schwimmen war super, beim Wasserstart der letzten Startwelle konnte ich mich günstig positionieren und bin ohne Hauen und Stechen  vom Start gut weg gekommen. Diesmal gab es auch keine Brustpassagen, weite Strecken der Distanz konnte ich im Schwimmschatten eines anderen Teilnehmers schwimmen, so kam es, dass ich bereits nach 28 Minuten und 30 Sekunden aus dem Wasser stieg.  Für mich ein absoluter Rekord auf die Distanz, und das ohne Neo.

Meine erste Wechselzeit war zwar  wieder unterirdisch, dafür lief das Radeln wie geschmiert. Die Strecke in Karlsfeld ist eine echte Rennstrecke, auf 20 Kilometer gesperrter Bundesstraße kann man es so richtig laufen lassen.  Die Sprinter fahren das einfach, die Kurzdistanzler doppelt.

Aufgrund des Ostwindes wurde man in eine Richtung schön geschoben. Auf dem kleinsten Ritzel waren so, selbst für Amateure wie mich, 45km/h und mehr möglich. In die andere Richtung, gegen den Wind, sah das Ergebnis dann nicht ganz so gut aus. Aber dennoch habe ich die 47 km in 1:17h gemeistert. Das ist ein 36er Schnitt, für mich Radmuffel ist das durchaus beachtlich. So macht das Spaß, der Wettkampf läuft…

So wie es aussieht kann ich auch in Karlsfeld trotz längerer Radstecke die 2:45h Marke knacken. Quatsch, ich bin sogar auf einem 2:40 Kurs,  kommt ganz aufs Laufen an, aber 50 Minuten für die 10km sollten ja wohl noch doch drin sein.

The_sun1Die ersten Kilometer beim Laufen gehen auch ganz gut, Pace deutlich unter 5 Minuten. Aber die Laufstrecke hat es in sich. Pralle Sonne, kaum Schatten.  Alle 2,5km gibt es einen Verpflegungsstand, ich nehme nur die Schwämme und drücke sie mir über Kopf und Brust aus. Getrunken habe ich nix. Auf dem Rad habe ich ja vorgetrunken, aus meiner neuen Errungenschaft, der Aero Trinkflasche für den Aerobar, das muss reichen. Beim Laufen kann ich ohnehin nicht trinken, das führt unweigerlich zu Seitenstechen, und meinen Trinkhalm so wie ich Ihn beim Marathon benutze habe ich nicht dabei.

Die Sonne brennt unbarmherzig, es hat weit über 30°C,  die Kilometer ziehen sich hin wie Kaugummi , kurz vor Kilometer 9 merke ich wie meine Waden anfangen zu krampfen.

Ah, nein, nicht jetzt, noch ein Kilometer. Ich versuche das Tempo rauszunehmen, verdammt, torkle ich etw–   <shutdown -h now >-.-.-.-.-.-. -.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-das System wurde heruntergefahren -.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-

„Hallo Herr „Kiler“, können Sie mich hören?“

BlaulichtWenn ich die Ereignisse jetzt richtig interpretiere, befinde ich mich nicht in einem Raumschiff, sondern in einem Rettungswagen auf dem Weg in die Klinik.

–WELTKLASSE-

Das erste, was mir durch den Kopf schießt, nachdem sich der Wattenebel etwas gelöst hat…

-HAST DU GEFINISHT?-

Habe ich es noch ins Ziel geschafft, und bin  wie Michael Raelert beim Frankfurt Ironman  hinter der Ziellinie zusammen gebrochen?

Ich habe keine Ahnung! Ab km 8 habe ich keine Erinnerung mehr. Laut Garmin sind mir bei Kilometer 9 um kurz nach 12 Uhr die Lichter ausgegangen. Kein Schimmer wie lange ich weg war. Wie ich im RTW wieder langsam zu mir komme ist es kurz vor 13 Uhr.

So ein Bootvorgang nach einer Systemabschaltung ist schon etwas gruselig. Nur langsam kommt das System wieder in Gang. Ich hätte nicht sagen können, ob ich  Arme oder Beine habe, OK, Beine schon, die steckten ja in den „Stiefeln“ fest. Erst als ich nach mehreren Versuchen dem Sanitäter verständlich machen konnte mir die Schuhe auszuziehen, fuhr der Rest des Systems langsam wieder hoch. Die Entdeckung der rechten Hand war ein echtes Freudenfest. Erst mal alles abtasten, ob noch alles da ist wo es hingehört, aber es sollte noch eine gute Weile dauern bis ich komplett wieder hergestellt war.

So zermartere  ich mir in der Notaufnahme gut 10 Minuten das ausgedörrte Hirn auf der Suche nach unserer Festnetznummer. Irgendwie muss ich ja zuhause Bescheid geben, dass ich heute Nachmittag wohl nicht um 16:00 Uhr am vereinbarten Treffpunkt sein werde, um gemeinsam mit der Familie eine Vorstellung von STOMP (eine Percusion Show) zu besuchen.

Nach etlichen Fehlversuchen, schließlich unter Zuhilfenahme der Münchner Vorwahl,  hatte ich endlich Erfolg und konnte Zuhause Bescheid geben, daß Papa ganz glorreich vom Triathlon direkt ins Krankenhaus gefahren wurde.

Da war Frohsinn angesagt,  im Hause –timekiller-!!!

Ich war zwar noch etwas geschwächt, ich konnte mich jedoch in der anschließenden Diskussion durchsetzen, die Vorstellung bitte ohne mich zu besuchen, schließlich waren die Karten ein Geschenk von mir und ich hab jetzt echt kein Bock, mir nochmals ein neues Geschenk auszudenken.

In der Notaufnahme ging es turbulent zu, Verständnis für Triathleten durfte ich hier nicht erwarten, eine Pflegerin quittierte meine Einlieferung mit den Worten:

„Jetzt regt er mich aber langsam auf, der Triathlon, erst sind alle Straßen  gesperrt, und dann kippen die auch noch um.“

Meine Hoffnung das Krankenhaus noch am selben Tag verlassen zu dürfen zerplatzte dennoch recht schnell.

„Wie? Ihnen geht es wieder gut? Schauen Sie doch mal wie Sie beinander sind. Der Notarzt hat Ihnen ja nicht zum Spaß Atropin gegeben. Sie kommen jetzt mal schön auf die Wachstation zur Beobachtung“

-OK-

So liege ich, bekleidet mit einem Flügelhemdchen, verkabelt wie ein Rechenzentrum, im Bett der Wachstation und denke über mein Leben nach. Da fällt mir das Zitat von Josef Bruokal ein:

„Man kann die eigenen Grenzen nur feststellen, indem man sie gelegentlich überschreitet“

-Wenigstens das ist mir heute ganz grandios gelungen-

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Dunkle Wolken ziehen über den See, es hat wieder angefangen zu regnen. Der Wind frischt auf und läßt die Wellen  ans Ufer des Chieminger Badestrandes schlagen. Nicht vorstellbar, dass hier in 12 Stunden ein Triathlon starten soll. Es ist Samstagabend 21:30 Uhr, ich komme gerade von der Zeltparty die anlässlich des zweiten Chiemsee Triathlons veranstaltet wird.  Ich bin nicht müde, dazu bin ich viel zu nervös, aber mir ist kalt, daher zieht es mich nochmals ans Ufer des Sees, wo ich mich in zwölf Stunden in die Fluten stürzen soll. Anschließend geht es aufs Zimmer das ich übers Wochenende gemietet habe. Wobei, Zimmer trifft es nicht ganz, es hat eher etwas von einer Zelle. Die Tapete könnte mein Jahrgang sein, schwer zu sagen, welche Farbe sie IMG_3568ursprünglich hatte. Das Design ist zum Glück sehr kleinmustrig, alles andere würde einen in diesem Zimmer erschlagen. Der einzige Farbtupfer ist ein blassrosa Herz-Häckeldeckchen  auf dem Nachttisch, ein verzweifelter Versuch den Raum etwas wohnlicher zu machen.  Kitsch in trostloser Tristesse kann das Ruder aber nicht mehr rumreissen.

Das Bett in dem Zimmer, in dem ich vor zwei Wochen beim BMW Blogger Camp residierte, war größer als hier das gesammte Zimmer, das ist jetzt kein Scherz. So verschieben sich eben die Verhältnisse, wenn man die Rechnung selbst bezahlen darf. Aber ich hatte auch keine Ahnung wie klein so ein Einzelzimmer sein kann.

Zimmer

Naja, zum Schlafen langt es ja. Vor dem Schlafen müssen aber noch die Wechselbeutel gepackt werden. Denn der Veranstalter hat sich dieses Jahr etwas ganz Besonderes einfallen lassen. Um den Wechsel etwas spannender zu gestalten, dürfen sich am Rad nur Helm, Brille, Startnummer und die bereits eingeklicksten Radschuhe befinden. Alles andere muss in einer separaten Zone an einer monströsen Staffelei in Beuteln an den Haken gehängt werden. Ein Umstand, der zwölf Stunden später, Augenrollen bei so manchem Triathleten verursachen sollte.

Die Nacht habe ich gewohnt unruhig verbracht. Ich träumte von meiner Kindergärtnerin, die mich fortwährend ermahnte, dass der Beutel an den Haken kommt…

Sonntag früh bin ich mal wieder lange vor dem Wecker wach. Nach dem Frühstück, das ganz ordentlich war, geht es zur Wechselzone die Beutel aufhängen. Das Wetter hat sich etwas beruhigt, der Regen hat aufgehört und der Wind hat nachgelassen, aber es ist kalt. Es hat gerade mal 10°C, dagegen wird der Chiemsee mit seinen 16°C eine warme Badewanne sein. Die Wechselzone muss 15 Minuten vor Start der Mitteldistanz geräumt werden, die Olympische Distanz wird eine halbe Stunde später gestartet. So zwänge ich mich bereits 45 Minuten vor meinem Schwimmstart in die Gummipelle, aber so friere ich schon nicht.

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@timekiller089, @triduke und @jensandmie

Vor dem Start treffe ich noch Frank, der als Wettkampfrichter im Einsatz ist, und  Jens und Sascha, die ich gestern bei der Wettkampfbesprechung im Eventzelt verfehlt hatte. Sportler in Freizeitkleidung sehen auch immer ganz anders aus. Jens habe ich schon auf mehreren Veranstaltungen um München herum getroffen, er hatte sich zufällig  auch mit Frau und Hund in der gleichen Pension eingemietet. Zumindest beim Frühstück habe ich ihn dann auf Anhieb erkannt. Sascha kannte ich bisher nur über Twitter, aber er scheint auch ein lustiger Geselle zu sein. Man versteht sich auf Anhieb. Vor dem Start unterhält man sich angeregt und der übliche Galgenhumor wird zu Tage gebracht. Als die ersten Teilnehmer der Mitteldistanz umkehren und zurückschwimmen, werden noch die letzten Hai-Scherze abgefeuert.

Oder ist das Wasser vielleicht doch kälter als angenommen?

Ein guter Zeitpunkt dies selbst zu testen. Gut 15 Minuten vor unserem Start begeben wir uns zum Warmschwimmen ins Wasser, aber kann man bei 16°C Wassertemperatur überhaupt von warmschwimmen sprechen? Gerade im Gesicht und an den Füßen prickelt die Kälte ganz schön.

Aber gekniffen wird nicht, wäre ja noch schöner. Da nerve ich seit Wochen meine Umwelt und dann lasse ich mich von kaltem Wasser abschrecken. Niemals! Sascha ist da schon eher bereit einen Rückzieher zu machen, aber ich kann Ihn doch noch überreden zumindest an den Start zu gehen.

Am Chiemsee wird aus dem Wasser heraus gestartet, so suche ich mir im hinteren Mittelfeld ein freies Plätzchen und warte auf den Böllerschuß.

20x30-CHTX0001Und los geht’s, Uhr abgedrückt und Kopf unter Wasser. Aber ich komme nicht weit. Noch vor der Startlinie schwimme ich auf das erste Menschenknäuel  auf. Wo kommen die denn jetzt plötzlich alle her? Ich hatte doch eben noch so schön Platz um mich herum.  Um mich etwas zu orientieren lege ich ein paar Züge Brust ein, nicht ohne ein paar Tritte nach hinten zu verteilen. Vielleicht sollte ich es doch mit der Wasserball-Kraultechnik versuchen, ist für alle beteiligten besser.  Wie ein Hund paddle ich durch die Menschenmenge.  Nach ein paar Metern versuche ich es wieder mit Kraul.  Schnell wird klar, nicht die Kälte macht mir hier zu schaffen sondern die Wellen und die Strömung.  Bei jedem zweiten Armzug nehme ich einen ordentlichen Schluck Wasser.  Ich verschlucke mich und muss wieder Brust schwimmen um zu Atem zu kommen. Ich ärgere mich über meine Brustpassagen. Wollte ich doch diesen Wettkampf mal komplett Kraul schwimmen. Im Training klappt das auch immer ganz ordentlich, aber Wettkampf mit Massenstart ist halt doch was anderes. Da fehlt mir einfach die Erfahrung und die Routine.

Bei den Wellen kann ich  kaum die Bojen erkennen. Aber solange ich noch einen Fuß vor mir habe, kann ich nicht ganz verkehrt sein. Die ersten 700 Meter bis zu ersten Wendeboje sind echt hart. Meine komplette Wettkampfstrategie fällt gerade auseinander.  Aufgrund meiner Knieprobleme hatte ich mich in den letzten Monaten mehr auf das Schwimmen konzentriert und wollte hier beim CST zumindest eine ordentliche Schwimmzeit abliefern, alles andere war mir nicht so wichtig.  Das verfehlte Ziel von letzem Jahr, die 2:45 zu knacken, war ohnehin illusorisch.   Aber nun werden die Karten  neu gemischt. Scheiß auf die Zeit, scheiß auf den Stil, sauf einfach nicht ab. Das ist purer Überlebenskampf.

Auf der zweiten Hälfte zurück zum Anleger geht’s dann etwas besser.  Aber ich habe keine Ahnung wo ich mich im Feld befinde.  Um mich herum ist auch keiner mehr, ich glaube ich treibe ab. Alle schwimmen weit links von mir. Bin ich überhaupt noch richtig?  Kennen die eine Abkürzung? Die Bojen sind jedenfalls noch rechts von mir, dann kann ich nicht ganz verkehrt sein.

Endlich stellt sich sowas wie ein Rhythmus ein.  Vor dem Schwimmausstieg wird’s dann nochmals eng. Die letzten 100 Meter gebe ich dann auch mit den Füßen wieder etwas mehr Gas, damit ich beim Schwimmausstieg, mit meinen Spaghettibeinen, nicht sofort auf die Matte gehe.

20x30-CHTF0359Nach 30 Minuten Schwimmen geht es über einen glitschigen Teppich Richtung Wechslezone. Auf den gut 100 Metern, die ich im Laufschritt bewältige ziehe ich schon mal die obere Hälfte des Neos aus. Diesmal komme ich auch gut aus den Ärmeln raus. Der Tipp, die Unterarme vor dem Anziehen ordentlich mit Penaten Baby-Öl einzuschmieren war Gold wert.

Der Kleiderbeutel-Ständer ächzt schon bedenklich ob der vielen Beutel, die hier auf Ihre Sportler warten, da fällt es schwer auf Anhieb den Richtigen Beutel zu finden. Mein Haken befindet sich in der unteren Reihe. Die dazugehörige Nummer kann ich aber nicht sehen, da sie von den oben herabhängenden Beuteln verdeckt wird. Nach etwas rumnesteln ist dann  auch  der richtige Beutel gefunden, schnell Neopren, Schwimmbrille, Badekape  reingestopft und die Radjacke übergezogen, denn es ist noch etwas frisch und der –timekiller- friert nicht gerne.  Wie ich den Beutel wieder an den Haken hängen will fällt mir auf, dass ich ja gar nichts sehe, zumindest  sehe ich nicht scharf.

-Ich Depp habe meine Sehbrille vergessen-.

Beutel wieder vom Hacken, Neo raus, Brillen Etui suchen, Neo wieder reinstopfen…

-Argh, das kostet Zeit-.

Zumindest hat sich mein Puls bei dieser Bummelei etwas beruhigt, so kann ich entspannt das Rad aufnehmen und ab geht’s auf die Radstrecke.

Der Aufstieg auf die eingeklicksten Radschuhe  klappt perfekt,  jetzt in Aero-Position und Tempo aufnehmen. Das mit dem Tempo will aber nicht so richtig klappen. Ich muss ordentlich strampeln, komme aber nicht recht vom Fleck, schon die leichteste Steigung  bereitet mir Probleme. Das ging schon besser. Da macht sich das mangelnde Radtraining bemerkbar. Letztes Jahr hatte ich etliche Radkilometer mehr in den Beinen. Das rächt sich jetzt. Das Wetter hatte mir das ein oder andere Mal ein Strich durch die Rechnung gemacht, sodaß ich anstatt einer Radausfahrt durch das Münchner Umland, häufig bei einer Tour auf  dem Ergo durch das Vorabendeprogramm gelandet bin. Das ist halt doch was anderes.  Letztes Jahr konnte ich die komplette Strecke beim CST auf dem großen Blatt fahren. Heuer bin ich wie wild am Schalten und scheue mich auch nicht das kleine Blatt aufzulegen. Irgendwie muss ich ja wieder ins Ziel kommen.   Bei einer der ersten Steigungen zieht ein Junger Kerl an mir vorbei und lobt mein Radl.  „Ja mei, is des a scheees Radl“

–ja, aber am Berg macht halt der Motor schlapp-

entgegne ich und stelle fest, dass der Überholer exakt das gleiche Rad wie ich fährt.

-Es liegt also doch am Motor!-

Dort wo es runter geht, kann ich den „Teamkollegen“ aber wieder einholen.

-Masse läuft eben-

20x30-CHTI0573So liefern wir uns die nächsten 40 Kilometer ein ständiges Katz und Maus Spiel, nicht ohne beim jeweiligen Überholvorgang  gegenseitig das Rad zu lobpreisen, bzw. den Fahrer zu erniedrigen.  In der Teamwertung hatte dann schlussendlich der Jungspund die Nase vorn, kurz vor dem Ziel ist er nochmals an mir vorbei gezogen und stachelte mich noch  zu einem finalen Zielspurt an, ich war jedoch bereits im Begriff mich fürs Absteigen bereit zu machen.  Beim MRRC Sprint Triathlon im Mai habe ich ja beim Absteigen den Käfer gegeben, weil ich nicht schnell genug aus den Schuhen gekommen bin. Das  sollte mir nicht nochmal passieren.

Das Absteigen an der Linie hat dann auch wunderbar geklappt,  mit noch angeklicksten Schuhen schiebe ich das Rad in die Wechselzone und hänge es an die Stange, dann geht es weiter zum Kleiderbeutelständer. Hier herrscht bereits ein munteres Chaos. Durch die vielen Neoprenanzüge  hat der Kleiderständer gehörig an Volumen zugenommen. Viele Beutel sind runtergefallen, da die dafür vorgesehenen Schrauben etwas zu kurz geraten sind.  Mein Beutel ist zum Glück noch dort wo er hingehört, am Haken.

Schnell die Laufschuhe rausgefischt, und die Radjacke ausgezogen, und schon geht es ab auf die Laufstrecke. Im Eifer des Gefechtes habe ich aber vergessen meine Kappe aufzusetzen.

-Irgendwas ist halt immer-.

Da werde ich mir jetzt schön die Fontanelle verbrennen, denn mittlerweile ist die Sonne raus gekommen und von der frische des Morgens ist nichts mehr übrig geblieben. Aber  zum Glück ist es nicht so heiß wie im letzten Jahr.

Der Umstieg vom Rad zum Laufen ist immer der Hammer. Eben ist man noch mit über 60km/h den Berg runter gebraust und jetzt hat man das Gefühl man steht, wobei das Herz wie verrückt hämmert.

Der Garmin quittiert dann aber den ersten Kilometer mit einer 4:43 Pace. Von stehen kann daher keine Rede sein, zumindest nicht bei mir.  Auweia, das ist ein bisserl schnell für mich. Auf dem zweiten Kilometer bremst mich eine fiese Rampe, die es hier zu bezwingen gilt, aber mit einer 5er Pace bin ich immer noch viel zu schnell, wenn ich den Lauf ohne Gehpausen absolvieren möchte.

Wobei, wenn ich dieses Jahr das Ziel von 2:45 doch noch knacken will, muss ich jetzt gehörig Gas geben.  Da das Schwimmen nicht optimal war, ich den ersten Wechsel verbummel habe und auch auf dem Rad keine Zeit gut machen konnte, heißt es jetzt angreifen. Mal sehen was der alte Diesel noch hergibt.

Der dritte Kilometer ist dann wieder deutlich unter 5 Minuten. Ich blicke auf die Uhr, und  beginne zu rechnen. Wenn ich die 5er Pace weiter halten kann, könnte es  noch mit einer Sub 2:45 klappen.  Aber das wird eine harte Nummer. Ich kämpfe Kilometer um Kilometer.  Bis Kilometer 7 laufe ich jeweils eine 4:50. Die Rampe bei Km 7 zieht mir dann aber den Zahn.  Kann es sein, dass die Rampe steiler geworden ist? Ich bekomme prompt die Quittung,  5:10 und 5:11 für Kilometer sieben und acht.

-Der Tank ist leer-

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Ein hoffnungsloser Fall, kein Blick fürs andere Geschlecht…

Im Leben werde ich keine Mitteldistanz bestreiten, schießt es mir durch den Kopf, ich bin doch nicht verrückt. Weshalb kann ich eigentlich keine normale Midlifekrise haben wie alle anderen  Alterskollegen auch? Man könnte sich schön, ein unvernünftiges, aber überteuertes Auto kaufen, vielleicht sexuell etwas aushäusig werden und  alles wäre gut. Aber nein, mich hat die Krise voll am Sport-Haken, ich hechle hier wie ein bekloppter fast 3 Stunden durch das Chiemgau nur um ein paar Sekunden schneller als im letzten Jahr zu sein. Das juckt doch keine Sau, ob ich jetzt 2:45 oder 3:00 für meinen Triathlon brauche. Außer dem Veranstalter juckt es ohnehin niemanden, ob ich einen Triathlon laufe oder nicht.  Männer können so blöde sein.  Völlig im Tunnel renne ich sogar am Verpflegungstand vorbei ohne noch einen Schluck zu trinken, den ich jetzt aber dringend nötig hätte. Ich will dass es vorbei ist. Ich quäle mich über die letzen Kilometer und finishe unter Mobilisierung der letzten Kräfte dann doch noch mit einer Zeit von 2:44:22 meinen  zweiten Chiemsee  Triathlon.

-Tschaka !!!-

Hinter der Ziellinie gehe ich erstmal zu Boden. Hier erwartet mich Jens, der schon lange im Ziel ist  und jetzt unvorteilhafte Fotos  von mir macht.

Jens ist echt der Hammer, er hat in unserer Altersklasse den ersten Platz gemacht und im Gesamtranking ist er auf einen siebten Platz gekommen. Mein lieber Scholli, ich möchte ja nicht wissen welche Midlifekrise Jens momentan durchmacht 😉

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Und hier für die Zahlenfreaks den Triathlon im Telegram

Schwimmen (1,5km): 30:14 (22,00 min/km)

T1: 4:28

Bike (41,5km): 1:17:07 (32,0km/h)

T2: 2:15

Run (10,4km): 0:50:29 (4:50 min/km)

Die offizielle Zeit betrug übrigens  2:43:07  (Platz 68/219;  AK8/26) aber da scheint der Zeitmessung ein Fehler unterlaufen zu sein. Die Schwimmzeit ist zu kurz bemessen, bei mir offizielle 28:31. Ich denke da wurde die offizielle Uhr zu spät gestartet, oder gibt es in Chieming auch eine Zeitkrümmung?